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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Tod eines Kritikers - "Plötzlich und unerwartet"
Eingestellt am 24. 07. 2015 16:11


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Stefan Sternau
???
Registriert: Jan 2015

Werke: 28
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Dieser Text richtet sich nicht gegen die gängige Literatur-Kritik, sondern nur gegen die Super-Kritiker, die immer alles besser wissen wollen.

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen wären rein zufällig.


Es war einmal ein junger Mann, der hatte eine kleine Erzählung geschrieben mit dem Titel „Das Pfeifen der Libellen“. Es ging um ein Libellen-Männchen, das immer lustig pfiff und dabei ein reizendes Libellen-Weibchen kennenlernte, eine rundum sympathische Liebesgeschichte.

Und unser „armer Poet“ dachte sich: Meine Erzählung werde ich einfach mal in einem Online-Literatur-Forum veröffentlichen, ich glaube, die wird ganz gut ankommen.

Aber da hatte er die Rechnung ohne den Wirt bzw. ohne einen besserwisserischen Super-Kritiker des Forums gemacht. Der zerzauste seine nette Geschichte ganz grauslich: „Die Geschichte ist nicht realistisch, denn Libellen pfeifen nicht. Außerdem ist sie unkorrekt, denn wenn Libellen pfeifen würden, wäre das Lärmbelästigung. Und überhaupt: Die Handlung ist holprig, die Dialoge sind gestelzt, und außerdem hast du 3 Kommafehler begangen – so geht das gar nicht.“

Der Kritiker empfahl: „Schreibe die Geschichte völlig um. Anstatt von Libellen sollte sie von Hunden handeln. Der Protagonist darf keine pfeifende Libelle sein, sondern ein jaulender Köter, seine Freundin ist eine verlauste Streunerin. Die Hunde kläffen sich gegenseitig an, werden dann vom Hundefänger hops genommen und landen in einer Tierversuchsanstalt. Nein, noch besser im Kochtopf vom Chinesen. So hat die Geschichte Pfeffer.“

Der junge Dichter war über diese rüde Ablehnung so verzweifelt, dass er beschloss, sich das Leben zu nehmen und zwar sich aufzuhängen. Aber er wollte nicht von dieser Welt scheiden, ohne noch irgendeine eigene Geschichte zu hinterlassen.

Also verfasste er einen Text, wie er plante, sich aufzuhängen. Er beschrieb, was für ein Seil er nehmen werde, auf was für einen Hocker er sich stellen und wie er den dann umstoßen wolle – und andere Details mehr. Diese Geschichte setzte er in das Literatur-Forum.

Ein paar Minuten später war die Antwort des Literatur-Kritikers schon da: „Was du über deinen geplanten Suizid schreibst, ist alles völlig falsch. Die Schilderung ist absolut unrealistisch und unkorrekt. So funktioniert das nie. Ich sage dir, wie man es richtig macht: Man darf natürlich kein Springseil nehmen, sondern ein Hanf-Seil, und zwar sollte das korrekterweise aus biologisch angebautem Hanf sein; dieses Seil muss vorher eingeölt werden, am besten mit nativem Olivenöl. Und natürlich nimmt man nicht wie du einen wackligen Plastikhocker, der vielleicht schon vorher umkippt, sondern einen soliden Echtholzschemel. Am Schluss stößt du diesen Schemel mit einem kräftigen Tritt um. Um dir zu beweisen, dass ich wie immer recht habe, werde ich das jetzt einmal testen.“

Leider hat man seitdem nichts mehr von dem Kritiker im Forum gelesen.

Allerdings hat man über ihn gelesen, in einer Traueranzeige: „Plötzlich und unerwartet …“

„Eins muss man ihm lassen“, sagten die Leute, „er hat es auch diesmal wieder besser gewusst.“

Nachdem der junge Autor von dem unheimlich starken Abgang des Kritikers gehört hatte, war seine Verzweiflung wie weggeblasen. Er blühte er auf und wurde noch ein erfolgreicher Schriftsteller. Es wurde sogar eine Literaturgattung nach seiner ersten Geschichte benannt, die „Libellen-Literatur“.



Version vom 24. 07. 2015 16:11

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DocSchneider
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Hallo Stefan Sternau,

eine sehr problematische "Geschichte" für ein Literaturforum. Viele dort sich abspielende Vorgänge und Personen werden beinahe eins zu eins dargestellt. Der Gipfel ist allerdings der Suizid. Das ist weder humoristisch noch satirisch, das ist einfach nur abstoßend. Hier endet für mich die Freiheit der Literatur.

Ich bin gespannt auf weitere Meinungen.


LG DS
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Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermüdendem Lesen. (Virgina Woolf)

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klein lottchen
???
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Hallo Stefan Sternau,
Menschen, die an Suizid denken und ihn dann auch ausführen, sind mit Sicherheit sehr verzweifelt. Ich glaube nicht, dass das eine Entscheidung ist, die sich die Betroffenen so ganz einfach machen. Sie sehen keinen anderen Ausweg mehr, um aus ihrer Misere zu entfliehen. Lustig ist das auf keinen Fall.
Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein, dass aber eine schlechte Kritik in einem Literaturforum allein dafür ausreicht, wage ich zu bezweifeln.
Wenn dein Dichter tatsächlich so schwach ist, dann kann man sich nur wundern, dass er überhaupt alt genug geworden ist um überhaupt eine Geschichte zu schreiben.
Viele Grüße
Klein Lottchen

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Hyazinthe
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Hallo Stefan!

Ich lese deine Gescichte als reine Satire und finde sie als solche sehr gelungen.

Du hälst den LL-Usern (wie weiland Till Eulenspiegel) einen Spiegel vor und entlarvst auf witzige Weise die Schwächen und Eitelkeiten, die sowohl auf seiten des Schreibers als auch auf seiten des Kritikers manchmal merkwürdige Blüten treiben.

Gruß, Hyazinthe

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Stefan Sternau
???
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An meine vielen Kritiker,

danke für eure Kritiken. Ich habe sie aufmerksam gelesen und in Ruhe darüber nachgedacht. Ihr findet, dass meine Geschichte misslungen ist und lehnt sie ab. Natürlich respektiere ich eure Meinung, aber ich teile sie nicht. Ich sehe meinen Text ganz anders.

Ursprünglich hatte ich eine lange Antwort auf eure Kritiken geschrieben, habe mich aber letztlich dafür entschieden, sie nicht zu veröffentlichen. Denn ich glaube, es besteht kein großer Wunsch, lauter Gegenargumente von mir zu lesen. Also lasse ich die Kritiken so stehen.

Viele Grüße
Stefan Sternau

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