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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Tod eines Sterblichen
Eingestellt am 15. 02. 2003 12:17


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savah21
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Feb 2003

Werke: 3
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Ich hoffe, euch gefällt meine Kurzgeschichte.

Der Tod eines Sterblichen
von
Savah M Webber
© 2002


Alles was im Halbdunkel des Raumes zu hören war, war das rasselnde Atmen und das eintönige langsame Ticken der alten Kaminuhr. Nur gelegentlich wurde diese Monotonie unterbrochen durch ein qualvolles Husten eines Mannes.
Jeder Atemzug kam schwerfälliger, als der vorherige.
Fast sitzend, mit eingefallenen Wangen, gestützt durch mehrere Kissen, sass Geoffrey Satchester in seinem Bett und wartete auf den erlösenden Tod.

Nein, er wartete noch auf einen späten Besucher. Solange musste er noch durchhalten. Geoffrey wollte seinen Freund noch einmal sehen.
Seinen Freund, dem er so vieles zu verdanken hatte. Und mit seinen neunzig Jahren hatten sie fĂĽnfundsiebzig Jahre miteinander.
Eine lange Zeit – und nie verloren sie sich aus den Augen. Keine Kriegswirren konnten sie trennen, auch nicht Geoffreys Kriegsgefangenschaft, in einem deutschen Lager der Waffen SS.

Ein weiterer Hustenanfall quälte den ausgemergelten Körper.
Wieder ein neuer Atemzug, vorsichtig und schmerzhaft.
Und endlich spürte er eine kühle Hand auf seiner fieberheissen Stirn. Ohne die Augen zu öffnen, sagte Geoffrey leise:

„Ich wusste, dass du kommen wirst. Du hättest mich nicht alleine sterben lassen, Dooriya. Meine alte Freundin… wie immer riechst du nach Jasmin und Flieder. Wie ich diesen Duft liebe… wie ich alles an dir liebe, du wundervolles, du vollendetes Geschöpf.“

Er spürte einen sanften Kuss auf seiner Wange und weiche Haare strichen ihm über das Gesicht. Er wusste, dass sie eine eigene Farbe hatten, braun… nein eigentlich ein dunkleres Rot, wenn die Sonne darauf schien.
Nun öffnete er die Augen und sah in ein ebenmässiges Gesicht, mit vollen, blühenden Lippen und türkisen Augen.
An langen Augenwimpern hingen grosse Tränen.

„Nein, meine Freundin, keine Tränen. Freue dich mit mir. Nun ist meine Reise zu Ende. Und da du endlich gekommen bist, weiss ich, dass sie mich heute noch holen werden…“

Wieder wurde er durch ein qualvolles Husten unterbrochen.

„Psst, spare deine Kräfte, Geoff. Ich weiss, was du sagen willst. Doch gestehe mir die Freiheit ein, traurig zu sein, denn ich verliere einen wunderbaren Freund.“

„Nein, wir sollten nicht trübsinnig werden. Ich habe länger durchgehalten, als ich gedacht habe“, grinste er, doch Dooriya erwiderte nicht sein Lächeln.

„Meine Liebe, sei bitte so gut und schalte das Licht an. Ich will dich sehen, mich an deiner Schönheit erfreuen.“

Als es heller im Zimmer wurde, glitten seine alten, verblassten grauen Augen an einem makellosen weiblichen Körper hinunter, der von einem langen schwarzen Samtkleid umschmeichelt wurde.

„Hmm, Dooriyah, du siehst aus wie eine Göttin.“

„Nein, sage das nicht. Du weißt, ich bin viel zu fehlerhaft, als dass ich so etwas für mich in Anspruch nehmen kann. Nun sage mir, was der Doktor gesprochen hat, als er vorhin nach dir sah…“

„Oh, er hat nicht viel gesagt, mein Schatz. Nur, dass ich es mir noch einmal überlegen soll, ob ich nicht doch eine letzte Kommunion wollte. Es sei nicht mehr viel Zeit.“

„Und, was hast du gesagt?“ und ihre Augen ruhten forschend auf seinem wächsernen Gesicht.

„Ich habe ihn hinausgeworfen, diesen dummen Kerl. Ich weiss, dass es keinen Unterschied machen wird, ob ich Gnade finden werde vor dem Höchsten Gericht.“

„Sprich nicht so lässig darüber.“

„Ich weiss, mein schwarzer Engel, du siehst das etwas anders. Du magst es ganz und gar nicht, wenn ich über das Höchste Gericht herziehe. Vielleicht, weil du ja diese Wächter kennst, die meine Seele aufnehmen und vor diese besagte Instanz bringen. Ich hoffe, du hast nicht Matthew gebeten, dass er es noch weiter aufschiebt.“

Dooriya schĂĽttelte den Kopf.
„Nein Geoff, habe ich nicht. Obwohl ich Ihn gesehen habe, kurz bevor ich hierher zu dir kam.“

„Oh, du hast Matthew gesehen? Wie gerne würde ich diesen Racheengel sehen, bevor ich gehen muss. Du hast mir so viel von Ihm erzählt und ich kann Ihn mir auch sehr gut vorstellen, doch…“

Ein weiterer Hustenanfall unterbrach seine Schwärmerei und Dooriya stützte seinen Körper, der einmal so muskulös und kraftvoll gewesen war.

„Weißt du noch, als wir an den Klippen sassen, damals vor fünfundsiebzig Jahren?“, fragte sie leise.

„Wie kannst du fragen, ob ich dies vergessen habe? Natürlich weiss ich das noch. Du warst so traurig und hast geweint. Als ich den schmalen Weg zu den Klippen hinaufgestiegen war, konnte ich sehen, wer zu diesem Schluchzen gehörte, das ich schon einige Zeit vom Wind zugetragen bekam.“

„Ja, ich weiss… und du hast dich zu mir gesetzt und mich sanft in die Arme genommen und hast ein Lied für mich gesungen.“

Dooriya setzte sich neben Geoff auf die Bettkante, hielt ihn sanft fest und legte seinen Kopf zärtlich auf ihre Brust. Dann fing sie leise zu singen an, das gleiche Lied, das ihr Geoff damals… am Tag, als ihr Vater getötet worden war, vorgesungen hatte. Sein qualvoller Atem beruhigte sich ein wenig, was sie mit Erleichterung zur Kenntnis nahm. Leicht streichelte sie sein weisses dünnes Haar, das einmal dunkelblond und lockig gewesen war und mit einem feuchten Tuch kühlte sie ihm seine fieberheisse Stirn.

„Besser?“, fragte sie leise und er nickte schwach.

Sie spĂĽrte, dass Geoffrey nicht mehr viel Lebensenergie ausstrahlte. Es schien ihr, als wĂĽrde jeder Atemzug mehr und mehr an ihm zehren.
Beide wussten, dass dieser Tag kommen würde… Beide wussten, dass es eines Tages heissen würde, für immer Abschied zu nehmen…
Und doch, mit dem heutigen Tag, wollte sie es nicht wahrhaben, dass es schon so weit war. Dooriya flehte, bettelte mit Matthew, dass es ihr noch mehr Zeit mit Geoff geben würde, doch der Wächter der Hellen Macht blieb unerbittlich… liess sich nicht erweichen.

Somit wusste sie, dass seine Abgesandten gegen Morgengrauen kommen werden und Geoffreys Energie mitnehmen.
Dooriya wusste, dass Geoffs Energie eines Tages wiedergeboren wird. Doch wann wird dies sein? Und dann würde er sie nicht mehr kennen…
Wenn er sie heute Nacht zurĂĽckliess, dann hatte sie ihn fĂĽr immer verloren.

„Du bist so in Gedanken, Dooriya?“, hörte sie seine schwache Stimme an ihrem Ohr und sie half ihm sich wieder etwas aufzurichten, damit er in ihre Augen sehen konnte.

„Entschuldige, Geoff, ich hatte gehofft, dass du einschlafen wirst, damit du etwas Ruhe findest und dich schonst.“

„Wenn ich einschlafe, meine schöne Prinzessin der Nacht, dann wird mein Schlaf übergehen in die Tiefen, aus denen ich dann nicht mehr zurückkommen werde. Sage mir, meine Schöne… sind sie schon da? Meine Wächter?“

„Nein, wir sind alleine… nur du und ich. Wie damals an der Klippe. Als wir am Klippenrand sassen und aufs Meer hinaussahen, und uns gefangen nehmen liessen von der Schönheit des Sonnenuntergangs.“

„Ja, das war schön“, keuchte Geoff. „So schön…“

Als Dooriya ansetzte, Geoff von ihrer eigenen Energie zu geben, wurde sie sanft aber bestimmt zurückgehalten und sie hörte Matthews telepathische Stimme:

„Nein, Vampyress. Es ist Zeit… verlängere nicht seine Qualen aus Eigennutz. Nehme Abschied und zögere es nicht hinaus.“

Nun rannten wieder Tränen aus ihren wunderschönen Augen, doch Geoff war schon zu schwach, diese zu bemerken.

„Spürst du den kühlen Wind, wie er deinem Körper gut tut? Wie er dich streichelt und die Hitze des Fiebers nimmt?“

Und Geoff nickte.

„Weisst du… weisst du, was ich mir wünsche… Ihn zu sehen.“ Nun war Geoffs Stimme nur noch ein leises Flüstern und Dooriya musste sich weit hinunterbeugen, um ihn zu verstehen.

„Ich weiss, Geoff. Er wird bald hier sein und dich in seine Arme schliessen. Du wirst sehen. Alle Schmerzen werden von dir weichen, alle Qualen. Matthew wird sie dir nehmen. Und dann sitzen wir wieder auf unserem Klippenrand und sehen den Möwen beim Fischen zu.“

„Ich bin so müde, meine schwarze Prinzessin der Nacht. So müde…“

Und ein quälender rasselnder Atemzug folgte. Hinter den schweren Übergardinen konnte Dooriya nun das erste Grau des Morgens sehen.
Ein neuer Tag kündigte sich an… ein neuer Tag ohne Geoffrey.
Er hob etwas den Kopf und sah in ihre Augen.

„Du hast immer noch das Meer in deinen Augen, die Farbe, das Flimmern… ein Meer um darin zu versinken.“

„Dann lasse uns gemeinsam in diesem Meer schwimmen, wie wir es oft als getan haben“, und Geoff schloss entspannt die Augen.

Als Dooriya aufsah, konnte sie zwei Abgesandte Matthews sehen, die unten am Bettrand warteten.
Ihre Lippen formten leise das Wort „Bitte“, doch einer der beiden schüttelte den Kopf. Die Vampyress wusste, dass ihr nun nicht mehr viel Zeit blieb.
Warum hatte Geoffrey auch immer abgelehnt, dass sie ihn zu einem Vampir machte. Wie edel er doch war, denn er wusste, dass sie ihn nicht liebte, nur tiefe innige Freundschaft fĂĽr ihn empfand.
Und als hätte er ihre Gedanken erraten, flüsterte er:
„Ich bereue nichts, meine Vampyress. Eines Tages hättest du mich gehasst dafür, wenn du an mich gebunden gewesen wärst und du hättest dann dein Herz an einen Sterblichen verloren. Ihr habt nur einmal das Recht, einen Vampir zu kreieren, mein Schatz.“

„Oh Geoff, warum hast du es nie zugelassen? Nun lässt du mich alleine.“

„Du wirst deinen Weg auch ohne mich gehen. Du bist mittlerweile eine starke Clanführerin geworden. Und ich bin so stolz auf dich, Dooriya.“

„Dennoch werde ich dich vermissen.“

Ein weiterer Hustenanfall unterbrach die Vampyress und sie stützte den geschwächten Körper, kühlte das erhitzte Gesicht, öffnete die oberen Knöpfe seiner Pyjamajacke. Sie versuchte alles, was möglich war, dennoch spürte sie, wie seine Lebensenergie durch ihre Finger glitt und sie diese nicht aufhalten konnte.
Plötzlich öffnete Geoffrey die Augen und das blasse Grau wich einem leuchtenden Blau, so wie sie seine Augen kennen und lieben gelernt hatte.

„Dooriya, ich sehe ihn. Oh, du hast Recht. Er ist wunderschön.“

Nun sah auch Dooriya auf und da stand Matthew, hoch aufgerichtet, mit langen blonden Haaren, im Nacken zusammengebunden, seine goldenen Armspangen blitzten in der aufgehenden Sonne, die durch einen Spalt zwischen den Ăśbergardinen fiel.
Geoff streckte seine knöcherne Hand aus, Matthew entgegen, die dieser fest ergriff. Damit löste sich die restliche Lebensenergie aus Geoffs Körper und Dooriya schrie gequält auf, denn nun hielt sie einen toten Freund in ihren Armen.
Die beiden Abgesandten nahmen Geoffs Lebensenergie in ihre Mitte und trugen sie mit sich fort. Dooriya wiegte Geoffs Körper, als könnte sie ihm damit wieder zurückholen.

„Komm’ mit mir, Vampyress“, damit streckte Matthew seine Hand aus und zog sie hoch. „Komm’ du hast über viele Jahre einen Sterblichen sehr glücklich gemacht. Auf dich warten noch viele Jahre und viele Aufgaben. Nun weißt du, dass Liebe in vielerlei Form kommt. Du wirst wieder lieben lernen und es dann zu schätzen wissen.“

Damit nahm er sie fest in seine kräftigen Arme und beide wurden davongetragen in den hellen Schein der Sonne.

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Daijin
Autorenanwärter
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quote:
Nun rannten wieder Tränen aus ihren wunderschönen Augen,

Hehe, rennende Tränen.


Also, ich finde, daĂź Du ein wenig zu dick aufgetragen hast. Das Pathos wirkt teilweise doch etwas zu ĂĽbertrieben.

An Deiner Stelle würde ich den Text noch einmal gründlich überarbeiten. Er enthält realtiv viele Tempusfehler, die korrigiert werden sollten. An einigen Stellen hatte ich auch Probleme mit der Wortwahl.
Warum zum Beispiel "Vampyress"? In meinen Ohren klingt das in einem deutschen Text etwas albern. Warum nicht einfach Vampirin oder Vampir (als geschlechtsneutrale Bezeichnung).
Desweiteren solltest Du einmal prüfen, ob sich das häufig verwendete Wort "dies/e/r" nicht manchmal ersetzen ließe.
__________________
Die Wahrheit ist meist nur eine Ausrede fĂĽr einen Mangel an Phantasie.
- Elim Garak

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