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Leselupe.de > Kurzprosa
Torschlusspanik
Eingestellt am 21. 05. 2006 17:00


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Ully
???
Registriert: Jan 2006

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Torschlusspanik


Karriere, Karriere, stand bisher fĂŒr Alexander an erster Stelle. Sein sexuelles Verlangen befriedigte der fast VierzigjĂ€hrige bisher in kurzlebigen AffĂ€ren. Nun aber, fand er es höchste Eisenbahn, eine Familie zu grĂŒnden. Deshalb platzierte er im Tagesblatt eine raffinierte Heiratsannonce, die bei der Damenwelt reges Interesse weckte und ihm Sechsundsiebzig Zuschriften bescherte. In schweißtreibenden Stunden traf er eine erste Auswahl. Danach galt es, am lebenden Objekt heraus zu finden, welche Bewerberin fĂŒr ihn kompatibel wĂ€re. Einem Manne wie ihm, gutaussehend, finanziell bestens abgesichert und ausgesprochen clever, stand es unbestritten zu, gewisse QualitĂ€ten von seiner ZukĂŒnftigen erwarten zu können. Der akribischen Vorstellung entsprechend erstellte Alex eine Checkliste fĂŒr die Damen. Auf zwei Seiten formulierte er fĂŒnfundfĂŒnfzig konkrete Punkte. Durch und durch Perfektionist, wĂ€hlte er selbst den Ort zur ersten Begegnung nach praktikablen Kriterien aus. Das Cafe Körner in der Altstadt eignete sich vorzĂŒglich. Es wies ein mittleres Preisniveau aus, tĂ€uschte mit nachgeahmten Stilmöbeln dezente Eleganz vor und bot die unbezahlbare Möglichkeit, fĂŒr Eingeweihte, bei Bedarf unbemerkt zu verduften.

Vor Jahren besuchte Alexander, mit seinen Eintagsfliegen, hĂ€ufiger jenes kleine Cafe. Oberkellner Johannes, Ă€lter als Methusalem, erkannte ihn aber trotz seines lĂ€ngeren Fernbleibens. Akkurate Organisation ermöglichte dem BrĂ€utigam in spe` pro Abend zwei Ladys zu begutachten. Schwerstarbeit, die er sich auferlegt hatte. Aber, wer eine ideale Gattin will, muss dafĂŒr zahlen.

Alles, was ihm in den letzten Tagen unter die Augen trat, deprimierte ihn tief. Gleich die erste Kandidatin prĂ€sentierte frech in ihrer Altersangabe einen Zahlendreher, 53 war richtig. Die Zweite hatte dreißig Kilo Gewicht unterschlagen. Eine Andere schrumpfte von 178 Zentimeter auf 148 Zentimeter. Die siebente Dame von akzeptablen Äußeren. Doch als sie ihren Schmollmund öffnete, blickte Alex in den antiken Steinbruch Roms. Das nĂ€chste BrĂ€utchen glĂ€nzte mit unĂŒbertroffener Blödheit. So ging es Abend fĂŒr Abend weiter. Alexander verzweifelte, war nahe daran auf zu geben.

Das Treffen mit Nummer Siebenundzwanzig stand bevor.
Aber im Gegensatz zu den anderen Frauen, lĂ€sst sie ewig lange auf sich warten. Mit jeder Minute die verstrich, wurde er ungehaltener. Schließlich trat, nein schwebte, ein weibliches Wesen herein und schaute sich suchend um. Alex stockte der Atem. Sie konnte unmöglich seine Verabredung sein. Ihm wurde schummrig, es kribbelte, die göttliche Erscheinung strebte direkt auf ihn zu und eine samtweiche Stimme sĂ€uselte:

„Alexander? ...... Ich bin Calista.”

Seine Augen saugten sich an ihr fest. Sie war schlank gewachsen, glutĂ€ugig, schmale HĂŒften, kleiner runder Knack Po, unendlich lange Beine, wallendes kastanienbraunes Haar, elegant und doch aufreizend gekleidet. Ihr Antlitz von puppenhafter EbenmĂ€ĂŸigkeit, die Bewegungen und Gesten ĂŒberaus anmutig.

„Das ist sie, sie ist die Frau meines Lebens, nur sie soll die Mutter meiner Kinder werden,” dachte Alexander im gleichen Moment, als sich ihre HĂ€nde berĂŒhrten.
Amors Pfeil traf bei ihm genau ins Schwarze. Es wurde ein langer, aufregender Abend, denn die Schöne verstand sich sogar auf gepflegte Konversation.


Tage lang bemĂŒhte sich Alex vergeblich die Angebetete zu erreichen. Er musste sie unbedingt Wiedersehen. Seine sture HartnĂ€ckigkeit lohnte sich, wenn auch nur HĂ€ppchenweise.
Sie verstand es meisterhaft ihren Verehrer im eigenen Saft schmoren zu lassen.
Hin und wieder gingen sie miteinander aus. Mal zum Essen, ins Theater oder ins Kino.
Aber die Schöne gestattete ihm noch keine ZĂ€rtlichkeiten. Mit ihrer gespielten ZurĂŒckhaltung brachte sie ihn fast um den Verstand.
Alexander verfolgte inbrĂŒnstig sein Ziel. Er zog alle Register der VerfĂŒhrungskĂŒnste.


An einem Samstagabend fĂŒhrte er Calista in die exklusivste Tanzbar der Stadt. Sie genossen nicht gerade wenig vom edelsten Champagner und die Dame seines Herzens erlaubte erste sanfte BerĂŒhrungen. ZĂ€rtlich hielt er ihre schlanken HĂ€nde, spielte mit dem duftenden Haar, und seine Augen versanken tief in ihren Augen.

Zur fortgeschrittenen Stunde verließen sie stark beschwipst und Hand in Hand das Lokal. Schwer verliebt schlenderte das PĂ€rchen durch die laue Nacht. Unter einer defekten Straßenlaterne blieben sie stehen und kĂŒssten sich hingebungsvoll.
Alexander geriet in Wallung, riss sie stĂŒrmisch in seine Arme, presste sie gierig an sich, und..... verspĂŒrte in Calistas Schoß geballte Manneskraft.

__________________

© by Ulla Magonz

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Gorgonski
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2003

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Hallo Ully

Das Ende war abzusehen, weil alles auf eine Pointe hinauslief.
Eine schöne kurze Geschichte, die nur eine Frage offen lĂ€ĂŸt:
"Und nun..." (nimmt er sie/ihn trotzdem)

MfG, Rocco
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dEr Heftchenliterat und Poet aus dem Erzgebirge

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Ully
???
Registriert: Jan 2006

Werke: 36
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Hallo Gorgonski,

das offene Ende ist so gewollt. Aber eigentlich ist doch sicher, dass Er "Sie" nicht nimmt. Denn am Anfang ist es klar formuliert was Er sucht.

sG Ully
__________________

© by Ulla Magonz

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Gorgonski
Wird mal Schriftsteller
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Okay

Okay, Du hast Recht, die Antwort steht am Anfang und eine Familie mit zweifach geballter Manneskraft zu grĂŒnden geht ja wohl nicht.

Liebe GrĂŒĂŸe; Rocco
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dEr Heftchenliterat und Poet aus dem Erzgebirge

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Melusine
Guest
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Hm.
Ully, das klingt mir irgendwie zu konstruiert. FĂŒr eine realistische Story ist es mir zu unrealistisch und fĂŒr eine Satire zu wenig ĂŒbertrieben.
Gut zu lesen, das schon. Aber die Pointe ist zu vorhersehbar. Mir fehlt das gewisse Etwas.

LG Mel

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Ully
???
Registriert: Jan 2006

Werke: 36
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Hi Melusine,

stimmt, es ist eine fiktive Geschichte.
Sie soll den Leser unterhalten. Das Ende
zu seicht, hm, muss ich bei Gelegenheit,
und einer neuen Idee, Àndern.Danke Dir.

lG Ully
__________________

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