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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Traumbucht
Eingestellt am 30. 07. 2012 19:18


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hanky
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2012

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Eine traumhafte Bucht


Sie kam hierher. Viel war noch nicht los, und deshalb gefiel ihr diese sch├Âne Bucht. Nun wollte sie bleiben, denn die Palmen wuchsen hier bis an den schneewei├čen Strand. Sie f├╝hlte sich wie im Paradies. Schnell waren ihre ├ängste, die sie noch in der kalten Heimat plagten, verschwunden und pl├Âtzlich wusste sie, was sie all die Jahre vermisste: das Leben war einfach wunderbar und unbeschwert.
Zun├Ąchst schlief sie am Strand, aber dann baute sie sich eine kleine H├╝tte, da von dem Sand viele ihrer Klamotten und Sachen sandig geworden und nicht mehr brauchbar waren. Baumaterialien waren am Strand und im Geb├╝sch gen├╝gend vorhanden. So brauchte sie auch nur drei Tage, bis sie zusammen mit einigen Einheimischen die H├╝tte zurechtgezimmert hatten. Sie verwendeten nur das, was sie vorfand. Kein Nagel und keine Schraube hielt die H├╝tte zusammen.
Schnell richtete sie sich ein. Es war wundervoll, sie konnte so lange schlafen und in der Nacht aufbleiben, wie sie wollte; kein Stra├čenl├Ąrm, nur das Meeresrauschen und der Wind, der mit den Palmen spielte. Wenn sie etwas brauchte, ging sie die zwei Kilometer am Strand entlang in den n├Ąchsten kleinen Ort. Ungef├Ąhr ein halbes Jahr lebte sie so ungezwungen und frei.
Dann stellte sie fest, dass am Strand, dort am anderen Ende der Bucht, wo der Schotterweg direkt zum Meer f├╝hrte immer mehr junge Leute aus den verschiedensten L├Ąndern mit Rucks├Ącken kamen - sie nannten sich Backpackers. Es entstanden kleine H├╝tten am Strand, so wie ihre, nur viel sicherer gebaut, und ein kleines Restaurant gab es auch bald. Sie fand es sehr angenehm, denn nun brauchte sie nicht mehr die zwei Kilometer in der gr├Â├čten Hitze zum n├Ąchsten Dorf zu gehen, wenn sie etwas essen wollte. Leider waren hier am Strand die Preise etwas h├Âher, als in dem Restaurant im Dorf, aber das machte ihr noch nichts aus, denn sie hatte ja noch gen├╝gend Geld, und das Leben war hier trotzdem sehr billig.
Langsam sprach es sich herum, da├č man sich hier am Strand gut relaxen konnte und mehr und mehr Rucksack-Touristen kamen an. Jeden Abend sa├č sie nun mit einigen von ihnen am Strand zusammen. Manche hatten Gitarren dabei und sie sangen all die bekannten Lieder von Janis Joplin und Bob Dylan. An anderen Abenden sa├čen sie schweigend bei einem Joint und schauten aufs Meer. Bis einmal einige von ihren immer zahlreicher werdenden Freunden sie fragte, warum sie denn auf ihrer Seite der Bucht keine Kneipe oder Restaurant aufmachen wolle, denn dann g├Ąbe es eine Konkurrenz zu dem Restaurant auf dieser Seite, beeilten sich die Leute hinzuzuf├╝gen, denn Geld verdienen war etwas f├╝r Kapitalisten und sie waren schlie├člich Traveller auf dem Weg zur Wahrheit des Lebens, und das Reisen war ihr Ziel.
So ├╝berlegte sie nicht lange, denn schlie├člich wurde auch ihr Geld knapp und als Bedienung in dem vorhandenen Restaurant wollte sie nicht arbeiten.
Zusammen mit einem Einheimischen, in den sie sich vor ein paar Wochen verliebt hatte, zimmerte sie aus rohen Brettern und Bohlen eine Bude, nahm ihre letzten Ersparnisse und kaufte Getr├Ąnke, ein paar Fr├╝chte und Brot. Der Einheimische transportierte alles auf seinem kleinen Moped zum Strand hinunter. Dann er├Âffneten sie die ÔÇ×Paradise BarÔÇť.
Der Er├Âffnungsabend war ein voller Erfolg und am Ende um zwei Uhr morgens hatten sie schon keine Getr├Ąnke mehr, daf├╝r aber einen kleinen Gewinn in der Tasche. Die Nacht klang fr├Âhlich am Strand bei einem Joint aus.
Am n├Ąchsten Morgen stand sie fr├╝h auf und fuhr selbst mit dem Moped ins Dorf, um neue Lebensmittel und Getr├Ąnke zu kaufen, da ihr Freund nach dieser anstrengenden Nacht erstmal ausschlafen wollte. Aber ihr machte die Arbeit Spa├č und sie konnte ganz gut davon Leben. Auch die Beziehung zu ihrem einheimischen Freund vertiefte sich und bald wurde sie in sein Elternhaus eingeladen.
Irgendwann kam ihr dann die Idee, dass sie vielleicht ebenfalls ein paar einfache H├╝tten bauen sollte, in denen dann die Backpackers, die nun immer zahlreicher in die sch├Âne Bucht str├Âmten, wohnen k├Ânnten. Denn entlang des Strandes gab es jetzt schon viele H├╝tten und Restaurants.
Zusammen mit dem Einheimischen und ein paar Freunden baute sie wieder aus Strandgut und dem was der nahe Dschungel hergab zwei H├╝tten oberhalb des Strandes unter Palmen und nannte es ÔÇ×Palm Beach ResortÔÇť.
Jeden Tag hatte sie nun G├Ąste, die sich bei ihr sehr wohl f├╝hlten, denn hier konnten sie ungest├Ârt ihr Dope rauchen, was bei den anderen H├╝tten und Restaurants nicht gestattet war. H├Ąufig leistete sie ihnen Gesellschaft, und so sammelte sich um sie eine Schar illustrer Weltenbummler.
Es dauerte gar nicht lang, bis ihr kleines Reservat von gr├Â├čeren H├╝tten und Restaurants umgeben war. Von einem entfernten Nachbar, ebenfalls Restaurantbesitzer, wurde sie gefragt, ob das Land, auf dem sie jetzt lebte und durch den sie ihren Unterhalt bestritt, denn ihr ├╝berhaupt geh├Âren w├╝rde. Dar├╝ber hatte sie sich noch nie Gedanken gemacht, und sie wu├čte auch nicht, wem das Land eigentlich geh├Ârte; sie hatte es sich damals halt einfach genommen. Auch als sie ihren einheimischen Freund danach befragte, konnte er es ihr nicht sagen.
Langsam, ganz langsam ├Ąnderte sich das Klima im Umgang mit den Restaurantbetreibern und H├╝ttenbesitzern. Einigen Cleveren geh├Ârte das Land, sie hatten es den Einheimischen, die meistens im den D├Ârfern des Landesinneren wohnten, abgekauft. Sie wollten sich nun immer mehr ausbreiten und boten den anderen viel Geld, damit sie verkauften. Dort, wo die Cleveren auf Anhieb kein Gl├╝ck hatten, brannten pl├Âtzlich und unerwartet - da wohl mal wieder jemand vergessen hatte, die Petroleumlampe am Abend vor dem Schlafengehen zu l├Âschen - die H├╝tten ab.
Auch sie bekam┬┤s zu sp├╝ren. Einmal wurde ihr angeboten, das Management im Nachbar-Resort zu ├╝bernehmen. Aber als sie nicht sofort zustimmte, da sie ihre Selbst├Ąndigkeit und das freie Leben nicht aufgeben wollte, wurde ihr angedeutet, da├č sie wohl kaum eine andere Wahl h├Ątte, denn das Land w├╝rde ihr ja gar nicht geh├Âren.
Der Wechsel fiel ihr sehr schwer, weil sie bislang fast nur arbeitete, wenn sie gerade mal Lust dazu hatte, und nun w├╝rde sie von morgens bis abends auf den Beinen sein m├╝ssen.
Zum Gl├╝ck aber war der neue Besitzer f├╝r den sie jetzt arbeitete sehr tolerant, denn er war nur daran interessiert, da├č ein wenig Geld f├╝r ihn dabei heraussprang.
So konnte sie zusammen mit ihrem einheimischen Freund weiter zusammenleben und zum Teil das relaxte Arbeitsleben fortf├╝hren. Das sprach sich nat├╝rlich unter den Travellern herum und all die Freaks kamen nun wieder zu ihr.
Als sie nun ihren einheimischen Freund heiratete, war es eine riesige Feier. Alle noch verbliebenen Leute, die anf├Ąnglich die Bucht bev├Âlkerten und noch nicht vom Rummel und Kommerz vertrieben waren, wurden zu dem gro├čen Fest eingeladen. Sie feierten eine Woche lang mit vielen Drogen und Alkohol am Strand. Alle waren sie eingeladen, selbst die G├Ąste der Resorts, und das Freudenfeuer, das zu diesem Zweck entz├╝ndet wurde, brannte die ganze Zeit ├╝ber und jeder war fr├Âhlich und ausgelassen. Es war wie fr├╝her, als alle Menschen hier am Strand zusammenhielten.
Die Arbeit im Resort machte ihr Spa├č und die Leute waren nett, obwohl es nur Urlauber waren, die ihren Jahresurlaub nun hier verbrachten. Hin und wieder kam ihr Chef und kontrollierte, ob die Tageseinnahmen auch stimmten.
Als sie damals die Leitung dieses Resorts ├╝bernahm, machte der Besitzer mit ihr einen Arbeitsvertrag ├╝ber ein Jahr mit ihr. Da aber so viele andere Dinge f├╝r sie wichtiger waren, verga├č sie den Vertrag bald wieder und dachte, es liefe f├╝r immer.
Einmal besuchte ihr Bruder sie aus dem kalten Norden und beneidete sie unverhohlen, dass sie in einem solchen Paradies arbeitete. Den ganzen Tag aufs Meer zu schauen, zu rauchen und ab und zu Geld einkassieren, das w├╝nschte er sich auch f├╝r sein Leben.
Aber seitdem sie diese Leitung ├╝bernommen hatte, war es so einfach nat├╝rlich nicht mehr. Sie mu├čte die Leute, die nun hier G├Ąste genannt wurden, bedienen, fr├╝h aufstehen und sp├Ąt ins Bett gehen, Abrechnungen erstellen und zu allen freundlich sein, selbst wenn sie mal gar nicht gut drauf war. F├╝r sie war es an manchen Tagen ein ganz sch├Ân hartes Gesch├Ąft. Aber es war OK und es war warm.
Eines Tages, kurz vor Ablauf des Vertrages, kam der Chef zu ihr und teilte mit, dass er das Resort verkauft habe und den Vertrag nicht weiter verl├Ąngern w├╝rde, denn der neue Besitzer wolle all die Freaks nicht mehr hier sehen. Der neue Besitzer wolle auch den Standard der H├╝tten verbessern und mehr Geld herausholen. Aber der Chef machte ihr ein Angebot. Da er inzwischen ebenfalls, wie so viele andere an diesem Strand, reich geworden war, besa├č er noch ein weiteres Resort. Hier k├Ânne sie f├╝r ihn arbeiten. Aber da dieses Resort schon reiche Urlauber umwarb, k├Ânne sie zusammen mit ihrem Mann den relaxten Arbeitsstil nicht mehr fortsetzen.
Das Leben am Strand hatte sich inzwischen schon sehr gewandelt. Viele Familien mit Kindern aus den kalten L├Ąndern des Nordens und immer mehr normale Urlauber aus den aufstrebenden L├Ąndern der Region besuchten nun diesen Strand und verbrachten ihren Urlaub hier. Die Preise waren sehr gestiegen, aber immer noch g├╝nstig, im Vergleich zu den Herkunftsl├Ąndern der meisten Urlauber. Nur die Einheimischen, Freaks und Traveller blieben bis auf wenige Ausnahmen fort, da sie es sich nicht mehr leisten konnten, hier Station zu machen und zu relaxen.

Sie f├╝hlte, da├č sie keine Wahl hatte, denn in ihr kaltes Heimatland wollte sie auf gar keinen Fall zur├╝ckkehren. Also nahm sie das Angebot ihres Chefs an.

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