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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Tomatengeheimnis (Neufassung)
Eingestellt am 09. 06. 2007 09:11


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maerchenhexe
???
Registriert: Nov 2006

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Tomatengeheimnis (Neufassung)

Beim FrĂŒhstĂŒck rutschte Irmi Steppeck unruhig auf ihrem Stuhl hin und her. „Du, leg doch mal die Zeitung beiseite, ich muss mit dir reden“, wandte sich an ihren Mann. Herbert brummte zunĂ€chst unwillig, da er aber durch jahrelange Eheerfahrung wusste, dass er keine Chance hatte, wenn Irmi so anfing, beugte er sich dem ehelichen Pantöffelchen. Er verdrehte leicht die Augen, legte seine MorgenlektĂŒre an die Seite und schaute seine bessere HĂ€lfte an. „Also, schieß los, was hast du fĂŒr ein Problem?“ fragte er.

„Es geht um Helgas Tomaten“, sprudelte es aus Irmi heraus. „Jedes Jahr erntet sie das Doppelte von dem, was unsere Pflanzen hergeben, dabei mache ich doch schon alles genau so wie sie. Ich verwende nur Kerne von eigenen Tomaten, ziehe die Setzlinge auf der Fensterbank vor und gebe organischen DĂŒnger bei, wenn ich sie ins Freiland setze. Trotzdem sind meine Pflanzen Mickerlinge, wenn ich ihre dagegen sehe. Bei jedem Blick ĂŒber den Gartenzaun werde ich neidisch. Aber, wenn ich meine nette Nachbarin frage, lĂ€chelt sie nur wie eine Sphinx und sagt: „Das, meine Liebe, bleibt geheim.“ Das Schlimmste ist ja, dass sie uns dann, wĂ€hrend der Erntezeit, jedes Mal einen Korb mit ihren Supertomaten ĂŒber den Zaun reicht und uns zuckersĂŒĂŸ noch guten Appetit wĂŒnscht.
Ja, und deswegen sollst du, mein Dickerchen, herausfinden, was sie mit ihren roten Dingern anstellt."

Herberts Stirn umwölkte sich leicht, schließlich kannte er sein Ehegespons seit 32 Jahren. „Ich verstehe“, brummte er, „ich soll meinen Freund Karl heute beim Nachtangeln aushorchen, damit du hinter Helgas Geheimnis kommst. Und das nur, damit du deinen Frieden wieder findest. Das vergiss mal ganz schnell! Karl und ich haben eine echte MĂ€nnerfreundschaft!“
Ohne sie eines weiteren Blickes zu wĂŒrdigen, verschanzte er sich wieder hinter seiner Zeitung.

Irmi wartete noch einen Moment, nachdem aber hinter den druckgeschwĂ€rzten Seiten nur noch ein empörtes „Weiber“ und „gönnen der anderen nicht mal die dicksten Tomaten“ zu vernehmen war, Ă€nderte sie ihre Taktik.
Mit einem tiefen, nicht zu ĂŒberhörenden Seufzer erhob sie sich.
„Tja, wenn dir eine MĂ€nnerfreundschaft eben wichtiger ist als das Wohlergehen deiner eigenen Frau
“, sagte sie dann, wobei ein wohldosierter TrĂ€nenflor in ihrer Stimme mit schwang, begann mit heruntergezogenen Mundwinkeln den Tisch abzurĂ€umen und ĂŒbersah ihren Mann fĂŒr den Rest des Tages.

Gegen Abend hatte sie Herbert soweit. Als er zum Nachtangeln aufbrach, gab er seiner Frau entnervt einen Kuss und sagte: „ Ja, mein Schatz, du hast gewonnen, ich werde versuchen, Karl die Geheimwaffe zu entlocken. Ist jetzt wieder alles gut zwischen uns?“ Daraufhin wurde er von einer strahlenden Irmi mit einem fröhlichen „ Petri Heil“ verabschiedet.

Zwei Stunden saßen sie jetzt schon schweigend am Kanal nebeneinander, hatten ihre Angeln auf Grund ausgelegt und zwei bereits gefangene Aale im Setzkescher untergebracht. Herbert gab sich einen Ruck.
„Karl, ich muss dich mal was fragen, sonst hĂ€ngt bei mir der Haussegen schief“, versuchte er sein GlĂŒck. Sein Angelfreund runzelte unwillig die Stirn. „ Reden? Hier am Wasser? Du weißt, das verscheucht die Fische. Dann mach es aber kurz, ich will heute Nacht noch ein paar Aale fangen.“

WĂ€hrend Herbert seinem Freund in knappen Worten von Irmis Tomatenproblem und dem Streit erzĂ€hlte, der sich daraus ergeben hatte, ĂŒberzog Karls Gesicht ein immer breiteres Grinsen.
„Tja, Herbert“, wandte er sich dann seinem Freund zu, „was soll ich sagen? Meine Helga kann ich nicht verraten, das verstehst du ja wohl. Aber glaub mir eines: Frauen, die Tomaten pflanzen und MĂ€nner, die Angler sind, passen perfekt zusammen. So, und nun lass uns weitermachen!“
Immer noch schmunzelnd schlug er Herbert aufmunternd auf die Schulter.
Der jedoch war geknickt und leicht angesĂ€uert. Fehlschlag auf der ganzen Linie! Sein Kumpel schien sich köstlich ĂŒber ihn zu amĂŒsieren und zu Hause wartete Irmi! Er sah förmlich ihr enttĂ€uschtes Gesicht vor sich; denn dass sie ihn hellwach in der KĂŒche empfangen wĂŒrde, heute Nacht, das war so sicher wie das Amen in der Kirche. Drei Stunden spĂ€ter packten sie zusammen, acht Aale und ein maßiger Zander waren ihre Ausbeute, die wie immer redlich geteilt wurde.

Am nĂ€chsten Morgen war Irmi schon in aller FrĂŒhe im Garten und grub das Blumenbeet um. Wer konnte nach einer solchen Niederlage schon schlafen? Sie nicht!
Aber auch im Nachbargarten war schon Bewegung. Helga werkelte im Tomatenbeet und wĂŒnschte ihr fröhlich und honigsĂŒĂŸ einen Guten Morgen. Antworten musste sie der lĂ€chelnden Schlange, also nahm Irmi sich zusammen und erwiderte den Gruß. Und dann, um sich keine BlĂ¶ĂŸe zu geben, ĂŒberwand sie sich noch zu einer Frage: „Na, gibt es bei euch heute die Aale gebraten, oder rĂ€uchert Karl?“

Helgas Reaktion war mehr als seltsam! Sie murmelte etwas vor sich hin und rammte mit rotem Kopf und doppelter Geschwindigkeit den Spaten in den Boden, nur weil sie vom Fisch gesprochen hatte

Und dann traf Irmi die Erkenntnis wie ein Blitzschlag! Vorsichtig pirschte sie sich im Schutz der alten Tanne an den Zaun heran. Von da aus konnte sie auch genau erkennen, was da am Rand des Tomatenbeetes auf dem Boden lag! Das also grub die liebe Helga unter die Pflanzen in den Boden ein!

Eine Stunde spĂ€ter legte sie ihrem verdutzten Herbert mit verklĂ€rtem LĂ€cheln die Zeitung neben sein FrĂŒhstĂŒcksbrett und goss ihm Kaffee in seine Tasse. „Ach, mein Herbertchen“, sagte sie dann liebevoll, „ich bin so froh, dass ich einen Angler geheiratet habe. Übrigens, zu Mittag gibt es Pfannekuchen.“

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Pete
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Klasse!

Jetzt sitzt die Pointe, wackelt nicht mehr und ist ohne Schlupf.

Besonders gefÀllt mir, dass Du diese Pointe nicht mit dem Holzhammer erzÀhlst, sondern den Leser dazu aufforderst, sich selbst einen Reim zu bilden.

Das ist schon ein grotesker Aufwand, um große Tomaten zu erhalten. Mir gefallen so Geschichten.

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maerchenhexe
???
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hallo Pete,

bin jetzt aber mal ĂŒberrascht, die Neufassung steht doch erst ein paar Minuten im Forum! Ja, die Pointe! In der Beziehung hatte auch OhrenschĂŒtzer Recht, die war zum GĂ€hnen in der alten Version. Wenn du mir jetzt so nett bestĂ€tigst, dass sie gelungen ist, hat sich doch die Arbeit gelohnt und der Tag ist gerettet. Ich lerne doch immer wieder dazu, schön!

ganz lieb grĂŒĂŸt die
maerchenhexe
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heike von glockenklang
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liebe gaby,

deine geschichte ist in einer wunderbaren leichtigkeit erzĂ€hlt, begleitet von einem stĂ€ndigen schmunzeln. das klischeehafte rollenverhalten stört hierbei keineswegs sondern trĂ€gt zum amĂŒsement. bei. in den ersten zeilen fiel mein blick noch auf kleinigkeiten was die man verbessern könnte. im weiteren lesen aber wurde ich in einen sog gezogen das ich vergaß weitere vorschlĂ€ge einzutragen.

und der abschluß ist wirklich perfekt und gibt dem klischeehaften hintergrund einen extrapfiff.
heike
auf wunsch bekommst du meinen kleinen Ànderungsvorschlag....
heike
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Wenn das Leben dir einen Kinnhaken gibt, kĂŒhle dein Kinn und lass dich auf deinem Weg nicht beirren.
H Keuper-g /13.07.06

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maerchenhexe
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hallo Heike,

danke fĂŒr deine netten Worte. FĂŒr VorschlĂ€ge bin ich immer offen. Nur so können Texte besser werden.

lieber Gruß
maerchenhexe
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