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Leselupe.de > Humor und Satire
The fools on the hill
Eingestellt am 10. 08. 2006 18:22


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Raniero
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The fools on the hill

WĂ€hrend der Wagen seine Fahrt verlangsamte und schließlich am Straßenrand hielt, kurbelte das MĂ€dchen auf dem Beifahrersitz die Scheibe herunter.
„Können Sie uns sagen, wo sich der VerkehrsĂŒbungsplatz befindet? Nach unserer Vermutung mĂŒsste der hier ganz in der NĂ€he sein“, rief der Fahrer durch das geöffnete Autofenster den zwei Passantinnen zu.
Die beiden jungen Frauen blickten Fahrer und Beifahrerin mit vielsagendem LĂ€cheln an, offenkundig hatten sie Ziel und Zweck dieser Fahrt nicht nur verstanden, sondern auch schon aus eigener Erfahrung kennen gelernt.
„Sie sind schon auf dem richtigen Weg; immer gerade aus“, erklĂ€rte eine der Beiden, „fahren Sie bis zum Ende der Straße, dann rechts, danach können Sie den Platz nicht mehr verfehlen, außerdem ist er gut beschildert.“

Fahrer und Beifahrerin bedankten sich fĂŒr die Auskunft, und das Auto setzte sich wieder in Bewegung, in die angegebene Richtung.
„Papa“, fragte das MĂ€dchen, wĂ€hrend sie das Fenster wieder hochkurbelte, „warum hast du denn nach einem VerkehrsĂŒbungsplatz gefragt? Vorher hast du immer von einem IdiotenhĂŒgel gesprochen.“
„Na, ja“, rang der Vater nach einer ErklĂ€rung, „IdiotenhĂŒgel, das sagt man so, das ist der volkstĂŒmliche Ausdruck dafĂŒr. In richtigem Deutsch heißt dieser Platz aber VerkehrsĂŒbungsplatz. Außerdem, wir können doch nicht wildfremde Menschen nach einem IdiotenhĂŒgel fragen, was sollten die denn von uns denken?“
„Dass wir Idioten sind“, schlussfolgerte die Tochter schmunzelnd, „aber mal im Ernst, Papa, warum heißt der denn so, der Platz, im Volksmund? Wie ist man denn auf eine solche Bezeichnung gekommen?“
Nun musste auch der Vater schmunzeln.
„DarĂŒber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Vielleicht bezeichnet man alle Leute, die noch keinen FĂŒhrerschein haben und auf diesem Platz ĂŒben, als Idioten, wobei man sie nicht als normale Idioten, sondern nur als solche im Straßenverkehr sieht“.
„Was sind denn fĂŒr dich normale Idioten, Papa“, fragte die Tochter, die noch keine Fahrerlaubnis besaß und aus eben diesem Grund mit ihrem Vater auf dem Weg zu diesem IdiotenhĂŒgel war.
Der Vater, der seinen FĂŒhrerschein schon zu einer Zeit erworben hatte, als noch kein Auto auf den Straßen zu sehen war, wie er oftmals scherzhaft betonte, konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, war er doch soeben von seine Tochter eines glatten Widerspruchs ĂŒberfĂŒhrt worden.
„Nun gut, du hast ja Recht, Kind. Normale Idioten, das ist eigentlich Nonsens. Entweder ist einer normal oder er ist ein Idiot, doch je mehr ich darĂŒber nachdenke; sagte nicht einst der gute alte Shakespeare, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gĂ€be, fĂŒr die man keine ErklĂ€rung habe? Ich will damit sagen, dass es vielleicht ZwischenzustĂ€nde gibt...“



Bevor er jedoch seine philosophischen Ausschweifungen ĂŒber Idioten oder Nichtidioten im Sinne von Sein oder Nichtsein Shakespearscher Deutung zu Ende fĂŒhren konnte, waren sie am Ziel ihrer Fahrt, an dem besagten Verkehrs -ĂŒbungsplatz angelangt.
Dieser sogenannte Platz stellte sich als eine komplette Simulation echten Straßenverkehrs heraus, nur in bescheidenerer GrĂ¶ĂŸe.
Er bestand aus einem mit echten Verkehrszeichen ausgestattetem Straßensystem aus LĂ€ngsstrecken, Kurven, und kleineren Buchten zum Ein- und Ausparken, daneben gab es auch den eigentlichen Platz, eine grĂ¶ĂŸere unbefestigte FlĂ€che, auf welchem die AnfĂ€nger unter Anleitung eines richtigen Fahrers, der im Besitz einer Fahrerlaubnis sein musste, als ersten Schritt Anfahren und Bremsen erlernen konnten, bevor sie sich auf den Parcours, das Ministraßennetz, wagten.
Die eigentliche Krönung der Anlage jedoch stellte eine kleine Erhebung mitten in der VerkehrsflĂ€che, ein Art HĂŒgel, dar, die dazu diente, dem Lernenden das Üben des Anfahrens auf einer Steigung zu ermöglichen.
„Da gibt es ja tatsĂ€chlich einen HĂŒgel“, staunte die Tochter.
Beide mussten lachen.

Nachdem der Vater die erste Übungsstunde angemeldet und die GebĂŒhr dafĂŒr entrichtet hatte, konnte es losgehen.
Er steuerte den Wagen auf den großen Platz, sodann wechselten sie die PlĂ€tze, und mit Engelsgeduld erklĂ€rte der Vater seiner Tochter die ersten Schritte auf dem Weg zum Erwerb der Fahrerlaubnis.
Als sich die Stunde dem Ende zuneigte und er feststellte, dass seine Tochter relativ gute Fortschritte gemacht hatte, - naja, nicht umsonst war sie schließlich seine Tochter – juckte es dem MĂ€dchen in den Fingern.
„Soll ich mal, Papa?“
„Auf den Parcours? Na, gut, aber ganz langsam und vorsichtig!“


In leicht ruckender Fahrweise bogen sie in das kleine Straßennetz ein.
Um diese Zeit herrschte einigermaßen Ruhe, nur wenige Fahrzeuge befanden sich auf den verschiedenen Straßen.
Beim nĂ€heren Hinsehen bzw. langsamen Durchfahren bemerkten Vater und Tochter, dass dieses gesamte Netz als Einbahnstraßensystem ausgerichtet war; alle Autos bewegten sich in ein und dieselbe Richtung, sodass ein Gegenverkehr aus–
geschlossen war.
Nachdem sie die erste Runde hinter sich gebracht hatten, bat die Tochter, noch eine weitere fahren zu dĂŒrfen.
Mit leicht mulmigem GefĂŒhl willigte der Vater ein, denn ganz wohl war ihm nicht dabei, gleich am ersten Tag, zumal er auch nicht, wie ein richtiger Fahrschullehrer, ĂŒber ein zweites Bremssystem fĂŒr den Notfall verfĂŒgte.

Der Wagen nahm die zweite Runde, und irgendwie hatte es die Tochter fertiggebracht, indem sie eher abgebogen war, den Parcours in anderer Weise als beim ersten Mal zu durchqueren.
Sie befanden sich zwar immer noch in der richtigen Einbahnstraßenrichtung, nĂ€herten sich jedoch langsam der Stelle mit der Steigung, dem kleinen AnfahrhĂŒgel.
Auf der Spitze dieses HĂŒgels stand bereits ein anderes Auto, das im Begriff war, weiterzufahren.
Im gleichen Moment, in dem die Tochter auf Geheiß des Vaters versuchte, langsam die Steigung hochzufahren, rollte das vordere Fahrzeug ein wenig zurĂŒck; unmittelbar darauf gab es einen kurzen lauten Knall.
GeistesgegenwĂ€rtig zog der Vater die Handbremse und stĂŒrzte sodann mit zornesrotem Kopf aus dem Wagen. Das Gleiche tat der Mann auf dem Beifahrersitz des vorderen Wagens, ebenfalls ein Vater, der seiner Tochter die ersten Geh - resp. Fahrversuche beizubringen versuchte; drohend bewegten sich die MĂ€nner aufeinander zu.
„Sie Vollidiot! Können Sie nicht bremsen!“
„Sie sind der Idiot. Warum sind Sie denn zurĂŒckgerollt?“
Die beiden Töchter waren ebenfalls ausgestiegen und standen nun, WeinkrĂ€mpfen nah, wie versteinert an den Autos, wĂ€hrend sich ihre VĂ€ter vor den Augen der anderen Übungsteilnehmer kampfbereit auf dem HĂŒgel gegenĂŒberstanden und sich anbrĂŒllten, wobei sie dem volkstĂŒmlichen Namen des HĂŒgels alle Ehre machten.
Irgendwie gelang es jedoch unter Mithilfe besonnener Personen, die beiden KampfhĂ€hne zu ĂŒberreden, ihre Versicherungen auszutauschen und von weiteren Verbalinjurien Abstand zu nehmen.
Zum GlĂŒck war an beiden Fahrzeugen nur geringer Schaden entstanden, der es den MĂ€nnern erlaubte, vorerst einmal mit ihren total verschĂŒchterten Töchtern nach Hause zu fahren.

Daheim angekommen, erklĂ€rte der Vater seiner Tochter mit grimmiger Miene, sie ab sofort in einer richtigen Fahrschule anzumelden und von weiteren Fahrten zum HĂŒgel Abstand zu nehmen.
Gesagt, getan.
Der entnervte Vater meldete die Tochter, wie er es versprochen hatte, umgehend in einer richtigen Fahrschule an.
Diese Absicht hatte er zuvor zwar auch gehabt, aber nicht so unmittelbar; zuvor hĂ€tte er gern, nicht zuletzt auch, um einige dieser sĂŒndhaft teuren Fahrstunden, wie er glaubte, einsparen zu können, mit seiner Tochter noch die eine oder die andere Runde auf dem idiotischen HĂŒgel gedreht.
Nun aber musste er einsehen, dass der Schaden an seinem Fahrzeug ihn dreimal so teuer kam wie eine komplette Fahrschulausbildung von Anfang an gekommen wÀre.
Derselben Meinung war auch der Fahrschullehrer der jungen Dame, als er von deren Missgeschick hörte, und er fĂŒgte gleich eine etwas eigenwillige Interpretation des Ausdrucks IdiotenhĂŒgel hinzu.
„Ich will ja niemandem zu nahe treten, aber diese Anlage nennt man so, weil ein jeder Idiot, der im Besitz einer Fahrerlaubnis ist, dem Irrglauben verfĂ€llt, dort Fahrschullehrer spielen zu mĂŒssen. Das haben die nun davon.“
Die Tochter konnte sich trotz der brenzligen Situation seinerzeit, bei der ihr Vater nah daran war, noch Schlimmeres zu erleiden, - sie hatte ihn schon verletzt im Krankenhaus gesehen – ein Lachen nicht verkneifen, aber sie hĂŒtete sich wohlweislich, die Meinung ihres Fahrschullehrers zuhause weiterzugeben.


Stolz prĂ€sentiert sich die Tochter nach bestandener PrĂŒfung mit dem neuen FĂŒhrerschein.
„Ich habe ihn!“
Der Vater öffnete eine Flasche Sekt, goss sich und seiner Frau jeweils ein großes, der Tochter ein kleines Glas ein, um das freudige Ereignis zu feiern.
Vergessen war der Ärger um den kleinen Unfall auf dem HĂŒgel, lĂ€ngst schon war das Auto wieder repariert worden und harrte nun in der Garage auf die Urlaubsfahrt in den sonnigen SĂŒden, die fĂŒr den nĂ€chsten Tag anstand.
Sehr frĂŒh am Morgen ging es dann auch los, und die Fahrt oder zumindest ein Teil davon bildete gleichzeitig die Jungfernfahrt fĂŒr die Tochter, die unter den gestrengen Augen des Vaters eine kleine Strecke absolvieren durfte.
Am spĂ€ten Nachmittag schließlich erreichten sie ihr Ziel, ein kleines Hotel an der italienischen Adria, welches sie schon seit Jahren in den Sommerferien aufsuchten.

Als der Vater den Wagen vor dem Haus einparken wollte, traute er seinen Augen nicht. Auf dem kleinen Parkplatz stand ein Auto mit deutschem Nummernschild, welches Vater und Tochter nur zu gut sogleich als das gegnerische Fahrzeug vom HĂŒgel wiedererkannten.
„Auch das noch!“ stöhnten beide unisono.
„Was habt ihr denn?“ wunderte sich die Mutter.
Schnell wurde sie aufgeklÀrt.
„Ich gehe da nicht rein“, schnaubte der Vater, „wenn ich den Kerl wiedersehe, kann ich fĂŒr nichts garantieren“.
„Ich gehe da auch nicht rein“, ließ sich die Tochter vernehmen, „ich schĂ€me mich so.
Lasst uns umkehren“.
„Ja, seid ihr denn verrĂŒckt geworden?“ schrie die Mutter außer sich, „meint ihr, wir fahren tausend Kilometer, um wieder umzukehren?“
Diesem Argument konnten sie sich nicht verschließen, Vater und Tochter, wenn es auch schwer fiel.

Mit lautem sĂŒdlĂ€ndischem Hallo wurden sie im Hotel willkommen geheißen, und sofort nach Erledigung der FormalitĂ€ten suchten sie ihre Zimmer auf.
Als sie etwas spÀter zum Abendessen den Speiseraum betraten, tat die Mutter einen freudigen Schrei.
„Du hier, Karla? Das ist aber eine Überraschung. So lange nicht gesehen, und ausgerechnet hier trifft man sich wieder. Darf ich dir meinen Mann und meine Tochter vorstellen? Mein Gott, ich kann es gar nicht glauben!“
Das konnten ihr Mann und ihre Tochter auch nicht, als sie hinter Karla einen Mann im mittleren Alter und eine junge Dame wahrnahmen...
WĂ€hrend das Wiedersehen der Mutter mit ihrer Freundin Karla von reinster Freude geprĂ€gt war, konnte man ein solches von den MĂ€dchen und erst recht nicht von ihren Erzeugern behaupten. Mit hochroten Köpfen gaben sich die vier die Hand, wobei die beiden Idioten vom HĂŒgel es vermieden, sich direkt anzusehen.
Schnell erfassten die beiden Freundinnen, dass zwischen ihren Familienmitgliedern etwas nicht stimmte, und nach einigem DrÀngen wurden sie von ihren MÀnnern aufgeklÀrt, mit zerknirschten Mienen.
WĂ€hrend sich die MĂŒtter halbtot lachten und spontan beschlossen, dieses Wiedersehen nach dem Abendessen gemeinsam und ausgiebig zu feiern, bahnten sich zwischen den MĂ€dchen erste zaghafte Versuche einer AnnĂ€herung heran. Schließlich aber lockerten und entspannten sich auch die VĂ€ter, die sich zuerst im Cafe zuerst mit Ă€ußerst unbehaglichen GesichtsausdrĂŒcken gegenĂŒbersaßen, ein wenig, nach der dritten Flasche Wein.
Als man am spÀten Abend gemeinsam den Weg zum Hotel einschlug, hatten sich alle sechs eingehakt und alle waren schon lange schon beim trauten Du angelangt.
Am nĂ€chsten Morgen traf man sich am Strand, und die MĂ€nner bauten gemeinsam eine Burg auf einem SandhĂŒgel, auf die sie eine weiße Fahne hissten.

Ob das wohl der Beginn einer langanhaltenden Freundschaft war?

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Marius Speermann
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WĂ€re nicht "IdiotenhĂŒgel" als Titel besser? Von "fools" sprichst Du ja kein einziegs Mal in Deinem Text.

Marius

PS: wenigstens einmal kein Text mit 127-jÀhrigen Greisen und deren Grosseltern...
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Raniero
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Vielleicht denkst Du mal an die Beatles, dann fÀllt Dir die Antwort schon ein.

Gruß Raniero

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Marius Speermann
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"fools" sind aber "Narren", und das ist was anderes als ein Idiot (die im englischen ĂŒbrigens auch "idiots" heissen)...

Marius
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flammarion
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KorrekturvorschlÀge:

Eine so gute Geschichte sollte möglichst fehlerfrei daherkommen.
The fools on the hill
Veröffentlicht von Raniero am 10. 08. 2006 18:22
The fools on the hill

WĂ€hrend der Wagen seine Fahrt verlangsamte und schließlich am Straßenrand hielt, kurbelte das MĂ€dchen auf dem Beifahrersitz die Scheibe herunter.
„Können Sie uns sagen, wo sich der VerkehrsĂŒbungsplatz befindet? Nach unserer Vermutung mĂŒsste der hier ganz in der NĂ€he sein“, rief der Fahrer durch das geöffnete Autofenster den zwei Passantinnen zu.
Die beiden jungen Frauen blickten Fahrer und Beifahrerin mit vielsagendem LĂ€cheln an, offenkundig hatten sie Ziel und Zweck dieser Fahrt nicht nur verstanden, sondern auch schon aus eigener Erfahrung kennen gelernt.
„Sie sind schon auf dem richtigen Weg; immer gerade aus“, erklĂ€rte eine der Beiden (beiden) , „fahren Sie bis zum Ende der Straße, dann rechts, danach können Sie den Platz nicht mehr verfehlen, außerdem ist er gut beschildert.“

Fahrer und Beifahrerin bedankten sich fĂŒr die Auskunft, und das Auto setzte sich wieder in Bewegung, in die angegebene Richtung.
„Papa“, fragte das MĂ€dchen, wĂ€hrend sie das Fenster wieder hochkurbelte, „warum hast du denn nach einem VerkehrsĂŒbungsplatz gefragt? Vorher hast du immer von einem IdiotenhĂŒgel gesprochen.“
„Na, ja“, rang der Vater nach einer ErklĂ€rung, „IdiotenhĂŒgel, das sagt man so, das ist der volkstĂŒmliche Ausdruck dafĂŒr. In richtigem Deutsch heißt dieser Platz aber VerkehrsĂŒbungsplatz. Außerdem, wir können doch nicht wildfremde Menschen nach einem IdiotenhĂŒgel fragen, was sollten die denn von uns denken?“
„Dass wir Idioten sind“, schlussfolgerte die Tochter schmunzelnd, „aber mal im Ernst, Papa, warum heißt der denn so, der Platz, im Volksmund? Wie ist man denn auf eine solche Bezeichnung gekommen?“
Nun musste auch der Vater schmunzeln.
„DarĂŒber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Vielleicht bezeichnet man alle Leute, die noch keinen FĂŒhrerschein haben und auf diesem Platz ĂŒben, als Idioten, wobei man sie nicht als normale Idioten, sondern nur als solche im Straßenverkehr sieht“.
„Was sind denn fĂŒr dich normale Idioten, Papa(Fragezeichen)“, fragte die Tochter, die noch keine Fahrerlaubnis besaß und aus eben diesem Grund mit ihrem Vater auf dem Weg zu diesem IdiotenhĂŒgel war.
Der Vater, der seinen FĂŒhrerschein schon zu einer Zeit erworben hatte, als noch kein Auto auf den Straßen zu sehen war, wie er oftmals scherzhaft betonte, konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, war er doch soeben von seine (seiner) Tochter eines glatten Widerspruchs ĂŒberfĂŒhrt worden.
„Nun gut, du hast ja Recht, Kind. Normale Idioten, das ist eigentlich Nonsens. Entweder ist einer normal oder er ist ein Idiot, doch je mehr ich darĂŒber nachdenke; sagte nicht einst der gute alte Shakespeare, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gĂ€be, fĂŒr die man keine ErklĂ€rung habe? Ich will damit sagen, dass es vielleicht ZwischenzustĂ€nde gibt...“



Bevor er jedoch seine philosophischen Ausschweifungen ĂŒber Idioten oder Nichtidioten im Sinne von Sein oder Nichtsein Shakespearscher Deutung zu Ende fĂŒhren konnte, waren sie am Ziel ihrer Fahrt, an dem besagten Verkehrs -ĂŒbungsplatz angelangt.
Dieser so(getrennt)genannte Platz stellte sich als eine komplette Simulation echten Straßenverkehrs heraus, nur in bescheidenerer GrĂ¶ĂŸe.
Er bestand aus einem mit echten Verkehrszeichen ausgestattetem (ausgestatteten) Straßensystem aus LĂ€ngsstrecken, Kurven, und kleineren Buchten zum Ein- und Ausparken, daneben gab es auch den eigentlichen Platz, eine grĂ¶ĂŸere unbefestigte FlĂ€che, auf welchem die AnfĂ€nger unter Anleitung eines richtigen Fahrers, der im Besitz einer Fahrerlaubnis sein musste, als ersten Schritt Anfahren und Bremsen erlernen konnten, bevor sie sich auf den Parcours, das Ministraßennetz, wagten.
Die eigentliche Krönung der Anlage jedoch stellte eine kleine Erhebung mitten in der VerkehrsflĂ€che, ein (eine) Art HĂŒgel, dar, die dazu diente, dem Lernenden das Üben des Anfahrens auf einer Steigung zu ermöglichen.
„Da gibt es ja tatsĂ€chlich einen HĂŒgel“, staunte die Tochter.
Beide mussten lachen.

Nachdem der Vater die erste Übungsstunde angemeldet und die GebĂŒhr dafĂŒr entrichtet hatte, konnte es losgehen.
Er steuerte den Wagen auf den großen Platz, sodann wechselten sie die PlĂ€tze, und mit Engelsgeduld erklĂ€rte der Vater seiner Tochter die ersten Schritte auf dem Weg zum Erwerb der Fahrerlaubnis.
Als sich die Stunde dem Ende zuneigte und er feststellte, dass seine Tochter relativ gute Fortschritte gemacht hatte, - naja, nicht umsonst war sie schließlich seine Tochter – juckte es dem MĂ€dchen in den Fingern.
„Soll ich mal, Papa?“
„Auf den Parcours? Na, gut, aber ganz langsam und vorsichtig!“


In leicht ruckender Fahrweise bogen sie in das kleine Straßennetz ein.
Um diese Zeit herrschte einigermaßen Ruhe, nur wenige Fahrzeuge befanden sich auf den verschiedenen Straßen.
Beim nĂ€heren Hinsehen bzw. langsamen Durchfahren bemerkten Vater und Tochter, dass dieses gesamte Netz als Einbahnstraßensystem ausgerichtet war; alle Autos bewegten sich in ein und dieselbe Richtung, sodass ein Gegenverkehr aus(kein Trennstrich kein Absatz)–
geschlossen war.
Nachdem sie die erste Runde hinter sich gebracht hatten, bat die Tochter, noch eine weitere fahren zu dĂŒrfen.
Mit leicht mulmigem GefĂŒhl willigte der Vater ein, denn ganz wohl war ihm nicht dabei, gleich am ersten Tag, zumal er auch nicht, wie ein richtiger Fahrschullehrer, ĂŒber ein zweites Bremssystem fĂŒr den Notfall verfĂŒgte.

Der Wagen nahm die zweite Runde, und irgendwie hatte es die Tochter fertig(getrennt)gebracht, indem sie eher abgebogen war, den Parcours in anderer Weise als beim ersten Mal zu durchqueren.
Sie befanden sich zwar immer noch in der richtigen Einbahnstraßenrichtung, nĂ€herten sich jedoch langsam der Stelle mit der Steigung, dem kleinen AnfahrhĂŒgel.
Auf der Spitze dieses HĂŒgels stand bereits ein anderes Auto, das im Begriff war, weiterzufahren.
Im gleichen Moment, in dem die Tochter auf Geheiß des Vaters versuchte, langsam die Steigung hochzufahren, rollte das vordere Fahrzeug ein wenig zurĂŒck; unmittelbar darauf gab es einen kurzen lauten Knall.
GeistesgegenwĂ€rtig zog der Vater die Handbremse und stĂŒrzte sodann mit zornesrotem Kopf aus dem Wagen. Das Gleiche tat der Mann auf dem Beifahrersitz des vorderen Wagens, ebenfalls ein Vater, der seiner Tochter die ersten Geh - resp. Fahrversuche beizubringen versuchte; drohend bewegten sich die MĂ€nner aufeinander zu.
„Sie Vollidiot! Können Sie nicht bremsen!“
„Sie sind der Idiot. Warum sind Sie denn zurĂŒckgerollt?“
Die beiden Töchter waren ebenfalls ausgestiegen und standen nun, WeinkrĂ€mpfen nah, wie versteinert an den Autos, wĂ€hrend sich ihre VĂ€ter vor den Augen der anderen Übungsteilnehmer kampfbereit auf dem HĂŒgel gegenĂŒberstanden und sich anbrĂŒllten, wobei sie dem volkstĂŒmlichen Namen des HĂŒgels alle Ehre machten.
Irgendwie gelang es jedoch unter Mithilfe besonnener Personen, die beiden KampfhĂ€hne zu ĂŒberreden, ihre Versicherungen auszutauschen und von weiteren Verbalinjurien Abstand zu nehmen.
Zum GlĂŒck war an beiden Fahrzeugen nur geringer Schaden entstanden, der es den MĂ€nnern erlaubte, vorerst einmal mit ihren total verschĂŒchterten Töchtern nach Hause zu fahren.

Daheim angekommen, erklĂ€rte der Vater seiner Tochter mit grimmiger Miene, sie ab sofort in einer richtigen Fahrschule anzumelden und von weiteren Fahrten zum HĂŒgel Abstand zu nehmen.
Gesagt, getan.
Der entnervte Vater meldete die Tochter, wie er es versprochen hatte, umgehend in einer richtigen Fahrschule an.
Diese Absicht hatte er zuvor zwar auch gehabt, aber nicht so unmittelbar; zuvor hĂ€tte er gern, nicht zuletzt auch, um einige dieser sĂŒndhaft teuren Fahrstunden, wie er glaubte, einsparen zu können, mit seiner Tochter noch die eine oder die andere Runde auf dem idiotischen HĂŒgel gedreht.
Nun aber musste er einsehen, dass der Schaden an seinem Fahrzeug ihn dreimal so teuer kam wie eine komplette Fahrschulausbildung von Anfang an gekommen wÀre.
Derselben Meinung war auch der Fahrschullehrer der jungen Dame, als er von deren Missgeschick hörte, und er fĂŒgte gleich eine etwas eigenwillige Interpretation des Ausdrucks IdiotenhĂŒgel hinzu.
„Ich will ja niemandem zu nahe treten, aber diese Anlage nennt man so, weil ein jeder Idiot, der im Besitz einer Fahrerlaubnis ist, dem Irrglauben verfĂ€llt, dort Fahrschullehrer spielen zu mĂŒssen. Das haben die nun davon.“
Die Tochter konnte sich trotz der brenzligen Situation seinerzeit, bei der ihr Vater nah daran war, noch Schlimmeres zu erleiden, - sie hatte ihn schon verletzt im Krankenhaus gesehen – ein Lachen nicht verkneifen, aber sie hĂŒtete sich wohlweislich, die Meinung ihres Fahrschullehrers zuhause weiterzugeben.


Stolz prĂ€sentiert sich die Tochter nach bestandener PrĂŒfung mit dem neuen FĂŒhrerschein.
„Ich habe ihn!“
Der Vater öffnete eine Flasche Sekt, goss sich und seiner Frau jeweils ein großes, der Tochter ein kleines Glas ein, um das freudige Ereignis zu feiern.
Vergessen war der Ärger um den kleinen Unfall auf dem HĂŒgel, lĂ€ngst schon war das Auto wieder repariert worden und harrte nun in der Garage auf die Urlaubsfahrt in den sonnigen SĂŒden, die fĂŒr den nĂ€chsten Tag anstand.
Sehr frĂŒh am Morgen ging es dann auch los, und die Fahrt oder zumindest ein Teil davon bildete gleichzeitig die Jungfernfahrt fĂŒr die Tochter, die unter den gestrengen Augen des Vaters eine kleine Strecke absolvieren durfte.
Am spĂ€ten Nachmittag schließlich erreichten sie ihr Ziel, ein kleines Hotel an der italienischen Adria, welches sie schon seit Jahren in den Sommerferien aufsuchten.

Als der Vater den Wagen vor dem Haus einparken wollte, traute er seinen Augen nicht. Auf dem kleinen Parkplatz stand ein Auto mit deutschem Nummernschild, welches Vater und Tochter nur zu gut sogleich als das gegnerische Fahrzeug vom HĂŒgel wieder(getrennt)erkannten.
„Auch das noch!“(Komma) stöhnten beide unisono.
„Was habt ihr denn?“(Komma) wunderte sich die Mutter.
Schnell wurde sie aufgeklÀrt.
„Ich gehe da nicht rein“, schnaubte der Vater, „wenn ich den Kerl wieder(getrennt)sehe, kann ich fĂŒr nichts garantieren“.
„Ich gehe da auch nicht rein“, ließ sich die Tochter vernehmen, „ich schĂ€me mich so.
Lasst uns umkehren“.
„Ja, seid ihr denn verrĂŒckt geworden?“(Komma) schrie die Mutter außer sich, „meint ihr, wir fahren tausend Kilometer, um wieder umzukehren?“
Diesem Argument konnten sie sich nicht verschließen, Vater und Tochter, wenn es auch schwer fiel.

Mit lautem sĂŒdlĂ€ndischem Hallo wurden sie im Hotel willkommen geheißen, und sofort nach Erledigung der FormalitĂ€ten suchten sie ihre Zimmer auf.
Als sie etwas spÀter zum Abendessen den Speiseraum betraten, tat die Mutter einen freudigen Schrei.
„Du hier, Karla? Das ist aber eine Überraschung. So lange nicht gesehen, und ausgerechnet hier trifft man sich wieder. Darf ich dir meinen Mann und meine Tochter vorstellen? Mein Gott, ich kann es gar nicht glauben!“
Das konnten ihr Mann und ihre Tochter auch nicht, als sie hinter Karla einen Mann im mittleren Alter und eine junge Dame wahrnahmen...
WĂ€hrend das Wiedersehen der Mutter mit ihrer Freundin Karla von reinster Freude geprĂ€gt war, konnte man ein solches von den MĂ€dchen und erst recht nicht von ihren Erzeugern behaupten. Mit hochroten Köpfen gaben sich die vier die Hand, wobei die beiden Idioten vom HĂŒgel es vermieden, sich direkt anzusehen.
Schnell erfassten die beiden Freundinnen, dass zwischen ihren Familienmitgliedern etwas nicht stimmte, und nach einigem DrÀngen wurden sie von ihren MÀnnern aufgeklÀrt, mit zerknirschten Mienen.
WĂ€hrend sich die MĂŒtter halbtot lachten und spontan beschlossen, dieses Wiedersehen nach dem Abendessen gemeinsam und ausgiebig zu feiern, bahnten sich zwischen den MĂ€dchen erste zaghafte Versuche einer AnnĂ€herung heran (an). Schließlich aber lockerten und entspannten sich auch die VĂ€ter, die sich zuerst im Cafe zuerst (doppelt) mit Ă€ußerst unbehaglichen GesichtsausdrĂŒcken gegenĂŒbersaßen, ein wenig, nach der dritten Flasche Wein.
Als man am spÀten Abend gemeinsam den Weg zum Hotel einschlug, hatten sich alle sechs eingehakt und alle waren schon lange schon beim trauten Du angelangt.
Am nĂ€chsten Morgen traf man sich am Strand, und die MĂ€nner bauten gemeinsam eine Burg auf einem SandhĂŒgel, auf die sie eine weiße Fahne hissten.

Ob das wohl der Beginn einer lang(getrennt)anhaltenden Freundschaft war?


lg

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Hallo fammarion,

Dank fĂŒr's Kompliment und fĂŒr die Korrektur.
Tja, die FlĂŒchtigkeitsfehler, es ist schon ein Kreuz damit.


Gruß Raniero

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