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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Theatergeklapper
Eingestellt am 06. 06. 2002 08:43


Autor
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annton
Hobbydichter
Registriert: Feb 2002

Werke: 3
Kommentare: 9
Die besten Werke
 
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Gegebene Anlaesse haben mich zu diesen Gedanken gebracht...

Herzlichen Gl├╝ckwunsch, meine Herren. Den allertiefsten Kniefall und Applaus, Applaus, Applaus!
Es ist schon erstaunlich, mit welch billigen Mitteln sich publikumstr├Ąchtige Veranstaltungen inszenieren lassen. Man nehme eine ordentliche Portion Profilierungswahn, vermischt sie mit ausreichend Verbitterung und Selbst├╝bersch├Ątzung, und fertig sind zwei Lehrst├╝cke haarstrauebenster Konflikthascherei.

Die erste B├╝hne gibt Wahlkampf. Ein Populist steht in vorderster Reihe und schie├čt. Mit haarscharfen Worten und nicht minder scharfem Kalk├╝l macht er sich an die Arbeit. Gr├╝ndlich geht er vor. Gezielt richtet er seine Flinte auf das, was ihm besonders effektiv erscheint. Auf der Suche nach dem gro├čen Coup. Der Hofstaat und sein Herrscher werden fassungslos am Rande abgestellt. Der Populist gibt sich emotional, er gibt sich ver├Ąrgert, aufgebracht und will vornehmlich Beachtung. Beachtung f├╝r ein Spiel mit dem Feuer, das doch keines ist. Nur interessiert den Populisten dies gar wenig. Wer will der kann und er will an exponierter Stelle am lautesten schreien d├╝rfen.

Auf der zweiten B├╝hne spielt man Literaturbetrieb. Ein verbitterter Schriftsteller steht einem, schon lange ├╝ber sein Ziel hinausgeschossenen, Kritikergott gegen├╝ber. W├╝rde Letzterer doch wenigstens schweigen. Er aber kann sich nicht zur├╝ckhalten und schreit danach ein Buch nicht zu drucken.

Autsch.

Man darf sich innerhalb der Ensembles zufrieden auf die Schultern klopfen und die Inszenierungen als gelungen bezeichnen. Jeder wird ├╝ber die ins Rollen gebrachten Steine reden, wird lautstark ├╝ber sie diskutieren und sie m├Âglichst auff├Ąllig dem N├Ąchstbesten entgegenschleudern. Alles nach Plan und alle spielen mit.

Dass solche fr├Âhlichen Steinewerfereien verflucht ins Auge gehen k├Ânnen, dar├╝ber zu heulen ist im Nachhinein noch Zeit genug. Dann, wenn die Wunden geleckt werden und man verwundert feststellt, dass wertvollstes Kristall zu Bruch gegangen ist. Das hatte man nicht beabsichtigt.

Verzeihung.

Vielleicht haben die Herren Akteure am ÔÇ×Morgen danachÔÇť sogar einen leichten Kopfschmerz versp├╝rt, doch Klappern geh├Ârt schlussendlich zum Gesch├Ąft und dar├╝ber muss man auch mal hinwegsehen d├╝rfen.

Das haben Sie sich sch├Ân zurechtgelegt, meine Herren. Geschickt, geschickt. Doch im Eifer des Gefechts ist Ihnen da der gr├Â├čte Fehler unterlaufen, der einem am Theater passieren kann. Die Fahrl├Ąssigkeit zu begehen und das Publikum f├╝r dumm zu verkaufen, nichts k├Ânnte mehr zum Scheitern verurteilt sein. Dummerweise wird das Publikum einen solchen Braten riechen und es wird ihn sich nicht auftischen lassen. Daher ist auch der anf├Ąnglich aufkommende Applaus, mehr als zynischer Akt, denn als Wertsch├Ątzung zu verstehen. Das Publikum wird aufstehen und den Saal verlassen. Aufstehen und deutlichst daran erinnern, dass das was dort zwischen Schnuerrboden und Scheinwerfern geboten wird, uns├Ąglich ist.

So ein Pech



__________________
annton

das leben schwindet oder weitet sich aus im verhaeltnis zum eigenen mut (anais nin)

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