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Leselupe.de > Kurzprosa
Todesursache unklar
Eingestellt am 09. 02. 2000 00:00


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Frank Zimmermann
Junior Mitglied
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Todesursache unklar
Die Zeit der drei Programme war l├Ąngst vorbei. Damals hatte Mutter immer auf dem Stuhl neben dem Sofa gesessen und sich beim Fernsehen mit dieser oder jener Handarbeit befa├čt. Die Programmh├Âhepunkte hie├čen: "Was bin ich?" und "Einer wird gewinnen". Es gab noch den Sendeschlu├č und das Testbild; ganz zu Anfang sogar noch in Schwarz-Wei├č. Wenn sie dann mal drei Stunden ferngesehen hatten, kam das schon einem Exze├č gleich. Die Luft im Raum war von so elektrisierender Feuchte und Mutter erhoffte sich die Absolution beim Wort zum Sonntag. Das mit den Lottozahlen klappte nie und so blieb er in der engen Stube wohnen, auch nach Mutters Tod. Auch ihren Stuhl lie├č er stehen, so wie sie einst Vaters Hausschuhe am Bett stehengelassen hatte, obwohl der nie von der Ostfront zur├╝ckgekehrt war.
Die Arbeit ern├Ąhrte und langweilte ihn gleicherma├čen und der Feierabend begann f├╝r ihn mit dem gleichzeitigen Griff nach Bierflasche und Fernbedienung. Das Programm flutete aus dem Ger├Ąt, glitt in Wellen ├╝ber ihn hinweg und f├╝llte den gesamten Raum, wie ein Aquarium. Werbung pl├Ątscherte dahin, Spielfilme umsp├╝lten sein Gehirn. Nicht selten schlief er in den lauwarmen Wogen eines Erotikfilmchens ein und erwachte erst wieder, wenn das Fr├╝hst├╝cksfernsehen in sein Bewu├čtsein tr├Âpfelte. Die W├Ąnde wurden feucht, doch das bemerkte er nicht. Arbeit, Fernsehen, Schlaf - Arbeit, Fernsehen, Schlaf, so schwappte sein Leben dahin, im unab├Ąnderlichen Rhythmus, wie die Gezeiten, nur freitags kurz unterbrochen, wenn er das n├Âtigste einkaufte. Manchmal bemerkte er, da├č das Bild vor seinen Augen zu schwimmen begann, so als sei das Zimmer von einer Art Nebel oder Dunst durchzogen; doch er schob es auf sein Alter und seine schlechter werdenden Augen. Schlie├člich begann er, egal ob Sommer oder Winter, vor dem Ger├Ąt zu fr├Âsteln und auch die Decke, unter die er sich deshalb legte, konnte dagegen nicht wirklich etwas ausrichten, vielleicht, weil sie ihm immer leicht klamm erschien.
Eines Nachts dann, erlebte er nicht mehr das Ende der Werbepause, er war tot. Als der Hausverwalter ihn Wochen sp├Ąter entdeckte, war er entsetzt ├╝ber die v├Âllig verschimmelten Tapeten im Wohnzimmer, in dem auch die Leiche lag. Alle anderen R├Ąume waren jedoch trocken und sauber. Weder der herbeigerufene Notarzt, der nur noch den Tod feststellen konnte, noch der Pathologe, der die Autopsie durchf├╝hrte, konnten sagen, ob der Mann nun erfroren oder ertrunken war. F├╝r beides gab es Symptome und beides schien absolut unwahrscheinlich auf einem Sofa in einer Wohnung im August. So trug man auf dem Totenschein ein: Todesursache unklar.

(├ťbernommen aus der 'Alten Leselupe'.
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