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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Technoblut
Eingestellt am 03. 04. 2009 17:07


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Meerfrau
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Technoblut

Es war Hochsommer. Die Hundstage hatten Tag und Nacht fest im Griff. Doch Karl und Fritz st├Ârte die Hitze nicht. Sie liebten dieses Wetter und flogen gut gelaunt durch den Fichtenwald.
"Platz da!", schrie urpl├Âtzlich eine Stimme.
Erschrocken stoben Karl und Fritz auseinander. Gerade im rechten Moment, denn Erna und Minna konnten ihre K├Ârper nur mit viel M├╝he auf Kurs halten.
"Mein Gott!", br├╝llte Fritz. "Ihr konntet wohl wieder nicht genug bekommen?ÔÇť
"Halts Maul!", erwiderte Minna und umkurvte beide.
Erna hingegen sagte kein Wort, sondern kicherte unentwegt und schaukelte hinter Minna her.
"Die haben gesoffen", rief Karl entr├╝stet.
"Du bist wohl neidisch?",antwortete Fritz und brachte seine Fl├╝gel wieder in Schwung.
Beleidigt setzte sich auch Karl in Bewegung und folgte seinen Freunden.

Nacheinander steuerten sie auf den kleinen Waldsee zu. Voll gefressen landeten sie auf den Bl├Ąttern einer Brombeerhecke und rekelten sich gem├╝tlich in der Mittagssonne.
"Wo ist eigentlich Erich?", lallte Minna m├╝de.
"Der wollte heute zur Kuhwiese", antwortete Karl und schloss die Augen.
"Das ist doch viel zu gef├Ąhrlich", jammerte Erna.
"Du kennst doch Erich. Er liebt die Gefahr", erwiderte Fritz.

Erna lauschte dem Wind und wollte gerade in einen ihrer Fresstr├Ąume abhauen, als sie ein leises Zurren vernahm. M├╝hsam hob sie den Kopf.
"Er ist da!", schrie sie so laut, dass ihr Bauch zu wackeln begann.
"Und das sogar in zweifacher Ausf├╝hrung", sabbelte Minna und blinzelte heftig.

Erich und Fritz atmeten erleichtert auf und wollten ihren Freund sogleich in die Mangel nehmen.
Doch Erich hatte im Augenblick ├╝berhaupt keine Zeit f├╝r sie, denn auch Lisa war nach Hause gekommen und hatte es sich auf einem Wasserrosenblatt bequem gemacht. Angezogen von ihrem leuchtend gr├╝nen Kleid, flog Erich eilig auf sie zu.

"Du solltest vorsichtiger sein", riefen ihm Fritz und Karl hinterher.
"Ja, genau", lallte Frieda und rollte sich auf die andere Seite.

Aber Erich scherte sich nicht um ihre Warnungen. Schon von Weitem rief er ihren Namen und versuchte trotz seines vollen Bauches schneller zu fliegen. Fast w├Ąre er dabei mit Herrn Gelblich zusammen gesto├čen.

"Angeber!", rief ihm Erich hinterher.
"Luser!", schrie Gelblich zur├╝ck und setzte noch einen drauf.
"Du solltest dir mal einen neuen Anzug zulegen. Grau ist unmodern und sieht ├Âde aus."

Am liebsten w├Ąre Erich ihm gefolgt, aber momentan war er einfach zu unbeweglich. Au├čerdem wollte er Lisa begr├╝├čen.
Karl und Fritz beobachteten aus der Ferne sein Treiben. An Schlaf war jetzt nicht mehr zu denken. Ihre durchsichtigen Fl├╝gel zitterten vor Aufregung.
W├Ąhrendessen war Erich bei Lisa angekommen und h├╝stelte leise, um sie nicht abrupt aus dem Schlaf zu rei├čen. In sicherer Entfernung landete er auf einem Stein, der einen Erdh├╝gel kr├Ânte und betrachtete sie. Oh wie ist sie wundersch├Ân, dachte er und rollte mit den Augen. Wenn ich sie doch blo├č einmal aus der N├Ąhe betrachten k├Ânnte. Doch das w├Ąre viel zu gef├Ąhrlich gewesen. Auch jetzt war er eigentlich noch nicht weit genug entfernt, aber Lisa hatte ihm ihr Leben zu verdanken und z├╝gelte ihren Jagdtrieb, wenn er sie besuchte.

Sie mochte diesen kleinen unscheinbaren Blutsauger, der vor einer Woche wagemutig den Adebar von der Blumenwiese solange umschwirrte, bis er kein Interesse mehr an ihr hatte und sie sich in Sicherheit bringen konnte.
Lisa blinzelte verschlafen und quakte Erich ein fr├Âhliches Hallo zu. Erich h├╝pfte von einem Bein aufs andere, so freute er sich. Gerade wollte er ansetzen und Lisa von seinen morgendlichen Abenteuern berichten, als ihn ein harter Schlag traf und er durch die Luft gewirbelt wurde. Lisa quakte entsetzt auf, doch das nahm Erich schon nicht mehr wahr, denn der eifers├╝chtige Dr. Warze verschlang ihn ohne zu z├Âgern.
Unruhe kam auf. Erichs Freunde st├╝rzten herbei. Es war zu sp├Ąt. Traurig und w├╝tend zugleich schauten sie dem schmatzenden Dr. Warze nach, wie er im Schilfwald verschwand. Sie hatten es immer schon bef├╝rchtet, dass die Freundschaft mit Lisa kein gutes Ende nehmen w├╝rde. Betr├╝bt traten sie den R├╝ckflug an. Keiner sprach ein Wort.

Gegen Abend meldete sich bei den vier Freunden der Hunger. Angestrengt beratschlagten sie, wohin die Reise gehen sollte. Da hatte Minna pl├Âtzlich einen Einfall. Es war zwar gef├Ąhrlich, versprach aber eine Menge Abenteuer und Spa├č. Dazu k├Ânnten sie sich nach dem Ableben von Erich, so richtig austoben und ihrer Wut freien Lauf lassen. Nach einigem Z├Âgern stimmten die Freunde zu und machten sich auf den Weg. Minna flog vorweg, denn sie kannte den Ort ihrer Fressfreuden.

"Ich rieche sie", rief Karl hoch erfreut. "Es m├╝ssen eine Menge Menschen sein, denn ihr Duft ist sehr dominant."

Aufgeregt landeten die Freunde auf den Bl├Ąttern eines Holunderbaumes und be├Ąugten das Treiben. Ihre R├╝ssel zuckten nerv├Âs. Doch gerade als sie sich ins Get├╝mmel st├╝rzen wollten, traf sie eine ohrenbet├Ąubende Schallwelle. Wie erstarrt sa├čen sie da und konnten nicht einen Fl├╝gel bewegen. Erst nach einigen Minuten l├Âste sich Karl und flog davon. Mit einem B├╝ndel Moossterne kehrte er zur├╝ck. Eilig verstopften sie sich damit die Geh├Ârg├Ąnge. Ein Blick, ein Schrei und die Jagd begann.

Ihr Schlagruf:
"F├╝r Erich, jeder so viel, wie er vertragen kann!"

Die donnernde Technomusik st├Ârte sie nun nicht mehr. Ihre Begeisterung beim Anblick hunderter mit Schwei├č bedeckter Nahrungsquellen versetzte sie in einen Gl├╝cksrausch.

Karl und Fritz flogen direkt auf einen fetten Fleischklops zu, der gerade einen Liter Bier in sich sch├╝ttete. Sie landeten auf seinem gl├Ąnzenden nackten Bauch und stachen zu. Einige Sekunden sp├Ąter hob Fritz ruckartig den Kopf und begann zu kichern.

"Das schmeckt ja wunderbar. Ich fliege hier nicht wieder weg."

Mit Gewalt musste er von Karl entfernt werden, denn es drohte der Tod in Form einer riesigen Pranke. Leicht beduselt setzten sie ihre Suche fort und erblickten einige Meter weiter einen wunderbaren zarten Hals.

Erna und Minna hatten sich ebenfalls zusammen getan. Zwar waren sie nicht so mutig, um in das Get├╝mmel einzutauchen, aber auch am Rande gab es gen├╝gend Futter. Etwas Helles zog sie magisch an.

"Hurra, ein nackter Arsch", triumphierte Minna und st├╝rzte darauf zu.

Z├Âgernd folgte Erna. Dieser sich st├Ąndig auf und nieder bewegende Arsch war ihr nicht ganz geheuer. Doch die Gier trieb sie vorw├Ąrts.

"Auf ihn!", jubelten beide und trieben den Saugr├╝ssel ins schwitzende Fleisch.

Mit Freude entdeckten sie dann kurz danach unter ihrer zappelnden Nahrungsquelle noch eine zweite.

"Haben wir ein Gl├╝ck heute. Zwei auf einen Biss", frohlockte Minna und sprang eine Etage tiefer.

Erna folgte ihr.

Fritz und Karl hatten sich unterdessen getrennt. Karl hatte es auf eine Glatze abgesehen, die ihn f├Ârmlich anl├Ąchelte. Doch sein Weg dorthin war ├Ąu├čerst gef├Ąhrlich. Immer wieder musste er starken Luftbewegungen ausweichen. Mit letzter Kraft landete er in einem feuchten Biotop, klammerte sich fest und pr├╝fte die Lage. Schwei├čperlen drohten von oben und so musste er noch eine Etage h├Âher fliegen. Vor lauter Gier bemerkte Karl den Kunststoff nicht und stach einfach zu.

"Aua", br├╝llte er und verdrehte die Augen.

Traurig betrachtete er daraufhin sein Fresswerkzeug. Das war es f├╝r heute. Mit dem demolierten R├╝ssel war kein Tropfen Blut mehr zu tanken. Missmutig trat er den R├╝ckzug an.

Die halbe Nacht flogen sie umher. Ihre Stimmung war bestens. Die verseuchte Nahrung tat ihre Wirkung. Sie kicherten unentwegt und verloren allm├Ąhlich ihre K├Ârperkontrolle. Nur mit gro├čer M├╝he fanden sie ihren Holunderbaum wieder, wo der ungl├╝ckliche Karl bereits auf sie wartete. An den Heimweg war momentan nicht zu denken und so schliefen sie ihren Rausch an Ort und Stelle aus.






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