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Leselupe.de > Kurzgeschichten
The Final Hour
Eingestellt am 17. 10. 2000 18:10


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paradise_lost
Hobbydichter
Registriert: Oct 2000

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The Final Hour

Marc Burgess sa├č zusammengesunken auf der Matratze seines rostigen Metallbettes. Im Mundwinkel hatte er eine brennende Benson&Hedges, doch er hatte schon mehre Minuten nicht mehr daran gezogen. Die von Zeit zu Zeit herabfallende Asche sammelte sich auf dem gefleckten Linoleumboden und bildete dort ein kleines H├Ąufchen. Seine Finger trommelten hektisch auf den kr├Ąftigen Oberschenkeln, die in der unbequemen orangefarbenen Anstalltskleidung steckten, seine F├╝├če wippten in einem monotonen, immer gleichbleibenden Rhythmus,

Tack.....Tack....Tack......Tack.

Immer wieder wurde sein K├Ârper von heftigen Kr├Ąmpfen gesch├╝ttelt, er konnte die wiederkehrende Angst einfach nicht mehr unterdr├╝cken. Seine Hoffnung auf Begnadigung hatte er schon Stunden zuvor begraben m├╝ssen, als der Gouverneur sein Gnadengesuch abgelehnt und den Zeitpunkt der Urteilsvollstreckung best├Ątigt hatte. Die Luft um ihn herum schien zu brennen, l├Ąngst hatte er vergessen, wo er sich befand, wer er war und welch schweren Gang er in wenigen Stunden anzutreten hatte.

Es war Mitternacht und Mark Burgess hatte noch genau sechs Stunden zu leben.

Er war in seiner Zelle umhergelaufen, gefangen, wie ein wildes Tier in einem K├Ąfig, nach einem Ausweg suchend und doch mit dem Bewu├čtsein, da├č es diesen Ausweg nicht gab und auch nicht geben w├╝rde. Er hatte gebr├╝llt, in unbeschreiblicher Wut geborene Schreie des Hasses ausgesto├čen, geschluchzt wie ein kleines von seiner Mutter
verlassenes Kind. Er hatte in schierer Verzweiflung gegen die Zellent├╝r geh├Ąmmert bis seine H├Ąnde zu bluten begannen, er die unbeschreiblichen Schmerzen nicht mehr ertragen konnte. Er hatte mit den F├╝├čen gegen die W├Ąnde getreten, wieder und wieder bis das Flackern des aufkeimenden Wahnsinns in seinen Augen einem Ausdruck des blanken Entsetzens und der nackten Angst gewichen war. Erst da hatte er die Kontrolle ├╝ber seinen gemarterten K├Ârper einigerma├čen zur├╝ckerlangt. Er weinte, aus den Tiefen seiner Seele str├Âmten die Tr├Ąnen, begreifend, da├č das Unfa├čbare unumst├Â├člich war und das Schicksal unaufhaltsam seinen Lauf nahm.

Es war zwei Uhr nachts und Marc Burgess hatte noch genau 4 Stunden zu leben.

Er schwebte in v├Âlliger Dunkelheit, fiel durch ein endloses schwarzes Nichts. Er war ohne Gef├╝hl f├╝r Bewegung oder Richtung, sp├╝rte nicht den geringsten Luftzug auf seiner Haut. Durfte man eine Existenz in dieser konturlosen Dunkelheit in der man weder f├╝hlen noch h├Âren konnte ├╝berhaupt noch als LEBEN bezeichnen, oder hatte er seine Reise in den Tod bereits angetreten? Er schien wach zu sein, begann langsam, seine Umgebung wahrzunehmen schemenhafte Bewegungen in der Zelle, leise Ger├Ąusche. Er versuchte seine Augen zu ├Âffnen, aber seine Lider schienen ihm nicht zu gehorchen. Ein schwacher Lichtschein, der langsam heller wurde, wie die Morgensonne hinter sich aufl├Âsenden Nebelschwaden. Aber dies war kein Tageslicht. Umrisse nahmen Formen an und er registrierte in den Tiefen seines Unterbewu├čtseins, da├č er in der Zelle nicht mehr alleine war.

Es war vier Uhr morgens und Marc Burgess hatte noch genau 2 Stunden zu leben.

Vor ihm stand ein schwarz gelockter Engel. Sie tauchte wage ├╝ber ihm aus der Finsternis auf. Ein aufflackern von kaum wahrnehmbarer Bewegung. Er war ein Blinder und als ein Blinder versuchte er nach ihr zu greifen. Er bekam sie am R├╝cken zu fassen und zog sie n├Ąher zu sich heran. Lippen auf seinem Hals, seinem Gesicht, seinem Mund. Sie machte Anstalten sich zur├╝ckzuziehen, doch er hielt sie fest an sich gedr├╝ckt. Seine Arme umschlangen ihre Schultern. Sein Gesicht war in ihrem wirren, feinen Haar vergraben. Mit seiner Hand strich er ihr die Str├Ąhnen aus der Stirn nach hinten. Dann zeichnete er mit den Fingerspitzen ihre Augenbrauen nach. Ber├╝hrte sanft ihre geschlossenen Augen Er sch├Ąmte sich seines Verlangens, schockiert ├╝ber sein Bed├╝rfnis sich der Logik und aller moralischen Bedenken zu entledigen. Er wu├čte nicht was dieses perfide Spiel in Bewegung gesetzt hatte, wollte es auch gar nicht wissen, verschlo├č sich selbst gegen├╝ber der Realit├Ąt und ├╝berlie├č sich dem s├╝├čen Vergessen. Er empfand ihre anhaltende Hitze, das prickelnde Gef├╝hl ihrer Ber├╝hrungen als so real, da├č er kaum glauben wollte, da├č sie nicht tats├Ąchlich bei ihm sein sollte. Lippen ber├╝hrten eine seiner Brustwarzen, dann die andere. Er sp├╝rte das Z├╝ngeln einer brennenden Zunge an seinem Nabel, an seinem Bauch herunter wandern. Er hielt die Luft an, wagte nicht zu atmen. Dann sp├╝rte er die feuchte, sengende Hitze als sich ihre Lippen um ihn schlossen. Er versteifte sich und ergab sich dem Sog der ungez├╝gelten Leidenschaft. Sein Verstand verlie├č die Welt der Vernunft und tauchte ein in eine Welt die nur aus Empfindungen bestand. Jedes Seufzen ert├Ânte genau zum richtigen Zeitpunkt, kein falsches Wort erklang. Die beiden K├Ârper schienen miteinander zu verschmelzen, sich dem geheimnisvollen Rhythmus von Ebbe und Flut anzupassen. Ihre Vereinigung ging ├╝ber alles weltliche hinaus wurde f├╝r ihn zu einer mystischen Erfahrung .....

Es war f├╝nf Uhr morgens und Marc Burgess hatte noch genau 1 Stunde zu leben.

Er f├╝hrte eine Hand an seinen Hinterkopf und zuckte unter den pl├Âtzlichen scharfen Schmerzen zusammen. Er lag noch immer auf dem Boden und die nebligen roten Schatten die an der Decke tanzten, verwirrten ihn f├╝r ein paar Sekunden. Langsam begann sein Kopf klar zu werden , doch als er sich auf einem Ellbogen aufzurichten versuchte, drehte sich der Raum wie verzerrt und er sank erneut zur├╝ck, und bedeckte seine Augen mit beiden H├Ąnden. Erst als er Ger├Ąusche h├Ârte, senkte er seine H├Ąnde wieder und blinzelte. Er erhob sich jedoch nicht w├Ąhrend er seinen Kopf vorsichtig herumdrehte. Pl├Âtzlich durchzuckte ihn die Erinnerung, drang unaufhaltsam in sein benommenes Gehirn. Hatte es begonnen ? War dies der Augenblick, vor dem er sich so lange gef├╝rchtet, den er zugleich aber auch so sehr herbeigesehnt hatte ? " Hilf ... mir", presste er zwischen seinen geschundenen Lippen hervor, " bitte .... hilf .... mir", er war unf├Ąhig sich zu erheben..

Sie stand in der Ecke,unglaublich sch├Ân, von einem sanften inneren Leuchten erstrahlt. Ihre Stimme klang wie eine sanfte Brise in den Wipfeln der B├Ąume als sie zu ihm sprach
" Ich darf Dir nicht helfen,Marc, und ich k├Ânnte es auch gar nicht. Dies steht nicht in meiner Macht. Wenn es an der Zeit ist werde ich Dich von Deinen Schmerzen erl├Âsen" "
Aber ich bin unschuldig" "Ich wei├č Marc, wir alle wissen es. Doch was spielt das f├╝r eine Rolle ?"

Es war 5 Uhr 45 am Morgen. Marc Burgess hatte noch genau 15 Minuten zu leben.

Sie ging schweigend neben ihm her, als er, an Armen und Beinen gefesselt, die wenigen Meter zum Hinrichtungsraum zur├╝cklegte. Ihre Blicke trafen sich, als er, auf die harte
Bahre geschnallt, den Einstich der Nadel in seiner rechten Armbeuge versp├╝rte. Er zuckte, er wand sich, Speichel rann aus seinem Mund, pl├Âtzlich b├Ąumte sich sein K├Ârper in seinem letzten verzweifelten Todeskampf noch einmal auf, sein Blick die ganze Zeit auf ihre trostspendenden, dunklen Augen gerichtet, dann fiel er leblos in sich zusammen. Sie l├Ąchelte.

Es war 6.03 an einem kalten, sonnigen Wintertag. Marc Burgess war tot

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