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Leselupe.de > Ungereimtes
Totenfeier
Eingestellt am 26. 09. 2008 23:48


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Inu
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Totenfeier



unbÀndig die See
Dornen und Sand
meine Insel
die StÀtte der Hirtenfrau
leer

Spuren unserer Trauer
von den Bergen
prasselt
der Regen
er schmilzt
die Perlen der Braut

blumenschaukelnd
trÀgt das Meer
die Barke mit meiner toten Geliebten

wÀhrend ringsumher
die Flöten klagen

und
ferne Meteore

gleißen


*


Copyright Irmgard Schöndorf Welch


Version vom 26. 09. 2008 23:48
Version vom 30. 09. 2008 19:50
Version vom 30. 09. 2008 21:50

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

leichenbegĂ€ngnisse sind immer sentimental. sie sind so alt wie die menschheit; ganz gleich, ob die blumen auf den wellen schaukeln oder in gestellen stehen, die totenlieder aus dem lautsprecher oder dem flötenrohr kommen und ob viele oder nur ein paar weinen – diese „rĂŒhrseligkeiten“ hatten und haben sinn. nicht fĂŒr den toten, natĂŒrlich, sondern fĂŒr die hinterbliebenen: der tod nimmt ihnen den geliebten, den freund oder den feind und gibt ihnen dafĂŒr, je nach der gĂ€ngigen religion, verheißung und zusammengehörigkeitsgefĂŒhl.

gemeinsam trauern kann ziemlich cool sein.

sich allmĂ€hlich auflösende gesellschaftsstrukturen, begleitet von zunehmender vereinsamung des individuums (neudeutsch: „single-dasein“), lassen keine gemeinschaftlichen gefĂŒhle mehr zu. das althergebrachte leichenbegĂ€ngnis verkommt zur pflichtĂŒbung unter fremden, die taschentĂŒcher bleiben trocken. von blumen- und kranzspenden sowie beileidsbekundungen bittet man, abzusehen, stattdessen um eine zahlung auf das konto soundso. verscharren lassen wir uns im wald; nummer, kein gedenkstein

wie gut, dass es noch ein paar typen gibt, die beim anblick einer schönen „leich“ nicht geringschĂ€tzig den mundwinkel verziehen, sondern sich in der tat rĂŒhren lassen. die vielen bunten farben, die’s da zu sehen gibt, und den schwulst, der sich zwangslĂ€ufig unter großem eindruck zu formen pflegt, den braucht’s nach wie vor, finde ich. denn er dient nicht zuletzt dazu, uns vom vieh zu unterscheiden. das scheißt in jedes eck, ohne sich was dabei zu denken.

also her mit den panflöten, den blumenfloren, perlen und den fernen meteoren (die sind vielleicht ein bisschen arg groß, das stimmt schon) – ich schmeiß mich rein.

liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen

bluefin

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

wenn man allein vor der grube steht, so wie du dich schilderst, @dnk, dann mag's schon sein, dass einen das fracksausen ĂŒberkommt. davon ist aber weder in @inus text noch in meiner reposte die rede: es geht eine totenfeier.

bei einer totenfeier muss keiner allein vor der grube stehn und vor sich hin grĂ€men - da wird er nĂ€mlich in den arm genommen. und danach, wenn's wieder besser geht, gibt's was zu essen. da kann man vielleicht schon wieder ein bisschen lĂ€cheln und plĂ€ne machen fĂŒr die zukunft. und vorsĂ€tze fassen, um sie gleich danach wieder zu brechen.

vor ein paar wochen haben wir den alten lehmann eingepflanzt. seine jetztige witwe hat's bestimmt nicht immer leicht mit ihm gehabt. der (evangelische) pfarrer, den er sich zu lebzeiten noch gewĂŒnscht hat, ist auf der autobahn stecken geblieben, und die trauernden mussten ĂŒber eine stunde auf den geistlichen warten. in dieser einen stunde haben alle durcheinandergeredet in der kirche und alle anekdoten von dem alten erzĂ€hlt, die sie wussten, und es gab keinen, der nicht wenigstens heimlich mal nach einem taschentuch gekramt oder nicht ins licht geblinzelt hĂ€tte, das durch die kirchenfenster hereinfiel.

zum leichenschmaus gab's den besten schweinebraten, den ich je gegessen hab. das werd ich dem alten lehmann nie vergessen.

tipp, @dnk: lies dir meine reposte noch mal genauer durch. vielleicht findest du ja doch dieses eine körnchen, auf das es immer ankommt.

liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen

bluefin


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Inu
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Lieber Bluefin

Ich hab mein Gedicht nicht als LeichenbegĂ€ngnis und Trauerversammlung der Hinterbliebenen am Grab ( oder wo auch immer ) gesehen. Es ging mir um die WĂŒrde ( oder Verherrlichung? ) dieser bestimmten Toten, aber auch des Todes an sich und das versuchte ich mit Pathos zu erreichen. 'Ferne Meteore gleißen' sollte metaphorisch aus der VergĂ€nglichkeit hinaus in eine - erhoffte -spirituelle Welt hinĂŒberfĂŒhren, die vielleicht auch nur ein Mythos ist, vielleicht aber auch eine Möglichkeit ... So hab ich es gemeint.

Ich merke erst jetzt, wie unpassend mein Titel ist

GrĂŒĂŸe nach MĂŒnchen
Inu

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

hallo @inu,

wenn du möchtest, dass wir begreifen, dass es dir um eine persönlichkeit geht, musst du nicht nur den titel deiner geschichte Ă€ndern, sondern auch ihren inhalt, sonst bleibt sie trotz neuer ĂŒberschrift dennoch nur (dick lackierte) oberflĂ€che.

lg

bluefin

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Inu
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Hallo Bluefin

Ich will hier ja gar nicht auf die P e r s ö n l i c h k e i t dieser bestimmten Frau eingehen, die mir den Anstoß fĂŒr das Gedicht gab ( das wĂ€re eine ganz neue Geschichte ) ... ich habe einfach ein feierliches Ritual fĂŒr sie erfunden, ein Ritual, das mit der wirklichen Beerdigung nichts zu tun hat ... an die reale Trauergemeinde habe ich dabei nicht gedacht, die sah anders aus ... die Flöten, die Blumenbarke, die gleißenden Meteore ... alles ist rein symbolisch, Es geht mir um Schönheit und Hoffnung ĂŒber den Tod hinaus.

Gruß
Inu

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