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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Tourist
Eingestellt am 03. 01. 2014 10:05


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Melisande
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Dec 2013

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Tourist

Ich sp├╝re die W├Ąrme die die alten Backsteingeb├Ąude aufgenommen haben und nun dankbar abgeben. Die Oberfl├Ąche der Steine, auf denen br├Âckelnde Reste fl├╝sternd von vergangenen Tagen erz├Ąhlen, f├╝hlt sich rau an. Zum Teil sogar scharfkantig und spitz. Mit geschlossenen Augen gleiten meine Finger ├╝ber den groben Stein. Ich atme tief. Atme die Luft. Atme das Wasser. Atme den Staub.

Am Rande meines Bewusstseins sp├╝re ich die Vergangenheit. Sp├╝re die H├Ąnde, die eben diesen Stein einst ber├╝hrt haben. Die ihn geschaffen haben. Die ihn transportiert haben. Die ihn verbaut haben. Die ihn verputzt haben und bemalt haben. All die zahlreichen kurzen Augenblicke von Begegnungen. All die Gef├╝hle. Angst, Freude, Euphorie, ├ärger, Trauer und friedliche Ruhe. Meine Finger gleiten weiter vertiefen sich in das Gef├╝hl dieses einen Steins.

Erschrocken und best├╝rzt zucken sie zur├╝ck, so pl├Âtzlich rissen sie mich aus diesem Moment, dass ich meine Augen aufrei├če und es mir den Atem raubt. Ich betrachte sie und kann diesem einen Backstein ein weiteres Gef├╝hl zuordnen: Schmerz.

Rotes Leben gleitet meinen Finger hinab und tropft auf den Stein welcher sich in unterschiedlich gro├čen Wegplatten unter meinen F├╝├čen erstreckt. Hastig wische ich es weg. M├Âchte ihren Zorn nicht erwecken.

Schlie├člich wende ich mich wieder dem Backstein zu. Ich betrachte ihn. Versuche ihn nun mit meinen Augen zu erfassen. Verfolge seine Erhebungen und seine Vertiefungen. Nehme die einzelnen Sandk├Ârner in mir auf. Betrachte die Farbe und die einzelnen feinen Nuancen der Schattierung.

Das Blut beginnt wieder meinen Finger hinab zu laufen. Bedeckt die Kuppe und bildet einen leuchtenden roten Tropfen. In einer einzigen geschmeidigen Bewegung lasse ich ihn wieder ein St├╝ck zu mir zur├╝ckflie├čen und dr├╝cke den Finger gegen den Stein, der mir eben dies zuteilwerden lie├č. Ich betrachte den Abdruck, den mein Finger und mein Blut hinterlassen haben. Betrachte das St├╝ck von mir das dort auf der Oberfl├Ąche des Backsteins trocknet. Ich schmecke mein Blut, lasse meine Spucke die Wunde reinigen und sp├╝re mit der Zunge den einzelnen K├Ârnchen hinterher, die der Stein mir im Tausch gegeben hatte.

Meine F├╝├če tragen mich weiter. Weiter ├╝ber den Stein welcher im richtigen Licht fast rosa wirkt. Sie scheinen einander nicht zu gleichen, diese Steine. Zusammen bilden sie einen Weg, eine Einheit. Manche sind gro├č und manche klein. Manche l├Ąnger als einen Meter. Manchmal sind die quadratisch und manchmal rechteckig. Ungleich und doch gleich. Sie tragen mich weiter. Immer tiefer. Ich folge den Kan├Ąlen. Lausche den Wogen des Wassers. Die schwarzen Gondeln wippen auf und ab. Das Wasser strahlt und spiegelt die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Die h├Âlzernen Pf├Ąhle und die schwarzen Gondeln stehen in einem starken Kontrast zu diesem Wunder von Wasser.
Ich wage mich vorw├Ąrts und taste mich mit einer unbeholfenen Art, welche man wohl nur bei Menschen sehen kann, die noch nie auf dem Wasser fuhren, in eine dieser schwarzen Kontraste hinein. Vorsichtig und mit gr├Â├čter M├╝he behalte die Balance. Behutsam n├Ąhere ich mich dem alten Holz. Knie mich, setze mich, lege mich hinein. Genie├če das Wasser welches mich bewegt, welches um mich herum plitschert und pl├Ątschert. Genie├če die letzte Sonne, die mein Gesicht umgarnt.

Ich lasse mich fallen und versinke immer tiefer in das schwarze Holz. Werde eins mit ihm. Die Sonne geht und mit ihr auch ihre Ber├╝hrung. Ich l├Ąchele ihr nach, doch bereue ich nicht ihr verschwinden. Langsam ziehe ich die Decke der Nacht ├╝ber mich und bedecke mich mit glitzernden und gl├Ąnzenden Sternen. Der Mond wird heute nicht mehr f├╝r mich leuchten. Ich lache, innerlich. Ich freue mich, doch keine Regung ziert mehr mein Gesicht. Das Blut ist lange schon geronnen. Nur der Backstein erinnert sich und bewahrt auf ewig diesen einen Teil f├╝r mich.

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Melisande,

zum Teil zauberst du wundersch├Âne Bilder, bist aber in deren Beschreibung zu passiv. Es ist gut, einen Text-"Inhalt" nach und nach aufzubauen, das ist wichtig f├╝r den Spannungsbogen, aber es ist wiederum schlecht, mehrfach Wortwiederholungen zu gebrauchen wie "sp├╝ren" und "haben". Du versuchst, Gegenst├Ąnden Gef├╝hle zu verleihen: Backsteine, die dankbar W├Ąrme abgeben, erschrockene Finger, die best├╝rzt zur├╝ckschrecken, ... derartige Formulierungen sind schlichtweg redundant, rei├čen den Leser eher aus seinen Lesefluss.
Auch w├Ąre es besser, Situationen oder Denkverhalten deines LyrIch tats├Ąchlich passieren zu lassen. "Das Blut beginnt wieder...", "Meine F├╝├če tragen mich weiter..." und ├Ąhnliches sind absolut tabu, weil widersinnig. Begib dich gedanklich in dein LyrIch, lass die Handlung einfach (theoretisch) live passieren - und dann beschreib sie. Lass einfach alle Worte verschwinden, die einer Live-Handlung, einem" Live-Plot" entgegenstehen wie "schlie├člich", "beginnt", "lass" etc. ... Beschreibe nicht die Handlung, sondern lass sie einfach passieren. Dadurch - und nur dadurch - wird sie
authentisch und glaubhaft.

Beispiel:

quote:
Ich sp├╝re die W├Ąrme die die alten Backsteingeb├Ąude aufgenommen haben und nun dankbar abgeben. Die Oberfl├Ąche der Steine, auf denen br├Âckelnde Reste fl├╝sternd von vergangenen Tagen erz├Ąhlen, f├╝hlt sich rau an. Zum Teil sogar scharfkantig und spitz. Mit geschlossenen Augen gleiten meine Finger ├╝ber den groben Stein. Ich atme tief. Atme die Luft. Atme das Wasser. Atme den Staub

Idee:
Mit geschlossenen Augen ber├╝hre ich das alte Backsteingeb├Ąude. Es ist warm, als w├╝rde es seine Vergangenheit noch immer leben, scharfkantig und spitz f├╝hlt es sich an. Ich atme tief, atme Luft, Wasser - und Staub. Staub aus Jahrhunderten ...


Nur so Ideen (und hier absolut nur meine Sichtweise).


Liebe Gr├╝├če




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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Melisande,
eine sehr gef├╝hlvolle poetische Geschichte, die mir gut gefallen hat. Du erf├╝llst Gegenst├Ąnde mit Leben und Gef├╝hlen. Das hat was Spirituelles.
Du solltest noch ein paar formale Wiederholungen (z.B. haben .... haben) auf kurzem Raum ausmerzen und andere Verben daf├╝r finden.
Es sind noch ein paar formale Fehler (z.B.Gro├č-, Kleinschreibung) darin. Habe jetzt keine Zeit mehr und schreib┬┤s dir sp├Ąter, wenn du sie noch nicht gefunden hast.
LG USch

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Melisande,
so, jetzt habe ich mehr Zeit.
Ich mu├čte sofort an Venedig denken. F├╝r mich jedesmal ein wahnsinniger Gef├╝hlsverst├Ąrker, wenn ich dort wandelte.

Blau sind meine Verbesserungsvorschl├Ąge, die nur Vorschl├Ąge sind (ausgenommen die formalen Fehler):

Ich sp├╝re die W├Ąrme,Komma die die alten Backsteingeb├Ąude aufgenommen haben und nun dankbar abgeben. Die Oberfl├Ąche der Steine, auf denen br├Âckelnde Reste fl├╝sternd von vergangenen Tagen erz├Ąhlen, f├╝hlt sich rauh an. Zum Teil sogar scharfkantig und spitz. Mit geschlossenen Augen gleiten meine Finger ├╝ber den groben Stein. Ich atme tief. Atme die Luft. Atme das Wasser. Atme den Staub.

Am Rande meines Bewusstseins sp├╝re ich die Vergangenheit. Sp├╝re die H├Ąnde, die eben diesen Stein einst ber├╝hrt haben. Die ihn geschaffen haben. Die ihn transportiert haben. Die ihn verbaut haben. Die ihn verputzt haben und bemalt haben. All die zahlreichen kurzen Augenblicke von Begegnungen. All die Gef├╝hle. Angst, Freude, Euphorie, ├ärger, Trauer und friedliche Ruhe. Meine Finger gleiten weiter,Komma vertiefen sich in das Gef├╝hl dieses einen Steins.

Erschrocken und best├╝rzt zuckt meine Hand zur├╝ck, so pl├Âtzlich riss es mich aus diesem Moment. Ich rei├če meine Augen auf und es raubt mir den Atem raubt. Ich betrachte sie und kann diesem einen Backstein ein weiteres Gef├╝hl zuordnen: Schmerz.

Rotes Leben gleitet meinen Finger hinab und tropft auf den Stein. Komma welcher sich in unterschiedlich gro├čen Wegplatten unter meinen F├╝├čen erstreckt. Hastig wische ich es weg. M├Âchte ihren Zorn nicht erwecken.

Schlie├člich wende ich mich wieder dem Backstein zu. Ich betrachte ihn Ich versuche ihn nun mit meinen Augen zu erfassen. Verfolge seine Erhebungen und seine Vertiefungen. Nehme die einzelnen Sandk├Ârner in mir auf. Betrachte die Farbe und die einzelnen feinen Nuancen der Schattierung.

Das Blut beginnt wieder meinen Finger hinab zu laufen. Bedeckt die Kuppe und bildet einen leuchtenden roten Tropfen. In einer einzigen geschmeidigen Bewegung lasse ich ihn wieder ein St├╝ck zu mir zur├╝ckflie├čen und dr├╝cke den Finger gegen den Stein, der mir eben dies zuteilwerden lie├č. Ich betrachte den Abdruck, den mein Finger und mein Blut hinterlassen haben. Betrachte das St├╝ck von mir, Komma das dort auf der Oberfl├Ąche des Backsteins trocknet. Ich schmecke mein Blut, lasse meine Spucke die Wunde reinigen und sp├╝re mit der Zunge den einzelnen K├Ârnchen hinterher., die der Stein mir im Tausch gegeben hatte.

Meine F├╝├če tragen mich weiter. Weiter ├╝ber den Stein,Komma welcher im richtigen Licht fast rosa wirkt. Sie Die Steine scheinen einander nicht zu gleichen, diese Steine. Zusammen bilden sie einen Weg, eine Einheit. Manche sind gro├č und manche klein. Manche l├Ąnger als einen Meter. Manchmal sind die quadratisch und manchmal rechteckig. Ungleich und doch gleich. Sie tragen mich weiter. Immer tiefer. Ich folge den Kan├Ąlen. Lausche den Wogen des Wassers. Es strahlt und spiegelt die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Die schwarzen Gondeln wippen auf und ab. Sie und die h├Âlzernen Pf├Ąhle stehen in einem starken Kontrast zu diesem Wunder von Wasser.
Ich wage mich vorw├Ąrts und taste mich vorw├Ąrts mit einer unbeholfenen Art, welche man wohl nur bei Menschen sehen kann, die noch nie auf dem Wasser fuhren, in eine dieser schwarzen Kontraste hinein. Vorsichtig und mit gr├Â├čter M├╝he behalte ich die Balance. Behutsam n├Ąhere ich mich dem alten Holz. Knie mich, setze mich, lege mich hinein. Genie├če das Wasser welches mich bewegt, welches um mich herum plitschert und pl├Ątschert. Genie├če die letzte Sonne, die mein Gesicht umgarnt.

Ich lasse mich fallen und versinke immer tiefer in das schwarze Holz. Werde eins mit ihm. Die Sonne geht und mit ihr auch ihre die Ber├╝hrung. Ich l├Ąchele ihr nach, doch bereue ich nicht ihr Verschwinden. Langsam ziehe ich die Decke der Nacht ├╝ber mich und bedecke ich mich mit glitzernden und gl├Ąnzenden Sternen. Der Mond wird heute nicht mehr f├╝r mich leuchten. Ich lache, innerlich. Ich freue mich, doch keine Regung ziert mehr mein Gesicht. Das Blut ist lange schon geronnen. Nur der Backstein erinnert sich und bewahrt auf ewig diesen einen Teil f├╝r mich.


Bei den letzten beiden Abs├Ątzen hat das System ohne meinen Willen alles blau gef├Ąrbt - sorry.
Liebe Gr├╝├če
USch

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Melisande
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Dec 2013

Werke: 2
Kommentare: 1
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An USch und KaGeb

Ich m├Âchte jetzt, wenn auch arg versp├Ątet, einen gro├čen Dank aussprechen. Es ist enorm welche Arbeit ihr in euren Kommentar gegeben habt und wie sehr ihr eure Worte f├╝hlt.

Es tut mir ausgesprochen leid, dass ich mich erst jetzt dazu ├Ąu├čere! M├Âchte euch aber versichern, dass ich eure Worte direkt gelesen habe und versuchte sie bestm├Âglich aufzunehmen.

Ich gebe zu das Komma ist nicht unbedingt mein Freund. Aber ich arbeite daran. Grammatik war noch nie etwas angenehmes f├╝r mich und irgendwie arbeite ich meistens nach dem Gef├╝hl.

Ich habe oft bedenken, dass ich mich zu sehr in Beschreibungen verliere und k├╝rze sie daher meist wieder. Ich glaube, dass es manche Menschen schlicht langweilt, wenn sie zu viel vorgeschrieben bekommen. Nicht nur, weil sie zu viel lesen m├╝ssen sondern auch weil sie der eigenen Kreativit├Ąt beraubt werden, die es ihnen erlaubt die Welt mit ihren pers├Ânlichen und individuellen Eindr├╝cken noch selber weiter auszubauen.

Es schmeichelt mir sehr, dass ich nicht vollends kritisiert und auseinander genommen werde und meine Worte euch gr├Â├čtenteils gefallen haben.

Jeden Kommentar sauge ich auf, denn eure Meinungen hier sind mir wichtig.


Vielen Dank und vor allem auch f├╝r das Warten.

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