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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Tiefgang - oder vom Geheimnis, keine Geheimnisse zu haben
Eingestellt am 30. 06. 2007 14:15


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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

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Es lebe der fantasievolle Schriftsteller mit Tiefgang! Nein, ernsthaft!
Jede potentielle Leserin spürt sie doch (und jeder Leser auch) – die unwiderstehliche Versuchung, wenigstens einen Blick in fremde und eigene Abgründe zu riskieren, um ihnen damit ihre Geheimnisse zu entlocken.
Nichts und niemand kann sie oder ihn daran hindern, in den tiefen Brunnen zu sehen, aus dessen Dunkelheit Wasser letzte Lichtreste zurĂĽckspiegelt. Und keiner widersteht dem Reiz, tief in die Augen der oder des Geliebten und weit hinter das eigene Spiegelbild darin zu schauen.
Doch leisten wir durch die Ausbeutung unserer und der Geheimnisvorräte der Umwelt nicht einer drohenden todbringenden Langeweile Vorschub und damit einen weiteren Beitrag zum kollektiven Selbstmord?
Vielleicht zieht sich Gott nur deswegen immer weiter zurück, weil ihn seine Allwissenheit seit Ewigkeiten langweilt. Höchstwahrscheinlich hält ihn nur noch das spannende Spiel mit uns Menschen um die letzten Geheimnisse am göttlichen Leben. Was, wenn das Spiel aus ist?
Kirchliche Gottesmännern stehen nicht von ungefähr unter dem Verdacht zu verbergen, dass es irgendwann kein Geheimnis mehr gibt. Und dieses letzte aller Geheimnisse nennen sie angeblich Gott.
Wissenschaft ist um der eigenen Sache willen gezwungen, Geheimnisse zu lösen und kann sie nicht bewahren. Aber gleichzeitig hat sie ein Dilemma. Nicht umsonst meinen vorausschauende Wissenschaftler zu wissen, dass hinter jedem erforschten Geheimnis wenigstens zwei neue lauern. Und Wissenschaftler müssen so denken. Werden sie doch sonst durch eigenes Verschulden arbeitslos und überflüssig.
In diesen postpostmodernen Zeiten geht es allerdings offenbar auch ohne Tiefgang. Oberflächliche Drehbuchschreiber und oberflächliche (Selbst-)Darsteller qualitätsfreier Vorabend-Soaps zum Beispiel verstehen es, immer mehr Verehrerinnen und Verehrer für sich zu begeistern. Jene, die aus Angst vor eigenen und den Abgründen unserer unerträglichen Zeiten an die Oberfläche fliehen, scheinen sich epidemieartig zu vermehren.
Lasst sie ruhig! Es gibt verschämte Oberflächliche genug, die aus Selbsterhaltungstrieb das – wenn auch schlecht gehütete - Geheimnis mit ihnen teilen müssen, keinen Tiefgang zu haben. Manche stellen sich deswegen sogar Romane mit echtem Tiefgang ins Bücherregal. Und selbst, wenn sie diese nicht lesen, hat der tiefgehende Autor wenigstens daran verdient.

__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

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