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Leselupe.de > Science Fiction
Timmy und die Monster
Eingestellt am 09. 08. 2006 18:19


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MrS
Hobbydichter
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Timmy spuckte ins Becken, s├Ąuberte die Zahnb├╝rste und stellte sie zur├╝ck in seinen Zahnputzbecher. Das Christie-Cross-Gesicht auf dem Becher entbl├Â├čte ein strahlend wei├čes Gebiss.
"Drei mal putzen am Tag h├Ąlt die Z├Ąhne stark", pl├Ąrrte der Lautsprecher. Timmy wusste, dass Christie Cross alles wusste und immer Recht hatte, also hielt er sich daran. Aber die echte Christie Cross war nicht da, deshalb konnte sie ihm zu dem Problem, das er jetzt hatte, keine Tipps geben.
"Ma, da ist ein Monster unter meinem Bett", sagte Timmy, als seine Ma ins Badezimmer kam, um nach ihm zu sehen.
Sie tupfte ihm l├Ąchelnd die Zahnpastareste vom Mund. Dann nahm sie ihn auf den Arm. Gemeinsam schauten sie durch seine offenstehende Zimmert├╝r. Die leuchtenden, tellerrunden, roten Augen unter dem Bett waren verschwunden, dabei hatte Timmy sie gerade noch gesehen. Timmy wusste, dass das Monster schlau war. Sicher hatte es seine Augen geschlossen, als es Ma bemerkt hatte, um sich nicht zu verraten. Nur der Wind, der durch das ge├Âffnete Fenster hereinblies, zauste leicht an den Ecken von Timmys Bilderb├╝chern. Die Abendsonne stand tief und warf die Umrisse des Teddyb├Ąren, der auf dem Bett sa├č, als bedrohlichen Schatten auf die Tapete.
"Nein Timmy, das ist kein Monster. Das ist nur Mr. B├Ąr, siehst du?", sagte Ma, deutete auf das Stofftier und schloss das Fenster. Als sie die Jalousien herablie├č, verschwanden Mr. B├Ąrs dunkle Schemen von der Wand.
"Aber Ma", quengelte Timmy, der sich vor der Zimmert├╝r hatte absetzen lassen,
"ich hab ein anderes Monster gesehen. Es ist unterm Bett. Es hat ganz gro├če, runde Augen und ..."
"Meinst du nicht, dass du langsam ein bisschen zu alt f├╝r diesen Monsterquatsch wirst?"
Keiner von beiden hatte bemerkt, wie Pa die Treppe heraufgekommen war. Die gro├če Ader auf Pas Stirn pochte, wie immer, wenn er sehr w├╝tend war. Pa mochte es nicht, wenn Timmy von Monstern sprach. Eigentlich wurde er fast nie w├╝tend, aber wenn, dann ...
"Du willst doch bestimmt nur wieder in unserem Bett schlafen. Wie sieht denn das aus, wenn ein Fast-Schulkind noch bei Mama und Papa im Bett liegt, h├Ą?"
"Aber Paul, so gro├č ist er doch noch gar nicht."
Wieder strich Ma Timmy durchs Haar und dr├╝ckte ihn an sich. Normalerweise h├Ątte Timmy protestiert, aber jetzt war es ihm egal, was Ma glaubte, wenn er die Nacht nur nicht ├╝ber dem Monster verbringen musste.
"Aber Pa hat Recht, du solltest lernen, in deinem eigenen Bett zu schlafen."
Timmy wollte etwas erwidern, aber Ma ignorierte seine Einw├Ąnde, dr├╝ckte ihm einen Kuss auf die Stirn und seine Lolli-Box in die Hand. Dann zuckte sie grinsend zusammen, weil Pa ihr an den Hintern grabschte und schubste Timmy einfach in sein Zimmer. Er fiel hin, und bevor er wieder auf den Beinen stand, drehte sich hinter ihm der Schl├╝ssel im Schloss.

"Hi Timmy", sagte das Monster. Riesige, tellerrunde, rote Augen stachen aus der Schw├Ąrze unter dem Bett hervor. Die Stimme des Untiers knarzte, als ob es durch ein Dosentelefon sprach. Es stie├č seine langen, haarigen Arme nach vorne und zog sich unter dem Lattenrost hervor. Timmy riss die Augen auf.
Das Scheusal war blau und hatte schwarze, buschige Augenbrauen und gr├╝ne Eckz├Ąhne, die wie Nadeln aus seinem Gesicht spie├čten.
"Was meinst du", fragte das Monster, kam ganz nah und blies Timmy seinen fauligen Atem ins Gesicht, "schmeckt dein Kopf besser oder deine Beinchen?"
Die lilafarbene Zunge schleckte in freudiger Erwartung ├╝ber die wulstigen Lippen und schlie├člich auch ├╝ber Timmys Gesicht, wie um dessen Geschmack zu pr├╝fen. Timmy sp├╝rte einen Klo├č in seinem Hals und trommelte mit den F├Ąusten gegen die T├╝r so fest er konnte. Aber hinter der T├╝r war nur das gleichm├Ą├čige, ged├Ąmpfte St├Âhnen von Ma und Pa.

"Ma! Ma!\" Der Klo├č in seinem Hals brach heraus und Tr├Ąnen liefen ihm ├╝ber die Wangen. Das Untier lachte, es klang wie zwei aufeinanderschabende Metallplatten.
"Deine Eltern k├Ânnen dich nicht h├Âren, mein kleiner Leckerbissen."
Das Monster hatte ihn zwischen der T├╝r und seinem K├Ârper eingepfercht.
"Du hast aber einen seltsamen Nachgeschmack, lass mich noch mal kosten." Wieder fuhr Timmy die raue Zunge ├╝bers Gesicht. Timmy schloss die Augen, sein Herz raste wie wild, er sp├╝rte schon, wie die Eckz├Ąhne in seine Wange stachen, als das Scheusal pl├Âtzlich einhielt und ihn loslie├č. Es hatte sich in Gr├╝nliche verf├Ąrbt und spuckte angewidert aus.
"Lollis?!", br├╝llte es, "Lucky Lollies?" Das Gesicht des Ungeheuers war von Angst verzerrt, als h├Ątte es sich selbst im Spiegel gesehen.
"Kinder, die diese Lollis essen, sind Gift f├╝r jedes Monster!", sagte das Monster wie in der Fernsehwerbung, sah Timmy vorwurfsvoll an und lie├č vor Entsetzen sein Maul ein gro├čes St├╝ck weit aufstehen.
Timmy zog die Nase hoch und ergriff die Gelegenheit. Er warf der blauen Bestie einen rotierenden, roten Lucky Lolli aus seiner Box in den Schlund. Das Untier schluckte ihn aus Reflex mitsamt dem Stil, dann kotzte es eine gelbe Br├╝he aus, die sich blubbernd in den Teppich fra├č. Aufgeregt lief es im Zimmer herum und schrumpfte unter leidigem Gejaul immer weiter zusammen. Schlie├člich floh es in ein kleines Loch in der Wand. Das Loch war so klein, dass Timmy es vorher noch nie bemerkt hatte, aber das Monster passte hindurch.
"Warte nur, bis dir die Lucky Lollies ausgegangen sind", rief es Timmy nach. Seine Stimme war so hoch, als h├Ątte es eine ganze Scheune Heliumballons eingeatmet, und gar nicht mehr bedrohlich. Timmy schlug das Herz bis zum Hals. Schnell schob er die Kiste mit seinen Bausteinen vor das Loch und sank ersch├Âpft auf den Fu├čboden.

Das Zimmer zerfloss in einen bunten Strudel, der ihn verschluckte.

Er schlug die verklebten Augen auf. Die Gesichter, die ihn verschwommen durch die von seinem Atem beschlagene Glasscheibe anl├Ąchelten, geh├Ârten Ma und der Kinderg├Ąrtnerin. Die Scheibe fuhr zur Seite. Er sp├╝rte, wie die Saugn├Ąpfe von seinem Sch├Ądel abgezogen wurden. Aus der Hand der Kinderg├Ąrtnerin hingen die Kontakte mit den Saugn├Ąpfen an den Kabelstr├Ąngen im k├╝nstlichen Licht wie ein metallenes Mobile. Die Kinderg├Ąrtnerin blieb zur├╝ck, so dass sich Ma Timmy mit dem Vorhang vor den Blicken von ihr und anderen fremden Leute sch├╝tzen konnte. Danach wurde der nackte Timmy von ihr aus seinem Metallkokon gezogen.
\"Warum hast du mich mit dem Monster eingesperrt, Ma?\", br├╝llte Timmy und dr├╝ckte sich fest an das neue Business-Kleid seiner Mutter. Sein Gesicht hinterlie├č dort eine dunkle, feuchte Stelle.
"Es wollte mich fressen, und, und ..."
Ma strich Timmy ├╝ber den Kopf, w├Ąhrend er weiter weinte und auf sie einredete.
"Ist ja gut", beruhigte sie ihn. Mrs Stephenson, die Kinderg├Ąrtnerin, schien ihren fragenden Blick auch ohne Sichtkontakt zu sp├╝ren und setzte die Unterhaltung ├╝ber den Vorhang hinweg fort.
"Es kann ab und zu schon vorkommen, dass ein Kind sich erst an die neue Methode gew├Âhnen muss. Wenn er Alptr├Ąume bekommen sollte, ist das zu Anfang ganz normal. Das bekommen wir schon hin".
Schlie├člich hatte Timmy sich so weit beruhigt, dass Ma ihn absetzen und ihm beim Anziehen helfen konnte.
"Ich wei├č nicht - ich werde dar├╝ber noch einmal mit meinem Mann reden m├╝ssen."
Als Timmy wieder in seiner Kleidung steckte, ├Âffnete seine Ma den Vorhang und st├Âckelte mit ihm auf dem Arm zur├╝ck auf den Parkplatz.
"Tun Sie das. Auf Wiedersehen, Mrs Stephenson."
"Auf Wiedersehen, Mrs Miller. Vielleicht bis Morgen, Timmy."

Der Parkplatz kochte unter der Sommersonne, aber der Gleiter stand im k├╝hlen Schatten einer alten Buche. Nachdem Ma Timmy auf dem R├╝cksitz verstaut hatte, wies sie sich mit einem Fingerabdruck aus und dr├╝ckte auf die Z├╝ndung. Surrend hob der Gleiter ab, am Meer mit seinen Reihen von mit Windkraftwerken besetzten k├╝nstlichen Inseln vorbei. Aus der Ferne sah es ein bisschen aus, als ob ein Bauer Windm├╝hlen anbaute. Auf den Hauptluftwegen war die ganze obere Spur frei, so dass sie die 300 Kilometer nach Hause in einer Viertelstunde schafften.

"Muss ich morgen wieder in den Kindergarten, Ma?", fragte Timmy, als sie vor dem Haus landeten, in dem er mit seinen Eltern und seiner gro├čen Schwester Lara wohnte.
"Nein", sagte Ma, w├Ąhrend sie den Sicherheitsgurt l├Âste und Timmy an der Hand auf die Haust├╝r zuf├╝hrte, "du musst nie mehr in den Kindergarten."
"Gut", sagte Timmy.
"Wei├čt du auch wieso?", fragte Ma und ihre Stimme bekam einen seltsam metallischen Klang. Timmy sah sie nur erschrocken an und sagte nichts.
"Weil du schon so lange keinen Lolli mehr gegessen hast, dass wir Monster dich wieder fressen k├Ânnen."
Die Haust├╝r ├Âffnete sich und darin stand das Ungeheuer. Es trug Pas Anzug und seine schwarze Lieblingsmelone. Als es Timmy sah verbog es das Maul zwischen seinen Eckz├Ąhnen zu einem fiesen Grinsen.
"Ma, h├Âr auf. Halt an!" Ma ignorierte ihn und zog ihn immer weiter. Blaue Haare schossen aus ihrer Haut und Eckz├Ąhne aus ihrem Gesicht. Das Monster in der T├╝r wartete, und als Timmy nahe genug war, schnappte es ihn mit seinen Pranken. Timmy zappelte und br├╝llte. Das Scheusal lachte und sperrte sein Maul auf. Timmy sah in gewaltigen Reihen von spitzen Z├Ąhnen ├╝ber einem unendlichen Schlund und dachte an seinen rettenden Lutschervorrat, den er dem Monster jetzt in den Rachen werfen wollte und den er auf dem R├╝cksitz liegen gelassen hatte.
Dann verblasste die Szene.

"Timmy, Timmy, das war gar nicht gut", sagte die Christie-Cross-Puppe ein wenig traurig und sch├╝ttelte bedauernd den Kopf. Aber gleich darauf l├Ąchelte sie aufmunternd. Timmys Herz pochte in seiner Brust, als w├Ąre er zwei Stunden lang gerannt.
"Aber es ist ja dein erster Tag, da kann man noch nicht alles wissen."
Die Augen der Puppe leuchteten in einem strahlenden Gr├╝n. Christie Cross wusste alles, sogar Timmys Lieblingsfarbe. Gr├╝n wie die Wiese, auf der Timmy immer mit seinem kleinen Hund Robby herumtobte. Gr├╝n wie die Augen, mit denen Kayla ihn gerade absch├Ątzend musterte. Auf der Tafel war noch zu sehen, wie das Monster gen├╝sslich Fleischreste von Timmys Knochen kaute.
"Wisst ihr, warum das Monster Timmy gefressen hat?"
Kayla und ein paar andere Kinder streckten schnell den Zeigefinger nach oben. Die Christie-Cross-Puppe nickte Kayla zu, dabei quietschte leise das Gelenk in ihrem Hals.
"Weil er seine Lucky-Lolli-Box vergessen hat", sagte Kayla. Es klang wie eine
Anklage. Dabei verzog sie ihr Gesicht, so dass die Sommersprossen um ihre Nase noch ein wenig n├Ąher zusammenr├╝ckten.
Christie Cross l├Ąchelte. "Das ist richtig, Kayla." Ihre Augen nahmen ein dunkles Blau an. Blau wie das Meer, in dem die Delfine wohnen, dachte Kayla und f├╝hlte nach dem Delfinbilderbuch, das auf ihrem Scho├č lag.
"Warum noch?"
Ein kleiner blonder Junge druckste auf seinem Stuhl herum.
Die Christie-Cross-Puppe drehte ihm quietschend den Kopf zu.
"Wei├čt du es, Phillipp?"
Phillipp nickte mit dem Kopf und schwieg.
"Warum denn?" Die Christie-Cross-Puppe l├Ąchelte aufmunternd.
Phillipp schaute an der Puppe vorbei, w├Ąhrend er antwortete, als w├Ąre es ihm unangenehm.
"Weil er gedacht hat, dass seine Mami kein Monster sein kann."
"Richtig", sagte Christie Cross, zog die Mundwinkel noch weiter nach oben als gew├Âhnlich und zeigte ihre "drei-mal-putzen-am-Tag"-Z├Ąhne.
"Du hast ja wirklich viel gelernt, Phillipp."
Als Phillipp wieder zu ihr sah, waren Christie Cross\' Augen kornfarben, kornfarben wie das Haar von Phillipps Ma, die vielleicht ein Monster war.

Dann war Kayla an der Reihe mit dem Traumspiel. Ihr K├Ârper blieb steif auf dem Stuhl sitzen und starrte stumpf geradeaus, w├Ąhrend die anderen Kinder ihre Erlebnisse auf der Tafel verfolgten. Die Monster hatten sich bei ihr einmal im K├╝hlschrank versteckt und eines sah aus wie ihre Oma, bevor das Gesicht ├╝ber dem riesigen Monstersch├Ądel in tausende Fetzen zerriss, die langsam auf den Boden segelten. Anders als Kayla sahen die anderen Kinder das schon, bevor das Spiel begann. Als Kayla im Spiel etwas aus dem K├╝hlschrank holen wollte, legte sie ihre Lutscherbox auf den K├╝chentisch.
Bl├Âde, doch nicht so oberkluge Kayla mit den gr├╝nen Augen, dachte Timmy und grinste in sich hinein. Vielleicht erwischte das Monster sie jetzt auch. Aber als das Monster aus dem K├╝hlschrank sprang und an ihr roch, r├╝mpfte es nur die Nase und lief angewidert vor ihr davon.
"Warum hat das Monster Kayla nicht gefressen?", fragte die Christie-Cross-Puppe.
Timmy fiel sofort sein eigenes Erlebnis mit dem Monster wieder ein.
"Weil sie vorher rechtzeitig einen Lolli gegessen hat\", rief er dann einfach in die Runde.
"Richtig." Christie Cross l├Ąchelte gr├╝naugig.
"Sehr gut." Auf der Tafel war schon die zweite Szene zu sehen. Kayla redete mit ihrer Oma. Es ging darum, warum ihre Eltern damals gestorben waren. Die Oma erz├Ąhlte etwas von einem Gleiterunfall. Sie schienen beide traurig zu sein, hielten sich in den Armen und weinten.
Zur Belohnung f├╝r ihre richtigen Antworten bekamen Timmy und Phillipp einen Lucky-Lolli-Monsterblaster. Der Lutscher war so gro├č, dass er kaum in Timmys Mund passte und an seinen Z├Ąhnen schabte. Er hatte einen Knopf, mit dem man die s├╝├če Kugel surrend im Mund rotieren lassen konnte. Im Tafelvideo schrie Kayla erschrocken auf, als aus ihrer Gro├čmutter, die Kayla immer noch auf dem Scho├č hatte, ein Monster schl├╝pfte. Kayla griff reflexartig nach ihrer Lollibox, aber sie war leer. In dem Film auf der Tafel biss das Monster Kayla den Kopf ab. Timmy war pl├Âtzlich gar nicht mehr nach Lachen zumute.
"Was hat Kayla falsch gemacht, Kinder?", fragte Christie Cross, als Kayla wieder zur├╝ck in ihrem K├Ârper auf dem Stuhl war.
"Ihre Box nicht rechtzeitig aufgef├╝llt", antworteten die Kinder im Chor.
"Und was noch?"
"Sie hat gedacht, dass ihre Oma kein Monster sein kann", fl├╝sterte Phillipp.
Er war so wei├č wie das St├╝ck Kreide, das auf der Ablage unter der Tafel lag.
Kaylas K├Ârper starrte nur vor sich hin, so als ob Kayla immer noch im Traumspiel war.

"Ich wei├č gar nicht, was du hast", sagte Timmys Pa am Handy in der realen Welt zu Timmys Ma, die aufgeregt auf ihn einredete, "nur weil es ungewohnt aussieht, ist es deshalb nicht schlecht f├╝r ihn".
"Du h├Ąttest das sehen sollen, Paul", sagte Timmys Ma, "sie haben ihn nackt ausgezogen und Elektroden an seinem Kopf befestigt wie bei einem Affen im Labor. Bei allen diesen Kindern."
"Die Elektroden sind halt ihre Methoden, ihm was beizubringen. Was sollen sie sonst tun, w├Ąhrend er schl├Ąft, gut auf ihn einreden?\"
"Nein, aber ..."
"Er erh├Ąlt die beste Ausbildung, die es im Vorschulalter gibt", sagte Timmys Pa, "Schreiben, Rechnen, Algebra, Naturwissenschaft ... Alles schon vor der Grundschule."
"H├Âr auf, mir aus den Prospekten vorzulesen", sagte Timmys Ma. "Ich wei├č nicht, ob das richtig f├╝r ihn ist. Gute Ausbildung hin oder her."
"Immerhin\", meinte Timmys Pa, "k├Ânnen wir so die ganze Zeit als Computersimulation bei ihm sein und brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, weil sie uns aus seinen Erinnerungen naturgetreu rekonstruieren. F├╝r ihn ist es, als ob wir wirklich da w├Ąren. Und du kannst dich endlich ganz deinem Job widmen.\"
"Ich hab gesagt, h├Âr auf damit. Ich habe einfach kein gutes Gef├╝hl dabei."
"Meine Mittagspause ist zuende", sagte Timmys Pa.
"Lass uns heute abend noch einmal in Ruhe dar├╝ber reden. Wir k├Ânnen dann ja auch den Kleinen fragen, wie ihm sein erster Tag dort gefallen hat. Bis dann."
"Bis dann."

In Timmys Welt z├Ąhlten die Kinder Lollis und Monster. Timmy war gut darin. Die Christie-Cross-Puppe sah ihn an.
"Du hast nur noch einen Lucky Lolli. Drei Monster kommen auf dich zu. Wie viele Monster bleiben ├╝brig, wenn ein Monster deinen Lolli isst?"
Timmy stellte sich vor, wie die Monster auf ihn zukamen, wie eines den Lolli aus seiner Hand fra├č und dann zusammenschrumpfte und verschwand. Er z├Ąhlte in seinem Kopf noch zwei Monster.
"Zwei!", rief er.
"Richtig", sagte die Christie Cross Puppe. "Sehr gut."
Sie ging weiter im Stuhlkreis und stellte die Aufgabe immer mit verschieden vielen Monstern und Lollies.

Als Mrs. Miller ihren Sohn am Abend seines ersten Kindergartentages in der realen Welt abholen kam, ging sie noch ein wenig durch die gro├če Halle, w├Ąhrend Timmy aus seinem k├╝nstlichen Schlaf aufgeweckt wurde. Die be├Ąngstigenden Zuckungen, die er dabei vollf├╝hrte, konnte sie nicht ertragen, aber die Kinderg├Ąrtnerin hatte ihr versichert, dass das v├Âllig harmlos war. Sie war nicht ├╝berzeugt, aber was blieb ihr anderes ├╝brig, als zu warten?

In Timmys Kokonbatterie waren mittlerweile die meisten Kokons leer. Obwohl Mrs. Miller sich bem├╝ht hatte, fr├╝h von der Arbeit wegzukommen, hatte sie es nicht so fr├╝h geschafft wie erhofft.
"Wir w├Ąren dann soweit", rief die alte Kinderg├Ąrtnerin. Mrs Miller ging zur├╝ck zu dem Kokon, in dem ihr Sohn lag. Timmy blinzelte unter der von seinem Atem beschlagenen Glasscheibe. Die Kinderg├Ąrtnerin entfernte die Scheibe und dann auch die mit Saugn├Ąpfen versehenen Kontakte, die schlie├člich alle lose an den Kabelstr├Ąngen in ihrer Hand hingen.
"Wie ein metallenes Mobile", dachte Mrs. Miller und l├Ąchelte ihrem Sohn zu. Timmy sah sie an, als w├╝sste er nicht, was er von ihr halten sollte.
"Was hast du, Schatz?", fragte sie besorgt.
"Wo ist meine Lolli Box?"
Mrs. Miller lachte.
"Im Gleiter. Ich glaube, ich hab sie mitgebracht."
"Okay. Gut", sagte Timmy und beschielte sie weiterhin misstrauisch.
Sie zog den Vorhang zu und half ihrem Sohn beim Anziehen.
Dann stiegen sie in den Gleiter, der auf dem Parkplatz in der Abendsonne unter der alten Linde stand. Timmy fand seine Lollibox und atmete erleichtert auf, als noch einige Lutscher darin waren. Sofort schob er einen in den Mund.
"Willst du auch einen Lolli, Ma?", fragte er und lauerte.
"Nein danke, ich will nicht dick werden", sagte Ma, w├Ąhrend sie am Steuerkn├╝ppel drehte und den Gleiter auf den Weg brachte.
"Oh, okay", sagte Timmy und zog auf dem R├╝cksitz ein Gesicht. Fast die ganze R├╝ckfahrt ├╝ber schwieg er.
"Und, wie hat es dir im Kindergarten gefallen? Willst du morgen wieder hin?", fragte Ma, als sie an den Windm├╝hlenfeldern vorbeizischten. Timmy dachte daran, was beim letzten Mal passiert war, als er gesagt hatte, dass er den Kindergarten nicht mochte. Und das tat er ├╝berhaupt nicht, obwohl Monsterz├Ąhlen Spa├č machte.
"Ja, gerne", sagte er trotzdem und sein Herz schlug ihm auch mit dem Lucky-Lolli-Lutscher mit Kirschgeschmack im Mund bis zum Hals, als seine Ma ihn auf die noch verschlossene Haust├╝r zuf├╝hrte.

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MrS
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Irgendwie sind hier beim (erst)posten die Anf├╝hrungszeichen kaputt gegangen, das werd ich gleich mal richten.

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