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Leselupe.de > Kurzprosa
Tote fühlen keinen Schmerz
Eingestellt am 02. 03. 2005 20:45


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IceHand
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Dec 2002

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Tote fühlen keinen Schmerz, keine Angst und kein Bedauern. Ein Teil von mir war in dieser Nacht gestorben und dennoch atmete ich, spürte, wie die kalte Luft durch meine Lungen schnitt und die Tränen an meinem Gesicht herabliefen. Ich fühlte mich, als wäre mir bei lebendigem Leib das Herz aus der Brust gerissen. Für mich gab es kein zurück mehr, vielleicht sollte ich froh darüber sein. Ich war es nicht.
Das Blut unter meinen Füßen roch so süß, oh, so warm. Ich sah in dein stummes Gesicht, das mich aus vorwurfsvollen Augen anstarrte und eine Frage heraufkommen ließ, die deine Lippen nie beantworten würden. Warum? Warum hattest du mir das angetan? Ich hatte nie gewollt, dass es soweit kommt, aber die Wahl war nie die meine gewesen.
Ich spürte das Gewicht der Pistole in meiner Hand. Beinahe konnte ich noch deinen kalten Händedruck am Griff der Waffe spüren. Es war so leicht. Ich hob das finster schimmernde Metall hoch und setzte den kalten Lauf an meine Stirn.
Der Abzug klickte.
Ich dachte, Tote fühlen keinen Schmerz. Vielleicht hatte ich mich geirrt.
Ich ließ die Waffe wieder sinken, in der keine Patronen mehr steckten und drehte mich um. Wahrscheinlich sollte ich die Polizei anrufen, wahrscheinlich sollte ich ins Gefängnis. Zwar hatte ich nicht abgedrückt, ich war nicht einmal im Haus gewesen, als es passierte, aber ich war genauso schuldig, als hätte ich es getan. War es nicht so? Ich drehte mich zu dir um.
Ach ja.
Noch eine Frage, auf die ich keine Antwort erhalten würde.
Deine Lippen färbten sich langsam blau. Wie lange warst du schon tot? Ich hockte mich neben dich, ließ meine Hand über dein Gesicht gleiten und schloss deine Augen. Rote Tränen liefen dein Gesicht herab. Meine Tränen mischten sich mit deinen – ein letzter Verrat. Ich hatte zwar nie gewollt, dass es soweit kommt, aber ich hatte es geahnt. Meine Liebe zu dir schmeckte bitter im Inneren meiner Seele.
Ich stand auf und holte ein kleines Kästchen aus dem Schrank. Die Patronen klackerten erwartungsvoll darin. Ich holte eine hervor und legte sie in den Lauf der Pistole.
Es war so leicht.
Ich drückte ab.

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Zarathustra
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2003

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Hallo IceHand

deine Geschichte ist morbide, skuril - und doch wahr.

Die Trauer über einen Toten ist oft der letzte Verrat an ihn.
Wer weiß das nicht.

Hat mir gut gefallen, deine Geschichten. Mir gefallen Stories, bei denen ich mit ertappt fühle.

L.G. Hans
__________________
Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt! (Bertold Brecht)

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