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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Tod eines Hamsters
Eingestellt am 27. 09. 2002 18:49


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flammarion
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Die Aufgabe lautete, etwas zum Thema „Tod“ zu schreiben

Der Tod eines Hamsters

Ja, ich schreibe ├╝ber den Tod eines Hamsters. Ihr werdet vielleicht sagen: „Aber ein Hamster ist doch nur ein Tier!“ Ja, das habe ich damals auch gedacht. Und nun der Reihe nach:
Es war ein wundersch├Âner Sommerferientag und wir kamen vom Badesee. W├Ąhrend ich den Kindern Ausziehen und Waschen anempfahl, ging ich die Badesachen auf dem Balkon aufh├Ąngen. Meine S├Âhne schliefen im Balkonzimmer, da wollte ich nicht noch mal hindurchschleichen nach dem „Gute-Nacht-Kuss“. Meine Tochter – wie alt war sie damals? Elf, zw├Âlf, dreizehn? Ich wei├č es nicht mehr. Jedenfalls hatte sie nichts eiligeres zu tun, als den Hamstervater frei laufen zu lassen. Er musste in einem gro├čen Einweckglas Quartier nehmen, weil er anfing, seine S├Âhne zu bei├čen. Das konnten wir ihm nicht durchgehen lassen.
Ich wollte ihm vom n├Ąchsten Gehalt auch ein Aquarium kaufen, damit er so komfortabel leben kann wie seine beiden Frauen und die vier Kinder (f├╝r welche meine Tochter sehr h├╝bsche Geburtsurkunden angefertigt hatte) und die vier Meerschweinchen meiner S├Âhne, aber an jenem Tag lief er mir direkt unter den Fu├č. Es war ein tragischer Unfall. Er hatte es eilig, seine Freiheit zu genie├čen und ich hatte es eilig, meine Arbeit zu tun. Mein T├Âchterlein heulte zum Steinerweichen. Ich hatte sie nie zuvor so traurig gesehen.
Sie weinte ohne Ende und schrie: „Mein Papa, mein Papa!“ Ich stand alledem recht hilflos gegen├╝ber. Ich hatte den Eindruck, dass sie in Wahrheit dar├╝ber weinte, ihren Vater niemals kennen gelernt zu haben. Sollte ich ihr etwa gerade jetzt auf die Nase binden, was f├╝r ein ehrloser Kerl ihr Vater war? Oder sollte ich ihr im Stil meiner Erziehungsberechtigten zurufen: „Halt die Klappe und schmei├č das Viech in den M├╝lleimer!"?
Womit konnte ich sie tr├Âsten? Etwa mit „H├Âr zu, meine S├╝├če, ich kauf dir morgen einen neuen.“? Nee, das ist kein Trost, das ist Hohn auf die Trauer. Oder „Hamster haben eh keine hohe Lebenserwartung.“? Das w├Ąre zynisch. Mir fiel nichts anderes ein, als sie in den Arm zu nehmen und meine Unschuld zu beteuern.
Endlich ermannte sich der sechs Jahre j├╝ngere Bruder, legte der gro├čen Schwester die Hand auf die Schulter und sagte: „Du brauchst nicht so heulen, ist doch blo├č n Hamster.“ Das M├Ądchen weinte noch heftiger. Ich raunte: “Aber sie hat ihn doch so gern gehabt! Hast du deine Meerschweinchen nicht auch gern?“
Nachdem die W├Ąsche hing, gab ich meiner Tochter eine kleine Schachtel. Darin konnte sie den Hamster betten, bis wir ihn am anderen Tag im Park begraben konnten.
In meiner Wohnung sind sp├Ąter noch eine ganze Menge Kleintiere herumgelaufen, geschwommen und geflattert, aber an keines kann ich mich so deutlich erinnern wie an jenen Hamstervater. Er hat mich und meine Kinder ein wenig gelehrt, mit der Trauer umzugehen.

__________________
Old Icke

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knychen
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Erinnerungen

Doch, Flammarion, eine sehr sch├Âne Erinnerung, zwischendurch ein bi├čchen bitter, als es ums eigene Elternhaus ging, aber den Bogen doch noch in die Richtung gekriegt, wo man sie beim Lesen hinhaben wollte. Obwohl, interessiert h├Ątte mich die Sache schon, wie das war, eine Generation vorher.
Gru├č knychen
__________________
kny

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flammarion
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hm,

danke f├╝rs lesen und die anteilnahme. wenn es dich echt interessiert, wie es damals war, dann such dir doch mal mit der suchfunktion der lupe meine memoiren - kapitel raus. habe ich anfang vorigen jahres hier reingesetzt. aber achtung - die w├Ârtliche rede is uff berlinsch. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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Renee Hawk
???
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ja, wenn ich mich jetzt mal melden darf.
Ich freue mich schon auf morgen, wegen dem vorlesen von der Geschichte, die dann wieder klasse erheitert und eine eche "Flammi" ist.
Und die Memoiren kann ich nur empfehlen! Und wenn die Flammi, diese dann auch noch vorliest, ja dann ... ich fang schon wieder das schw├Ąrmen an.
Eigentlich wollte ich nur sagen, das mir diese Geschichte sehr gut gefallen hat.

liebe Gr├╝├če
Rene├Ę

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flammarion
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danke,

danke, liebe renee. naja, es war ja zu erwarten, da├č du die geschichte heute schon findest. aber f├╝r die anderen wird sie hoffentlich ganz neu sein. freue micn seit 2 wochen auf heute abend. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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soleil
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Hallo Flammarion,

die Geschichte gef├Ąllt mir sehr gut. Der Tod eines geliebten Tieres ist f├╝r Kinder oft wirklich sehr traurig; ich erinnere mich noch heute an den Tod meines ersten Hundes, Mopsi, und wie ich damals Rotz und Wasser geheult habe, als er ├╝berfahren wurde.

Es gibt einige Dinge, die mir aufgefallen sind:
- statt "anempfahl" w├╝rde ich "befohl" schreiben
- Balkonzimmer und hindurchschleichen: mir wird die Problematik zuwenig deutlich, d.h. ich kann nicht nachvollziehen, WO du dann "rausgeschlichen" bist. Das kommt auch noch sp├Ąter mit dem Satz "Nachdem die W├Ąsche hing ..." Irgendwie stimmt da was nicht oder du musst es deutlicher machen.
- ... nichts Eiligeres ...
- Er musste in einem ... --> hier stimmt die Zeit nicht. Er hatte in einem Einweckglas Quartier nehmen m├╝ssen ... weil er angefangen hatte ...
- Der Satz: "Er hatte es eilig ... ich hatte es eilig ..." ist wirklich klasse und so nachvollziehbar.
- Etwa mit "h├Âr zu, ... Neuen?" --> kein Punkt
- ... Trauer (KEIN PUNKT) oder "Hamster ... Lebenserwartung." (KEIN FRAGEZEICHEN)

Das wars! Es ist wirkl├şch eine gute Geschichte und ich freue mich, dass ich sie gelesen habe.

Viele Gr├╝├če nach Berlin
Soleil (aus einem - wieder - sonnigen Augsburg)

PS: Viel Spa├č heute Abend und viele Gr├╝├če an Rene├Ę und Ralph.

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