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Leselupe.de > Fantasy und Märchen
Tomo dachi
Eingestellt am 06. 05. 2019 18:25


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Oyakata
Hobbydichter
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Das Märchen von Unì-‚vchen, Tomo-dachì und der Lust auf Leben
© by Oyakata


Seit vielen Jahren lebte Tomo-dachì nun in seiner Umgebung, die manches Mal klar und rein wie die Sonne war, wenn sie sich durch die Oberfläche brach, mal dunkel und düster, wenn nur das Mondlicht matt die See beleuchtete.

Tomo-dachì hatte eine Menge erlebt, die Erkenntnis, wie schwer es ist, so ganz ohne Schutz erst einmal groß und stark wie seine Artgenossen zu werden; früh schon war er auf sich alleine gestellt und dennoch vergnügt ob der täglichen kleinen Leckerbissen, die so an ihm vorbei schwammen. Meist aber, waren es nur Reste toter Fische, die nicht in den Mägen der größeren Räuber gelangten.
Sogar einen Musùko hatte Tomo-dachì, auf den er mächtig stolz war, aber die Austrägerin war eine Goto, nicht versessen auf ihn als Beute, aber er musste sich eine neue Höhle, einen neuen Unterschlupf vor dem gefährlichsten suchen, dem Tintulus.

Es trug sich eines Tages zu, dass er, unvorsichtig und neugierig, wie er nun einmal war, sich zu weit aus seinem Versteck herauswagte – und da lauerte er schon mit seinen vielen Armen und den Saugnäpfen, aus denen es kein Entrinnen gab - Jedenfalls wusste Tomo-dachì nichts von einem, der es je überlebt hatte. Mit einem Ruck war er gefangen und so sehr er auch zappelte, es half nichts. Schon sah er die gewaltigen Zahnreihen, und in seiner Todesangst zwickte er mit seiner linken Schere dem Tintulus direkt in die Nase. Mächtig saugte der Wasser in seine Mantelhöhle und schoss mit wütenden Blicken davon.
Tomo-dachì fiel herab, wobei er gar nicht bemerkte, dass er gar nicht auf dem Grund seines Lebensraumes war. Er fiel auf den Rücken, langsam beruhigte sich sein rasend pochendes Herz und er fühlte, dass ein Teil einer Schere fehlte und ach, welch Schreck, auch noch eines seiner 8 Beine. „Na ja“, dachte er sich, es läuft sich auch auf sieben ganz gut.
Nur, wie jetzt wieder sich umdrehen, kein sich bewegender Halm, kein Stein in der Nähe.
Doch nahte Rettung: Etwas, das aussah wie er, aber doch nicht so, kam mit hastigen Schritten auf ihn zugelaufen. „Was ist denn mit Dir passiert?“ fragte der ähnliche, aber viel kleinere. „Ich habe versucht, einen Tintulus zu fressen“ sagte Tomo-dachì ärgerlich, denn es war nun wirklich nicht angenehm so auf dem Rücken zu liegen und seine ungeschützte Seite unterhalb des Panzers aller Welt zu offenbaren. „Hilf mir lieber auf die Beine, dann kann ich es Dir verraten“. Mit einem kleinen Schub seiner („wie kann ein Wesen nur so kleine Scheren haben, wie der“, dachte sich Tomo-dachì) Zangen warf er ihn wieder auf den Rücken. „Danke“ sagte Tomo-dachì freundlich „und wer bist DU?“
„Gerne geschehen“ antwortete sein Gegenüber – nun doch deutlich kleiner erscheinend, da Tomo-dachì wieder auf seinen eigenen Beinen stand – „ich bin ein Verwandte von Dir, und ich heiße Garnelius und kam gerade hier vorbei, weil ich meine Tante besuchen wollte“. Zu einer weiteren Konversation kam es nicht, denn mit raschen Schritten, ohne sich noch einmal umzudrehen verschwand dieses seltsame Wesen. „Was es hier alles gibt“ dachte sich Tomo-dachì und begann wieder seine Umgebung zu erkunden.

Die Zeit verging, ab und zu traf sich Tomo-dachì mit seinem Musùko und sie tauschten allerlei Neues aus; was so geschah, welche Gefahren sich ergeben können und wie es an den anderen Plätzen aussieht.

So kam es, dass eines Tages – wieder einmal voller Neugierde – sich Tomo-dachì weit von seiner Höhle entfernte. Ein grimmig dreinschauender Muränus missachtete ihn, obwohl Tomo-dachì freundlich grüßte, klappte er nur sein Maul einmal groß auf und zu, ohne einen weiteren Ton von sich zu geben. Von oben sah Tomo-dachì wieder die vielen Armen auf sich zukommen, doch dieses Mal war er schneller und so gut er konnte, versteckte er sich unter einem großen Stein. Er weiß nicht mehr, wie lange dieser Tintulus (ob es wohl der gleiche war, der ihm schon ein Bein und einen Teil der Schere kostete, wusste er nicht) auf ihn wartete, um ihn als seine Lieblingsspeise einzuverleiben.

Aber die glitzernden Diamanten, die das Sonnenlicht auf die Oberfläche und nur ein wenig darunter zauberten, waren verschwunden. Zeit für ihn selbst, sich um zu sehen, was es für den Magen zum Füllen gab.
So streifte Tomo-dachì ziellos umher, nicht mehr wissend, wo sein angestammter Platz war, als er urplötzlich einen kurzen Schmerz verspürte. „Was ist das schon wieder“? sprach er laut vor sich hin und er fühlte etwas spitzes, das in einem seiner Fühler stecke. Mit einer Schere zog er es heraus und nun bemerkte er direkt vor sich etwas sehr merkwürdiges, noch nie Gesehenes. „Ja so was habe ich ja noch nie getroffen“ sagte Tomo-dachì zu dem stacheligen Etwas vor sich. „Was bist Du denn für einer, doch hoffentlich nicht noch ein Verwandter? Ich weiß ja bald nicht mehr, wen ich noch alles besuchen muss“ fragte er höflich, in der Hoffnung nicht noch so einen Stachel ab zu bekommen.

„Ich bin kein einer, sondern eine“ sagte das Stacheltier und sprach mit angenehmer, ja fast schon märchenhafter Stimme weiter „Ich bin ein Unì und ich heiße ‚vchen und wer bist DU? „Ich bin Tomo-dachì und ich habe 8 Beine, 2 Scheren und kenne alle hier, aber ‚vchen ist schon ein komischer Name“ witzelte Tomo-dachì. „Na, mit dem Zählen hast Du es ja nicht so und Deine linke Schere, wie Du das Ding da nennst, ist wohl auch nicht mehr ganz in Ordnung“ sagte die Unì mit einem Lachen in der Stimme. Und Tomo-dachì erzählte ihr die ganze Geschichte mit dem Tintulus und seiner Verletzung.

„Ja, wenn Du mich dabei gehabt hättest, wäre Dir das nicht passiert“ sprach ‚vchen und dabei hörte sich ihre Stimme sehr einfühlsam an. „Und was bist Du und warum sollte mir nichts geschehen“? wollte Tomo-dachì ganz aufgeregt wissen.
„Ich bin ein Unì“ wiederholte ‚’vchen, „meine Stacheln tragen, wenn ich will, ein Gift in sich und das hat mir schon oft lästige Gesellen von meinem weichen Inneren fern gehalten“ sprach sie weiter „und weil ich sah, dass Du keiner von denen bist, die mir Arges wollen, habe ich Dir auch nur einen kleinen Stachel verpasst, denn sonst wärst du auf mir herumgelaufen und das mag ich gar nicht“ fuhr sie mit deutlichem Ausdruck fort.
„Und wo gehst Du jetzt hin?“ wollte Tomo-dachì voller Eifer wissen, denn das, was dieses Stachel Etwas sagte, gefiel ihm sehr gut und war genau die richtige Begleitung, wenn der Tintulus wieder frech werden und ihn fressen wollte.

„Ich wohne hier“ flüsterte sie, denn ihr war bewusst, dass alle anderen zu den Gärten mit den tausend Blumen konnten, all die dahin ziehenden Schwärme, ihre Kusine Nemoline und auch dieses Tier mit seinen 7 Beinen und der kaputten Schere konnte das. „Ich muss hier bleiben, denn ich habe nur ganz kurze Beine und kann also auch nicht laufen“ fuhr sie fort. „Das ist aber sehr schlecht“ sagte Tomo-dachì, da siehst Du ja nichts von der ganzen Welt. „Warte mal, vielleicht kann ich Dir ja ein oder zwei Beine von mir geben“ machte er ihr den Vorschlag. „Nein, dann fällst Du ja ganz um; und zu seiner Überraschung erzählt sie ihm davon, dass ein Herr Garnelius vorbei kam und laut vor sich hin sprach, dass er ein Held sei und dem großen Krabbler Tomo-dachì wieder auf die Beine geholfen habe. „So, so, der Herr Garnelius“ plapperte Tomo-dachì vor sich hin.
„Ich mache Dir einen Vorschlag“ rief ‚vchen plötzlich. „“Bist Du stark?“ „Und wie, das wirst Du schon sehen“ sagte Tomo-dachì und dabei bewegte er seine Augen stolz hin und her. „Na gut, dann gehe mal hier hin“ und sie deutete auf eine kleine Mulde direkt vor ihr. „Und dann?“ wollte Tomo-dachì wissen. „Dann versuche ich auf Deinen Rücken zu klettern und mit meinen Saugnäpfen kann ich mich festhalten“ schlug ‚ vchen vor.
„Saugnäpfe! Rief Tomo-dachì ängstlich, „warum siehst Du aber nicht wie ein Tintulus aus“? wollte er wissen. „Viele Lebewesen haben diese Saugnäpfe und sie krallen sich an anderen fest, weil sie sich dem anderen bemächtigen wollen, oder wie der Tintulus, weil er damit Wesen wie Dich fängt und frisst“ gab sie als Erklärung. „Also los, dann will ich mich ruhig verhalten und Du kletterst auf mich“ sagte Tomo-dachì. Es war gar nicht so einfach für ‚vchen, die ihn ihrem Leben noch nicht viel „gelaufen“ war. Doch mit Aufmunterung und gutem Willen gelang es ihr schließlich, sich auf seinem Rücken festzuhalten. „Keine Sorge“ sagte sie, „wenn Du mich nicht mehr tragen kannst oder willst, setze mich einfach wieder ab“.

Das war ein gutes Gefühl, als sich Tomo-dachì aufrichtete und sie war gar nicht so schwer, wie er gedachte hatte. Sein Musùko war ja viel schwerer und den hatte er auch oft herum getragen, als er noch nicht so groß war wie heute.
„Heissa“ rief ‚vchen von oben, „Heissa, wie ist die Welt doch klein“ freute sie sich. Zum ersten Mal so hoch oben, und nun konnte sie überall dort hin, wo sie noch nie war.
„Gehen wir zu den Gärten mit den tausend Blumen?“ wollte sie wissen. „Kennst Du den Weg? Fragte Tomo-dachì. „Klar, meine Kusine Nemoline wohnt dort, die kommt mich oft besuchen und die führt uns hin“.
So bewegten sich beiden vorwärts, so rasch es die sieben Beine von Tomo-dachì hergaben und immer wieder erklang „Hopp, laufe schneller“ und „Heissa“ von seinem Rücken.
Doch urplötzlich hielt er inne. Direkt vor ihnen lauerte – ja genau der – Tintulus und dieses Mal schien er zu allem entschlossen. Voller Wut stieß er eine Wolke aus und mit einem Male war alles dunkel um sie herum. Da fühlte er auch schon einen dieser Arme mit den Saugnäpfen und vor sich sah er das große Maul mit den fürchterlichen Zähnen.
Doch, was war das? Als ob alles um sie herum zu beben schien verwandelte sich das Meer zu einem brodelnden Inferno. ‚vchen hatte genau den Zeitpunkt abgewartet und dem Tintulus genau in eines seiner Augen einen giftigen Pfeil abgefeuert. Und da er nun nichts mehr sah vor Schmerzen wirbelte er aberwitzig umher.

Tomo-dachì gelang es, sich an einem Stamm festzuhalten und hoffte, dass auch ‚vchen das Getöse gut überstanden hatte.
Sie hatte sich ganz fest mit ihren Saugnäpfen an seinem Panzer festgeklammert und außer ein wenig Schwindel fehlte ihr nichts. „Alles in Ordnung da unten? Fragte sie noch etwas durcheinander. „Ja kam es ihm von den Lippen „und danke, dass Du mir das Leben gerettet hast“ sprach er sichtlich erleichtert. „Ach, das habe ich doch gerne getan und ich weiß nicht, ob der Vielfrass mich nicht gleich mit verzehrt hätte“ sprach sie schon wieder lächelnd. „Du bringst mich doch zu den Gärten der tausend Blumen und dafür kann ich Dir auch schon mal das Leben retten“.

Und nach vielen Tagen Marsch kamen sie an im wunderbaren Garten und dort lebten sie glücklich und zufrieden – das ‚vchen und der Siebenbeinige Tomo-dachì.

Nie wieder versuchte ein Tintulus ihm zu nahe zu kommen, denn rasch hatte es sich verbreitet, dass eine weiche Schale oftmals auch giftig sein kann, es ist immer nur eine Frage der Gemeinsamkeit zweier Lebewesen.



__________________
CGA

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flammarion
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