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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Trennung
Eingestellt am 08. 10. 2003 14:38


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deni
???
Registriert: Jul 2003

Werke: 22
Kommentare: 15
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Hoffnung

Es klingelt an der TĂŒr. Ich öffne dem Babysitter und gehe zurĂŒck ins Bad. Ich rasiere meine Beine, lege Make-up auf. Das Kleid hĂ€ngt an einem BĂŒgel. Es war viel zu teuer. Ich habe es trotzdem gekauft. Er wird bald nach Hause kommen. Es ist das erste Mal seit Monaten, dass wir zusammen ausgehen. Ich gebe meinen Kindern einen Gutenachtkuss. Lese ihnen noch ein wenig vor und denke dabei an den bevorstehenden Abend. Wir werden reden, werden alles klĂ€ren. Es wird sein wie frĂŒher. Ich weiß, dass er mich liebt. Wir sind eine Familie.

Betrug

Wir betreten das Restaurant und setzen uns an einen der Tische. Sie trĂ€gt ein neues Kleid. Sie lĂ€chelt mir zu. Ich senke den Blick. Warum muss sie so fröhlich sein? Warum von unserer Zukunft sprechen? Ich unterbreche sie. Ich sage es ihr und zerstöre ihr LĂ€cheln. Ihre Augen, ihre schönen Augen sehen mich an. Ich lese die unausgesprochene Frage darin. Weil ich sie liebe, deswegen. Wir wollen zusammen sein. Wir wollen heiraten. Sie glaubt mir nicht. Sie will mir nicht glauben. Was ist mit unseren Kindern, unserer Familie? Ich antworte nicht. Sie redet auf mich ein. Sie nennt sie „diese Frau“ und sie sagt es verĂ€chtlich, voller Abscheu. Als wĂŒrde sie nicht von einem Menschen reden, sondern von Schmutz. Ekelerregender, schleimiger, abstoßender Schmutz.
Ich stehe auf und gehe.

Versuch

Ich wĂ€hle seine Nummer. Ich höre seine Stimme und versuche ein LĂ€cheln. Eine verzerrte Grimasse, sonst nichts. Seine Stimme klingt so kalt. Ich bleibe ruhig, bitte ihn um ein GesprĂ€ch. Er will nicht. Er sagt, es gibt nichts mehr zu besprechen. Er wird nicht wieder nach Hause kommen. Nur um die Kinder zu sehen und seine Sachen zu holen. Wir mĂŒssen reden. Ich merke, wie flehend meine Stimme klingt. Ich bettle. Wie erbĂ€rmlich, denke ich, aber ich höre nicht auf. Ich beschwöre ihn. Nur eine Chance. Es kann nicht alles vorbei sein. Er sagt nichts. Er sagt noch nicht einmal „nein“. Ich spĂŒre die TrĂ€nen. Salzige Spuren auf meinem Gesicht. Die Wimperntusche hinterlĂ€sst schwarze Streifen. Wie Kriegsbemalung. Es herrscht Stille. Ich höre ihn atmen. Es tut mir leid, sagt er. Dann legt er auf.

Schmerz

Lachend und nach mir rufend laufen sie mir entgegen. Ich nehme meine Kinder in die Arme. Sie sind noch so klein. Ich will sie nicht mehr loslassen. Ich hatte nicht geglaubt, dass es so schwer sein wĂŒrde. Sie steht im TĂŒrrahmen und beobachtet uns. Meine Kinder befreien sich aus der Umarmung und vertiefen sich wieder in ihr Spiel. Ich gehe auf sie zu. Sie sagt nichts. Wir sagen beide nichts. Ich gehe ins Haus und packe meine restlichen Sachen. Ich trage sie hinaus, verstaue sie im Auto. Die ganze Zeit steht sie da, die Arme vor sich verschrĂ€nkt und beobachtet mich. Ihr Gesicht ist ausdruckslos. Ich kann nicht erraten, was sie denkt. Ich verabschiede mich von meinen Kindern. Nur drei Tage und wir sehen uns wieder. Es ist kein Trost.

Leere

Ich sitze auf meinem Bett. Ich starre auf den offenen Kleiderschrank vor mir. Ein Teil des Schrankes ist leer. Seine HĂ€lfte. Auf der anderen Seite hĂ€ngen meine Kleider, dicht zusammengedrĂ€ngt. Ich stehe auf und schließe die SchranktĂŒr. Wandere durch das ganze Haus. Konzentriere mich auf die GegenstĂ€nde die fehlen. Eine Inventur verlorener Dinge. Verlorener Erinnerungen. Verlorener TrĂ€ume. Die TĂŒr zum Kinderzimmer ist offen. Ich gehe leise hinein. Sie schlafen beide. Ich setze mich auf den Boden und sehe ihnen zu. Wache ĂŒber ihren Schlaf, zeichne mit meinen Augen die Linien ihrer Gesichtchen nach, lausche ihrem Atem. Ich stelle mir ihre TrĂ€ume vor und trĂ€ume sie mit. Wir trĂ€umen gemeinsam. Sie schlafend, ich wachend.
Bis das erste Morgenlicht die Dunkelheit vertreibt.





__________________
Mein Bild ist fast fertig; ich muss nur noch kurz in den Laden gehen und neue Wörter kaufen.

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velthurvik
BlĂŒmchendichter
Registriert: Sep 2002

Werke: 1
Kommentare: 6
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Nach der Leere wĂŒrde ich mir wĂŒnschen das da noch was kommt. Wirkt ein wenig unvollstĂ€ndig. Meist geht es im Leben immer irgendwo weiter. Das Weiter beginnt oft mit einer Kleinigkeit.

Velthurvik

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Lotte Werther
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Deni,

Deine Geschichte ist gut. Mir gefĂ€llt der Wechsel von ihren zu seinen Gedanken und deine Sprache ist trotz der schmerzbeladenen Thematik nicht ĂŒberladen oder triefend.

Hallo Velthurvik,

Warum muß alles immer vollstĂ€ndig sein? Und bis ins Letzte aufgeklĂ€rt?
Das Weiter beginnt im letzten Satz der Geschichte.

Das erste Morgenlicht vertreibt die Dunkelheit - das ist der Wegweiser.

Lotte Werther

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