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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Traction Control
Eingestellt am 26. 05. 2003 19:39


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tocotomic
AutorenanwÀrter
Registriert: May 2003

Werke: 11
Kommentare: 14
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Traction Control



Der Ford Persephone ist die neueste Milleniumsentwicklung fĂŒr den Vielfahrer der gleichzeitig Genießer bleiben will. Er ist der beste seiner Klasse und
AUTO MOTOR&SPORT nannte ihn „die Verbindung von Effizienz und Eleganz“.
Doch nicht nur seine zeitgemĂ€ĂŸe Metallic-Lackierung glĂ€nzt in der Sonne;
der Wagen selbst kommt durch seine ĂŒppige Ausstattung aus dem Strahlen nicht mehr heraus:
ABS, Tempomat, Navigationssystem, ESP, Sitzheizung, Banhood HiFi Surround-Paket
und Traction Control sind nur einige der unzÀhligen Extras des Ford Persephone.




Der Handelsvertreter wußte nicht, was genau eine Traction Control war.
Er wußte nicht, wozu sie gut war, warum man sie brauchte, ob es sinnvoll war, eine
Traction Control zu besitzen, oder warum Gott es fĂŒr nötig gehalten hatte,
die Erde mit Traction Controlen zu bestĂŒcken.
Der Handelsvertreter wußte aber auch nicht genau, warum Gott es fĂŒr nötig gehalten hatte, seine Ehefrau bei einem Autounfall sterben zu lassen.
Eigentlich wußte der Handelsvertreter sehr wenig.
Er wußte nur, daß er sich einen neuen Dienstwagen bestellen mußte, da er einen brauchte, um seinen Beruf auszuĂŒben.
„Das Leben geht weiter!“ hatte sein Vorgesetzter zu ihm gesagt.
Der mußte es ja wissen! Seine Frau war ja vor einer Woche mit seinem Dienstwagen tödlich verunglĂŒckt.
Es lag dem Handelsvertreter nicht, zynisch zu werden.
Er war kein zynischer Mensch, auch jetzt nicht.
Er war eher ein lethargischer Typ, der sich treiben ließ. Sein Frau sorgte fĂŒr Trubel, sie war das Licht in Person, ein Mensch der von innen strahlte, und alles und jeder in ihrem Umkreis strahlte mit ihr!
Wenn der Handelsvertreter jetzt nach Hause kam , war es dunkel.
„ Aber das Leben geht ja weiter“, da hatte sein Vorgesetzter schon irgendwie recht.
Er saß in der U-Bahn auf dem Weg nach Hause und las die BroschĂŒre, die ihm sein Vorgesetzter augenzwinkernd, schulterklopfend, Phrasen dreschend gegeben hatte.
„ Gehen‘se ma‘ nach Hause, legen sich auf `s Sofa, trinken `n Bierchen und sagen Sie mir morgen Bescheid, welches Baby sie haben möchten. Ich brauch‘ sie nĂ€chste Woche wieder auf Tour, sie sind mein bester Mann“.
Der Persephone sah ganz gut aus. Er sah eigentlich genauso aus wie sein alter Wagen, und er hatte seinen alten Wagen gemocht.
Der Handelsvertreter stieg aus der U-Bahn aus und wĂ€hlte die Nummer seines Chefs. Er teilte dessen hocherfreuter SekretĂ€rin mit, fĂŒr welchen Wagen er sich entschieden hatte.
„Eine sehr gute Wahl“ meinte sie „ der hat eine phantastische Traction Control, die ist ja in ihrem Beruf von großem Vorteil, der wird ihr Leben bereichern, das mit ihrer Frau tut mir ĂŒbrigens sehr leid“ sagte sie.
„ Ja, mir auch,“ sagte der Handelsvertreter und legte auf.
Der Handelsvertreter dachte sich, daß es doch gar nicht so schlecht war, eine Traction Control zu besitzen.
Er dachte sich, daß Gott seine Sache eigentlich ganz gut machte, als er nach Hause kam.
Zu Hause war es dunkel.

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
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...flĂŒssig zu lesen...

nicht durchdrehen, sich im griff haben - egal was passiert

hallo tocotomic,

sehr interessante und ausgefallene idee. eigentlich mag ich ja das palavern ĂŒber den unsinn hinter manch wörtlicher ĂŒbersetzung nicht, aber hier gefĂ€llt es mir ausnehmend gut. die umsetzung ist flĂŒssig zu lesen, auch wenn mir zwei dinge nicht so "behagen":

die kursive einleitung ist ĂŒberflĂŒssig und lenkt die gedanken am anfang etwas ab. einfach ein bisschen in das chefgesabbel einbinden.

aus den beiden schlußsĂ€tzen wĂŒrde ich einen machen, und das adjektiv dunkel nur so "nebenbei" durchschimmern lassen - ich glaube so ist der "knalleffekt" noch leiser aber die geschichte gewinnt an tiefe, weil man ein bisschen mehr nachdenken muß.


grĂŒĂŸe

rainer

__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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