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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Traumgeflüster
Eingestellt am 14. 09. 2005 15:54


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KurzeXL
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2005

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All unsere Ängste und Sorgen, all die großen und kleinen Freuden des Tages, all unsere Eindrücke, manchmal gar nicht bewußt wahrgenommen, beschäftigen auch nachts noch unseren Geist. Und manchmal formen sie ganz groteske Bilder.




Schweißgebadet richte ich mich ruckartig im Bett auf. Wild schlägt mein Herz, meine Augen sind feucht von Tränen. Ich meine, ich hätte mich eben schreien hören. Die Dunkelheit der Nacht verstärkt meine Angst. Langsam werde ich richtig munter und mir wird klar, daß ich wieder mal nur schlecht geträumt habe. Ich taste nach dem Lichtschalter. Ich bemühe mich um innere Ruhe. Alles nur geträumt, weiter nix.
Mir fällt ein, daß Dinge, die wir träumen, sogar manchmal Realität werden. \"Quatsch!\", wiegele ich diesen Gedanken ab, der mich erneut erschaudern läßt. Warum aber träumt man so etwas dann? Die Unruhe läßt mich nicht los.
Ich kann nicht wieder einschlafen und so mache ich mich gedanklich auf den Weg, meinen Traum noch einmal zu durchleben:





Der Traum

Es ist Sommer. Eine leichte Brise kühlenden Windes weht vom Meer her über die kleine Bucht, an der wir beide nach einer gemütlichen Wanderung angekommen sind. Hinter uns auf der felsigen Anhöhe liegt der Wald, durch den wir eben noch gegangen sind. Du hälst noch immer meine Hand. Genau so, wie du sie ergriffen hast, als wir vorhin unser Hotelzimmer verließen. Es ist unser erster gemeinsamer Urlaub, seit wir uns vor fast einem Jahr kennengelernt haben.
Unsere Liebe, die schon so intensiv begann, ist seit dem stetig gewachsen. Manchmal meine ich zu brennen, wenn ich in deiner Nähe bin, so intensiv ist sie. Der Zauberglanz in deinen Augen spricht ebenfalls Bände. Ja, wir sind sehr glücklich!
Lange Zeit stehen wir da am Ufer und schauen schweigend über die unendliche Weite des Meeres. Schroffe Felsen steigen rings um die Bucht auf. Es ist ganz still, nur die ruhige See wirft leise plätschende Wellen an den Strand. Ein paar Vögel zwitschern über uns am Himmel. Ich sehe dich an: Was du wohl gerade denken magst?
In diesem Augenblick beugst du dich zu mir herunter und drückst mir einen zarten Kuss auf meine Stirn. Wir schauen uns in die Augen und versinken in diesem Blick. Weich und sanft legst du deine Arme um mich und blickst mich noch immer zärtlich an: \"Ich liebe dich so sehr.\", sagst du zu mir. \"Seit es dich gibt, ist mein Leben reicher, mein Tag heller und mein Herz scheint gewachsen zu sein. Du hast so viel bewirkt, du hast mir so gut getan. Danke, daß es dich gibt!\" Das hast du schon so oft gesagt, doch immer wieder berührt es mich tief. Tränen stehen mir in den Augen, Tränen der Freude und des Glücks. Ich drücke dich noch intensiver an mich und gebe dir einen innigen Kuss.

In dieser kleinen stillen Bucht, hinter uns den kühlenden Schatten der Bäume, haben wir uns eben geliebt. Unsere schweißnassen Körper liegen eng umschlungen im Sand. Versonnen streichle ich über deine Arme, deine Schultern, deine Wangen. \"Du bist das Beste, was mir jemals begegnen konnte. Ich habe dich so lieb, ich möchte dich nie wieder verlieren.\", sage ich leise zu dir. Deine Augen leuchten, verliebt wie am ersten Tage lächelst mich an. Dann schliessen wir beide die Augen und geniessen die Stille um uns herum, uns gegenseitig zärtlich streichelnd.
Die Sonne färbt sich langsam glutrot am Horizont. Wie lange liegen wir wohl nun schon hier? Wir haben Zeit und Raum vergessen und sind ganz in unseren Gefühlen gefangen.
Du scheinst eben eingeschlafen zu sein. Dein Atem geht ruhig, deine Gesichtsmuskeln sind ganz entspannt. Die siehst so zufrieden aus. Langsam, ohne dich zu wecken, löse ich mich aus deinen Armen, gehe ein paar Schritte und sammle meine Kleidung zusammen. Ich streife meine Shorts über, knöpfe die Bluse zu und schlüpfe in meine Sandalen, als du dich langsam regst.
Eben setzt du dich auf, schaust mir zu. Du nennst mich beim Namen und sagst ganz zart und leise: \"Ich werde dich nie verlassen, ich werde immer bei dir sein. Ich werde dich beschützen und auf dein Wohl achten. Ich werde all deine Schritte lenken und dir nur Gutes zukommen lassen, das verspreche ich dir. Du bist ein so wunderbarer Mensch.\"
Dann stehst du langsam auf. Mit gezielten, festen Schritten steigst du in die Felsen hinauf. Stumm und überrascht schaue ich deinem Treiben zu. \"Was tust du da oben? Sei doch vorsichtig\", rufe ich dir nach. Wild beginnt mein Herz zu schlagen, irgend etwas in mir löst Panik aus. Du antwortest nicht. Erst als du ganz oben bist höre ich dich mit ruhiger Stimme sagen: Ich muß jetzt gehen. Denk an meine Worte: Du wirst nie mehr allein sein, ich werde dich beschützen, fürchte dich nicht. Ich liebe dich so sehr!\"
Noch ehe ich etwas erwidern kann, springst du in die Tiefe. \"NEIN!\" Mir entfährt ein entsetzlicher Schrei. Ich renne wie gejagt ans Ufer, ich kämpfe gegen die immer tiefer werdenden Fluten. Wellen schlagen mir entgegen, ich kann mich kaum weiter vorwärts bewegen. Gehetzt von Panik quäle ich mich ewig jeden Zentimeter weiter bis meine Füsse den Boden verlieren. Aber ich kann dich nicht mehr sehen. Dort, wo du eben noch ins Wasser getaucht bist, sind nur noch Wellen. Einen Augenblick lang fange ich an zu lachen, glaube du scherzt mit mir. Ich rufe deinen Namen. \"Hör auf, das ist nicht lustig...\", schreie ich, erkennend, daß mein Rufen sinnlos ist. Das Meer hat dich verschlungen.
Mit letzter Kraft erreiche ich das Ufer wieder. Jäh hämmert das Herz in meiner Brust. Ich schreie vor innerem Schmerz und Verzweiflung. Keiner hört mich. Ich werfe mich in den Sand, meine Fäuste ballen sich. Zusammengekrümmt wie ein kleines Kind liege ich dort, geschüttelt vom ewigen Weinen. Um mich herum ist es längst dunkel geworden.
\"Komm zurück, wir waren so glücklich! Was habe ich denn getan? Warum tust du das, warum läßt du mich jetzt allein?\", flüstere ich leise immer und immer wieder...
Kalt weht der Wind vom Meer über meinen bebenden Körper, ich spüre es nicht. Ich warte hier auf deine Rückkehr.




Alles nur geträumt!
Mit angezogenen Knien sitze ich auf meinem Kopfkissen. Die kleine Wandlampe wirft einen matten Fetzen Licht ins Zimmer. Das Bett neben mir ist wie immer leer. Seit Monaten hat es niemand mit mir geteilt, ich lebe allein.
Noch immer klopft mein Herz wild und ich suche nach innerer Ruhe. An Schlaf ist nicht mehr zu denken.

Draussen dämmert langsam der Morgen.




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Euch viel Spaß beim Lesen und mir konstruktive Kritik wünscht
die Kurze

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