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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Traumnacht
Eingestellt am 16. 04. 2011 17:10


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Verboholiker
Schriftsteller-Lehrling
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Traumnacht

Oft sitze ich auf der Veranda
Sehe die FledermÀuse am Himmel tanzen
Versuche die Nacht zu sehen

Der Tisch, der Stuhl
Das Holz lebt und knarrt
Die Kerze ist zur HĂ€lfte verbraucht
Nur ein zartes Licht ist dort
Das im Wind zuckt
Und der Markise Rest ĂŒber mir zeigt
Wenn ich nach oben sehe
Was ist

Ich gehe hinein, in mein Haus
Um zu schlafen
Manchmal schlafe ich
Jedoch draußen auf der Veranda
TrÀume kalte TrÀume
Sehe falsche Sterne
Nur Fetzen vor meinem Gesicht
Die Wunden reißen
Die bleiben und sind immer
Auch wenn ich gerade nicht bin

Manchmal sehe ich, dass die FĂ€den
Die einst gerissen
Worte auf meinen RĂŒcken zeichnen
Die ich nicht lesen kann

Manchmal schlafe ich im Garten
Ich liege im Gras, kĂŒhle meinen RĂŒcken
Im Tau, der mir unverstÀndlich scheint
Aber wohlige Befriedigung bringt

Am Abend sehe ich die FledermÀuse
An den Spitzen der BĂ€ume fliegen sie
Sehe den Mond am sĂŒdlichen Himmel
Der mir wie eine Kugel erscheint
Und die Schatten, die langsam kriechen

Ich gehe in mein Haus
Ich mag den Morgen
Ja, weil er- kommt










Version vom 16. 04. 2011 17:10

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revilo
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Nov 2008

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hallo ,
ein interessanter Text, der aber m.E. nicht als Lyrik einzuordnen ist.....eindeutig Prosa.......

manchmal schlafe ich
auf der veranda und
zÀhle falsche sterne

ich mag den morgen
weil er kommt

Lg revilo

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Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

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hallo verboholiker,

mir gefÀllt der text, auch in seiner lÀnge...

ich möchte mich einerseits revilo anschließen
und rufen:
aber das ist doch eher prosa.

aber, es ist eine bilderstrecke
sozusagen mit "deutlichen" Worten
( im wahrsten sinne des Wortes!)

Wenn ich es einordnen mĂŒsste, wĂŒrde ich sagen
es hat was von einem altersmilden bukowski
und von einem hemmingwaytext mit zeilenumbrĂŒchen.

Nichtdestotrotz ist die extreme verdichtung
von revilo gelungen
und
ja, ich mag den morgen,
weil er kommt

gruß ralf.

P.S.

aber warum soll das experimentelle lyrik sein?

__________________
RL

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Verboholiker
Schriftsteller-Lehrling
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Hallo,

danke fĂŒr die Kommentare. HĂ€tte nicht gedacht, dass mein Entlein jemand liest, weil sehr, sehr autobiographisch.

Warum Lyrik?
Nun, in erster Linie, weil ich persönlich es so sehe, trotz narrativer, prosaischer Elemente. Die Verse und Strophen sind auch in dieser Form nacheinander entstanden, ohne dass ich dabei im Sinn hatte, einen Text zu schreiben. Wenn ich jetzt die Versform aufheben wĂŒrde, ginge doch ziemlich viel an Wirkung verloren. Jeder Vers hat seine PrĂ€gnanz, die in einem Texte vielleicht unterginge.
Es ist also vielleicht allein die Ă€ußere Form, die mich denken lĂ€sst, dass es sich eher um Lyrik handelt. Eine "falsche" oder "richtige" Einordnung gibt es doch nicht; es gibt sicher unendlich viele Beispiele in der Lyrik. Wenn Ihr das anders seht, respektiere ich das natĂŒrlich.

Warum "experimentell"?
Oh, wieder eine persönliche Entscheidung von mir. In der Tat, weil ich es so empfinde. So ziemlich alles, was ich geschrieben habe, sehe ich eher als experimentell an. Vielleicht auch gerade wegen der EinwÀnde, dass es sich doch eher um Prosa handelt.

Danke! Gruß, M.

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Pola Lilith
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Ein schöner Text

(noch ohne "Reh", aber mit "Riss")

anmutig geschrieben
(das erlaube ich mir, auch einem Mann zu sagen)

etwas Tendenz zum Klischee (Wunden, lonesome Cowboy, jmd. hat ganz gut hier zu Hemmingway assoziert)

Ansonsten wunderbar !

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AchterZwerg
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Verboholiker,
in letzter Zeit beschĂ€ftige ich mich intensiv mit (lyrischen) Stillleben (ich weiß nicht, wie das richtig heißt ), der Name dieser strengen Art ist dir als Germanist aber sicherlich gelĂ€ufig. In diese Kategorie ordne ich deinen Text ein, der mir streckenweise gut gefĂ€llt, aber m. E. öfter ÜberlĂ€ngen zeigt.
Ich stelle dir einmal eine gekĂŒrzte Version vor (als Stillleben gestaltet), die sich jeglicher Interpretation enthĂ€lt, alles dem Leser ĂŒberlĂ€sst, an deinen Worten aber möglichst wenig verĂ€ndert. Ich bin gespannt, was du dazu sagen wirst ...

quote:
Traumnacht

Der Tisch, der Stuhl
Das knarrende Holz
Die Kerze zur HĂ€lfte verbraucht
Nur ein zartes Licht ist dort
Das im Winde zuckt

Ich gehe hinein um zu schlafen
TrÀume kalte TrÀume
Sehe falsche Sterne

Manchmal schlafe ich im Garten

KĂŒhle meinen RĂŒcken
Sehe FledermÀusen zu
Und dem Mond am sĂŒdlichen Himmel
Den Schatten die langsam kriechen

Gehe zurĂŒck in mein Haus

Ich mag den Morgen
Weil er kommt
Das wĂ€re quasi eine komplette Entkernung, die auf den ersten Blick "unlyrisch" anmuten kann, aber sich aufgrund ihrer spezifischen Art doch experimentell gut ins Genre fĂŒgt.
GrĂŒĂŸle
der 8.



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Verboholiker
Schriftsteller-Lehrling
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Hallo, ihr Tanten,
Pola und Zwerg,

hier nun eine verspĂ€tete Antwort. Man kann es so machen, wie es der 8. Zwerg vorgeschlagen hat. Da wĂŒrde ich sogar noch weiter gehen, noch weitere Schnitte ansetzen, wenn ich denn damit leben könnte.
Die Frage ist: Will der Autor das? Im Gegensatz zu vielen anderen Sachen, die ich geschrieben habe, hat dieses einen besonderen Wert, da es stark autobiographisch ist und schon viele Jahre existiert.
Es ist ein spontanes Gedicht, das ich nach dem Tod meiner Mutter geschrieben habe. Nein, es ist nicht *kurz* danach entstanden, sondern in den Monaten danach, quasi im melancholischen Fahrwasser.

Zitat:

„Manchmal sehe ich, dass die FĂ€den
Die einst gerissen
Worte auf meinen RĂŒcken zeichnen
Die ich nicht lesen kann“

Da dachte ich spontan an Kafkas „Strafkolonie“, das ist ganz klar die Analogie. Aber das Thema ist in der Antike zu finden, ich komme nur nicht drauf. Eigentlich bedeutet das, um mal aus dem Dichter-NĂ€hkĂ€stchen zu plaudern, ganz konkret: Peinigung durch SelbstvorwĂŒrfe aufgrund vieler ungeklĂ€rter Fragen, die aber leider nicht mehr besprochen werden können, da der Mensch verstorben ist. Auch das „Urteil“ kann das Lyrich nicht in Erfahrung bringen, es zieht sich zurĂŒck, ohne Antwort.
Und es schafft sich auf seine Art eine gewisse Linderung:

Zitat:

„ Ich liege im Gras, kĂŒhle meinen RĂŒcken
Im Tau, der mir unverstÀndlich scheint
Aber wohlige Befriedigung bringt.“

Noch immer befindet sich das Lyrich in diesem „ungewissen“ Zustand, es empfindet Befriedigung im Gras liegend, Wunden werden
 nicht geheilt, aber soweit gekĂŒhlt, dass sie fast als (scheinbar) geheilt angesehen werden können. Beispiel: Man schlĂ€gt sich mit dem Hammer auf den Daumen, es schmerzt höllisch, tierisch viel Gewebe ist dabei zerstört worden, die Nerven liegen quasi blank und senden stĂ€ndig diesen Schmerzimpuls an das ZNS. Wenn man den Daumen nun in Eiswasser taucht
 verblasst dieser Schmerz. Wenn man nun ein guter SelbstbetrĂŒger ist, vergisst man, was man vorher hatte, aber auch was einen empfangen wird, wenn man den Dauen hinaus zöge.

Zitat:

„Am Abend sehe ich die FledermĂ€use
An den Spitzen der BĂ€ume fliegen sie
Sehe den Mond am sĂŒdlichen Himmel
Der mir wie eine Kugel erscheint
Und die Schatten, die langsam kriechen“
Der „Abend, die „FledermĂ€use“, ein GefĂŒhl von „Endzeit“ kommt auf. Die FledermĂ€use habe ich, muss ich zugeben, in vielen NĂ€chten am Bonner Rheinufer beobachtet, nicht nur alleine, sondern auch mit Freunden, Musik, Gesang etc., also ist dieses GefĂŒhl nicht negativ besetzt.
„Der Mond, der wie eine Kugel erscheint“ ist etwas schwieriger zu erklĂ€ren, wenn ich es denn ĂŒberhaupt schaffe. Kurzum ist es eine Art Kopernikanische Wende, vor allem die RĂ€umlichkeit des Mondes zu sehen, fĂŒr das Lyrich, versteht sich. Es ist sich letztlich bewusst, dass, wie soll ich es ausdrĂŒcken, „die Welt dreidimensional ist“, dass es mehr gibt, nach dem man streben kann, auch wenn man glaubt, alles verloren zu haben. Das ist ein kleiner Höhepunkt, bevor „die Schatten, die langsam kriechen“ es verschlucken, aber ja auch nicht ohne Hoffnung, wie es ausgedrĂŒckt wird.

„ Ich mag den Morgen
Ja, weil er- kommt“

Das kurze Stocken durch den Gedankenstrich vor dem letzten Wort hat im Prinzip die Funktion, eben kein „Happy Ending“ zu evozieren, sondern den nachdenklichen Ton des gesamten Gedichtes zu unterstreichen. Das Lyrich sagt einerseits, dass es den Morgen gerne empfangen wĂŒrde, ist sich aber dabei nicht hundertprozentig sicher. Es- zweifelt.
Okay, nun genug der Lyrik-Analyse. Falls Ihr gerne schnibbeln wollt, habe ich kein Problem damit. Wie gesagt: Die Version des 8. Zwerges (=meines Lieblingszwerges) hĂ€tte man natĂŒrlich auch gelten lassen können.

Gruß,

Sir M. Verboholiker

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