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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Tod in der Wüste
Eingestellt am 27. 02. 2017 21:48


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wowa
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Tod in der Wüste


Der brüllende Motor ließ die Stahlwände vibrieren und griff nach den Körpern der Soldaten. GI O` Leary entspannte die Muskeln, öffnete sich dem Pulsieren der Maschine und bejahte den Augenblick (1). Widerstand verschärft das Leiden war seine Erfahrung. Nur wenn die Schallwellen ihn reibungslos durchfluteten, hatte er eine Chance auf Entkommen, auf Schlaf oder einen klaren Gedanken. Er machte sich transparent. Er besaß diese Fähigkeit.
Der Radpanzer zog ruckartig an, nahm Geschwindigkeit auf und folgte dem Führungsfahrzeug. Der Motorlärm beherrschte alles. Die Luft schmeckte nach Schweiß und Maschinenöl. O`Leary rutschte tiefer in seine Sitzschale und schloss die Augen.
Er hatte ein Problem. Sein Problem hieß Sergeant Parker. Sergeant Parker blutete nicht.
Er war immer gegen Frauen in der Army gewesen. Schon gar nicht bei der kämpfenden Truppe. Aber die Entscheidungen treffen Zivilisten. Der einfache Soldat wird nicht gefragt.
Vor vier Wochen, nach einer Nahkampfsituation, also nur Messer, Pistole, Handgranaten, standen sie sich plötzlich gegenüber, er und Sergeant Parker. Allein, blutverschmiert, beide randvoll mit Adrenalin, Testosteron und den beliebten Einsatzpillen.
Die Nerven blank, zitterten, flatterten, die Körper bebten vor Gier, Hass und dem Bedürfnis zu töten.
In diesem einen merkwürdigen, flatterhaften Moment verloren sie die Kontrolle, rissen sich gegenseitig die Uniform vom Leib und brachten sich beim Verkehr beinah um. Später heulten sie wie die Kinder und dann kehrte die militärische Disziplin zurück. Sie zogen sich an und waren wieder Soldaten.
Zivilisten ist das kaum zu vermitteln.
Gestern machte Sergeant Parker kurz Meldung, ihre Regelblutung sei ausgeblieben und sie wolle das Kind bekommen. -
O`Leary spähte durch die Sehschlitze des Radpanzers. Schwarze Nacht, nichts, nur ein Streifen Wüste neben dem schwarzen Asphalt der Fahrbahn, kein Mond.
Es war gefährlich, um diese Zeit unterwegs zu sein, auch im Konvoi. Die Nacht gehörte der Guerilla und den marodierenden Soldaten der geschlagenen Armee des Feindes. Der Konvoi brachte Blutkonserven in ein benachbartes Lager. Nach einem Überfall bestand dort dringender Bedarf. Ein heikler Job. Helikopter wären schneller und sicherer gewesen. Aber nicht einer war einsatzbereit. Es fehlte an Ersatzteilen.
O`Learys Gedanken kehrten zurück zu Sergeant Parker und dem Kind. Man würde sie zwingen, den Vater anzugeben und beide unehrenhaft entlassen. Ok, er hatte ohnehin die Faxen dick. Und dann ? Sergeant Parker heiraten und in Oregon eine Tankstelle aufmachen ? Warum nicht ? O`Leary lächelte. Wie hieß Sergeant Parker eigentlich mit Vornamen ?
Das letzte, was GI O`Leary hörte, war die Explosion einer Mine militärisch exakt direkt unter seinen Füßen. Das entfesselte Dynamit riss die Panzerung auf und wirbelte das schwere Fahrzeug von der Straße. In seinem Innern überlebte niemand.




(1) GI – General Infantrist, unterster Rang in der US - Army

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wowa
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Hallo, FrankK !
Danke für deine ausführliche Kritik. Du hast völlig recht, die Geschichte ist schlecht recherchiert, was nicht nur bei den fehlenden Kehlkopfmikrofonen deutlich wird. Auch Nahkampf läuft aktuell sicher anders ab, ich hab da keine Ahnung, bin Zivilist, schon immer.
Was die Hormone betrifft: Beide Geschlechter verfügen über Testosteron ( und Östrogen ), natürlich in signifikant unterschiedlicher Ausprägung. Insofern ist `randvoll` eine schamlose Übertreibung.
Eine weitere Übertreibung ist `sich transparent machen`. GI O´Leary möchte also gerne unsichtbar sein und meint, diese Fähigkeit zu haben.Ist wohl eher metaphorisch zu verstehen i.S.v. sich klein machen.
Schlafende Soldaten im Einsatz soll es geben,besonders, wenn sie sehr müde sind.
Gänzlich unrealistisch und traumverloren wird die Geschichte, wenn GI O`Leary mit dem Gedanken spielt, seine Vorgesetzte zu heiraten und in Oregon eine Tankstelle aufzumachen. Genau in diesem Augenblick macht es `Bumm` ( per Fernzündung, deshalb das 2. Fahrzeug. Die Guerilla hatte perfiderweise einen kleinen Tunnel vom Straßenrand bis unter die Fahrbahnmitte getrieben und dort die Ladung platziert ) und alle sind tot. Der Einbruch der Realität als tragisches Moment, hat man ja öfter.
Wie gesagt, ich stimme deiner Kritik grundsätzlich zu und werde mich wieder zivilen Themen zuwenden. Liegt mir glaub ich mehr.
I.d.S. alles Gute
Wowa

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