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Leselupe.de > Kurzprosa
Traumberuf Discjockey
Eingestellt am 25. 04. 2002 17:27


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axel
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Registriert: Apr 2001

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„Du wirst es sehen! Ich halte das nĂ€mlich hier fest!“
Wahrscheinlich zur BekrĂ€ftigung seiner Worte zog er die Augenbrauen steil nach oben und zeigte auf die Videokamera in seiner Hand. Was sollten mir diese Worte sagen? Meine Augen waren zwar desöfteren auf die Anlage gerichtet, ansonsten aber durchaus noch in der Lage, die Geschehnisse im Raum zu beobachten. Eine Kamera brauchte ich dafĂŒr eigentlich nicht. War die VerknĂŒpfung seiner beiden SĂ€tze am Ende eine Drohung?
Es war bereits weit nach vier Uhr morgens, die Gesellschaft war auf acht Leute zusammen geschrumpft, und schon seit einiger Zeit freute ich mich auf meinen hoffentlich bald eintreffenden Feierabend. Die Anlage abbauen, die Hand aufhalten, noch einmal versichern, wie schön es doch war, und dann ab nach Hause und diese schreckliche Party ganz schnell vergessen.
Und jetzt sollte ich auch noch gezwungen werden, mir die Videos anzuschauen?
Videokameras waren auf diesem Fest so zahlreich wie noch niemals zuvor vertreten gewesen. Kaum war es mir gelungen, die ersten drei Personen dieses furchtbar mĂŒden Haufens endlich auf die TanzflĂ€che zu ziehen, da waren gleich fĂŒnf gierige Objektive auf sie gerichtet worden.
Offensichtlich brauchten die Kameras ein wenig mehr Licht auf der TanzflĂ€che, aber wenn man einen Drehschalter zur VerfĂŒgung hat, dann kann man den ja auch wieder in die andere Richtung drehen, am Besten gleich bis zum Anschlag.
„Nun macht doch weiter! Warum hört ihr denn jetzt auf?“
Wenig spĂ€ter wurden dann ganz viele Steckdosen fĂŒr LadegerĂ€te gebraucht, und die verhinderten KameramĂ€nner stellten sich bei dieser Suche nicht gerade zimperlich an.
„Der DJ bringt es nicht.“
Wer hÀtte dieser EinschÀtzung widersprechen wollen? Erst tanzt niemand, dann hören alle, die es doch mal versuchen, gleich wieder auf, und dann ist auch noch immer wieder einmal die Musik ganz weg.
Mittlerweile waren die meisten der Videokameras mit ihren Besitzern wieder verschwunden, so dass ich nur noch vor dem Problem stand, dass ich noch immer nicht wusste, was der junge Mann mir denn eigentlich mit seiner Ansprache sagen wollte.
„Du spielst jetzt bitte – DAnach – SOFORT(!) – das Safri-Duo. Und ich sage dir: Du wirst es sehen!“
Die unsĂ€glichen Effekt-Trommler waren in jener Nacht ja auch erst drei Mal gelaufen. Schon vor dem dritten Mal hatte ich so leichte Bedenken vorgebracht, doch die waren gnadenlos weggefegt worden: „Na und? Hast du denn nicht gesehen, wie die Leute vorhin bei dem StĂŒck abgegangen sind???“
Doch, mir war durchaus nicht entgangen, dass die Anzahl der Tanzenden (wenn wir dieses Wort an dieser Stelle der Einfachheit halber nicht weiter hinterfragen wollen) sprunghaft von vier auf sechs angewachsen war. Die Gesichter von zwei Frauen, die von ihren MÀnnern auf die TanzflÀche gezerrt worden waren, verrieten allerdings bereits beim zweiten Mal, dass es mit der Ekstase nicht mehr ganz so weit her war.
Und jetzt sollte ich das StĂŒck zum vierten Mal spielen?
Meinen skeptischen Blick mag mein GegenĂŒber erwartet haben, denn jetzt hob er die Brauen noch ein StĂŒckchen höher und deutete mit einer ausladenden Armbewegung auf die an einem Tisch sitzenden ĂŒbrigen GĂ€ste: „Das ist DEIN Publikum, und du machst das jetzt bitte!“
HĂ€tte ich mit diesem Menschen noch weiter diskutieren sollen? HĂ€tte ich ihn davon ĂŒberzeugen können, dass alle anderen nur noch sitzen und quatschen wollten, dass höchstens noch eines der PĂ€rchen zum Schmusen auf die TanzflĂ€che gehen wĂŒrde, wenn ich endlich die Titanic untergehen ließe?
Es gibt Augenblicke, da beschleicht mich eine leichte Resignation und mein Kampfeswille erlischt, und das war so einer, also „wĂŒrde ich es sehen“: Von Panik erfĂŒllte StĂŒhle, die den plötzlichen Bewegungen der bis gerade noch so ruhig auf ihnen sitzenden Menschen nicht rechtzeitig ausweichen können und deswegen hilflos auf den Boden knallen, vor Freude und GlĂŒck strahlende Gesichter und eine brodelnde TanzflĂ€che, die schließlich den ganzen Raum ins Schwanken bringt, ...
Es hat ĂŒbrigens anschließend niemand von mir verlangt, dass ich mir das Video ansehe. Von daher kann ich auch nicht sagen, wie gut oder schlecht die Aufnahmen geworden sind. Vielleicht ist zu Beginn der entscheidenden Szene der Ton verzerrt, denn der Kameramann sollte, da er ja so nah am Mikrofon ist, besser nicht so laut schreien. Aber vielleicht hört man ihn ja auch klar und deutlich: „Ey Leute, ich hab’ das doch extra fĂŒr euch klar gemacht! Jetzt kommt aber auch!“

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