Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92225
Momentan online:
395 Gäste und 16 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Krimis und Thriller
Traumquote
Eingestellt am 04. 06. 2001 19:22


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Suhei
Hobbydichter
Registriert: May 2001

Werke: 3
Kommentare: 2
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Traumquote
Strunz verglich die Liste zum dritten Mal. Nein, er konnte noch so oft z├Ąhlen, er kam immer nur auf 49. Neunzehn Mitarbeiter gingen in den Vorruhestand, f├╝nf hatten sich ihre K├╝ndigung vergolden lassen, zehn wechselten innerhalb des Verlages, einer ging hauptberuflich in den Betriebsrat, zw├Âlf waren ohne Abfindung in ein anderes Unternehmen gegangen und zwei von ihnen hatte der Unfalltod dahingerafft.
Zweifellos war es nur eine Frage der Zeit, bis das jetzige Arbeitspensum f├╝r eine weitere nat├╝rliche Auslese sorgen w├╝rde. Aber Zeit war genau das, was Strunz nicht mehr hatte. In drei Tagen sollte das Projekt abgeschlossen sein und die Quote, die er erf├╝llen musste, war 50. Daf├╝r winkte ihm die Partnerschaft bei Kaiser Consultings, einer der f├╝hrenden Unternehmensberatungen. 49 w├╝rde ihn dagegen zum Gesp├Âtt der Firma machen. Ganz zu schweigen von seiner Frau Lavinia. "Na, hast Du mal wieder kurz vor dem Ziel schlapp gemacht?".

Drei Monate hatte er in der Redaktion als Berater verbracht. Drei Monate, in denen er es nicht geschafft hatte, Krambach loszuwerden.
Krambach verbrachte seine Zeit im Verlag seit zwanzig Jahren damit, Kreuzwortr├Ątsel zu l├Âsen und die Tourneen seines Gesangsvereins zu organisieren. Offiziell war er Leitender Redakteur f├╝r besondere Aufgaben, mit f├╝nfstelligem Monatsgehalt, Dienstwagen und eigener Sekret├Ąrin. Die zumindest hatte sich sofort auf das Vorruhestandsangebot von Strunz eingelassen und arbeitete jetzt in einer mallorquinischen T├Âpferwerkstatt an ihrer Selbstverwirklichung.

Aber Krambach blieb stur. Nat├╝rlich gab es innerhalb des Verlages keine ad├Ąquate Alternative f├╝r ihn. Und selbstverst├Ąndlich kam auch der Vorruhestand nicht infrage. Sollte er auf Geld verzichten und seine organisatorischen Pflichten auf eigene Kosten von zuhause aus erledigen? Die Abfindung, die Krambach forderte, war so astronomisch, dass es f├╝r den Verlag g├╝nstiger w├Ąre, ihm sein B├╝ro auch noch weit ├╝ber das Rentenalter hinaus zur Verf├╝gung zu stellen. Eine Einigung war ausgeschlossen. Krambach hatte mit einer ver├Ąchtlichen Miene, die ihn stark an Lavinia erinnerte, gesagt: "Sie werden mich nie los, Strunz. Das gibt Minuspunkte..."

Strunz schrie auf. Er hatte das Glas in seiner Hand zerdr├╝ckt. Blut tropfte auf seine Liste. Krambachs Name f├Ąrbte sich rot.

Vier Tage sp├Ąter ging Strunz beschwingten Schritts zu Kaiser Consultings. Der Verlagsleiter hatte M├╝he gehabt, seine Freude ├╝ber das pl├Âtzliche Dahinscheiden von Krambach zu verbergen und Strunz unverholen zu seiner erfolgreichen Arbeit gratuliert. Kaiser w├╝rde ihn begl├╝ckw├╝nschen, den Arm um seine Schultern legen und ihn in sein neues B├╝ro f├╝hren. Strunz schenkte Frau von Treptow, Kaisers Vorzimmerdame, sein strahlendstes L├Ącheln. Sie winkte ihn durch - wie immer ohne eine Miene zu verziehen. Kaiser stand mitten in seinem Refugium und streckte ihm die Hand entgegen:

"Herzlichen Gl├╝ckwunsch, Strunz. Sie haben hervorragende Arbeit geleistet. Darum werden Sie sich im Zuge der bei uns anstehenden Ver├Ąnderungen auch nicht durch eine Partnerschaft an uns gebunden f├╝hlen m├╝ssen, sondern k├Ânnen sich endlich Ihren Traum von der Selbst├Ąndigkeit erf├╝llen."

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Krimis und Thriller Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!