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Leselupe.de > Gereimtes
Todsünder 3
Eingestellt am 19. 07. 2009 16:28


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viktor
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Todsünder 3

Ich widme diese kargen Strophen
den -logen, -gogen und den -sophen.
Die keck die Geisteswelt erstürmen,
aus ihren Elfenbeingetürmen

und apokryphen Denkerwinkeln
an alte Kathedralen pinkeln,
wobei sie lauthals Phrasen lallen,
um neuem Zeitgeist zu gefallen,

zum Wohle ihrer Denksysteme
und möglichst kühner Theoreme,
die sie in flachen Worten taufen
(um ihre Bücher zu verkaufen),

die ohnehin die Zeit zerfleddert,
die jeden Müll im Uhrwerk schreddert
wie alle die gestreckten Drogen
der -gogen, -sophen oder -logen,

die, um ihr Ego zu entfalten,
den allerletzten Glauben spalten
und mit Erlösungssehnsucht handeln
wie mit dem Duft gebrannter Mandeln.

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viktor
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...das beispiel martin luther finde ich hier exemplarisch.
natürlich, die zustände in der christlichen kirche waren tw. schlimm und dekadent. aber das hatte gut 200 jahre vorher der staufer friedrich der zweite alles auch bereits - in tw. noch härterer form - analysiert, es war also nicht neu.
luther beharrte auf der abspaltung, obwohl erasmus v. rotterdam, den luther in sein boot ziehen wollte, ihn warnte.
luther hatte die neue "sekte" nämlich nicht ausführlich genug geistig organisiert, der protestantismus zerfiel sehr schnell in lutheraner, zwinglianer, calvinisten etc. etc.. die anschließenden religionskriege forderten millionen von toten.
letztlich sehe ich die - geschichtliche katatrophe - finanzkrise in diesem zusammenhang: religiöse oder philosophisch begründete werte gibt es, zumindest für die entscheidenden herren - nicht mehr, das ist fatal und kann katastrophal enden.
liebe grüße
viktor

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Walther
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Lb. Viktor,

der Spaltpilz frißt meist seine Väter. Das ist eine alte Erfahrung.

Allerdings läßt sich manche Modernisierung nur durch Spaltung schaffen, weil das Alte sich gegen die Erneuerung mit allen Mitteln stemmt. Das ist gerade im Iran zu beobachten. Dieses Regime taumelt seinem Ende zu, es hat es bereits vor Augen und wagt dennoch keine behutsame Reform, die der Wahlsieg des unterlegenen Bewerbers hätte anstoßen können. Damit bringt es sich selbst "um".

Doch zu Deinem Hinweis zurück: Es spricht viel dafür, daß Werte tradiert werden, also ein Ergebnis der Erziehung und des sozialen Diskurses sind. Es spricht noch mehr dafür, daß der Mensch glaubhafte Beispiele braucht als Blaupause für sein Leben. Unsere heutigen Idole selbst aber sind egozentrische, gebrochene, ichfixierte Raffer von Geld und Ruhm. Sie kommen aus dem Nichts, ihre Persönlichkeiten durchliefen keinerlei Veredlung durch Bildung von Herz und Verstand.

Wir tanzen um das Goldene Kalb und übersehen dabei, daß Wohlstand nicht glücklich macht. Der Mensch braucht mehr als Geld für sein "Heil".

Gruß W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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viktor
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lieber walther,
habe gerade auf wdr5 im "philosophischen radio" einen beitrag über friedrich schlegel gehört, der letztlich in den schoß der katholischen kirche zurückkehrte, weil sie nach fast 2000-jährigem bestand irgendwie doch dafür stand,"daß Werte tradiert werden"...
ich denke, dass die meisten mangels historischem bewusstsein ihren rahmen nicht finden und sich auf erkenntnissuche begeben.
die logen, sophen und gogen leben davon...
liebe grüße
viktor

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JoteS
Foren-Redakteur - tippende Inquisition
Manchmal gelesener Autor

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Hallo

Irgendeiner sollte hier noch erwähnen, dass das bei aller Klugheit des Gesagten und aller Humorigkeit auch noch ein sprachlich wirklich exzellenter Text ist.

Victor, ich gratuliere und werde gerade ganz neidisch... ;-)

Schade, dass ich auf diesem Rechner nicht (hoch!) bewerten kann.

LG

Jürgen
__________________
Oh lodernd Feuer! (Ustinov als Nero)

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