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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Thomas Bernhard, Das Kalkwerk
Eingestellt am 18. 04. 2001 13:27


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Rainer Heiß
Hobbydichter
Registriert: Apr 2001

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Thomas Bernhard, Das Kalkwerk

Der Erzähler erfährt bereits zu Beginn des Romans von einem grausamen Mord, der sich in einem abgelegenen Kalkwerk zugetragen hat, und dessen Ursachen dann im gesamten Verlauf des Buchs analysiert werden. Zwischenmenschliche Abgründe, Feindseligkeiten, Hass schließlich, davon lebt Thomas Bernhards Werk, davon lebt auch "Das Kalkwerk".
"Das Mieseste ist die Menschheit an und für sich. Sie können da nicht irgendwen ausschalten, glaub' ich. Alles, was man näher kennenlernt, wird unappetitlich und ungut, wenn Sie sich näher damit beschäftigen. Wenn man näher hinschaut, dann ist das nicht zum Aushalten." (Th. Bernhard über Th. Bernhard).
Zugegeben, manchem mag das zu böse, zu hart sein. Aber die Art, wie Bernhard mit dem Leser spielt (der Erzähler weiß eigentlich alles nur vom Hörensagen, trotzdem kennt er das gesamte Leben der Hauptfiguren und deren Innenleben bis ins Detail), wie er die immer auswegsloseren Gedankengänge des Täters in ihrer schleichenden Entwicklung freilegt, ist fesselnd. So nimmt Bernhard den Leser bei der Hand und führt ihn in die seelischen Abgründe des Mörderhirns, sodass sich gelegentlich auch ein Schmunzeln einstellt, ja so sind die/wir Menschen. Wer Einblick in den unumgänglichen alltäglichen Wahnsinn haben will, muss "Das Kalkwerk" lesen.


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die Lage ist hoffnungslos aber nicht ernst

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kaminzu
Guest
Registriert: Not Yet

Mittelmass

Hast Du nicht den Eindruck, dass Bernhards "Kalkwerk" eher mittelmaessig ist in seiner Komposition und Intention? Ich meine verglichen mit den grossen Erzaehlungen und Romanen der ganz fruehen und dann wieder ganz spaeten Phase (also der Bernhard aus "Frost", "Watten", "Beton" und vor allem "Ausloeschung") erscheint mir dieses Buch eher medioker. Auch der Rueckgriff auf einen Mordfall hat mich eher befremdet, weil Bernhard sonst auch ohne solch triviale Merkmale der Komposiiton auskam?
Wie siehst du das?

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Rainer Heiß
Hobbydichter
Registriert: Apr 2001

Werke: 21
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Liebhaber, nicht Kenner

Hallo kaminzu,

von den Romanen, die du auflistest, kenne ich (leider!) nur Beton und Auslöschung. Mit beiden hatte ich zunächst so meine Probleme. Kann sein, dass ich speziell auf Das Kalkwerk so abfahre, weil es meinen Bernhardschen Durchbruch bedeutet hat. Trotzdem finde ich nicht, dass das Mordmotiv fehl am Platze ist. Erstens breitet sich Bernhard nicht sonderlich darüber aus, sondern nimmt es eher als Anlass, teilweise sogar losgelöst davon die Psyche der beiden Kalkwerksbewohner, besonders des Mörders, zu durchleuchten, zweitens passt ein Mord m.E. recht gut in die Figurenwelt eines T. Bernhard. Zu trivial? Einer, der über das Leben und das Schlechte im Menschen schreibt, sollte schon einen Mord auch einmal mit einarbeiten, schließlich ist das Leben so trivial. Ist aber womöglich Ansichtssache. Vom Spannungsbogen hat mir zuletzt Die Billigesser sehr gut gefallen. In dieser Hinsicht überbietet er Das Kalkwerk deutlich. Manche Passagen aus dem Kalkwerk halte ich allerdings für unschlagbar, z.B. wenn die "Entschnörkelung" des Baus beschrieben wird, oder der Mörder "höchstwachsendes Gestrüpp" aus der Schweiz kommen lässt, damit keine ungebetenen Spaziergänger mehr zum Kalkwerk herüber sehen können.
Auf jeden Fall werde ich deinen Anregungen nachkommen, um so nach und nach einen besseren Überblick über Bernhards Werk bekommen.
Grüße, Rainer

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