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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Tod und Sterben
Eingestellt am 17. 12. 2014 22:32


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Generix
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Dec 2014

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Emily Harrison

Emily Harrison

Ein leises Piepsen l├Ąsst mich allm├Ąhlich aus meinem Traum erwachen. Es wird lauter. Schlie├člich h├Âre ich es nicht mehr nur durch meine vom Traum verzehrte Wahrnehmung, sondern durch meine v├Âllig intakten und wachen Ohren. Das Ger├Ąusch dr├Âhnt wie ein Krankenwagen, der nur wenige Meter neben einem steht und das Martinshorn an hat. Ich ├Âffne meine Augen. Die Bilder meines Traumes, die mich vor├╝bergehend begleitet haben, verschwinden aus meinem Ged├Ąchtnis und ich f├╝hle mich nun mehr und mehr wie eine gebrochene alte Frau. Das Piepsen endet und eine Stille durchzieht mein Zimmer.

Der Mond scheint durch einen Schlitz in den Gardinen und das Licht f├Ąllt auf mein Bett. Wie so oft scheint es, als erleuchte er den ganzen Raum, doch l├Ąsst er mich in der Dunkelheit zur├╝ck. Meine Gedanken werden klarer. Dieses Piepsen. Es war schrecklich laut. Ich wei├č nicht, ob es nun die Neugierde ist, nach der Quelle des Ger├Ąusches zu suchen, oder einfach die Lust, sich die Beine zu vertreten, aber ich habe das Verlangen aufzustehen. So seltsam und Normal diese Begebenheit klingt: Es ist keine leichte Aufgabe f├╝r eine 96 Jahre alte Frau mit einer H├╝ftprothese einfach aufzustehen und umher zulaufen.
Ich ziehe die Bettdecke von meinen Beinen. Es f├╝llt sich an, als w├╝rden meine Arme das Gewicht der Decke nicht stemmen k├Ânnen, doch irgendwie schaffe ich es, die schwere Winterdecke aus dem Weg zu r├Ąumen. Und pl├Âtzlich sp├╝re ich die Schmerzen, die Qualen, die mir der Schlaf und das Tr├Ąumen nahmen. Ich m├Âchte laut aufschreien, doch ich habe nicht die Kraft dazu. Ich setze mich auf die Bettkante und ziehe mich an meiner Vorrichtung langsam empor. Zum Gl├╝ck befindet sich mein Rollator immer neben meinem Bett. Mit langsamen Schritten bewege ich mich auf das Fenster zu, mit der Hoffnung, dass meine Kraft ausreicht, um diesen zwar kurzen, aber dennoch schweren Weg zu gehen.

Nach Minuten habe ich mein Ziel erreicht.W├╝rde es auch Stunden dauern: Es ist immer wieder ein wunderbares Gef├╝hl, es geschafft zu haben und ich hoffe inst├Ąndig, es wieder und wieder zu schaffen. Ich setzte mich vorsichtig auf den Stuhl, der neben dem Fenster steht, schiebe den Rollator zur Seite und ├Âffne die Gardinen ein wenig mehr. Der Raum wird in den Glanz der Nacht geh├╝llt. Jetzt erst sehe ich, wie lieblich der Raum gestaltet ist. Die W├Ąnde sind zwar wei├č, dennoch h├Ąngen ├╝berall Bilder, aus Kinderhand. Blumen schm├╝cken meine Kommode und den kleinen Tisch vor mir. Doch der Suhl links von mir ist leer. Nat├╝rlich kann ich nicht von meiner Familie verlangen, dass sie die ganze Zeit bei mir bleiben. Sie haben ihr eigenes Leben, das ich ihnen lassen muss. Ich will ihnen nicht als nervende alte Frau in Erinnerungen bleiben.
Die vollkommene Stille durchzieht mich. Ich wei├č, dass ich alt bin. Ich habe nicht mehr viele Jahre zu leben, sofern es ├╝berhaupt noch Jahre sind. Und nun... Ich sitze in meinem Zimmer des Pflegeheims, schaue mitten in der Nacht aus dem Fenster und suche nach Antworten. Auf Fragen, die ich nicht durchdringen kann, und auch die Antworten scheinen mir unantastbar. Sie sind zu umfangreich, zu unglaublich und lassen keinen Spielraum f├╝r die humane Fantasie.
Was wird mit mir passieren, wenn ich sterbe? Werde ich in eine bessere Welt kommen? Solche Fragen werden wichtig. Wichtiger denn je und ferner, je mehr ich ├╝ber sie nachdenke. Ich hole mein Fotoalbum aus der kleinen Ablage unter dem Tisch hervor und ├Âffne es in der Hoffnung, dort etwas zu finden. Ich schlie├če meine Augen. Nur einen Augenblick, eine Sekunde, einen kurzen Moment...

Eine warme Ber├╝hrung auf meiner Schulter zaubert mir, ohne zu wissen, was es war, ein L├Ącheln auf mein Gesicht. Die Sonne strahlt glanzerf├╝llt und ich muss mich erst an die Helligkeit gew├Âhnen. Langsam verschwindet meine Blindheit und ich sehe ein wundersch├Ânes M├Ądchen vor mir. Sie scheint gerade erst 15 Jahre alt zu sein. War sie es, die mich so zaghaft ber├╝hrte?
Wir sitzen auf einer Veranda, vor einem gro├čen wei├čen Haus. Ich frage nicht nach dem Grund ihres Besuches, oder wieso ich hier bin, sondern lasse mich von den aufkommenden Gl├╝cksgef├╝hlen ├╝berrennen. Woher diese Freude kommt, wei├č ich nicht. Ich schaue das M├Ądchen an, ich sehe ihre wundervollen braunen Locken und die s├╝├če Nase und erinnere mich an meine Kindheit. Ich bin ger├╝hrt von dem Anblick und m├Âchte Weinen, doch die Erinnerungen scheinen die Kontrolle ├╝ber mein Denken und Tun zu ├╝bernehmen. Ich werde an meine Mutter erinnert. Wie wir Sonntags zusammen kochten, wie wir zusammen Kleider kauften. Ich sehe meinen Vater vor mir, wie er mich in den Arm nimmt und tr├Âstet. Das Gef├╝hl der Geborgenheit durchf├Ąhrt mich und ich sehne mich danach. Ich rieche das Parfum, das meine Mutter so oft auftrug, ich sp├╝re die Lippen meines Vaters auf meiner Stirn und muss lachen, weil die Bartstoppeln anfangen, mich zu kitzeln. So sehr ich die Gef├╝hle genie├če, die Gedanken verschwinden langsam und die Bilder, die vor mir in einem wei├čen Nebel zu fliegen scheinen verblassen und der Nebel legt sich. Ich muss mich halten um nicht vom Stuhl zu fallen. Ich suche das kleine M├Ądchen, doch ich sehe sie nicht mehr. Stattdessen sehe ich eine erwachsene Frau. Sie scheint des M├Ądchens Mutter zu sein. Ich versuche, meinen Mund zu ├Âffnen und Worte aneinander zu reihen, die irgendwie einen Sinn ergeben, und mir helfen sollen zu erfahren, wo das M├Ądchen hin ist. Doch ich kann die Worte, die ich denke, nicht sagen. Und doch scheint die Frau vor mir mich zu verstehen. Sie legt ihre zarten Finger auf meine Lippen und strahlt mir ins Gesicht. Woher kenne ich dieses Gesicht? Wieso kommt mir diese zage Ber├╝hrung so bekannt vor? Und wieder merke ich, wie meine Gedanken sich drehen.
Noah...Noah... schallt es in meinem Kopf. Noah war mein Ehemann, bis er vor 17 Jahren starb. Er ist meine einzige Liebe gewesen und auch heute liebe ich ihn noch wie am ersten Tag. Ich lernte ihn w├Ąhrend eines Urlaubs kennen. Ich war 32 und hatte bis da hin nicht viel von der wahren Liebe erfahren. Doch mit diesem einem Mann habe ich nicht nur das Gl├╝ck gefunden, sondern auch erfahren, was es hei├čt, zu lieben und geliebt zu werden. Die Jahre waren wunderbar und sind Erinnerungen, mit denen ich gerne in meinen Kopf jongliere und spiele. Ich werde die Erinnerungen niemals fallen lassen. Diese Liebe war innig. Sie verlieh mir Fl├╝gel und lies mich abheben und trotzdem hielt sie mich auf dem Boden, denn sie war bodenst├Ąndig. Er war Bodenst├Ąndig und konnte mich mit nichts zum Lachen bringen und machte mich gl├╝cklich. Als er starb, war ich 75. Ich pflegte ihn, brachte ihn ins Bett, zog ihn an, duschte ihn. Und ich tat es gerne, denn ich liebte ihn. Ich gab ihm all das, was er mir gab und wie er mich gepflegt h├Ątte. Er war sehr schwach und mir wurde zunehmend klar, dass er nicht mehr lange leben w├╝rde und das wusste er auch. Wenn ich ihn abends zudeckte, zog er mich oft an sich ran und umarmte mich viel l├Ąnger, als er es sonst tat. Er brauchte mich, das sp├╝rte ich. Und nat├╝rlich brauchte ich ihn.
Es war nicht leicht. Oft durchzog mich die Trauer, bevor er ├╝berhaupt starb. Und ich musste irgendwie versuchen diese Trauer zu unterdr├╝cken. Ich brauchte lange, um zu verstehen, dass die Liebe allein ausreicht, um einen Menschen am Leben zu erhalten. Unsere Liebe ist wie die Luft, die Menschen allt├Ąglich Atmen. Sie gab mir Kraft. Kraft, die ich auf meinem eigenen Weg zum Tod brauche. Nur weil er sie nicht mehr atmet, ist sie nicht verschwunden. Sie umgibt mich, w├Ąrmt mich und jeder Atemzug l├Ąsst mich die Liebe, mit der er mir entgegen kam, sp├╝ren und macht sie st├Ąrker.
- Macht mich st├Ąrker -
So durchlebten wir unsere Trauer, und vor allem ├╝berlebte ich meine Trauer. Die Zeit lies mich viel nachdenken. Oft sa├čen wir Abends zusammen und schauten uns in die Augen, weil wir Angst hatten, weil wir wussten, dass wir nicht weiter zusammen leben d├╝rfen. Und trotzdem war es ein weiteres Gef├╝hl, das uns auf unserem Weg begleitete. Gl├╝ck und Trauer im gleichen Moment. Ich sah Noah an und wusste, dass er nicht sterben wollte. Es hei├čt, dass die Verbliebenen zu leiden haben. Aber wer denkt an die, die noch so viel mehr verlieren? Wer denkt an die Menschen, die sterben? Wir sehen zwar die Trauernden und f├╝hlen mit ihnen, doch was ist, wenn man selbst stirbt? Meine Hoffnung ist, dass Menschen in den Gedanken der Verbliebenen weiterleben. Bei mir tut Noah das. Er wird immer in meiner Erinnerung bleiben und ich werde niemals vergessen, wer er war und was er f├╝r mich bis Heute ist.

Ich wache in meinem Zimmer auf. Es ist bereits hell und ich h├Âre einige V├Âgel vor meinem Fenster zwitschern. Und ich sp├╝re, dass dies kein normaler Traum war. Meine Schmerzen sind wie weggeblasen und meine Gedanken sind bei meinen Lieben. Bei Noah, meiner Mom und meinem Dad. Vor mir liegt mein Fotoalbum, ich streiche langsam dr├╝ber und sehe mir die Fotos an. Ich sehe mich... Einmal, als ich 15 Jahre war und einmal mit 34 Jahren. Neben mir steht mein Mann. Ich Atme ein letztes Mal ein, sp├╝re ein letztes Mal die W├Ąrme einstr├Âmen. In meinem Traum sah ich mich selbst. Ich sah mich in meinen gl├╝cklichsten Zeiten. Obwohl ich im Nachhinein noch weitere Momente, Lebensphasen nennen k├Ânnte, bin ich nun vollkommen gl├╝cklich. Und in dieser Sekunde gehen mir Gedanken durch den Kopf die mich in meinem Leben oft begleitet haben und Gedankeng├Ąnge, die ich niemals zu Ende dachte. Jetzt aber bin ich gl├╝cklich. Ich habe gelebt, Ich habe verstanden, ich wurde geliebt und ich lebe in den Gedanken meiner Familie weiter. Ich bin bereit.
__________________
Geschrieben von Stefan

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Karn Hardt
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Generix,

ich lese dich als einen Anf├Ąnger-Schreiberling, das ist schon mal gut. Wer schreibt, tut nichts Schlimmeres :-)

Zum Text:
Du beschreibst meist, was passieren k├Ânnte, doch w├Ąre es besser, es direkt passieren zu lasse. Passivit├Ąt l├Ąhmt den Lesefluss, Aktivit├Ąt gibt ihm Spannung!!!

Beispiele:

quote:
Ein leises Piepsen l├Ąsst mich allm├Ąhlich aus meinem Traum erwachen. Es wird lauter. Schlie├člich h├Âre ich es nicht mehr nur durch meine vom Traum verzehrte Wahrnehmung, sondern durch meine v├Âllig intakten und wachen Ohren. Das Ger├Ąusch dr├Âhnt wie ein Krankenwagen, der nur wenige Meter neben einem steht und das Martinshorn an hat. Ich ├Âffne meine Augen. Die Bilder meines Traumes, die mich vor├╝bergehend begleitet haben, verschwinden aus meinem Ged├Ąchtnis und ich f├╝hle mich nun mehr und mehr wie eine gebrochene alte Frau. Das Piepsen endet und eine Stille durchzieht mein Zimmer.

Du willst lyrische Bilder zaubern, doch die sind voll stehender Wendungen - und widersprechen sich zum Teil auch noch selbst. Das raubt nicht nur die Lust aufs weiterlesen - ich f├╝hle mich als Leser ver├Ąppelt.

Ideen:
Ein Piepsen nur, das lauter wird, mich munter macht, es ist real. Erschrocken starre ich um mich, sehe mein Zimmer, bin pl├Âtzlich wieder alt.

quote:
Der Mond scheint durch einen Schlitz in den Gardinen und das Licht f├Ąllt auf mein Bett. Wie so oft scheint es, als erleuchte er den ganzen Raum, doch l├Ąsst er mich in der Dunkelheit zur├╝ck. Meine Gedanken werden klarer. Dieses Piepsen. Es war schrecklich laut. Ich wei├č nicht, ob es nun die Neugierde ist, nach der Quelle des Ger├Ąusches zu suchen, oder einfach die Lust, sich die Beine zu vertreten, aber ich habe das Verlangen aufzustehen. So seltsam und Normal diese Begebenheit klingt: Es ist keine leichte Aufgabe f├╝r eine 96 Jahre alte Frau mit einer H├╝ftprothese einfach aufzustehen und umher zulaufen.

Idee:
Der Mond schummelt sich durch die Gardinen, ein schwacher Pegel, der mein Bett beleuchtet. Ich liege mittendrin, aber es passiert nichts, obwohl ich auf das Licht warte.
Vermutlich ist meine H├╝fte schuld, mit 96 kann man nicht mehr einfach so aufstehen und zu den Toden traben. Da m├╝sste das Licht schon st├Ąrker sein.



quote:
Ich ziehe die Bettdecke von meinen Beinen. Es f├╝llt sich an, als w├╝rden meine Arme das Gewicht der Decke nicht stemmen k├Ânnen, doch irgendwie schaffe ich es, die schwere Winterdecke aus dem Weg zu r├Ąumen. Und pl├Âtzlich sp├╝re ich die Schmerzen, die Qualen, die mir der Schlaf und das Tr├Ąumen nahmen. Ich m├Âchte laut aufschreien, doch ich habe nicht die Kraft dazu. Ich setze mich auf die Bettkante und ziehe mich an meiner Vorrichtung langsam empor. Zum Gl├╝ck befindet sich mein Rollator immer neben meinem Bett. Mit langsamen Schritten bewege ich mich auf das Fenster zu, mit der Hoffnung, dass meine Kraft ausreicht, um diesen zwar kurzen, aber dennoch schweren Weg zu gehen.


Diese Passage ist leider so derma├čen gek├╝nstelt gef├╝hlsduselig, dass ich beinahe versucht war, das Lesen abzubrechen. Warum?

Eine 96j├Ąhrige suggeriert bereits Gebrechen, der Leser kann dem auch ohne Hinweise wie "Gewicht nicht stemmen k├Ânnen", "Schmerzen", "Qualen", "... nicht die Kraft dazu", ".. mit der Hoffnung, dass meine Kraft ausreicht" ... folgen. Doppelte Absicherungen vermuten "Bl├Âdheit der Leser" - und das wollen diese nicht!!!

Hier h├Âre ich erstmal auf, weil ich nicht wei├č, ob derart "grobe" Ideen f├╝r dich verdaulich sind.

Du m├╝sstest (m.M.n.) Szenen aktiver beschreiben, nicht beschreiben, dass etwas passiert, sondern es passieren lassen.

LG

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