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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Tochterliebe - Kurzkrimi
Eingestellt am 25. 07. 2003 14:47


Autor
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maralena01
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2003

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Irene joggt jeden Morgen. Seit drei Jahren schon.
Die Strecke ist stets die selbe: Die Stra├če hinunter bis zur Kreuzung, dann rechts an den Reihenh├Ąusern vorbei bis zum Ende der Bebauung. Die Stra├če geht dort ├╝ber in einen schmalen Asphaltweg, f├╝hrt noch an einem einzeln stehenden Haus vorbei und m├╝ndet dann in einen Feldweg, der sich zwischen Wiesen und Feldern am Horizont verliert. Es gibt genug Abwechslung f├╝r Irene: den Wechsel der Jahreszeiten, das t├Ągliche Wetter. In dem abseits gelegenen Haus am Asphaltweg wohnt die alte Frau Benger mit ihrer Tochter. Im letzten Sommer ist Frau Benger 93 Jahre alt geworden aber noch immer sitzt sie jeden Morgen um diese Zeit adrett gekleidet und frisch frisiert am Fenster. Zwei Jahre ist es her, als Irene einen Stein im Schuh bemerkte und nicht mehr weiter laufen konnte. Auf einem Bein balancierend zog sie ihn aus und hielt sich dabei am Gartenzaun fest. Frau Benger ├Âffnete ihr Fenster und fragte, ob ihr ├╝bel geworden sei und sie Hilfe brauche. Im Gespr├Ąch, das sich darauf hin entwickelte, erz├Ąhlte Frau Benger, dass sie sich nicht mehr bewegen k├Ânne und viel Betreuung brauche. Ihrer Tochter sei sie eine gro├če Last geworden. Vielleicht h├Ątte Frau Benger noch mehr erz├Ąhlt, aber Irene h├Ârte pl├Âtzlich eine Frauenstimme im Hintergrund zetern und dann wurde das Fenster rasch geschlossen. Seit diesem Morgen wurde Irene von Frau Benger mit einem freundlichen Kopfnicken begr├╝├čt, wenn sie auf ihrer Runde am Haus vorbeikam und Irene winkte ihr stets zur├╝ck. Ein Gespr├Ąch ergab sich nie wieder. Nur einmal, es muss schon vor 3 Monaten gewesen sein – Irene hatte schon ein paar Tage zuvor bemerkt, dass Frau Benger zwar noch am Fenster sa├č, das gr├╝├čende Nicken aber ausblieb – da traf sie die Tochter beim Schneeschippen. Sie schaufelte verbissen und w├╝rdigte Irene keines Blickes. Irene blieb stehen, fasste sich ein Herz und fragte, wie es ihrer Mutter ginge. Die Tochter murmelte etwas Unverst├Ąndliches, es klang nach Last und M├╝he, mit einer Mutter, die von Tag zu Tag ├Ąlter und kr├Ąnker werde und sich nicht mehr r├╝hren k├Ânne. Irene sah zu, dass sie rasch weiter kam.

Irene kommt auch heute am Haus der Frau Benger vorbei.Inzwischen ist es Fr├╝hling. Wie jeden Tag sitzt sie reglos oben am Fenster und Irene winkt ihr automatisch zu. Sie ist noch keine zwanzig Schritte weiter, als sie pl├Âtzlich kehrt macht, nach Hause eilt und nach einer fl├╝chtigen Dusche in ihr Auto springt und zum Polizeirevier f├Ąhrt. "Ich glaube, ich muss einen Mord melden", sagt sie zum diensthabenden Polizeibeamten.

Am n├Ąchsten Tag erscheint in der Tageszeitung eine Pressemitteilung: Tote sitzt am Fenster. (Herbhausen) Die 93j├Ąhrige Rentnerin Anna B. wurde von der eigenen Tochter (67) erdrosselt. Um auch noch f├╝r den n├Ąchsten Monat die Rente ihrer Mutter kassieren zu k├Ânnen, setzt die Tochter die Leiche ans Fenster. Nur der Aufmerksamkeit einer Joggerin (25) ist es zu verdanken, dass dieses schreckliche Gewaltverbrechen bereits nach drei Tagen entdeckt wurde. Die Tochter wurde in Untersuchungshaft genommen.

Auf die Frage des Polizeibeamten, woran Irene erkannt habe, dass Frau B. tot sein m├╝sse, erkl├Ąrte sie, dass Frau B. zwar sehr gebrechlich, aber dennoch jeden Morgen anders gekleidet war. Gestern jedoch war es bereits der dritte Tag, an dem Frau B. dieselbe gestreifte Bluse trug....

__________________
Die Sprache ist die Quelle aller Missverst├Ąndnisse
(A.de Saint-Exupery)

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MarleneGeselle
???
Registriert: Feb 2003

Werke: 15
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Hallo maralena01,

dein kleiner Krimi hat mir gut gefallen, besonders der Schluss. Der ist wie er sein soll: kurz, nachvollziehbar und so einfach, dass man sich fragt, warum einem sowas nicht selber einf├Ąllt.

Gr├╝├če
Marlene

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Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

Werke: 43
Kommentare: 1979
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Hallo maralena01,

was war denn das Motiv der Tochter f├╝r den Mord?

Bis bald,
Michael

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Ruedemann
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2003

Werke: 6
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Kommentar zu Tochterliebe

Hallo, maralena01
kurz, klar ├╝bersichtlich und einleuchtend, so w├╝nsche ich mir einen Kurzkrimi. Das Einzige, was mich gest├Ârt hat, war die lange Einleitung.
Ein Vorschlag: "Irene joggt jeden Morgen. Seit drei Jahren schon. Immer denselben Weg.In dem abseits gelegenen Haus ..." Kluge Ratschl├Ąge lassen sich immer leichter geben, als den eignen Film aus dem Kopf lesbar auf Papier zu bringen. Mach weiter. Gru├č Ruedemann

__________________
Kopfhund zu sein ist manchmal auch unangenehm.

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