Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5506
Themen:   94007
Momentan online:
297 Gäste und 13 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kindergeschichten
Tiffi und der Waldstein
Eingestellt am 23. 06. 2013 20:20


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
rogathe
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2011

Werke: 253
Kommentare: 2286
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um rogathe eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Tiffi und der Waldstein

Tiffi rutscht ungeduldig auf dem Stuhl in der Diele hin und her. „Wo bleibt denn Tante Gerda? Es ist doch schon spät!“ Gemeinsam besuchen sie heute abend ein Klavierkonzert, zu dem sie ihre Tante als nachträgliche Geburtstagsüberraschung eingeladen hat. „Weil du seit kurzem selbst so gern spielst und gute Fortschritte im Klavierunterricht machst“, sagte sie damals mit Lächeln und strich ihr liebevoll übers Haar. Endlich hupt es vor der Haustür und Tiffi saust los. Im Theater herrscht ein ziemliches Gewimmel und sie muss aufpassen, Tante Gerda nicht zu verlieren. Bald, nachdem sie ihre Plätze eingenommen haben, wird es dunkel und die Vorstellung beginnt. Das erste Stück kennt Tiffi nicht, aber das zweite - Beethovens Waldsteinsonate - hat sie schon einmal gehört. Ganz, ganz leise summt sie mit. Schnell vergisst sie alles um sich herum und fliegt mit den Tönen.
Schon steht sie mitten in einem Wald. Wichtel, immer mehr Wichtel stürmen an ihr vorbei. Erschrocken springt sie - zum Glück unbemerkt - hinter einen dicken Buchenstamm. Von dort beobachtet sie, wie ihnen ein alter Wichtel mit langem weißen Bart folgt. Immer wieder hält er an und ruft die Jungen zu sich zurück, um sie über Heilpflanzen zu belehren, die dort wachsen. „Ja, Weiser Wichtel, das ist der Rote Fingerhut, herzwirksam aber giftig“, hört Tiffi sie sagen. Gleich darauf rennen sie wieder um die Wette, verstecken sich unter großen Blättern und hinter Pilzen. Sie schwingen an herabhängenden Zweigen, necken Hirschkäfer mit Grashalmen und haschen nach Schmetterlingen. Tiffi schleicht ihnen neugierig hinterher. Als besonders übermütige Wichtel Eichhörnchen jagen, um auf ihnen zu reiten, muss sie fast losprusten. Beinahe hätte sie sich verraten.
Ein Eichelhäher in hohen Wipfeln erspäht die Gruppe und meldet ihre Anwesenheit sogleich dem riesigen Troll, der hinter einem Felsen in seiner Höhle haust. Argwöhnisch beauftragt dieser seinen Spion, die Eindringlinge weiterhin im Auge zu behalten.
„Da vorne! Eine Wiese mit einem See!“ „Los, wer als erster im Wasser ist, bekommt ein Extra-Stück Honigkuchen!“ „Vorsicht, in unbekannte Gewässer springt man nicht einfach so! Wer weiß, was sich darin verbirgt!“ Heftig schwenkt der alte Wichtel seine Zipfelmütze und hastet seinen Schützlingen hinterher. Aber die sind viel zu schnell für ihn. Schon stürzt sich Wunni kopfüber in den See, platscht Worbel mit angezogenen Beinen auf seinem Popo ins Wasser, als Witsch und Wutsch erschrocken kreischen: „Achtung! Da - ein Ungeheuer!“
Ein weit aufgerissenes riesiges Maul ragt gefährlich nah heraus und grollt mit dunkler Stimme: „Wer stört mich da?“ Die beiden vorwitzigen Wichtel kraulen schleunigst ans Ufer und ziehen sich an Binsen hoch. Puh. Gerettet. Sie sausen davon und halten erst in sicherem Abstand an. Atemlos und mit gesenkten Köpfen erwarten sie ihre Strafpredigt vom Weisen Wichtel. Als dieser mit hochrotem Gesicht losschimpft, sieht Tiffi, wie eine Fröschin mit einem eleganten Sonnenhut herbeihopst und ihm ins Wort fällt: „Quapp, quapp, bloß keine Aufregung, das ist Alifa, der Alligator. Er grummelt nur, der alte Griesgram. Wichtel schmecken ihm nicht. Aber Honigkuchen mag er.“ „So, so, dann wollen wir Alifa besänftigen und ihm das Stück Honigkuchen schenken, das für den Sieger vorgesehen war“, entscheidet der Weise Wichtel mit einem Seitenblick auf die tropfnassen Bengel und wirft ihm Wunnis Portion zielsicher in den Rachen.
„Hmmm, lecker, allerdings dürfte es ein bisschen mehr sein, nicht wahr, Frau von Quapp?“, mäkelt Alifa. „Wie ungehörig! Das kleine Häppchen reicht doch als Entschuldigung.“ Die Fröschin verdreht die Augen und schüttelt sich so empört, dass ihr Sonnenhut bedenklich wackelt: „Tz, tz, tz, was für ein Benehmen!“
Der Alligator klappt beleidigt sein Maul zu und schickt sich an, abzutauchen, als ihn der Wichtellehrer neugierig fragt: „Herr Alifa, wie kommt es, dass Sie in diesem schwarzen See leben? Das ist äußerst ungewöhnlich.“
„Ich bewache den Waldstein, einen Kristall mit Heil- und Zauberkraft“, flüstert der Alligator geheimnisvoll. „Den hat der Troll hier versenkt, damit ihn niemand stiehlt.“ Flugs schlägt er einmal kräftig mit seinem langen Schwanz auf die Wasseroberfläche, dass es nur so spritzt, dann ist er in der Tiefe verschwunden. Der Weise Wichtel bleibt nachdenklich zurück und beschließt, seinen Schülern vorerst nichts davon zu erzählen.
„Lasst uns picknicken!“, ruft er.
Beunruhigt hört der Troll dem Eichelhäher zu, der ihm diensteifrig von dem Vorfall am See berichtet. Nach jedem Satz blitzen seine Augen mehr, schüttelt er heftiger sein Zottelhaupt. Eilig macht er sich auf den Weg. Rücksichtslos trampelt er durchs Dickicht und zerquetscht dabei einen alten Igel, der nicht schnell genug fliehen konnte. Achtlos streift er Äste beiseite und reißt dabei das Nest einer Nachtigall zu Boden, so dass die Eier zerbrechen und ein Junges verletzt wird. „Wer wagt sich in meinen Wald, an meinen See?“ Seine Donnerstimme schreckt eine Schar Wildgänse auf, die nah am Wasser grasen. „Trollt euch, trollt euch, traut dem Troll nicht! Trollt euch, trollt euch, traut dem Troll nicht!”, warnen sie die Wichtel mit lautem Geschnatter und fliegen davon. „Ach was, der tut uns doch nichts!“ Unbekümmert und übermütig äffen sie die Vögel nach: „Troll dich, troll dich, oller Troll du! Troll dich, troll dich, oller Troll du!“
Schon steht der Riese am Ufer und brüllt: „Alifa!“ Nur einen Schritt weiter geraten seine klobigen Füße den Wichteln gefährlich nahe. Angesichts der zwölf behaarten Knollenzehen wird es ihnen doch mulmig zumute, sie verstummen und kauern sich dicht aneinander. „Guten Tag, Herr des Waldes!“ Der alte Wichtel zieht mit einer ehrfürchtigen Verbeugung seine Zipfelmütze vom Kopf. „Wir befinden uns auf einer botanischen Exkursion und rasten hier nur kurz, um uns zu stärken und zu erfrischen.“
Unwirsch winkt der Troll ab: „Alifa!“ Endlich nähert sich der Alligator. „Was wollen die Fremdlinge an meinem See?“ „Nur ein wenig Abkühlung, weiter nichts“, besänftigt er den Troll und taucht vorsichtshalber schnell wieder ab. So hört er dessen nächste Frage nicht mehr. „Hast du ihnen nichts von dem geheimnisvollen Waldstein verraten?“
Sofort spitzen die Wichtel ihre Ohren. „Ein Geheimnis?“ „Was für ein Geheimnis?“ „Was für ein Stein?“ „Wo ist er denn?“ Aufgeregt plappern sie durcheinander.
„Ähm, nun“, räuspert sich der Weise Wichtel, „ich bin es gewohnt, Stillschweigen über Geheimnisse zu bewahren.“ „Er ist mein Zauberstein und seine Heilkräfte sind nur für mich bestimmt“, tönt der Troll mit lauter Stimme. In seinem Unmut vergisst er alle Vorsicht und gibt das Geheimnis nun selbst preis.
„Aber, wenn so ein Zauberstein heilen kann, muss er doch für alle da sein!“ Tiffi hält es nicht mehr in ihrem Versteck hinter einem Baumstamm und sie stampft wütend die kurze Strecke hin zum Troll. „Nanu?“ Verdutzt beugt er sich zu dem Mädchen hinunter. „Was willst du hier, du Mensch?“
„Ein Mensch!“ „Ein Mädchen!“ „Hier im Trollwald!“, flüstern die Wichtel erschrocken.
Tiffi streckt ihm ihre geschlossenen Hände entgegen, aus denen es leise piept, reckt ihr Kinn so hoch es geht und sprudelt trotzig los: „Ich sah, wie respektlos du mit den Tieren und Pflanzen im Wald umgehst. Hier, das Vögelchen hat ein gebrochenes Bein, weil du es mitsamt seinem Nest zu Boden schleudertest! Schämen solltest du dich dafür! Jetzt nimm gefälligst deinen Zauberstein und mach es wieder gesund!“ „Potzblitz!“, donnert der Herr des Waldes - und schnappt gleich darauf nach Luft, wie ein Fisch an Land. „Ist Ihnen nicht gut?“ Besorgt erkundigt sich der alte Wichtel. Der Riese japst: „Zuviel Aufregung! Alifa, bring mir sofort meinen Waldstein! Hörst du?“ Der Alligator reagiert aber nicht, er ist wieder einmal untergetaucht, um dem Gebrüll des Riesen zu entgehen. Also nimmt Frau von Quapp ihren Sonnenhut ab, schwimmt zügig zu Alifa und überbringt ihm den Befehl des Trolls. Kurz darauf trägt der Alligator den glitzernden Kristall in seinem Maul ans Ufer. Gierig greift ihn sich der Troll. „Ah, tut das gut.“ Mehrmals streicht er sich damit über seine Brust. Endlich kann er wieder durchatmen. Einen Augenblick lang gleitet sein Blick vom Stein zum Mädchen und zurück und er dreht und wendet den Zauberstein in seinen Händen. Doch dann wirft er ihn in hohem Bogen in den See. Niemand außer ihm selbst soll ihn benutzen dürfen. Von so einem Menschenkind lässt er sich schon gar nichts sagen. Das soll froh sein, dass er es nicht kurzerhand umbringt.
Betrübt beobachtet der alte Wichtel, wie die Wellen Kreise formen.
„Lass mich das Beinchen untersuchen, ich kenne mich in der Heilkunst aus.“ Vorsichtig nimmt er das verletzte Tierchen aus Tiffis Händen und bettet es behutsam auf ein Fleckchen Moos. „Wunni, Worbel, bringt mir bitte zwei dünne Ästchen und lange Grashalme. Ich will das Bein mit Moos polstern und schienen.“ Zu dem Mädchen gewandt murmelt er: „Dazu braucht man doch keine Zauberei. Jetzt müssen wir die kleine Nachtigall gut pflegen und füttern, damit sie überlebt.“ Er schickt die Wichtel aus, um Beeren, Würmer und Larven zu sammeln.
In diesem Moment tönt ein lautes „Schrab-schrab“ über den Wald und ein riesiger Schatten huscht über die Wiese. Dann reißt ein gewaltiger Luftwirbel die Wichtel und die Fröschin von den Füßen. Tiffi rettet sich mit einem Riesensprung aus der Gefahrenzone. Direkt über dem Troll steht ein brummender Helikopter in der Luft. Aus seinem Bauch fällt ein großes Netz herab, umfängt ihn und zieht ihn in die Höhe. „Wir haben ihn!“, hört Tiffi eine raue Männerstimme rufen. Dann fliegt er mit dem darunter baumelnden Troll über die Wipfel davon. Fassungslos starren sie mit offenen Mündern hinterher. Allmählich rappeln sich alle miteinander wieder auf. „So eine Frechheit!“, schimpft Frau von Quapp, „Unverschämt ist das. Wo ist nur mein edler Sonnenhut?“ „Du und dein blöder Hut. Hast du nicht bemerkt, dass der Troll fort ist?“ Alifa kriecht ans Ufer. „Auf dem Heli stand irgendwas von einem Zoo“, stammelt Tiffi. „Vielleicht haben sie den Troll für ein seltenes wildes Tier gehalten!“ „Na, das passt ja.“ Wunni ist schon wieder frech wie eh und je. „Wo ist denn eigentlich der Waldstein?“ „Hat er wirklich Zauberkräfte? Immerhin hat der Troll damit besser Luft bekommen."„Nun, der Stein liegt wieder auf dem Grund des Sees. Vielleicht sollte er dortbleiben. Zauberkräfte? Atemnot hatte er nur wegen seines schlechten Gewissens. Mit dem Stein hat er sich zwar beruhigt, aber mit Zauberei hat das absolut nichts zu tun. Verlassen wir uns lieber auf unsere eigenen Kräfte!“ Der Weise Wichtel streicht sich nachdenklich über den langen Bart. „Aber er glitzert doch so schön im Sonnenschein.“ Tiffi bekommt vor Eifer rote Wangen. „Wäre er am Ufer, könnten sich zumindest alle an seinem Funkeln erfreuen.“ Das überzeugt auch den alten Wichtel und er beauftragt Alifa, den Stein ein letztes Mal heraufzubringen. „Möge seine Schönheit die Besucher des Sees bezaubern und ihnen Zufriedenheit schenken.“
Diese Entscheidung gefällt den Wichteln. Sie klatschen vergnügt in die Hände, tollen herum und singen aus voller Kehle: „Nie mehr grollt der Troll im Trollwald! Nie mehr grollt der Troll im Trollwald!“
Das hören sogar die Wildgänse und sie landen wieder mit fröhlichem Geschnatter auf der Wiese.

Die Pianistin hat zu Ende gespielt. Für einen Augenblick ist es still im Konzertsaal. Dann holt brausender Applaus Tiffi zurück auf ihren Sitz neben Tante Gerda. „Das war ein tolles Abenteuer!“, strahlt sie. „Danke!“ Tante Gerda blick ratlos drein: „Ein Abenteuer? Das musst du mir erzählen!“ Und Tiffi legt los ...

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


2 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Kindergeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Werbung