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Leselupe.de > Science Fiction
The Return of the Space Cowboy
Eingestellt am 16. 08. 2007 10:27


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Catweazle
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Aug 2007

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The Return of the Space Cowboy


Er lehnte sich in seinem Sitz zur├╝ck und blickte durch das Fenster im Cockpit auf seine Herde. Dutzende der Tiere schwebten fast regungslos im All. Die nahe Sonne spiegelte sich auf ihren gl├Ąnzenden schwarzen Panzern. Ihre F├╝hler und M├Ąuler richteten sich aus in ihre Richtung. Seit mehreren Wochen grasten sie nun den Sonnenwind. Sie ern├Ąhrten sich nur vom Licht und von der Sonnenenergie, die dieses besondere Gestirn abstrahlte.
Solche Weidepl├Ątze waren selten und hart umk├Ąmpft.


Er richtete sich ein wenig auf, um die Roboter besser sehen zu k├Ânnen, die sein kleines Raumschiff verlie├čen, um die Tiere zu melken.
Au├čer den Robotern war keiner mehr auf dem Schiff. F├╝r einen anderen Menschen gab es auch keinen Platz in dem engen Raumgleiter.
Nachdenklich blickte er auf die Tankanzeige. So langsam f├╝llten sich die Beh├Ąlter, die das Lichtsekret der Tiere speicherten. Die letzten Ernten waren nicht besonders ertragreich gewesen. Dabei brauchte er das Geld, das er aus dem Verkauf des Sekrets erzielte. So weit hier drau├čen war das Sekret alles. Es war Treibstoff f├╝r die Raumschiffe oder f├╝r die Roboter. Aber es war auch Nahrung und Lebenselixier. Ein Mensch konnte vom Sekret alleine leben.


Die Tiere waren bisher eine der wenigen Lebensformen, die der Mensch auf seinem Weg ins All gefunden hatte. Sie schienen nicht sonderlich intelligent oder ambitioniert, doch die Fr├╝chte der Tiere erm├Âglichten den Menschen den gro├čen Schritt in die Tiefen der Unendlichkeit. Und ganz selten, ohne dass bisher ein Mensch verstanden hatte warum, verwandelten sie sich.
Die Lichtbl├╝te war der Zugang zu allem. Sie war wertvoller als die wochenlange Ernte des Sekrets. Aber sie war selten.
Die Tier grasten friedlich in der Sonne. Die Einsamkeit lastete wie seine Erinnerung auf ihm.
Er dachte an das Motel, das einige Tage entfernt lag. Es war die n├Ąchste menschliche Einrichtung in alle Richtungen und lag an einer entlegenen Durchfahrtslinie. Von dort konnte man ein gr├Â├čeres Schiff erwischen, das einen in die gro├čen Siedlungen brachte. Doch das brauchte er eigentlich nicht. Er dachte an Jinca.
Jinca arbeitete an der Bar im Motel. Wenn er bei ihr in der Bar sa├č und aus dem Fenster blickte, sah er ├╝ber die Steine des Asteroiden auf dem die Station erbaut war in die Dunkelheit. Und in der Dunkelheit der Scheibe spiegelte sich das Licht der Bar und Jinca. So konnte er sie beobachten ohne dass sie es merkte.
ÔÇ×Irgendwann gehe ich weg von hierÔÇť, sagte sie ihm diesmal. ÔÇ×Dann kommt einer, mit viel Geld, der nimmt mich mit.ÔÇť
ÔÇ×Ich w├╝rde Dich auch jetzt mitnehmenÔÇť erwiderte er nach einer kurzen Pause.
Sie lachte leise.
ÔÇ×Nein.ÔÇť Sie sch├╝ttelte den Kopf. Dann sah sie ihn an. Ihre Augen waren komplett wei├č, nur auf den Pupillen schimmerten wie bei Perlmutt abwechselnd mehrere Farben. Ihre Familie lebte schon seit Generationen im All. St├Ąndig einer wechselnden k├╝nstlichen Schwerkraft ausgesetzt, ohne direkten Kontakt zu Sonnenlicht, hatte sich die Menschheit an die Begebenheiten im All angepasst. Auf nat├╝rliche und auch biomechanische Art. Ihre Augen waren Teil der nat├╝rlichen Evolution. Was sie mit anderen Teilen ihres K├Ârpers anstellen konnte, verdankte sie der Sachkenntnis der durchs All ziehenden Biotechnikerkolonnen. Jeder Gast im Motel, der genug Geld hatte, konnte mit ihr ihre Modifikationen ausprobieren.
Ihn hatte sie noch nie mitgenommen.
Was sie dann sagte, blieb ihm seitdem schmerzhaft in Erinnerung.
ÔÇ×Du bist andersÔÇť sagte sie ihm.
ÔÇ×Ein netter Typ eigentlich. Aber was sollen zwei wie wir hier miteinander anfangen. Hier drau├čen. Gefangen im All. Du hast nur Deine Tiere. Und ich? Habe nur mich und diesen lausigen Job.
Nein, Geld br├Ąuchte man, richtig viel Geld, um hier wegzukommen.ÔÇť
Sie drehte sich um.
ÔÇ×Vielleicht bin ich schon nicht mehr da, wenn Du wiederkommst.ÔÇť
Die Tiere merkten seine Unruhe, seitdem sie wieder unterwegs waren.
Mehrmals hatte er bereits gesp├╝rt, wie das gemeinschaftliche Bewusstsein der Tiere sich dem seinem n├Ąherte. Er lag auf seinem Bett in der Kapsel und schlo├č die Augen. H├Ârte das Surren der Ger├Ąte und das leise Rauschen der Bel├╝ftung.
Doch diesmal schob sich langsam, wie eine blau schimmernde, schwarze Masse, langsam und tr├Ąge das Bewusstsein der Tiere in seine Gedanken. Zuerst ber├╝hrten sie ihn vorsichtig, dann bedeckten sie ihn, nahmen ihn auf und er verschmolz mit ihnen und ihren Gedanken. Was er sah und sp├╝rte, war so fremdartig in der Wahrnehmung wie es vertraut in seiner Bedeutung war. Gro├če Mengen von Bed├╝rfnissen nach Sonne und Licht, nach Schutz. Hier verstand er, dass er keineswegs die Herde f├╝hrte oder gar besa├č. Sie tolerierten ihn und zeigten ihm freundliches Interesse. Aber er erkannte, dass er keine M├Âglichkeit hatte, die Herde zu halten, wenn sie gehen wollte. Warum sie blieben, oft ├╝ber Generationen, blieb ihm R├Ątsel.
Dann ersp├╝rte er ein neues Gef├╝hl. So wie er Teil ihres Bewusstseins wurde und f├╝hlte, was sie bewegte, so erkannten sie seine Tr├Ąume und seine Gef├╝hle. Sie f├╝hlten mit ihm seine Traurigkeit und Einsamkeit, sie zogen Jincas Bild aus seinen Erinnerungen und lie├čen es zwischen ihren Gedanken flie├čen. Dann schlief er ein.
Als der Cowboy am n├Ąchsten Morgen erwachte, stand eins der Tiere in voller Bl├╝te.


W├Ąhrend alle Tiere einen Kreis um die Bl├╝te schlossen, und sich das Sonnenlicht auf ihren Panzern spiegelte, hatte das Bl├╝tentier den Panzer abgeworfen. Aufrecht stand es alleine zwischen den anderen, die weissen Fl├╝gel wie Bl├╝tenbl├Ątter rund um den K├Ârper gezogen und richtete sich zur Sonne. Langsam drehte es sich um sich selbst. Die anderen Tiere umrundeten sie erfurchtsvoll. Und in die immerw├Ąhrende Stille des Alls, ert├Ânte nun ein einzelnes Kreischen. Er hatte das Gef├╝hl, die Bl├╝te w├╝rden singen, doch erklangen die T├Âne in jedem St├╝cken Raumkapsel, das zum Klingen gebracht werden konnte. Dann folgte ein zweites Kreischen, tiefer diesmal, langestreckt, schien es aus den tiefen Erinnerungen des Alls zu r├╝hren. Nun folgten die Ges├Ąnge in kurzen Abst├Ąnden. Die ruhigen, langsam brummenden T├Âne mit hohen kaum wahrnehmbaren Eskapaden, erinnerten den Cowboy an die Lieder der Wale auf der Erde.
Er riss sich zusammen. Der Nektar dieser Bl├╝te war einzigartig. Er sandte alle Roboter aus, die Bl├╝te zu melken, leerte gleichzeitig einige bereits volle Tanks, um Platz zu schaffen f├╝r den Saft.
Auf dem Weg zur├╝ck zum Motel, f├╝llte er eine kleine Phiole voll mit Bl├╝tensaft. Die goldene Fl├╝ssigkeit schimmerte verhei├čungsvoll.
Er hatte die Herde zur├╝ckgelassen. Sie w├╝rde ihn nicht mehr brauchen. Und sie hatten ihm alles gegeben, was er sich w├╝nschen konnte.
Diese kleine Flasche w├╝rde vorerst reichen. Vor ihm lagen ein paar lange N├Ąchte im Motel. Allein mit Jinca und allen Tr├Ąumen, die sie tr├Ąumen konnten.

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Pete
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Catweazle,

bist Du der mit dem Elektrik-Trick?

Deine Geschichte ist SF vom Feinsten. Sie transponiert scheinbar bekannte Dinge in eine bizarre Konstellation, die doch irgendwie vertraut scheint.

quote:
Nachdenklich blickte er auf die Tankanzeige. So langsam f├╝llten sich die Beh├Ąlter, die das Lichtsekret der Tiere speicherten. Die letzten Ernten waren nicht besonders ertragreich gewesen. Dabei brauchte er das Geld, das er aus dem Verkauf des Sekrets erzielte. So weit hier drau├čen war das Sekret alles. Es war Treibstoff f├╝r die Raumschiffe oder f├╝r die Roboter. Aber es war auch Nahrung und Lebenselixier. Ein Mensch konnte vom Sekret alleine leben.

Dein "Sekret" klingt ekelig, was vor allem in der h├Ąufigen Wiederholung sauer aufst├Â├čt. Ist es nicht vielleicht doch eine Essenz, die uns diese lieben Tiere schenken? Isst Du auf Deinem Morgenbrot Bienensekrete? Verfeinert mit Bl├╝tensperma? Menschen w├╝rden diesem Mana, diesem Ambrosia, diesem Elixir sicher andere Bezeichnungen geben.

Interessant, dass trotz moderner Umwelt, sich die Motivationen nicht ver├Ąndert haben.

quote:
Er hatte die Herde zur├╝ckgelassen. Sie w├╝rde ihn nicht mehr brauchen.

Wozu haben sie ihn gebraucht? Du hast es m├Âglicherweise angedeutet: Sie finden sein pers├Ânliches Drama unterhaltsam und entlohnen ihn f├╝r diese geschenkte Kurzweil. Dies ist eine gewagte Hypothese von mir, die Dein Text noch nicht unterst├╝tzt.

Trotzdem klasse Geschichte!

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Catweazle
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Registriert: Aug 2007

Werke: 12
Kommentare: 27
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Hallo Pete

ja, der bin ich. :-) Und K├╝hlwalda habe ich auch dabei. ;-)


Es freut mich sehr, dass Dir der Text gefallen hat.

Danke auch f├╝r den Hinweis, da├č der Begriff Sekret ekelig wirkt. So wie Du es sagst, kann ich das gut nachvollziehen. Ich bin sicher, dass die Menschen daf├╝r einen passenderen Namen wie "Sonnentau" o.├Ą. finden w├╝rden.
Zuerst habe ich auch mit dem Gedanken gespielt, es zu ├Ąndern.
Aber, es ist ein Sekret. Vielleicht haben die Menschen, die es konsumieren einen anderen Namen daf├╝r, bestimmt sogar. Der Space-Cowboy allerdings weiss, was es wirklich ist, quasi ein Blick in die "rauhe, eklige" Wirklichkeit. :-)

Daher habe ich mich entschieden, "Sekret" erstmal stehen zu lassen, gerade weil es das ist, was der Begriff hervorruft.
Vielleicht verstehst Du in dem Punkt meine Motivation.

Warum die Herde bei den Cowboys bleibt? Keine Ahnung, das wei├č eigentlich nur die Herde....



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