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Leselupe.de > Kurzprosa
Tequila Sunset
Eingestellt am 05. 07. 2009 22:00


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Inu
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Tequila sunset

‚Unfassbar', sagt Ulrike,
'was sie mit dem Jungen gemacht haben!'

Das ‚Eye T’, wo alles stattfand, ist kein mittelalterlich düsteres Loch.
Aytac, der Haupttäter, kein abgewrackter Spelunkenwirt mit Schmerbauch und verschlagenem Blick.
Die Mitverantwortlichen - selbst Teenager - sind keine leeren, verbrauchten Seelen. Auch keine Geisteskranken.
Lukas, das Opfer – ein Gymnasiast, sechzehn Jahre alt - ist kein schwaches, durch böswillige 'Freunde' zum Saufen verführtes Kind.

Nein, Lukas hat bereits Alk-Erfahrung, heiĂźt es.
Ein Minderjähriger ist dieser hoch gewachsene Junge zwar, aber kein Hilfloser. Und … er hat von sich aus diesen Blödsinn veranstaltet.
Offensichtlich.
Er war es, der Aytac, den Wirt, zur Wette animiert hat.


'NatĂĽrlich haben sie den Jungen umgebracht,
es war Mord', behauptet Ulrike.

Spätestens nach dem dreißigsten Schnaps
muss Lukas halbwegs hinĂĽber gewesen sein,
sein Hirn bereits von Nebelschwaden durchwallt.

Fasziniert mĂĽssen alle die Szene beobachtet haben:
wie Lukas, der lange Zeit großmäulig gewesen ist,
immer stiller wird.
Der kriegt nichts mehr mit,
die Gedanken fließen ihm weg …
- o, ist ihm schlecht -
aber im Kern bleibt er ganz er selbst:
ein Siegertyp. Gewinnen will er.
Sie erwarten das von ihm, so glaubt er,
während sein Sonnenuntergang schon beginnt.
Er hält was aus. Dafür werden sie ihn respektieren.
Und erst die Mädchen …

Es geht um viel,
um all das,
was ein Sechzehnjähriger erträumt:
Angenommensein und die Bewunderung der Clique.

Die anderen
feuern ihn an
und sehen mit Lust und Grauen zu,
wie der Wirt den Jungen weiterhin abfüllen lässt,
er, Aytac, der selbst unbeirrt
Glas um Glas hinunter kippt.

Strichlisten werden gefĂĽhrt:
Wer von beiden wird zuerst aufgeben?

Schön brav trinkt der Junge.
Tequila.
Der Wirt lässt sich längst schon Wasser einschänken.
Aber er ist kein Bösewicht.
Nur schlau.
Der fĂĽnfzigste Schnaps ist fĂĽr Lukas der letzte. Seine Augen sehen nichts mehr. Sein Kopf sinkt auf die Theke.
Es ist vorbei.

Wenn sie das gewusst hätten! Die anderen. Die Kumpel.
Was für ein schreckliches Missverständnis, das Ganze.
Saudumm gelaufen.
Aytac ist doch kein Sadist.
Und sie sind keine schlechten Menschen.
Lukas ist selber schuld.
Und: shit happens.

Worum ging eigentlich die Wette ?



Version vom 05. 07. 2009 22:00
Version vom 05. 07. 2009 22:17
Version vom 05. 07. 2009 23:07
Version vom 05. 07. 2009 23:26
Version vom 05. 07. 2009 23:47

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Heidrun D.
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Inu,

die Verbindung zwischen Prosa und Lyrik ist dir vortrefflich gelungen und spricht mich sehr an.

Das Szenario eines Kampftrinkens, wie es leider immer wieder vorkommt, schilderst du authentisch, bis auf eine geäußerte Vermutung, deren Gehalt ich anders einschätze:

Mittlerweile beteiligen sich zwar auch Mädchen an den geschilderten Ritualen, die mich teilweise an die Saufgelage ehemaliger Burschenschaftler erinnern , sind aber doch so ursächlich maskulin geprägt, dass ich nicht glaube, dass es den Protagonisten hierbei um Liebe geht. Sondern eben "nur" um "Respekt", der in der Welt männlicher Heranwachsender eine mindestens ebenso große Rolle spielt.

Der Schluss ist super herausgearbeitet, besonders die letzte (offene) Frage.

Liebe GrĂĽĂźe
Heidrun

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