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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Tränen in den Augen(1)
Eingestellt am 25. 11. 2009 14:43


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Ralf Langer
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Tränen in den Augen (1)

Lektion für hundert Euro

Es war Herbst. Ich saß im Carmel und trank Kaffe. In mir drin war schon Winter. Seit dem Zähneputzen wütete ein Schneesturm in meinem Kopf. Meine Gedanken waren kurz, so kurz, dass die meisten mitten im Satz aufhörten.
Ich saß also einfach nur da, und trank Kaffee.
Jetzt am frühen Abend, regnete es aus einem dunkelgrünen Himmel. Die Wolken schoben sich von Ost nach West.
Ich nickte stumm. Der Herbst in Deutschland wird in Russland gebacken.

„Noch einen Kaffee?“
Das Gesicht der Bedienung war wie das Wetter. Kam wohl auch aus dem Osten.
Ich nickte nur und steckte mir meine erste Zigarette an. Der Rauch quälte meine Lungen bevor er in den Augen brannte und sich eine kleine Träne heraus drückte.
„Man weiß nie wie eine Zigarette schmeckt“, sagte ich zu ihr. „Oft ist es nur Quälerei. Aber …“
Da war sie wieder meine Sprachlosigkeit. Ich zuckte einfach mit den Schultern.
Ein Glas polierend schaute sie mich mit einer Mischung aus Höflichkeit und Langeweile an.
„Aber“, hörte ich eine Stimme hinter mir, „am Ende ist alles ein Genuss. Auch die Quälerei!“
Eine Hand, wie ein Amboss, sauste auf meine Schulter, schüttelte mich und meinen Kaffee durch. Ich verzog mein Gesicht zu einer Grimasse.
„Wie geht es uns denn heute?“
„Ich fühle mich.“
„Du und deine auswendig gelernten Hemingway Sprüche. Komm Marlies mach mir mal einen leckeren Milchkaffee.“
Schon saß Mark neben mir, hatte seinen hünenhaften Körper auf den Barhocker gewuchtet und rieb sich die Augen, die kaum verbergen konnten, dass sie gerade erst das Licht dieses Tages erblickt hatten.
Mit einer diebischen Handbewegung stahl Mark sich eine Zigarette aus meiner Schachtel.
„ Es gibt doch nichts Schöneres, als eine Zigarette vor dem Frühstück. Diese erste Qual eines jungen Tages.“
Er lachte und saubere kleine Kringel stiegen an die Decke.
„Ich war letzte Woche in Rom“, sagte er ,“Zwanzig Grad und Sonne. War angenehm dort. Diese Stadt. An jeder Ecke eine Säule, dann wieder Brunnen und Kirchen. Für jeden Römer eine eigene. Hab mich ein paar Tage auf alten Friedhöfen rumgetrieben. Fotos machen. Überall Katzen, die maunzten und schrieen. Und auf den Grabsteinen huschten ihre Schatten. Sensationell !“
Ich versuchte mir Rom vorzustellen.
Eine Stadt aus Säulen, Brunnen und Katzen. Es gelang mir nicht
„Warst du nicht auf dem Forum?“
Er schüttelte den Kopf.
„Gräber sagen mehr über das Leben als Kirchen und antike Plätze. Und überhaupt, wenn ich was über alte Römer wissen möchte, kann ich dich fragen.“
Ich lächelte gequält. Das war auf eine makabre Art unsere Verbindung. Ich, der immer Zuhause gebliebene Karl May und er, der die Welt bereiste Humboldt

„Wenn irgendwann einmal Außerirdische in Rom landen“, unterbrach Mark meine Gedanken, „dann nehmen die zuerst Kontakt mit den Katzen auf. Wenn es nicht bereits schon geschehen ist.“
Dann nahm er sich eine zweite Zigarette.
„Ich sollte mit dem Rauchen aufhören“, sagte er. „Steht ja mittlerweile auf jeder Verpackung. Vorsicht das Leben gefährdet ihre Gesundheit.“
„Los Marlies mach uns mal ein Gedeck. Ich möchte meine Leber vergiften.“
Marlies gab uns Cafe und Weinbrand. Er schüttete den Weinbrand in seinen Cafe, füllte eine Wagenladung Zucker hinterher, prostete mir zu und leerte alles in einem Zug.
„ Das Leben muss anstrengend sein. Das musst du begreifen. Nichts ist wichtiger. Schön und anstrengend. Dann bist du auf der richtigen Spur.“
Ich sagte nichts. Aber der Schnaps tat seine Wirkung und der Schneefall in meinem Kopf wurde weniger, bis er nach dem dritten Weinbrand aufhörte.
Marc unterhielt sich mit Marlies. Reden war für ihn Fortbewegung. Die Arme ruderten, der Oberkörper wiegte sich rhythmisch. Aber er kam nicht an sein Ziel.
Ich musste daran denken, wie ich ihn kennen gelernt hatte. Das waren zehn, vielleicht fünfzehn Jahre her.
Er stand vor der Tanzfläche der einzigen Disco im Ort. Eine Augenklappe über seinem rechten Auge, abgehalfterte Klamotten und spendierte Runden an Fremde.
So kam ich zu einem Bier und einem Gespräch. Ich fragte ihn, was mit seinem Auge wäre, und er belog mich schamlos, mit einer abenteuerlichen Räuberpistole:

Eine Großwildsafari, dann ein Löwe, vielleicht auch zwei, einer der Einheimischen zu unvorsichtig, und er mit bloßen Händen und mit einem Stock dazwischen, tolldreist, mutig, ein Hieb mit dem Stock, dann ein Hieb mit der Pranke, die ihn nicht richtig erwischte, dann, endlich im Angesicht des Todes, kommen die anderen und verjagen den Löwen.
Das alles erdichtete er in jenem Moment; im Blitzen der Lichtanlage und zu lauter Musik.

Ich weiß nicht mehr, ob ich die Geschichte wirklich glaubte damals. Aber er hatte etwas, was wir nicht hatten, die Ausstrahlung eines Weltenbummlers, und die Überzeugungskraft eines Entfesslungskünstlers. Seine Gegenwart lies mich an etwas teilhaben, an einer Ferne mit Lagerfeuer, an Häuserschluchten in Weltstätten, was interessierte es uns, ob alles stimmte in einem empirischen Sinn. Die Wahrheit ist nur etwas für Mathematiker, hatte er später einmal gesagt, wir sind aber nur Menschen, die in ihrer Zeit ein wenig Alchemie betreiben.
Was er an mir mochte blieb mir ein Rätsel. Fakt war, ich brauchte ihn. Aber er mich?
„Hey aufwachen!“. Seine Stimme holte mich zurück.
„ Schon wieder in der Vergangenheit unterwegs? Dabei war ich doch in der ewigen Stadt. Ich erzählte Marlies gerade von einer unerhörten Geschichte aus Rom. Musst du auch hören.“
Er lachte los.
„ Wirklich unerhört!“
„ Mach es nicht so spannend.“
Ich blickte in die Runde. Marc hatte den Tresen im Griff. Alle Augen hingen an seinem Mund. Sie genossen das Andere, er die Blicke.
„Also,“ sagte er, da gibt es dieses Gebilde in Rom, mannshoch, kreisrund, aus Stein mit einem Gesicht und einem geöffneten Mund. Das Ding heißt Wahrheitsmund und es wird erzählt, wenn jemand seine Hand hindurch steckt und lügt, dann fällt sie ab!
Vielleicht wird sie auch abgebissen.“
Er steckte einen Finger in den Mund biss leicht zu und spielte den Entsetzten.
„Kenne ich aus einem Film aus den Fünfziger Jahren,“ sagte ich. „ Ein Herz und eine Krone. Mit Gregory Peck und ….“
„ Genau den meine ich.“
Er warf mir einen bösen Blick zu. Ich hatte hier zuzuhören, sagten seine Augen unmissverständlich.
„Ich stehe also davor und mache ein paar Fotos. Da spricht mich ein Typ an. Ende vierzig etwas schlaksig, etwas ungepflegt, etwas lustig. Ein Österreicher dem Akzent nach. Der ist völlig außer sich, verzweifelt. Erzählt mir, er käme von der Beerdigung seiner Geliebten aus Sizilien und sei im Bahnhof von Jugendlichen ausgeraubt worden. Sagt, er sei ein Maler aus Linz, und zeigt mir ein paar Aquarelle im Postkartenformat. Na ja, ein großer Künstler war er nicht. Jetzt wäre er also hier, gestrandet in Rom, kein Geld mehr, nichts im Magen und so weiter!“
„ Und?“
Marc lachte.
„ Was glaubst du! Ich hab ihm `nen Hunderter angeboten. Der war wirklich den Tränen nahe. Wollte mir sogar seine Personalausweisnummer geben. Wollte ich aber gar nicht haben. Ich war der Überzeugung diese Geschichte sei so verrückt, dass er sich den Hunderter verdient hatte!“
„Und?“
„ Der Clou ist… ,ich hab ihm gesagt, er bekommt den Hunderter, wenn er die Geschichte noch mal erzählt, aber dabei seine Hand in den Wahrheitsmund hält. Im Nachhinein glaub ich, er bekam ein paar Schweißperlen auf der Stirn. Aber letztlich tat er wie ich gesagt hatte. Ein tolles Bild. Hab ich sofort fotografiert. Sensationell!“
„ Und was war mit der Hand?“, fragte Marlies.
„ Na ja. Was soll gewesen sein. Er zog sie raus. Die Hand war noch dran und ich gab ihm den Hunderter.“
Marc lachte, nahm sich eine weitere Zigarette von mir.
„ Er bedankte sich mehrfach. Erzählte, er würde jetzt mit dem Zug nach Hause fahren und mir das Geld per Überweisung zuschicken.“
„ Und? Du hast ihm doch wohl nicht geglaubt!“
„Geglaubt? Hier geht es doch nicht um Glauben. Der Typ hatte doch nicht einmal meine Kontoverbindung! Auf jeden Fall war ich am nächsten Tag wieder da. Was soll ich sagen. Der Österreicher auch. Hatte schon sein neues Opfer.“
„ Hast du die Polizei gerufen?“
„ Polizei. Schwachsinn. Jeder Mensch lebt von irgendetwas. Und für`ne schöne Geschichte was zu bezahlen geht in Ordnung!“
Er hielt inne und nahm einen tiefen Zug von der Zigarette.
„ Die Lektion war eine ganz andere!“
„ Und welche?“ Ich war neugierig geworden.
Marc schaute mich wissend an.
„ Gib mir`nen Hunderter und ich sag es dir.“

__________________
RL

Version vom 25. 11. 2009 14:43
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hallo Ralf, ich hab ein paar Fehler gesehen, auf die ich dich hinweisen möchte.


Lektion für hundert Euro

Es war Herbst. Ich saß im Carmel und trank Kaffe. In mir drin war schon Winter.
Seit dem Zähneputzen wütete ein Schneesturm in meinem Kopf.
Meine Gedanken waren kurz, so kurz, dass die Meisten(klein schreiben, bezieht sich auf gedanken) mitten im Satz aufhörten.
Ich saß also einfach nur da, trank Kaffee und überlies meine Gedanken meiner Wortlosigkeit(???).
Jetzt war früher Abend. Es regnete aus einem dunkelgrünen Himmel. Die Wolken schoben sich von Ost nach West. Der Herbst in Deutschland wird in Russland gebacken.
(kein leerzeichen)Noch einen Kaffee?“
Das Gesicht der Bedienung war wie das Wetter. Kam wohl auch aus dem Osten.
Ich nickte nur und steckte mir meine erste Zigarette an. Der Rauch quälte meine Lungen bevor er in den Augen brannte und sich eine kleine Träne heraus drückte.
(kommt noch öfters vor mit den leerzeichen, ich wiederhols nicht mehr) Man weiß nie wie eine Zigarette schmeckt“, sagte ich zu ihr. „Oft ist es nur Quälerei. Aber ..“ (immer drei punkte, wenn schon punkte)
Da war sie wieder meine Sprachlosigkeit. Ich zuckte einfach mit den Schultern.
Ein Glas polierend schaute sie mich mit einer Mischung aus Höflichkeit und Langeweile an.
„ Aber“, hörte ich eine Stimme hinter mir, „am Ende ist alles ein Genuss. Auch die Quälerei!“
Eine Hand, wie ein Amboss, sauste auf meine Schulter, schüttelte mich und meinen Kaffee durch. Ich verzog mein Gesicht ´(was sucht hier das französisches apostroph?)zu einer Grimasse.
„ Wie geht es uns denn heute?“
„ Ich fühle mich.“
„ Du und deine auswendig gelernten Hemingway Sprüche. Komm Marlies mach mir mal einen leckeren Milchkaffee.“
Schon saß Mark neben mir, hatte seinen hünenhaften Körper auf den Barhocker gewuchtet und rieb sich die Augen, die kaum verbergen konnten, dass sie gerade erst das Licht dieses Tages erblickt hatten.
Mit einer diebischen Handbewegung stahl Mark sich eine Zigarette aus meiner Schachtel.
„ Es gibt doch nichts Schöneres(komma) als eine Zigarette vor dem Frühstück. Diese erste Qual eines jungen Tages.“
Er lachte und saubere kleine Kringel stiegen an die Decke.
„ Ich war letzte Woche in Rom“, sagte er,“ Zwanzig Grad und Sonne. War angenehm. Diese Stadt(besser: war angenehm in dieser Stadt). An jeder Ecke eine Säule, dann wieder Brunnen und Kirchen. Für jeden Römer eine eigene. Hab mich ein paar Tage auf alten Friedhöfen rumgetrieben. Fotos machen. Überall Katzen, die maunzten und schrieen. Und auf den Grabsteinen huschten ihre Schatten. Sensationell !“
Ich versuchte mir Rom vorzustellen.
Eine Stadt aus Säulen, Brunnen und Katzen. Es gelang mir nicht
„ Warst du nicht auf dem Forum?“
Er schüttelte den Kopf.
„ Gräber sagen mehr über das Leben als Kirchen und antike Plätze. Und überhaupt, wenn ich was über alte Römer wissen willmöchte, kann ich dich fragen.“
Ich lächelte gequält. Das war auf eine makabre Art unsere Verbindung. Ich, der immer Zuhause gebliebene Karl May und er, der die Welt bereiste Humboldt

„ Wenn irgendwann einmal Außerirdische in Rom landen“, unterbrach Mark meine Gedanken, „ dann nehmen die zuerst Kontakt mit den Katzen auf. Wenn es nicht bereits schon geschehen ist.“
Dann nahm er sich eine zweite Zigarette von mir(besser: Er nahm sich eine zweite Zigarette, weiß man schon, dass es deine sind).
„ Ich sollte mit dem Rauchen aufhören“, sagte er. „ Steht ja mittlerweile auf jeder Verpackung. Vorsicht das Leben gefährdet ihre Gesundheit.“
„ Los Marlies mach uns mal ein Gedeck. Ich möchte meine Leber vergiften.“
Marlies gab uns Cafe und Weinbrand. Er schüttete den Weinbrand in seinen Cafe (komma)füllte eine Wagenladung Zucker hinterher, prostete mir zu und leerte alles in einem Zug.
„ Das Leben muss anstrengend sein. Das musst du begreifen. Nichts ist wichtiger. Schön und anstrengend. Dann bist du auf der richtigen Spur.“
Ich sagte nichts. Aber der Schnaps tat seine Wirkung und der Schneefall in meinem Kopf wurde weniger, bis er nach dem dritten Weinbrand aufhörte.
Marc unterhielt sich mit Marlies. Reden war für ihn Fortbewegung. Die Arme ruderten, der Oberkörper wiegte sich rhythmisch. Aber er kam nicht an (s)ein Ziel.
Ich musste daran denken, wie ich ihn kennen gelernt hatte. Das waren zehn, vielleicht fünfzehn Jahre her.
Er stand vor der Tanzfläche der einzigen Disco im Ort. Eine Augenklappe über seinem rechten Auge, abgehalfterte Klamotten und gabspendierte Runden an Fremde.
So kam ich zu einem Bier und einem Gespräch. Ich fragte ihn, was mit seinem Auge wäre, und er belog mich schamlos, mit einer abenteuerlichen Räuberpistole:

Eine Großwildsafari, dann ein Löwe, vielleicht auch zwei, einer der Einheimischen zu unvorsichtig, und er mit bloßen Händen und mit einem Stock dazwischen, tolldreist, mutig, ein Hieb mit dem Stock, dann ein Hieb mit der Pranke, die ihn nicht richtig erwischte, dann, endlich im Angesicht des Todes, kommen die anderen und verjagen den Löwen.
Das alles erdichtet in diesemerdichtete er in jenem Moment; im Blitzen der Lichtanlage und zu lauter Musik.

Ich weiß nicht mehr(komma) ob ich die Geschichte wirklich glaubte damals. Aber er hatte etwas(komma) was wir nicht hatten, die Ausstrahlung eines Weltenbummlers, und die Überzeugungskraft eines Entfesslungskünstlers. Seine Gegenwart lies mich an etwas teilhaben, an einer Ferne mit Lagerfeuer, an Häuserschluchten in Weltstätten, was interessierte es uns(komma) ob alles stimmte in einem empirischen Sinn. Die Wahrheit ist nur etwas für Mathematiker, hatte er später einmal gesagt, wir sind aber nur Menschen, die in ihrer Zeit ein wenig Alchemie betreiben.
Was er an mir mochte blieb mir ein Rätsel. Fakt war(komma) ich brauchte ihn. Aber er mich?
„Hey aufwachen!“. Seine Stimme holte mich zurück.
„ Schon wieder in der Vergangenheit unterwegs? Dabei war ich doch in der ewigen Stadt. Ich erzählte Marlies gerade von einer unerhörten Geschichte aus Rom. Musst du auch hören.“
Er lachte los.
„ Wirklich unerhört!“
„ Mach es nicht so spannend.“
Ich blickte in die Runde. Marc hatte den Tresen im Griff. Alle Augen hingen an seinem Mund. Sie genossen das Andere, er die Blicke.
„Also,“ sagte er, da gibt es dieses Gebilde in Rom, mannshoch, kreisrund, aus Stein mit einem Gesicht und einem geöffneten Mund. Das Ding heißt Wahrheitsmund und es wird erzählt, wenn jemand seine Hand hindurch steckt und lügt, dann fällt sie ab!
Vielleicht wird sie auch abgebissen.“
Er steckte einen Finger in den Mund biss leicht zu und spielte den Entsetzten.
„Kenne ich aus einem Film aus den Fünfziger Jahren,“ sagte ich. „ Ein Herz und eine Krone. Mit Gregory Peck und ….“
„ Genau den meine ich.“
Er warf mir einen bösen Blick zu. Ich hatte hier zuzuhören(komma) sagten seine Augen unmissverständlich.
„Ich stehe also davor und mache ein paar Fotos. Da spricht mich ein Typ an. Ende vierzig etwas schlaksig, etwas ungepflegt, etwas lustig. Ein Österreicher dem Akzent nach. Der ist völlig außer sich, verzweifelt. Erzählt mir(komma) er käme von der Beerdigung seiner Geliebten aus Sizilien und sei im Bahnhof von Jugendlichen ausgeraubt worden. Sagt, er seiein Maler aus Linz, und zeigt mir ein paar Aquarelle im Postkartenformat. Na ja, ein großer Künstler war er nicht. Jetzt wäre er also hier, gestrandet in Rom, kein Geld mehr, nichts im Magen und so weiter!“
„ Und?“
Marc lachte.
„ Was glaubst du! Ich hab ihm `nen Hunderter angeboten. Der war wirklich den Tränen nahe. Wollte mir sogar seine Personalausweisnummer geben. Wollte ich aber gar nicht haben. Ich war der Überzeugung diese Geschichte sei so verrückt, das dass er sich den Hunderter verdient hatte!“
„Und?“
„ Der Clou ist… ,ich hab ihm gesagt, er bekommt den Hunderter, wenn er die Geschichte noch mal erzählt, aber dabei seine Hand in den Wahrheitsmund hält. Im Nachhinein glaub ich(komma) er bekam ein paar Schweißperlen auf der Stirn. Aber letztlich tat er wie ich gesagt hatte. Ein tolles Bild. Hab ich sofort fotografiert. Sensationell!“
„ Und was war mit der Hand?“, fragte Marlies.
„ Na ja. Was soll gewesen sein. Er zog sie raus. Die Hand war noch dran und ich gab ihm den Hunderter.“
Marc lachte, nahm sich eine weitere Zigarette von mir.
„ Er bedankte sich mehrfach. Erzählte, er würde jetzt mit dem Zug nach Hause fahren und mir das Geld per Überweisung zuschicken.“
„ Und? Du hast ihm doch wohl nicht geglaubt!“
„Geglaubt? Hier geht es doch nicht um Glauben. Der Typ hatte doch nicht einmal meine Kontoverbindung! Auf jeden Fall war ich am nächsten Tag wieder da. Was soll ich sagen. Der Österreicher auch. Hatte schon sein neues Opfer.“
„ Hast du die Polizei gerufen?“
„ Polizei. Schwachsinn. Jeder Mensch lebt von irgendetwas. Und für`ne schöne Geschichte was zu bezahlen geht in Ordnung!“
Er hielt inne und nahm einen tiefen Zug von der Zigarette.
„ Die Lektion war eine ganz andere!“
„ Und welche?“ Ich war neugierig geworden.
Marc schaute mich wissend an.
„ Gib mir`nen Hunderter und ich sag es dir.“


Mit den Satzzeichen funktioniert's nicht ganz lieber Ralf. Die Kommas, die ich anmerkte, sind Pflichtkommas.

Der Text ist respektabel. Nur aus dem Hunderter würd ich vielleicht einen Zwanziger machen. Ist schon ein bisschen viel. Neugierig hast du mich auf jeden Fall mal gemacht. Ich werd in den kommenden Tagen den zweiten Teil lesen.

schöne Grüße und frohe Weihnachten

gernot

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Ralf Langer
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LIEBER GERNOT
DANKE FÜ DIE MÜHE
LG
RALF
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Chrisch
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Das ist wirklich toll geschrieben!

quote:
Das waren zehn, vielleicht fünfzehn Jahre her.
Leider sind immer noch Leerstellen nach Anführungszeichen drin, außerdem auch vor manchem Komma, bei dem dann danach keins vorhanden ist.
Aber das sind Formalien, die man in den Griff bekommt, so zu schreiben fordert jedoch weit mehr, gratuliere!

Gruß Chrisch
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"ist wie Schach, nur ohne Würfel" Lukas Podolski

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Ralf Langer
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Hallo chrisch, hallo zugast,

das freut mich sehr,
habe hier viel arbeit drin stecken

und bin gespannt wie ihr das Ende der Geschichte,
die dann doch mehr eine Erzählung wird finden werdet

lg
ralf
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Ralf Langer
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Hallo elisabeth,

es freut mich das ich dich für eine weile
in den lesebann schlagen konnte

lg
ralf
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