Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92250
Momentan online:
70 Gäste und 1 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
The Fountain – Eindrücke eines Kinoabends
Eingestellt am 20. 01. 2007 10:26


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

The Fountain
Eindrücke eines Kinoabends


Der Film spaltet. Mich auch. Was für ein Epos! Was für eine Verschwendung! Was für ein Anspruch, was für banales Herummystizieren! Was für brillante Schauspieler! – Das wenigstens bleibt ohne „aber“.

Ich war froh, dass ich die Story von diversen Ankündigungen her schon kannte, sonst hätte ich mich darin verlaufen. Die offizielle Beschreibung sagt, es sei eine Geschichte, die sich auf drei Zeitebenen abspielt, sich über 1000 Jahre hinzieht. Die zentrale Story ist die von Tommy, dessen Frau Izzi an einem aggressiven Tumor sterben wird. Es sei denn, Tommys Forschungen bringen rechtzeitig ein Heilmittel hervor. Die Rinde eines Baumes aus dem Regenwald Guatemalas scheint die Lösung. In der Erzählebene in der Vergangenheit sucht Konquistador Tomas gleich den ganzen Baum, den Baum des Lebens, ein zentrales Heiligtum der Maya. In deren Religion liegt die Unterwelt – der Ort, wo Tote wieder Leben bekommen – in einem Sternennebel namens Xibalba. Dahin nun bringt der Tom der Zukunft einen Baum, in dem offenbar Izzi „lebt“. Er erinnert sich an die Zeit als Tommy, oder vielleicht fantasiert er auch nur sehr lebhaft, wer weiß. Einige meinen, die Konquistador-Story fände lediglich in dem von Izzi angesichts ihre nahen Todes geschriebenen Buches statt. Details im Film legen außerdem nahe, dass die Zukunft so zukünftig nicht sein kann. Dann wiederum deuten andere Details darauf hin, dass es alles „wirkliche Handlungen“ sind, was aber schon für die „Heute-Ebene“ nicht stimmen kann, denn man kann Geschehenes nicht ändern, oder zumindest nicht, ohne Paradoxa auszulösen, was aber hier nicht der Fall zu sein scheint, oder doch oder wie oder was. Am wahrscheinlichsten scheint mir, dass nur die Arzt-Passage "real" ist, der Konquistador entsprang Izzis Fantasie und die "Zukunft" ist das letzte, von Tom ergänzte Kapitel. Was aber immer noch nicht die Handlungsänderung im "Heute" erklärt. Nur nicht zu heftig darüber nachdenken! Dann bricht das Ganze nämlich zusammen wie ein fundament- und trägerloser Papierpalast. Wenn der Film zum Nachdenken anregen soll – und das soll er offenkundig – dann nicht über so läppische Dinge wie Erzähllogik.

Der Film ist Kunst. Mit allen Risiken, die damit verbunden sind. Darren Aronofsky hat so lange an dem Werk gewerkelt (im April 2001 gab er bekannt, dass er an dem Projekt arbeite), dass er Detail um Detail perfektionieren konnte und dabei das Vertrauen in das Wesentliche verlor. In die Geschichte. So häuft er Bilder über Bilder und drüber dann noch mal Musik. Da ist zum Beispiel im ersten Viertel diese penetrante düstere Streichmusik unter den Bildern. Nein: Sie liegt darüber, verdeckt den Blick auf einen atemberaubend gespaltenen, getriebenen, glühenden Hugh Jackman und eine berückend zauberreich-königliche Rachel Weisz. Und all diese Symbole: Symbole, Symbole, Symbole – kleine, große, bildgewaltige und die in Nebensätzen des Dialoges. Manche erscheinen so banal – wie das Licht am Ende des Tunnels –, dass man weiß, so kann es nicht gemeint sein. Aber wie es gemeint ist, kann man nur raten.

Und trotzdem: Es war großartig. Vorgewarnt durch die verschiedensten Kritiken gab ich mich, die Logik ausgeschaltet, dem Film hin und war berauscht. Von den Farben, den Bildern, den Tönen. Der Mystik. Den Darstellern. Hugh Jackman. Himmel, ist der Kerl gut! Dieses Kämpfen, dieses sich Weigern. Die Wut. Die Verzweiflung. Dieses die Gefühle Verbergen, während man davon aufgefressen wird. Und Rachel Weisz: So zart, so stark, so wunderschön traurig. So anbetungswürdig. Mag sein, dass man solche Figuren schon dutzende Male im Kino sah. Aber so sah ich sie noch nie.

Und dann ist da noch diese eine Szene, die mir nicht aus dem Kopf will: Tommy hat Izzi gerade ins Krankenhaus gebracht, nun geht er wieder an die Arbeit. Stapft eilend durch die verschneite Stadt und nichts ist zu hören außer seinen Schritten. Nur diese Schritte in nicht zu tiefem Schnee. Nur diese Schritte. Bis Tommy in die „Welt zurück“ stolpert und diese mit ihrem Lärm wieder über ihn, über mich hereinbricht …

Das ist großes Kino.

__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


6 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!