Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5535
Themen:   94730
Momentan online:
165 Gäste und 5 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Telefonterror
Eingestellt am 22. 07. 2017 16:25


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
fossie
Festzeitungsschreiber
Registriert: Mar 2017

Werke: 4
Kommentare: 2
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um fossie eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Es gibt Tage, an denen man vor dem Computer sitzt und einem partout keine neue Geschichte einfallen will, mit der man seine Zuh├Ârer begl├╝cken k├Ânnte. Der Zufall will es, dass dann auf einmal das Telefon klingelt und man bekommt, was man will.
"Guten Tag, spreche ich mit Frau Meier-L├╝denscheidt?"
"Wer will das wissen?"
"Mein Name ist Kr├╝ger und ich bin von der deutschen Telekom. Ist es vielleicht jetzt m├Âglich, sie zu sprechen?"
Mit allem habe ich gerechnet, nur nicht damit. "Nein, die ist nicht da."
Vor├╝bergehende Zuversicht, dass er wieder auflegen k├Ânnte, aber er bleibt hartn├Ąckig.
"Ach, dann sind Sie Herr Meier-L├╝denscheidt?"
Bl├Âde Frage, denke ich mir, ich hei├če Dr. Kl├Âpner und sitze mit meiner Gummi-Ente in der Badewanne, wo ich nicht von Menschen wie ihm bel├Ąstigt werden will.
Es folgt einer der t├Ąglich meistgesprochenen S├Ątze in Deutschland: "Ich hei├če Meier", dabei klinge ich so unfreundlich wie m├Âglich.
"Herr Meier, ich habe da etwas f├╝r Sie, was Sie garantiert nicht ablehnen k├Ânnen."
Spontan kommt mir Goethe`s "Faust" in den Sinn. Gespannte Erwartung, auch wenn ich schon ahne, was folgt.
"Ich k├Ânnte es garantiert nicht ablehnen, wenn Sie sagen w├╝rden, ich lege wieder auf", versuche ich dennoch, jegliche weitere Kommunikation im Keim zu ersticken.
Nat├╝rlich geht Kr├╝ger darauf gar nicht ein. "F├╝r Sie und Ihre Frau habe ich ein Super-Angebot: Die Family-Card zu einem Aktionspreis von 17,95 Euro monatlich bei einem Abschluss bis zum 31.Juli. Damit k├Ânnen Sie ann├Ąhernd 240 Euro im Jahr sparen."
Die werden mir beim n├Ąchsten Einkommenssteuer-Jahresausgleich vom Finanzamt sowieso wieder abgekn├Âpft. In was f├╝r einer Welt lebt der eigentlich, denke ich mir. Immerhin kann er rechnen, ist er vielleicht Mathematiker?
Ich versuche, vom Thema abzulenken. "Sagen sie, sind Sie gl├╝cklich in Ihrem Beruf?"
"Eigentlich nicht, aber ich muss Frau und Kinder davon ern├Ąhren k├Ânnen."
Kurzzeitig keimt Mitleid in mir auf. "Das ist doch sicher ziemlich ├Âde, wenn man den ganzen Tag telefonieren muss. Es gibt doch garantiert was Besseres, wie Immobilienmakler zum Beispiel." Eine aktuelle Metapher f├╝r ein Pr├Ąsidentenamt. Toller spontaner Einfall meinerseits.
"Ich konnte mir das eben nicht aussuchen. tut mir leid. Also, interessieren sie sich f├╝r diesen Vertrag?"
"Haben sie denn nichts anderes gelernt?", hake ich jetzt nach, im Alter ist man eben so direkt.
"Doch, ich habe sogar alles M├Âgliche studiert, aber leider keine Stelle gefunden."
Ich bin schockiert. Ein Akademiker, der Telefonwerbung betreibt? Wo gibt`s denn so was?
Ich will mehr wissen. "Was haben sie denn studiert?"
"Na, zum Beispiel ÔÇŽ zum Beispiel ÔÇŽ Jura."
Die Antwort hat lange gedauert. Trotzdem, ein Rechtsanwalt bei der Telekom? Ich mache mir meinen eigenen Reim darauf.
"Ach so, verstehe, Herr Kr├╝ger, Sie m├╝ssen zuerst ├╝berall in Ihrer Firma ein Praktikum absolvieren, bevor man sie als Rechtsverdreher vor Gericht losl├Ąsst." Ich atme auf, denn anscheinend findet man f├╝r studierte Menschen doch noch die angemessene Verwendung, auch bei der Telekom. Gl├╝cklicherweise ist unser Land bildungsm├Ą├čig noch nicht am Boden.
"Nein, das verstehen sie falsch. Ich bin hier nur auf 400-Euro-Basis besch├Ąftigt, nicht mehr und nicht weniger. Glauben sie mir, ich w├╝rde auch gerne etwas anderes machen, als Telefonvertr├Ąge zu verkaufen."
"So was denn zum Beispiel? Vielleicht etwas K├╝nstlerisches, Kreatives?"
"Wenn sie mich so fragen, dann w├╝rde ich gern malen."
"Verstehe, Sie fertigen gerne Phantombilder an, so k├Ânnen Sie als Jurist das Angenehme mit dem N├╝tzlichen verbinden."
"Nein, ich meine auf Leinwand."
Jetzt kapiere ich ├╝berhaupt nichts mehr. Wie bringt man ein Gem├Ąlde in einer Gerichtsakte unter?
Er f├Ąhrt unbeirrt fort. "Leider verdient man ja damit heutzutage nicht viel, wenn man nicht gerade ber├╝hmt ist. Wahrscheinlich reicht es nicht einmal, dass ich meine Familie damit ern├Ąhren k├Ânnte. Womit wir wieder beim Thema w├Ąren. Soll ich Ihnen das mit der Familiy-Card mal erkl├Ąren?"
"Mich interessiert nur meine EC-Karte. Mit der bezahle ich am liebsten, weil ich dabei nicht sehe, wie mein Kontostand immer mehr von der Schwindsucht heimgesucht wird." Ich versuche ihn damit weiter davon abzubringen, mir etwas verkaufen zu wollen.
"F├╝r die Family Card ben├Âtigen Sie ein Smartphone. Haben Sie denn sowas?"
"Nein, wir besitzen nur ein Handy aus dem Pleistoz├Ąn, das 2400 Millionen Jahre alt ist und das ich in einer H├Âhle gefunden habe, weil es dort jemand wahrscheinlich auf der Flucht vor einem Saurier liegengelassen hat. Zum Gl├╝ck kann man damit schon SMS schreiben und sogar telefonieren. Uns gen├╝gt es, denn in unserem Alter ist man da nicht mehr so empf├Ąnglich f├╝r modernere Sachen."
"Naja, da n├╝tzt so ein Vertrag nat├╝rlich nicht viel. aber wenn sie sich ein Smartphone zulegen w├╝rden, k├Ânnte ich Ihnen diesen Tarif superg├╝nstig verkaufen. So billig bekommen sie es nicht mehr von der Telekom und das eben nur bis zur zum 31. Juli, 2017 nat├╝rlich."
"Gott bewahre, ich habe viele Jahre gebraucht, bis ich die Bedienung von diesem Handy verinnerlicht hatte und jetzt kommen Sie mir mit so einem neumodischen Kram daher."
Kurzes Schweigen. Vielleicht h├Ąlt er mich ja nun f├╝r einen besonders hoffnungslosen Fall und legt endlich auf. Dann k├Ânnte ich n├Ąmlich weitermachen und Windows 10 auf meinem Computer installieren.
"Haben Sie denn ein Laptop?" Kr├╝ger l├Ąsst nicht locker.
Jetzt hat er mich eiskalt erwischt. "Ja, wieso?"
"Mit dem k├Ânnten sie dann sogar ins Internet, wenn Sie unterwegs sein sollten, dank unseres Angebots. Au├čerdem m├Âchten sie doch bestimmt ab und zu ├╝berall erreichbar sein, oder?"
Langsam platzt mir der Kragen, ich ringe nach Luft. "Nein, eben nicht. Meinen Sie vielleicht, wenn ich im Wald spazieren gehe, dann nehme ich das Handy oder gar das Laptop mit? Da will ich meine Ruhe haben und nicht im Internet surfen oder zum Billigtarif telefonieren. Da kann ich gleich zuhause bleiben."
"Haben sie denn vielleicht ein Tablet?" Er zieht alle Register.
"Bitte, was?"
"Ein Tablet."
Ich versuche es mit der Idiotentour. "Ach so, ein Tablett. Ja, wir haben zumindest eines oder zwei davon zuhause. Das ist immer praktisch, wenn man G├Ąste hat. Mit dem Servieren, meine ich." Heimlich wende ich mich vom Telefon ab, weil ich selbst ├╝ber diesen Kalauer lachen muss.
Ich h├Âre ihn jetzt am anderen Ende der Leitung laut schnaufen.
"Wissen Sie, was? Wann ist denn Ihre Frau wieder daheim?"
"Warum interessiert Sie das?" Fehlte nur noch, dass er fragt, wann sie allein zuhause ist.
"Vielleicht m├Âchte die ja so einen Vertrag abschlie├čen."
"Halten sie mich f├╝r nicht m├╝ndig genug, dass ich das f├╝r uns Beide erledigen kann?"
"Doch nat├╝rlich, aber es k├Ânnte ja sein, dass sie anderer Meinung ist als Sie."
"Unsere Ehestreitigkeiten tragen wir immer noch untereinander aus. Da brauchen wir nicht die Telekom dazu."
"Trotzdem werde ich es nochmals probieren. Sagen wir acht Uhr?"
"Ein klares Nein. Au├čerdem haben wir Ihrer Firma mindestens schon hundertmal am Telefon zu verstehen gegeben, dass wir das bei einem Beratungsgespr├Ąch unter sechs Augen in einem Ihrer L├Ąden in der Stadt kl├Ąren werden, wenn wir eine ├änderung unseres Telefonvertrags w├╝nschen sollten."
"Diesen speziellen Vertrag kann ich Ihnen aber nur durchs Internet verkaufen."
Ich versuche, mich weiter bl├Âd zu stellen: "Wie soll ich den dann unterschreiben. Vielleicht mit Tinte auf dem Computerbildschirm? Das w├Ąre genauso d├Ąmlich, als wenn ich etwas auf der Mattscheibe ausradieren m├╝sste. Nochmals zum Mitschreiben. Ich will keinen neuen Vertrag. Haben sie das jetzt endlich kapiert?" Meine Toleranzgrenze ist gefallen und damit meine Laune im Keller.
"Ich rufe um acht Uhr Ihre Frau an."
"Tun Sie das. Ich werde gewappnet sein und den Anrufbeantworter einschalten."
"Sagen Sie blo├č, Sie haben noch einen richtig alten Anrufbeantworter?"
"Was dagegen?"
"Nein, aber ich h├Ątte da etwas f├╝r Sie ÔÇŽ"
Ich ziehe den Stecker aus der Telefonbuchse, nehme das Telefon und werfe es durchs offene Fenster auf die Stra├če.



__________________
hh

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


DocSchneider
Foren-Redakteur
H├Ąufig gelesener Autor

Registriert: Jan 2011

Werke: 136
Kommentare: 2447
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um DocSchneider eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo fossie,

bitte echte Markennamen vermeiden (Werbeverbot!) und Sie in der Anrede gro├č schreiben.

Die Geschichte geh├Ârt f├╝r mich eher in die Rubrik Humor und Satire. Du hast sie dahingehend doch sehr ├╝berspitzt.

Viele Gr├╝├če,
DS
__________________
Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals erm├╝dendem Lesen. (Virgina Woolf)

Bearbeiten/Löschen    


2 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.



Werbung