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Leselupe.de > Horror und Psycho
Traum vom Fliegen
Eingestellt am 06. 02. 2015 17:35


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joezoe
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Feb 2015

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Ich bin nicht krank. Ich möchte ja keinen Selbstmord begehen. Ich möchte nur einmal fliegen. Einmal in meinem Leben frei sein. Selbst entscheiden. Ich möchte keinen Selbstmord begehen. Nein, keinen Selbstmord. Es ist nicht falsch fliegen zu wollen. Wer will denn nicht mal fliegen? Aber ich darf nicht fliegen. Alle dĂŒrfen fliegen, nur ich nicht. Denn wenn ich fliege, dann sterbe ich. Wenn ich frei bin, sterbe ich. Und ich darf nicht sterben, weil ich fliege will. Denn wenn ich so sterbe sagen alle, ich hĂ€tte Angst gehabt. Alle wĂŒrden sagen, ich sei ein Angsthase gewesen. Aber ich bin kein Angsthase. Ich bin stark. Ich will fliegen also darf ich nicht sterben. Ich darf niemals sterben.
Ich werfe noch einen letzten Blick nach unten. Autos, Menschen... Ich bin froh, dass sie mich hier oben, auf dem Dach des Hauses, nicht sehen können. Sie wĂŒrden bestimmt mit ihren Fingern auf mich deuten und lachen. Ich wende mich schnell ab, renne auf die TĂŒr zu, die ins Treppenhaus fĂŒhrt, laufe die Stufen hinunter. Die letzten drei ĂŒberspringe ich jedes Mal. Ein kurzer Flug. Ich strecke dann meine Arme aus, wie ein Vogel. Ich wĂ€re so gerne ein Vogel. Ich bleibe vor unserer TĂŒr stehen, 10ter Stock, atme tief durch, strecke meine Hand aus, drĂŒcke mit dem Zeigefinger auf den Namen Taube, was fĂŒr eine Ironie. Ich höre es auch von hier draußen: Ein kurzer, schriller Klingelton. Schwere Schritte, meine Mutter reißt die TĂŒr auf. Einen kurzen Moment hĂ€lt sie inne, dann hebt sie ihren Arm, schmeißt mir meinen SchlĂŒssel ins Gesicht. Es tut weh, aber ich weine nicht. Ich bin kein Angsthase. Sie schreit mich an: „Wie kann man mit 11 Jahren noch seinen SchlĂŒssel vergessen?“ Ich antworte nicht, bleibe einfach nur stumm stehen, starre auf meine FĂŒĂŸe. Meine Mutter schreit weiter: „Dummes Ding, nun komm schon rein, oder willst du den ganzen Tag da rum stehen?“ Sie fast mich am T-Shirt, zerrt mich in die Wohnung, durch den Flur. Sie schubst mich in mein Zimmer, schließt die TĂŒr hinter mir ab. Ich höre, wie die WohnungstĂŒr ins Schloss fĂ€llt.
Ich blicke mich um. Mein Zimmer ist nicht sehr groß. Eine Matratze zum schlafen, ein Schreibtisch, ein Regal mit Klamotten und ein par BĂŒchern. Ich greife nach meinem iPod. Er liegt auf dem Schreibtisch und ist das einzige elektronische GerĂ€t, welches ich besitze. Ich habe ihn von meinem Onkel bekommen. Mit meinem iPod kaure ich mich auf die Fensterbank. Ich schalte ‚Saint Veronika’ von Billy Talent ein und blicke durch die Fensterscheibe hinauf in den Himmel. Eines Tages werde ich ĂŒber den Wolken fliegen. VertrĂ€umt fasse ich mir an die SchlĂ€fe. Dort, wo der SchlĂŒssel mich getroffen hat, hat sich eine Beule gebildet. Ich drĂŒcke drauf, fest und fester. Es tut weh, ich lebe. Ich klettere von der Fensterbank, gehe zum Schreibtisch, öffne die einzige Schublade. Aus ihr hole ich ein scharfes KĂŒchenmesser. Ich lasse mich auf die Matratze fallen, betrachte die Klinge. Mein Gesicht spiegelt sich in ihr, eine verzerrte und hĂ€ssliche Fratze. Langsam richte ich mich auf, lehne mich gegen die Wand hinter mir und ziehe die Beine bis zum Kinn an. Ich lege die Klinge an mein Handgelenk, streiche vorsichtig mit ihr die Adern entlang. Es ist kalt. Ich spĂŒre eine unglaubliche Angst, tief in meinem Innersten. Bedenken. Ist dies wirklich der richtige Weg? Aber ich bin kein Angsthase. ICH BIN KEIN ANGSTHASE. Ich drĂŒcke die Klinge nach unten, ziehe sie ein kurzes StĂŒck meine Arm hinauf. Blut. Wunderschönes, dunkelrotes Blut lĂ€uft meinen Arm hinunter. Es ist warm. Ich grinse. Ja, es tut weh. Es tut unglaublich weh. Es ist wirklich wunderbar. Meine Entscheidung. Es war meine Entscheidung. Aber ich will nicht sterben. Ich drĂŒcke schnell die Decke gegen die Wunde. Sie saugt das Blut auf, verfĂ€rbt sich rot. Ich klammere mich fest an die Decke, da ich angefangen habe zu zittern, und schlafe ein.
Am nĂ€chsten Morgen wache ich von dem GerĂ€usch eines SchlĂŒssels auf, der sich im Schloss dreht. Meine Mutter sperrt meine TĂŒr wieder auf. Sie schaut nur kurz ins Zimmer, das Blut bemerkt sie nicht. Ich gehe ins Bad, wasche das Blut von meinem Handgelenk. Dann wechsle ich in ein langĂ€rmliges T-Shirt. Die Lehrer sind aufmerksamer als meine Mutter. Ich packe schnell meinen Ranzen, nehme eine Scheibe Toast ohne Aufstrich. Wieder einmal renne ich die Treppen hinunter. Die letzten drei Stufen ĂŒberspringe ich. Als ich endlich aus dem Haus trete bin ich schon außer Atem.
Ich hasse die Schule, die vielen Menschen und ich liebe die Schule, endlich bin ich weg von zuhause.
Als ich aus der Schule zurĂŒckkomme gebe ich meiner Mutter, welche in der KĂŒche vor einer Flasche Wein sitzt, einen Zettel von meinem Lehrer. Er hat meine Geschichte ĂŒber das Fliegen gelesen und will nun unbedingt mit meiner Mutter sprechen. Ich sehe ihr an, dass sie wĂŒtend wird. Ich habe Angst. Ich bin kein Angsthase, aber ich habe Angst. Sie wird mich schlagen, denke ich nur, drehe mich um und renne aus der Wohnung auf das Dach. Bis an den Rand. Ich blicke mal wieder hinunter auf die Straße. Doch heute ist es anders. Normalerweise lĂ€sst meine Mutter mich hier oben alleine, doch dieses Mal ist sie mir gefolgt. Sie fĂ€ngt an zu zittern, als sie mich am Abgrund stehen sieht. Langsam kommt sie auf mich zu. Ich höre Stimmen. Sie sind ĂŒberall: „Komm, komm, komm zu uns. Flieg mit uns.“ Es ist soweit. Endlich werde ich fliegen. Ich werde frei sein. Doch ich will, dass meine Mutter auch frei ist. Ich lache, renne auf sie zu, packe ihre Hand. Sie reagiert nicht. Ich rufe ihr voller Vorfreude zu: „Komm, lass uns fliegen.“ Ich zerre sie zum Rand des Daches, spring, ziehe sie mit mir in die Tiefe. Wir lachen. Wir sind frei!

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lapismont
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Hallo joezoe, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Maße an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

Ganz besonders wollen wir Dir auch die Seite mit den hÀufig gestellten Fragen ans Herz legen. Hier klicken

Dein Text ist zwar thematisch nicht wirklich innovativ, aber mir gefÀllt der Sound und die kleinen Varianzen, mit denen Du dem Motiv begegnest.

Bin gespannt auf weitere Texte von Dir!

Viele GrĂŒĂŸe von lapismont

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Ciconia
Routinierter Autor
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Hallo joezoe,

normalerweise verirre ich mich nicht in diese Rubrik, aber diesmal war ich einfach neugierig, was hier so gut bewertet wurde.

Ich finde den Text nicht schlecht, auch wenn dieses Thema hier schon zig-mal bearbeitet wurde. Allerdings habe ich ein Problem mit der Logik. Oder muss die bei Horror und Psycho nicht stimmen?

Es erzĂ€hlt hier ein ElfjĂ€hriger, der gerade mit seiner Mutter in den Tod gesprungen ist, richtig? Aus welchem Universum berichtet er denn? Ein ElfjĂ€hriger, der aufgeweckt genug ist, seinen Familiennamen schon als Ironie zu verstehen, der aber andererseits mit einem „Ranzen“ in die Schule geht. Er lebt in einfachen VerhĂ€ltnissen, aber ist das Grund genug fĂŒr seine Todessehnsucht? Hier könnte man sicher noch ausfĂŒhrlicher beschreiben, was einen ElfjĂ€hrigen so verzweifeln lĂ€sst.

Du solltest auch die Zeichensetzung ĂŒberarbeiten, da fehlen noch etliche Kommas.

Ich wĂŒnsche Dir frohes Schaffen und viel Erfolg bei der Leselupe!

Gruß Ciconia

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