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Tee(ny)time
Eingestellt am 24. 03. 2000 00:00


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Sebastian Dalkowski
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2001

Werke: 33
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Tee(ny)time
Samstag Abend, in den Zimmern weiblicher Teenies. ├ťberall das gleiche Spiel, ├╝berall das gleiche Geschminke und Gehampele f├╝r die Party, die Party, die meist die n├Ąchste Beziehung mit einem neuen Suppenkaspar bringt. Stellvertretend f├╝r alle Babydiscoqueens hier ein authentischer Bericht ├╝ber Margarete Tiddeldit, von allen nur Schnullerschlampe genannt, da sie erst f├╝nfzehn, aber immer offen f├╝r neues war.
Es war kurz vor acht, als Margarete ihre umfangreichen Umbauma├čnahmen an ihrem Gesicht beendete. Vor genau drei Stunden hatte sie die allw├Âchentliche Prozedur mit einer ausgiebigen Dusche begonnen, was ungef├Ąhr den Inhalt des Bodensees verbrauchte. Danach hatte sie sich ordentlich mit ihrem extra weichen, flauschig, herzig, Lammfell enthaltenden Handtuch abgeschrubbt und ihre Klamotten ├╝bergestreift, nachdem die Enthaarungscreme noch schnell ihre Wirkung auf Bein und Arm gezeigt hatte. Die hei├če Unterw├Ąsche von Mama, den Minirock (Welcher Minirock, ich sehe keinen!) von H&M, das wirklich entz├╝ckende und ├╝berhaupt nicht eng anliegende Top ebenfalls und nicht zu vergessen die Sch├╝hchen vom B├╝ffel. Danach folgte die Frisur, die mit drei Dosen Haarspray und ein wenig Alleskleber schon bald Form annahm. Doch damit war noch kein Ende in Sicht. Das Make-Up fehlte schlie├člich noch, nicht unwichtig im Leben einer erfolgreichen, jungen Dame. Purpurrot landete auf den Lippen, Marsm├Ąnnchengr├╝n auf den Wimpern, Sternhagelblau auf dem Lid und ein schmeichelndes Rosa auf den Wangen, Aprikose, Ananas, Kiwi, Pfirsich, Banane, Zitrone und den Rest des Obstkorbes in spr├╝hbarer Form landeten dagegen weniger auf der Haut als im gesamten Badezimmer. Noch schnell aufs Toilettenpapier gebissen und die drei Stunden waren vor├╝ber. Nun wartete Margarete ungeduldig auf ihre Freundin Caroline, von den meisten nur Flittchen f├╝r alles genannt. So unterschied sie sich kaum von Margarete, eigentlich von ├╝berhaupt keiner Gleichaltrigen. Die Schelle klingelte. „Mama, ich bin weg“, schrie sie, „ist nur ne kleine Teeparty.“ „Pass gut auf dich auf“, rief ihre Mutter, „und keinen Sex vor deiner Hochzeit. Vergi├č das nicht.“ Margarete lachte nur in sich hinein. Sie hatte kaum den Unterschied zwischen M├Ąnnlein und Weiblein gekannt, als sie diesen auch schon auf sich zukommen sah und bald darauf war er auch schon verschwunden. Vier Jahre war dies jetzt her, also elf verschenkte Jahre. Gut gelaunt ├Âffnete sie die T├╝r. „Da bist du ja endlich“, meinte ihre Freundin sauer, „dachtest du etwa, ich m├Âchte hier ├╝bernachten?“ „Mach mal halblang, du wei├čt genau, da├č du nicht vor unserer Haust├╝r schlafen sollst, also k├Ânnen wir?“ Sie stiegen ins Auto von Carolines Mutter und brausten zur Party. „Caroline“, meinte diese, bevor die beiden K├Ąfer ausstiegen, „keinen Sex vor der Hochzeit. Vergi├č das nicht.“ Caroline lachte nur in sich hinein. Der Grund ist ein paar Zeilen h├Âher zu finden. „So, dann nichts wie rein ins Get├╝mmel“, jauchzte Margarete, „voll drauf auf die echt versch├Ąrften Boys.“ Kreischend liefen sie der Musik entgegen und waren schon bald im Get├╝mmel verschwunden. Nun ist eine Beschreibung der Lage angebracht, um das Ausma├č dieser fast vollst├Ąndig unter Drogen stehenden Clans zu erl├Ąutern. Das ganze Haus war zum Partyzentrum umgestaltet worden und so konnten sich die G├Ąste in verschiedene Interessengr├╝ppchen splitten. In der Toilette standen die Vollblauen, die es so nicht mehr weit bis zu ihrer Wirkungsst├Ątte hatten, und quatschten ├╝ber den Kater und die S├╝├če am Morgen, die mit ihm Bett lag, ohne da├č man sich an sie erinnern konnte. Im Flur lagen jene, die schon ihr innerstes nach au├čen gekehrt hatten und vegetierten vor sich hin. In der K├╝che fand das Gro├čtreffen der Kochweiber statt, die ├╝ber das Ger├Ątearrangement diskutierten und ├╝ber den tieferen Sinn der Dunstabzugshaube philosophierten. Den tieferen Sinn suchten auch die Schlafzimmerspezies, n├Ąmlich den ihres P├╝ppchen, das unter ihnen auf der Matratze lag und sich mit dem klemmenden Rei├čverschlu├č ihres Helden abm├╝hte. Im Wohnzimmer schlie├člich fand die eigentliche Party statt, ein buntes Gemisch aus Kokains├╝chtigen, Haschs├╝chtigen, Teenieschw├Ąngernden, anderen Schwerverbrechern, Bordellbesitzern, M├Âchtegernmachos, M├Âchtegernmodels, Potenzzwergen, Schwangeren, Schminkpuppen, noch mal Schminkpuppen, Babys in Mamas bestem Cocktailkleid und ein kleiner, dreckiger Au├čenseiter, der zur Unterhaltung diente und in lila Unterhose am Kronleuchter baumelte. Genau das richtige Ambiente f├╝r Margarete. Es dauerte nicht lange, als auch schon ein Typ in einer Hose, die einem Christo zum Einh├╝llen des Reichtages gereicht h├Ątte, siegessicher auf sie zu schritt, seine Siegestroph├Ąen, die Bh’s seiner Eroberungen, am G├╝rtel baumelnd. Caroline war schon am Eingang mit Will Smith im Dunkeln verschwunden. „Hey, du schneckende Zuckers├╝├če, ├Ąh, ich meine du zuckers├╝├če Schnecke, bock auf Quatschen drau├čen im Garten oder erst ein Drink.“ Respektvoll griff er ihr an den Hintern (Dieses Wort wird in Jugendkreisen allerdings eher selten verwendet), also an den Arsch und schaute ihr tief in die leuchtenden Augen. Vielleicht lag es auch daran, da├č er schon ziemlich im Einflu├č von Mister Alkohol stand, sonst h├Ątte er sich noch nicht mal in den gleichen Raum mit ihr getraut. „Mmmm, klingt gut“, meinte Margarete, „du meinst es echt gut mit mir und hast mir noch nicht mal in den Ausschnitt gepackt.“ Schwupps, schon war es passiert. Sie l├Ąchelte und schon verzogen sie sich in den finsteren Garten. Kaum waren sie aus dem Sichtbereich der anderen, als der Junge auch schon zum (S)tier wurde und wie ein unter Strom stehender Pavian ├╝ber sie herfiel. „Mmmmmm, mmmmmm“, waren seine einzigen Worte. „Du sollst mich nicht essen“, sagte sie genervt, „du sollst mir H├Âhepunkt Nr. 164 bescheren, klaro?“ „├äh, wie, H├Âhepunkt“, stotterte er und tauchte wieder aus ihrem Oberteil auf, „also, ich wei├č nicht, also ich hab das doch bis jetzt nur im Fernsehe..., und na ja, kann ich nicht erst deine beiden Dinger n├Ąher kennenlernen?“ „Du Sau“, schrie Margarete und trat ihm kr├Ąftig auf die Zehen (Ich habe es nicht n├Âtig, mit anderen K├Ârperbereichen Witze zu machen, wie diverse Hochglanzkinokom├Âdien!), „du bist echt total unromantisch.“ Sie nahm ihr T├Ąschchen und verschwand wieder trippelnd im Haus. Erst mal frisch machen, die crazy Frisur aus der „Coole Bienen Zeitschrift“ sa├č nicht mehr richtig. Doch da geschah es, auf dem Weg dorthin, vor einem sich entleerenden Siebenj├Ąhrigen, neben einem innigen P├Ąrchen (Oh, das war ja sogar ein Trio, diese Jugend heutzutage!), um halb zehn MEZ, einen Meter von der Damentoilette entfernt, traf sie ihn, den blonden Adonis mit dem s├╝├čen L├Ącheln eines italienischen Eisverk├Ąufers im Hochsommer und der Figur eines nordischen Wikingernachfahrens mit Hormon├╝berschuss in den Oberarmen und dem Teint (T├Ą oder so) eines Sonnenbankbesitzers in der W├╝ste. Alles andere verblasste in seiner Anwesenheit, fast schien es, als w├╝rden die restlichen Partysten (kleine Wortsch├Âpfung von mir) vor ihm knien und um Verzeihung bitten, da├č sie ihn mit ihrer Anwesenheit bel├Ąstigten. Alle G├Âtter, von Zeus bis Mars, mu├čten sich in ihm vereinigt haben, nur der Heiligenkranz des Allm├Ąchtigen fehlte noch, der Elektriker hatte noch Schwierigkeiten mit den Gl├╝hbirnen. Mit k├╝hnem Gang schritt er auf die zitternde Margarete zu, erhob seine Stimme und fragte k├╝hn: „Kannst du mir vielleicht die ├Âkonomisch, ├Âkologische Wirksamkeit des antipragmatischen, interzellul├Ąren Stoffwechsel des Dreieckssatzes im Teigmantel erkl├Ąren, ich habe da heute was dr├╝ber gelesen, aber nicht so richtig verstanden.“ „Nat├╝rlich k├Ânnen wir uns ins Schlafzimmer zur├╝ckziehen“, antwortete das erstarrte M├Ądchen, „oder was war noch mal die Frage?“ „Schlafzimmer? Ne, eigentlich nicht.“ „Komisch, alle wollen mit mir die Matratze testen und du, du willst.., ja was willst du eigentlich?“ „Wie w├Ąre es zuerst mal mit einer Apfelschorle und ein paar Butterkeksen und dann k├Ânnten wir uns..“ „Unauff├Ąllig ein lauschiges Pl├Ątzchen suchen“, erg├Ąnzte das M├Ądchen strahlend und schaute ihn mit gl├Ąnzenden, gro├čen Augen an. Amor hatte ganze Arbeit geleistet. „Nein, eigentlich meinte ich die Entstehung der Schwerkraft, wir k├Ânnten prima dr├╝ber diskutieren.“ „Schwerkraft? Meine beiden runden Freunde haben eine gro├če Schwerkraft“, versuchte sie es erneut. „Wo, ich sehe keinen von deinen Freunden“, meinte er, „aber komm, gehen wir in den Garten und reden ein bi├čchen.“ „Also doch“, stellte sie grinsend fest und checkte im Geheimspiegel unter dem Nagel ihre linken Zeigefingers noch einmal ihr ├Ąu├čeres Erscheinungsbild. „Anal, oral, diagonal, kreuz und quer, Missionarsstellung, L├Âffelchenstellung.“ Der Junge schaute nur verdutzt. „Was meinst du?“ „Na, wie du es am liebsten magst“, erwiderte sie. „├äh, am liebsten sind mir tiefsinnige Gespr├Ąche ├╝ber Physik, mein Lieblingsthema.“ Margarete klappte innerlich zusammen. „Fisik, hab ich schon mal was von geh├Ârt, soll ganz lustig sein, sagt mein Lehrer.“ „Spannend ist es und heute ist ein ganz besonderer Tag, wie du sicherlich wei├čt.“ Das M├Ądchen dachte nach. „Ja, stimmt, wir haben heute Vollmond“, sagte sie grinsend und umfasste seine butterweichen H├Ąnde. „Also bitte, wenn interessiert denn das“, entgegnete ihr Gegen├╝ber und zog ver├Ąrgert seine H├Ąnde zur├╝ck, „Albert Einstein hat heute Hochzeitstag, wenn er doch noch unter uns sein w├╝rde.“ „Ach genau, wu├čte ich doch, da├č ich was vergessen hatte“, lachte das M├Ądchen , „Albert Einstein, wer kennt ihn nicht, den gro├čen Maler des ausgehenden 20. Jahrhunderts, das Genie der impressionistischen Landschaftsmalereien.“ „Scheinst mir nicht besonders clever zu sein“, stellte er fest. „Ach, wei├čt du“, gab sie zur├╝ck, „Bildung ist was f├╝r M├Ąnner, ich dagegen habe Arsch und Titten.“ „Also, wenn ich mal heirate, dann mu├č meine Partnerin aber schon eine geh├Ârige Portion Bildung besitzen“, meinte er. „├äh, was habe ich gerade gesagt“, stotterte Margarete, „ich meinte nat├╝rlich, Bildung ist so wichtig wie das t├Ągliche Brot.“ „Prima Einstellung von dir, dann sind wir ja unter Kollegen. Also, was sagst du zur Neutronenwanderung im elektrischen Magnetfeld. Irre, oder?“ „Pffffff“, entfuhr es dem M├Ądchen, eigentlich nur auf seine Augen konzentriert, „Wanderung, ja, ├Ąhm, Wandertag finde ich meistens echt ├Âde, h├Ą, h├Ą, aber k├Ânnten wir nicht wenigstens erst mal ne Runde knutschen, deine Lippen sehen so einladend aus.“ „Ja wie, du willst knutschen“, fragte er verdattert, „also, du wei├čt schon, was da f├╝r chemische Abg├Ąnge vonstatten gehen, von wegen Speichelverlust und Neutronensplitterung.“ „Bitte, bitte“, flehte das kleine M├Ądchen, „vergi├č doch mal f├╝r einen Moment die Naturwissenschaften und wende dich mir zu, merkst du nicht, wie scharf du mich machst, du Elekronenbomber.“ „Wenn du mir die Vorg├Ąnge der atomaren Spaltung bei einem Plutoniumteilchen erkl├Ąren kannst, dann w├Ąre ich durchaus gewillt mal die Sau raus zu lassen.“ „Ach neeeee, bitte nicht“, pl├Ąrrte sie, „geht es nicht etwas leichter.“ „Na, dann eben nicht“, meinte er gleichg├╝ltig, „tsch├╝s, war sch├Ân mit dir geplaudert zu haben.“ Ohne noch einmal zur├╝ckzuschauen verschwand er im Dunkel der Nacht und tauchte nicht wieder auf. Margarete war am Boden zerst├Ârt. Es war erst halb elf und sie hatte noch keine Schweinerei zustande gebracht. Neidisch schaute sie zu ihrer Freundin Caroline die mit drei Pubert├Ątsneulingen Speichelaustausch betrieb und immer wieder uners├Ąttlich ├╝ber sie herfiel. Sie dagegen stand alleine auf dem Rasen, verlassen vom gesamten Universum, noch nicht einmal betrunken, was bei ihr ungef├Ąhr ├╝berhaupt nicht vorkam, der Lippenstift nicht verschmiert, nicht schwanger, kurz gesagt, nicht das w├╝rdige Ende einer Party. Da mu├čte doch noch etwas kommen. „Quak.“ Was war das? Sie schaute sich um, und da erkannte sie ganz schwach, vom Mantel der Finsternis verdeckt, einen kleinen, gr├╝nen Frosch, der sie mit gro├čen, gl├Ąnzenden Augen ansah. Sofort scho├č ihr das M├Ąrchen vom verwunschenen Prinzen in den Kopf und etwas z├Âgernd b├╝ckte sie sich und n├Ąherte sich mit ihren Lippen langsam dem Frosch. Schmatz, schon plazierte sie diese geschickt auf den seinen. Wie vom Schlag getroffen fiel der Frosch tot um und machte keinen Mucks mehr. Er war mausetot. Der Lippenstift war doch eine Spur zu hart f├╝r ihn gewesen. Margarete begann zu schluchzen. Nun war nicht nur ein Tier draufgegangen, nein, sie stank nun f├╝rchterlich nach Amphibienschleim. Der Abend war gelaufen. Heulend stapfte sie ├╝ber die Wiese in Richtung Stra├če, um sich vom n├Ąchsten Anhalter betatschen zu lassen, als sie mit jemandem zusammenstie├č und horizontal niederfiel. Mit dr├Âhnendem Kopf lag sie nun auf dem Boden und ├╝ber ihr erschien das Gesicht eines durchaus akzeptablen Jungen, der seine Stimme erhob und fragte: „Jetzt wo du schon mal so passend daliegst, k├Ânnten wir doch...“ Unschuldig klatschte er einmal in seine H├Ąnden. Das Kindergartenkind l├Ąchelte. Ihre Augen gl├Ąnzten, als sie mit dem Kopf nickte und ihre Arme um ihn schlang. Es gab also doch noch Jungen, die wu├čten, was sich geh├Ârte. Der Abend war gerettet.

(├ťbernommen aus der 'Alten Leselupe'.
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