Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92255
Momentan online:
287 Gäste und 19 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Gereimtes
Tot geschüttelt
Eingestellt am 07. 01. 2009 11:38


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Sta.tor
Foren-Redakteur
Häufig gelesener Autor

Registriert: Feb 2002

Werke: 152
Kommentare: 2221
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Sta.tor eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Tot geschüttelt


Ich muss heut nicht im Grauen schuften,
hab Zeit sie anzuschauen: Gruften!

Bin schließlich Fan von Leichen, Toten.
Man kann sie auch in Teichen loten.

Doch schau ich mir die Trauerschau
weil ich noch meinem Schauer trau

am liebsten an in hohlen Gängen,
wo Knochen von Mongolen hängen.

Auch das Skelett von Otto Maus
liegt dort nach einem Motto aus,

dass selbst der Dümmste gar versteht,
dass man nicht nur als Star vergeht.

Die Führerin ins Totenreich
führt mich vorbei am roten Teich

vom Eingang, hin zu Hammerstellen
die einen Säulenstamm erhellen.

Der ist gespickt mit Leichenrippen.
Nichts zeugt hier mehr von reichen Lippen

die einstmals nippten Badenwein.
Mein Blick fällt auf ein Wadenbein,

gekreuzt mit einem Oberschenkel.
Bekam auch Friedrich Schober Enkel?

Nun liegt er hier, ist sehr vergammelt.
Ich spüre den Begehr. Versammelt

hat sich in schaurig’ Schabengruft
doch schon so mancher Grabenschuft.

Da fällt mir ein, in blanken Tüten
erstand ich nach dem Tanken Blüten

von Blumen rot, was Bleiche lieben,
wenn die bei ihrer Leiche blieben.

Ich kram hervor die Nelken wieder,
leg duftend sie zum welken nieder.

Doch strömt durch die verlässlich’ Gruft
ganz unvermittelt grässlich’ Luft.

Da! Das Gebein „Graf Rubenstein“
erscheint mir nicht grad ‚stubenrein’.

„Weshalb klebt hier am Torso Kot?
Ist nicht der ganze Korso tot?“,

frag ich die Frau. Ihr weicht die Glut.
Ein kleiner Satz begleicht die Wut.

Sie schließt verschämt die weichen Lider.
Ihr Wort schallt von den Leichen wider:

„Hast du am Arsch erst keine Backen,
musst du durch die Gebeine kacken.“

__________________
schlimmer geht immer

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Dominik Klama
???
Registriert: Nov 2008

Werke: 40
Kommentare: 685
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Ich habe, zwar nur ganz flüchtig und schnell, reingeschaut in das eine oder andere frühere Werk von Sta.tor. Und da scheint es mir angemessen zu bemerken, dass es nicht notwendig immer „ein Gedicht ist, wenn es sich reimt“. Sta.tor mag diese sehr klassischen, etwas altertümlichen Gesetzmäßigkeiten von Versfüßen (vierhebiger Jambus) und gnadenloser Folge von Paarreimen: A - A - B - B - C - C - usw. So eine unheimlich alte, deswegen auch etwas abgenutzte Form bekommt aber leicht einen Beiklang des Komischen, des Parodistischen. Den sie in diesem speziellen Fall auch ruhig haben darf. Das Gedicht will ja wie eine Kinderreimerei wirken. Es will auf groteske Art komisch sein, was die Zeilenenden mit ihren Schüttelreimen deutlich zum Ausdruck bringen: Badenwein und Wadenbein, gar versteht und Star vergeht, Nelken wieder und welken nieder...

Aber wer eine so rigide Reglementierung seines Schreibens für sich wählt, muss sich gefallen lassen, pingelig auf jegliche kleine Unsauberkeit, jeden winzigen Regelbruch aufmerksam gemacht zu werden.

„Da! Das Gebein Graf Rubenstein“ ist zum Beispiel kein guter vierhebiger Jambus. Als Ausruf und als Ein-Wort-Satz kann „Da!“ gar nicht anders als betont gesprochen werden. Es müsste an dieser Stelle aber eine akzentlose Silbe stehen. „Da! Das Gebein...“ kann nur so gesprochen werden: ’- - ’. Schiebt zwischendurch einen Trochäus mal eben also ein.

Und auch mit den Schüttelreimen passt es nicht immer. Wen wundert’s? Ich sage ja nicht, dass mir selbst da immer welche eingefallen wären. Aber ich hatte es auch nie drauf angelegt, so einen Text zu erzeugen! „Hammerstellen / Säulenstamm erhellen“ ist erzwungen. „Weicht die Glut / begleicht die Wut“ ist nicht gut. „In hohlen Gängen / von Mongolen hängen“ ist ebenfalls alles andere als perfekt.

Dagegen, das ist gerade der Effekt von so launigen Schüttelreimgedichten, nehmen komische, kleine Überraschungen, bei denen man das Gefühl hat, selber wäre man nie darauf gekommen, für sich ein: „von Leichen, Toten / sie auch in Teichen loten.“ Das ist gutes Amüsement. Leider geht das Sprachspiel hier mit einer inhaltlichen Schwäche einher. Jemand hat uns gerade erklärt, dass er gerne in Gruften unterwegs ist (Grüften? Word unterschlängelt es nicht im Gegensatz zu Gruften), um sich Leichen anzusehen, und legt nach, auch in Teichen finde man sie öfter. Das wirkt gezwungen. Und so viele Teichleichen wird es auch nicht zu finden geben, denke ich. Die Wirkung, die solche formale Spielerei immer hat, wenn man sie nicht überaus perfekt beherrscht: Die Form geht auf Kosten des Inhalts! „Badenwein / Wadenbein“, „Nelken wieder / welken nieder“. Ja! Wenn es so nur immer wäre!

„Hast du am Arsch erst keine Backen,
musst du durch die Gebeine kacken.“

Nein, mag ich gar nicht! Sind die letzten beiden Zeilen, also wohl das, was der Autor sich als seinen größten Clou dachte, bevor er sein Publikum verlässt. Arsch, Arschbacken, kacken. Ich behaupte ja gar nicht, dass man so eine Sprache nicht in Literatur verwenden sollte! Aber dann sollte sie vom „Geist der Werkes“ bzw. von der beschriebenen Situation (ich selbst schreibe Geschichten, da spielt das eine Rolle) gefordert sein. Das ist sie hier nicht. Erst war es ein schwarz-humoriger Horror-Bänkelsang (und die Geister von densölben spuken nachts in den Gewölben), nun, ganz zum Schluss wird es eine Exkrementenschweinigelei. Und warum? Weil der Klang der Wörter, also die Form, es gebot, der Inhalt letztlich nicht so wichtig war? Inhaltlich ist das sowieso völlig absurd: Tote verdauen nichts. Hätte der Autor auf solche „graphic details“ tatsächlich Wert gelegt, hätte er wohl besser Zuflucht zu Maden und verrotteten, stinkenden Fleischteilen und auslaufenden Augäpfeln genommen als zu Kot. (Reimt sich halt gar zu gut auf „tot“, kann man einfach nicht umkommen lassen, nicht wahr?)

Ich erlaube mir, die Form zu ignorieren, die Inhalte in geglätteter Form zu referieren: „Nach dem Motto, dass nicht nur Stars vergehen müssen, was übrigens selbst dem Dümmsten klar sein dürfte, liegt dort das Skelett von Otto Maus.“ Aha. Aha? Wer ist Otto Maus? Kenne ich den? Ein Star? Etwa der Sohn vom Minnie Mouse? Oder: eben nein, kein Star! Warum dann Otto Maus? Hab ich noch nie gehört, heißt doch immer Otto Normalverbraucher. Und okay, jeder muss sterben, auch der Normalste. (Warum sollten Durchschnittliche schwerer sterben als Ungewöhnliche?) Einverstanden, aber was ist an dieser Stelle der Anlass, an Stars (oder Sterne) zu erinnern? Stars und Sterne sind ständig am Sterben? Hm.

„Die Führerin vom Totenreich führt mich zu Hammerstellen, die einen Säulenstamm erhellen.“ Kapiere ich nicht. Unter Hammerstellen, stelle ich mir entweder ganz toll dotierte Jobs oder aber Stellen vor, auf die ein Hammer geschlagen hat. Beide machen nicht hell, wenn es Nacht wird in Paris.

„Ich spüre den Begehr.“ Ist der männlich? Bei mir wäre er sächlich. Aber welchen denn? Das Begehren von Friedrich Schober? Mein eigenes? Schober, der ein Grabenschuft ist? Grabenschufte, wonach steht deren Begehren denn so?

Wenn mir einer anfängt, zu raunen von so etwas, muss der ja nicht, dann will ich auch wissen, was Sache ist!

Immerhin: Klasse Titel.

__________________
14.11.2015 Forum Lupanum Threads Höhe Zeit Aufklärung Verteidiger: Es ist genug.

Bearbeiten/Löschen    


Spaetschreiber
???
Registriert: Sep 2009

Werke: 33
Kommentare: 472
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Spaetschreiber eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Eh, Quatschtante!

Kauf dich mal ´n Autowagen und denn noch son Ding,
womit man telefoniern kann,
son Telefon weeste,
damit kann man denn Leute anrufen.
So Leute weeste,
die man so kennt eben
und mit die man umme Häuser zieh‘n kann.
Inne Kneipe gehn und so.
Oder mit’n Autowagen durch de Gegend brettern.
Bloss einfach so,aus Spaß,
mit Scheiben runter und Radio auf volle Pulle.
Denn wird so geredet über Andere und so.
Und wenn die Bullen kommen,
einfach Gas geben-
und denn noch so rumhängen und kein Computer an.
So leben einfach,
einfach leben,
ohne denken und son Quatsch,
sich besaufen und Weiber aufreißen
oder was auch immer.
Mach ma, dit ist schön,
manchmal is fallen lassen schöner als so schreiben verstehste?

Bearbeiten/Löschen    


Sta.tor
Foren-Redakteur
Häufig gelesener Autor

Registriert: Feb 2002

Werke: 152
Kommentare: 2221
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Sta.tor eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

wow, Dominik Klama,

das musste ich mir erst mal schnell ausdrucken, damit ichs mir an die Pinnwand heften und jeden Morgen mit einem Lächeln lesen kann. Wirklich große Satire, nur befürchte ich, das wolltest Du gar nicht.
Du wolltest vielmehr ernsthaft mein Schüttelreimgedicht kritisieren. Leider versuchst Du Dich da ausgerechnet an einem Typus, der soweit außerhalb der gängigen Regeln steht, wie kaum ein anderer.
Die gereimte Lyrik bietet dem Dichter ein breites Feld der Betätigung. Vielfältige Reimformen können benutzt und mannigfaltige Stimmungen bedient werden. Versstruktur und Strophenaufbau ordnen sich dabei idealerweise dem Reimschema unter. Mal strenger, mal lockerer.
Die Spaßlyrik ist z.B. ein typischer Vertreter der gereimten Lyrik. Sie bedarf der gereimten Form, um gerade durch den spielerischen Einsatz der Endreime, verblüffende oder amüsante Verskombinationen und Pointen zu erzeugen. Der Leser wird also weniger von streng logischen Sachverhalten angesprochen, sondern von witzigen Drehungen und Wendungen. Oder von unerwarteten Spitzfindigkeiten.
Der Schüttelreim ist nun so eine Variante der Spaßlyrik. Er ist sehr anspruchsvoll in der Erstellung, hat aber nicht den Anspruch besonders tiefgründig zu sein. Natürlich, die Königsklasse ist der Schüttelreim in einer geschlossenen Handlung, aber diese beiden Komponenten zu vereinen ist sehr schwierig. Wenn dann noch der Anspruch auf völlige logische Korrektheit zugrunde gelegt wird, ist so ein Gedicht nicht machbar, oder, wenn doch, wahrscheinlich völlig unlustig und wird vom Leser nicht beachtet. Die kleinen Unlogikkeiten und Worterfindungen machen den Reiz des Schüttelreims aus, sind Stilmittel und höchst erwünscht. Ein Spaß eben.

Versuchs doch selber mal, fang mit einem selbst erdachten, zusammenhängenden, sinnvollen Vierzeiler an, dann sechs, dann acht, usw.
Wenn Du mindestens 20 Verse zusammen hast, die dann auch noch eine zusammenhängende Geschichte halbwegs glaubhaft rüber bringen, wobei besonderer Wert auf den sauberen Schüttelreim, sprich identische Buchstaben bei den vertauschten Wörtern, zu legen ist, DANN, ja dann gehörste zu denen, deren Kritik ich zu diesem Thema hier ernst nehme.


Sta.tor, steht auch auf junge Dinger, aber anders
__________________
schlimmer geht immer

Bearbeiten/Löschen    


Rhea_Gift
Häufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2003

Werke: 325
Kommentare: 3573
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rhea_Gift eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Schwer schwer über die Länge das durchzuziehen - und dann noch ein Lacher am Ende... mir gefällts! Die Arschbacken passen doch zum Ton des ganzen Gedichts - und sowas mag ,man halt oder nicht - ich finds lustig!
__________________
...Seele, bist du nun erwacht?...Und sie zittert, und sie lacht allen Himmelssternen zu... (Hesse)

Bearbeiten/Löschen    


Ivor Joseph
Guest
Registriert: Not Yet

Für mich ganz persönlich hat diese Art Dichtung keinerlei Tiefgang. Sie besteht
nur aus erzwungenen Wortspielen, geleitet nur vom Reim - mag sein eine gute
Fingerübung.
Neulich bei einer Lesung stellte jemand ein ganzes Büchlein vor; die Geschichte
darin beinhaltete nur der Vokal "e".

Den Text finde ich in Ordnung (als das was er ist),
die Bewertungen nicht.

LG; Ivor

Bearbeiten/Löschen    


52 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Gereimtes Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!