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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Traumsequenzen (1 bis x)
Eingestellt am 21. 08. 2008 12:51


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Franka
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Traumsequenzen

1.

In der Badewanne liegend, den Kopf von einem weichen Nackenkissen gestützt, auf der Ablage eine Flasche Rotwein, so döse ich vor mich hin. Nach dem zweiten Glas merke ich, dass das Wasser nicht mehr warm genug ist, es höchstens noch Körpertemperatur hat, und so öffne ich die Augen, um den Warmwasserhahn zu finden und sehe.
Rot!
Rot wie...
Ich bade in Blut!
Die Wanne füllt sich, langsam nur, fast tröpfchenweise, eben langsam, aber sie füllt sich.
Meine Hände auf dem Rand heben sich in der Farbe nicht mehr von der Wanne ab. Weiß wie...
Mir wird schwindelig. Die Wanne schwankt. Oder ich?
Ich muss etwas tun. Die Wunde. Wo ist sie? Da muss es doch eine geben, denn es ist mein Blut, das ist mir jetzt klar. Wo ist diese verdammte Wunde? Ich muss sie verschließen.
Doch da ist keine. Auch kein Schmerz. Nur Müdigkeit.
Du darfst jetzt nicht schlafen, denke ich.
Schlafen. Ich war so oft schlaflos. Ich will schlafen.
Nein, nein! Schlaf bedeutet hier Tod.
Das Blut muss zurück. Vielleicht sollte ich es trinken. Ich weiß, es schmeckt süß. Ich kenne das, von früher, als es hin und wieder aus meinen Armen floss. Aber, es ist so viel. Und noch immer keine Wunde zu sehen. Ich muss doch wissen, wo mich mein Blut verlässt, muss die schadhafte Stelle verschließen.
Ruhig bleiben. Bloß ruhig bleiben. Nachdenken. Ich brauche einen Arzt. Eine Transfusion. Das Blut muss zurück. Ich bin so müde.
Ich muss zum Telefon.
Ich bin so schwach.
Der Pegel fällt. Und fällt.
Jetzt nur nicht hysterisch werden. Noch ist genug da. Genug, um darin zu ertrinken, denke ich und ertrinke.

__________________
Man probiert. Vielleicht klappt es. Wenn nicht, dann probiert man was Neues. (frei nach Antje Joel)

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Franka
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2

da gibt es einen Garten
darin ein Haus mit
Spinnengittern vor den Fenstern

dahinter eine Frau
im dunklen Kleid
der Zopf schon weiß

in ihr ein Kind
längst zu alt
noch geboren zu werden

und ich fertige unsere Kreuze



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Hakan Tezkan
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hi franka, der einstieg in deine neue tagebuch-reihe war so lala, für mich. hat mich weder sprachlich, noch von der metaphorik überzeugt. naja. aber das gedicht hat was, das ist toll.
ich würde es nur ein wenig ändern. hier mein vorschlag:

quote:
2

da gibt es einen Garten
darin ein Haus undmit
Spinnengittern vor den Fenstern

dahinter eine Frau
in einem dunklen Kleid
der langekürzer und "lange" harmoniert nicht mit dem "längst" nachher Zopf schon weiß

in ihr ein Kind
schon"schon" kommt 'schon' in strophe zwei zum ende hin vor. unschön längst zu alt
um noch geboren zu werden

und ich fertige unsere Kreuze



was denkst du? ansonsten: hoffentlich wird diese reihe genau so gut wie die letzte!

lg,
hakan

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Franka
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Lieber Hakan,

danke erst einmal für deine guten Anregungen, das Gedicht ist jetzt überarbeitet. Ich wollte es nicht als Einstieg für diese neue Reihe nehmen, da ich die Absicht habe, es herausgelöst im "Ungereimten" einzustellen.
An dem Einstiegstext habe ich lange gearbeitet, aber er ist auch für mich noch nicht so richtig gelungen, aber er musste raus, der Traum ist schon eine Weile her, und ich vergesse sonst die Einzelheiten.
Ich hoffe auch, dass diese neue Reihe gut wird, aber auch in "schlaflos" gab es schwache Teile, das tröstet mich jetzt ein wenig.

Lieben Gruß
Franka
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Franka
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3

Mit den Worten: „Du trägst die Verantwortung.“, gibt mir meine Mutter die Blechkanne in die linke und Geld in die rechte Hand. Leider hat sie vergessen mir zu sagen, was Verantwortung bedeutet. Nun gut, muss ich es eben alleine herausfinden.

Am Ende unserer Straße gibt es einen „Tante Emma“ Laden, der eigentlich „Frieda“ Laden heißen sollte. Frieda ist eine dicke, gemütliche alter Frau, die mich nie aus den Laden lässt, ohne mir nicht vorher einen Bonbon in den Mund geschoben zu haben. Als ich ihr Geschäft betrete, schaut sie bedeutungsschwer auf mich herunter, und ich wachse ein wenig in den Boden.
„So, so, du trägst also die Verantwortung!“
Sie nimmt mir das Geld ab, füllt die Kanne und schiebt mich rückwärts aus der Tür. Ohne eine Süßigkeit.

Als ich mich umdrehe ist die Straße voller Menschen.
„Du trägt die Verantwortung.“, dringt leise an mein Ohr und es öffnet sich mir eine Gasse.

Was als ein Wispern und Flüstern begann, wird schnell zu einem Rufen und Schreien. Ich möchte mir die Ohren zu halten, aber ich trage ja die Kanne.
„Du trägst die Verantwortung.“, kommt von links, von rechts, von vorn und von hinten.

Ich will fragen, was Verantwortung ist, und welche ich trage, aber die Stimmen schlagen auf mich ein, und ich werde kleiner und kleiner, bis plötzlich mein Bruder vor mir steht, hämisch auf mich herab schaut und mir dann genüsslich ein Bein stellt, wodurch die Kanne meinen Händen entgleitet und die Milch sich auf die Straße ergießt. Er lacht und sagt: „Es steht dir nicht zu, die Verantwortung zu tragen. Ich bin älter und fast schon ein Mann. Du bist nur ein Mädchen und das hier ist der Beweis, dass Mädchen nicht in der Lage sind Verantwortung zu tragen.
Ich wachse noch tiefer in die Erde, und dann hebt er sein Bein...


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4


Still soll ich sein, sagt meine Mutter, sie nicht stören, sagt meine Mutter, am Besten verschwinden.
Und ich stehe da, die Hände auf dem Mund, stehe, ganz still.

Meine Mutter schaut einen Liebesfilm. Sie weint. Sie lacht.

Ich habe Hunger, sage ich. Dann tue etwas dagegen, sagt meine Mutter. Ich weiß doch nicht wie, sage ich. Du bist auch zu gar nichts zu gebrauchen, sagt meine Mutter. Bist selber schuld, wenn du Hunger hast.

Meine Mutter schaut einen Liebesfilm. Sie lacht. Sie weint. Holt sich ein neues Päckchen Papiertaschentücher.

Bevor sie sich wieder setzt, schaut sie mich an. Verwundert, dass ich noch da bin. Unter ihrem Blick werde ich kleiner und kleiner.

Ich warte, bis der Film zu Ende ist und sage: Warum hast du mich nicht abgetrieben?
Und dann gab ich ihr eine neue Chance dafür.

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