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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Transparenz einer Seele
Eingestellt am 25. 11. 2012 01:40


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Art.Z.
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Transparenz einer Seele

Sie ist s├╝├č. Lacht mich an und weint. Weint und lacht mich an. Alles gleichzeitig, jetzt. Und wie in einem Film ab 18 sitzen wir da und wissen nicht, was los ist. Wo ist ├╝berhaupt die Leinwand? Wieso gibt es keine Schauspieler und was macht der Mann vor uns an seinem Schritt? Dann Licht, Hektik, Schreie. Ihre Mutter steht mit einer Taschenlampe vor uns und br├╝llt. - Erziehungsma├čnahmen in der Nacht. Keine Schl├Ąge. Ich bin ja dabei. Ob es sie ├╝berhaupt jemals gab? Schl├Ąge? Ich glaube sie l├╝gt mich an, und ich, ich glaube ihr. Wieso sollte ich nicht? Solange sie es mir sagt, glaube ich ihr es. Ich glaube ihr, solange sie es mir sagt. Ich bin langsam, da muss man vieles glauben.
Sie wei├č nicht, wie es weitergeht. Wie geht es weiter? Was soll sie nach der Schule machen? Studieren will sie nicht, arbeiten auch nicht. Sie will reisen, die Welt sehen, Menschen sp├╝ren, L├Ąnder erobern. Hinter dem Meer gibt es ein Land, wo man das ganze Jahr ├╝ber tanzt. Die Sonne scheint und die Menschen lachen immer. Sie lachen und tanzen immer. Sie sagt, das Tanzen ist ihr Leben. Das Tanzen lebt sie. Ich glaube ihr das. Mit mir hat sie auch getanzt, aber ich hab mich furchtbar angestellt. Ich habe zwei linke F├╝├če, mit zehn linken Zehen dran, sagt sie. Aber ich habe mein Beste versucht, nur komme ich dem Takt nicht hinterher und alles ├╝berschl├Ągt sich. Ich verliere mich. Ich bin langsam. Was soll ich machen?

Lache immer, sagt sie. Wenn es schlimm ist, dann lache. Lachen ist der Sinn des Seins. Was das hei├čt, fragte ich. Sie erkl├Ąrt es mir, aber ich verstehe nicht. Ich verstehe nicht und wir lachen.

Wir sitzen oft nachts am Gartenzaun und starren in den Himmel. Dort scheint alles zu schlafen. Sterne bewegen sich nicht, sie sind fest. Ich tr├Ąume oft, dass ich ein Stern bin. Niemand fragt, wie schnell ich bin. Niemand beurteilt mich. Ich bin so fest und richtig, wie Sterne und scheine einfach in die Nacht. Sie sagt, ich sei okay, so wie ich bin. Jeder hat seine Fehler, sagt sie. Sie ist s├╝├č und lacht. Wieso magst du mich, frage ich. Sie zuckt mit den Schultern. Weil du du bist, sagt sie. Du verstelle dich nicht, bist einfach liebenswert. Liebenswert. Ich glaube ihr das.
Manchmal f├Ąhrt sie mit ihrer Hand durch meinen Bart und sagt, er sei wie der Urwald. Wild, buschig und ungez├Ąhmt. Ungez├Ąhmt wie die T├Ąnze aus ├ťbersee.
Was diese Narbe an meinem Kopf ist, fragt sie. Ich sage ihr, dass ich krank war. Dass mein Gehirn krank war und ich sterben musste. Aber ich lebe. Sie haben mich aufgeschnitten und alles ist gut. Auf den Bildern im Krankenhaus sah ich die Beule. Sie war gro├č und dunkel. Der Rest war einfach grau. Sie streichelt meinen Bart und schlie├čt ihre Augen. Wie Urwald, sagt sie, wie weiter, wilder Urwald hinter dem Meer, da wo alle tanzen und lachen.

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