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Leselupe.de > Kurzprosa
Treptower Park
Eingestellt am 02. 11. 2011 10:21


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maik-maier
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Nov 2006

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Kommentare: 2
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hallo zusammen,
hier mal ein kĂŒrzer text von mir. ohne große spannungskurve, ich wollte vor allem die stimmung einfangen. mit dem denkmal ist das sowjetische ehrenmal gemeint.

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der maik


Treptower Park

Steigt man aus der Ringbahn, sieht man Reklameleuchten und den unaufhörlichen Strom der Fahrzeuge und FußgĂ€nger. Geht man den kurzen Weg bis zum Spreeufer, kommt man vorbei an Ausflugsbooten, Buden und leeren Karussellen. Man hört bald eine Straße die im Takt der Ampel aufbraust und schweigt. Dahinter öffnet sich ein Tor.
Georg ging hindurch und stieg ĂŒber die kleinen PfĂŒtzen auf dem Pflaster hinweg. Der Regen hatte fast aufgehört. Klamm guckte ihn aus einem tropfenden Baum heraus ein Eichhörnchen an und ĂŒber den feuchten Park schoben sich tief und dunkel die Wolken. Erst lief Georg den Weg an einem Zaun entlang. Dabei dachte er an das Wetter und ob er seinen feuchten Schirm wohl noch einmal ausklappen mĂŒsste. Dann hatte er die Allee aus niedrig geschnittenen, weißen Birken erreicht, die den Blick zu einem monumentalen Portal lenkte. Da stehen sich zwei wehende Fahnen gegenĂŒber, dachte Georg. Vor ihm in der feuchten Luft ragten zwei mit rotem Marmor verkleidete FlĂ€chen auf, zwischen denen, klein, zwei Bronzefiguren von Soldaten knieten. Kurz sah er dort die bunte Spitze eines Regenschirms. Doch sie verschwand gleich darauf hinter dem Marmor. Die Gesichter der Soldaten blickten erschöpft nach unten. SpĂ€ter stand Georg vor einem der beiden davor und blickte zu der ĂŒberlebensgroßen Figur auf.
Doch waren die Fahnen nur der Anfang, dachte Georg, eine EinfĂŒhrung fĂŒr das eigentliche Monument. RasenflĂ€chen, Blumenbeete, Reihen von Platanen und dazwischen, massiv und eckig, Sarkophage aus Stein, die eingravierte Reliefe und Texte zeigten. Alles lief gerade auf einen gewaltigen Kegelberg hin. Rundherum war er mit Rasen begrĂŒnt und trug die zwanzig Meter hohe Bronze eines Soldaten. „Des Soldaten“, wie es in ErklĂ€rungstafeln am Rande der Anlage hieß. Seine Arme hielten schĂŒtzend ein Kind. Ein langer Mantel aus Bronze umhĂŒllte die Beiden, der Regen fiel darauf in feinen Tropfen.
Von seinem Platz zwischen den Fahnen konnte Georg die weite der Anlage ĂŒberblicken. Er tastete nach seinem Schirm, behielt ihn dann jedoch zusammengeschoben in der Hand. Eine Weile brauchte er, um zu erkennen, dass zwischen den Sarkophagen und Buchsbaumreihen sich auch einige Menschen bewegten. Er dachte an den Markt seines Heimatortes, den er von einem Schulzimmer aus oft so leer gesehen hatte, wenn der Herbstregen ĂŒber das Pflaster fuhr.
Ein Klatschen ließ Georg herum fahren. Dann hörte er ein kurzes Lachen. Hinter ihm waren unbemerkt Eltern mit ihrem Kind heran gekommen. Das Kind war in eine PfĂŒtze gesprungen. Die Vater hatte gelacht, bevor die Mutter: „komm her!“ rief. Georg ließ die drei an sich vorbei ziehen. Er dachte dabei an seine Exfreundin. Als die Drei vor ihm dann zu einer der Seitentreppen einbogen, ging er weiter.
Aus den Beeten roch die aufsteigende Feuchtigkeit schwer und sĂŒĂŸlich. Er lief zu einem der Sarkophage, dessen Relief ihm fast antik erschien. Es zeigte Menschen in unterschiedlichen Posen, wie sie ein Gewehr nach oben rissen, wie sie auf einen Panzer schossen, wie sie sich trauernd die HĂ€nde vors Gesicht pressten. Dabei hatten einige der Bilder eine eigenartige PlastizitĂ€t. Der Panzer schien gerade auf ihn zu zufahren. Georg ging zum nĂ€chsten Relief und besah sich auch darauf die Menschen. Er dachte an ein Bild, dass er auf den ErklĂ€rungstafeln beim Eingang gesehen hatte. Vor einem Sarkophag hatte darauf ein junges MĂ€dchen mit ernstem Blick eine Fahne in den HĂ€nden getragen.
Nach mehreren Reliefen begannen Georg die Bilder dann zu ermĂŒden. Er dachte an die Stunden, die er heute schon gearbeitet hatte und gĂ€hnte vor einem kyrillischen Text von „J S“. Etwas Hartes traf ihn an den Kopf. Er drehte sich um. In einigen Schritten Entfernung stand eine Ă€ltliche Dame, die mit ernstem Blick einen Schirm in der Hand trug.
Sie blickten sich an. Ein Tropfen rann ĂŒber den Ärmel der Jacke hinweg und an seinem Arm herunter. Dann schlug Holz auf dem Pflaster neben ihm auf. Georg blickte nach oben und die Platanenzweige erzitterten mit einem morschen Knacken. Ein rötlicher Schatten blinkte zwischen BlĂ€ttern hervor und feuchte RindenkrĂŒmel fielen auf sein Gesicht.
Als er dann die Treppen des großen Kegels hinauf stieg, hatte es wieder stĂ€rker zu regnen begonnen. Über seinen Kopf hielt er den Schirm. Aber Windböen drĂŒckten die Feuchtigkeit von allen Seiten gegen Georgs Gesicht und die Stiefel des Soldaten ĂŒber ihm. Oben blickte er auf die Anlage hinab, die er gerade durchquert hatte. Nun entdeckte er keinen der anderen Schirme mehr. Die Reliefe und Rabatten verschwanden unter einem feuchten Schleier. Eilig ging Georg dann den Weg zurĂŒck. Er schritt ĂŒber die grĂ¶ĂŸer werdenden PfĂŒtzen des Pflasters und dachte an EinkĂ€ufe, die heute noch erledigen mĂŒsste. Als er die Treppen zu den knienden Soldaten hinauf stieg, begegnete er noch einem jungen Ehepaar, das Arm in Arm eine Kamera und einen großen Schirm trug. Platsch, sprang ihr Kind hinter den Beiden in eine PfĂŒtze. „Dawaj!“, rief die Mutter ĂŒber die Schulter des Mannes.


Juli 2011

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wirena
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Registriert: Sep 2009

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Hallo maik-maier

- mensch meier :-)- ....ich habe Deine sehr schöne Beschreibung mehr als nur gerne gelesen – verging mir beinahe auf der Zunge...
...nur zweimaldreimal kam ich ins Stocken –habe diese Stellen rot markiert.

Lieben Dank und lg wirena


Zitat:
"Treptower Park

Steigt man aus der Ringbahn, sieht man Reklameleuchten und den unaufhörlichen Strom der Fahrzeuge und FußgĂ€nger. Geht man den kurzen Weg bis zum Spreeufer, kommt man vorbei an Ausflugsbooten, Buden und leeren Karussellen. Man hört bald eine Straße die im Takt der Ampel aufbraust und schweigt. Dahinter öffnet sich ein Tor.
Georg ging hindurch und stieg ĂŒber die kleinen PfĂŒtzen auf dem Pflaster hinweg. Der Regen hatte fast aufgehört. Klamm guckte ihn aus einem tropfenden Baum heraus ein Eichhörnchen an und ĂŒber den feuchten Park schoben sich tief und dunkel die Wolken. Erst lief Georg den Weg an einem Zaun entlang. Dabei dachte er an das Wetter und ob er seinen feuchten Schirm wohl noch einmal ausklappen mĂŒsste. Dann hatte er die Allee aus niedrig geschnittenen, weißen Birken erreicht, die den Blick zu einem monumentalen Portal lenkte. Da stehen sich zwei wehende Fahnen gegenĂŒber, dachte Georg. Vor ihm in der feuchten Luft ragten zwei mit rotem Marmor verkleidete FlĂ€chen auf, zwischen denen, klein, zwei Bronzefiguren von Soldaten knieten. Kurz sah er dort die bunte Spitze eines Regenschirms. Doch sie verschwand gleich darauf hinter dem Marmor. Die Gesichter der Soldaten blickten erschöpft nach unten. SpĂ€ter stand Georg vor einem der beiden davor und blickte zu der ĂŒberlebensgroßen Figur auf.
Doch waren die Fahnen nur der Anfang, dachte Georg, eine EinfĂŒhrung fĂŒr das eigentliche Monument. RasenflĂ€chen, Blumenbeete, Reihen von Platanen und dazwischen, massiv und eckig, Sarkophage aus Stein, die eingravierte Reliefe und Texte zeigten. Alles lief gerade auf einen gewaltigen Kegelberg hin. Rundherum war er mit Rasen begrĂŒnt und trug die zwanzig Meter hohe Bronze eines Soldaten. „Des Soldaten“, wie es in ErklĂ€rungstafeln am Rande der Anlage hieß. Seine Arme hielten schĂŒtzend ein Kind. Ein langer Mantel aus Bronze umhĂŒllte die Beiden, der Regen fiel darauf in feinen Tropfen.
Von seinem Platz zwischen den Fahnen konnte Georg die weite der Anlage ĂŒberblicken. Er tastete nach seinem Schirm, behielt ihn dann jedoch zusammengeschoben in der Hand. Eine Weile brauchte er, um zu erkennen, dass zwischen den Sarkophagen und Buchsbaumreihen sich auch einige Menschen bewegten. Er dachte an den Markt seines Heimatortes, den er von einem Schulzimmer aus oft so leer gesehen hatte, wenn der Herbstregen ĂŒber das Pflaster fuhr.
Ein Klatschen ließ Georg herum fahren. Dann hörte er ein kurzes Lachen. Hinter ihm waren unbemerkt Eltern mit ihrem Kind heran gekommen. Das Kind war in eine PfĂŒtze gesprungen. Die Vater hatte gelacht, bevor die Mutter: „komm her!“ rief. Georg ließ die drei an sich vorbei ziehen. Er dachte dabei an seine Exfreundin. Als die Drei vor ihm dann zu einer der Seitentreppen einbogen, ging er weiter.
Aus den Beeten roch die aufsteigende Feuchtigkeit schwer und sĂŒĂŸlich. Er lief zu einem der Sarkophage, dessen Relief ihm fast antik erschien. Es zeigte Menschen in unterschiedlichen Posen, wie sie ein Gewehr nach oben rissen, wie sie auf einen Panzer schossen, wie sie sich trauernd die HĂ€nde vors Gesicht pressten. Dabei hatten einige der Bilder eine eigenartige PlastizitĂ€t. Der Panzer schien gerade auf ihn zu zufahren. Georg ging zum nĂ€chsten Relief und besah sich auch darauf die Menschen. Er dachte an ein Bild, dass er auf den ErklĂ€rungstafeln beim Eingang gesehen hatte. Vor einem Sarkophag hatte darauf ein junges MĂ€dchen mit ernstem Blick eine Fahne in den HĂ€nden getragen.
Nach mehreren Reliefen begannen Georg die Bilder dann zu ermĂŒden. Er dachte an die Stunden, die er heute schon gearbeitet hatte und gĂ€hnte vor einem kyrillischen Text von „J S“. Etwas Hartes traf ihn an den Kopf. Er drehte sich um. In einigen Schritten Entfernung stand eine Ă€ltliche Dame, die mit ernstem Blick einen Schirm in der Hand trug.
Sie blickten sich an. Ein Tropfen rann ĂŒber den Ärmel der Jacke hinweg und an seinem Arm herunter. Dann schlug Holz auf dem Pflaster neben ihm auf. Georg blickte nach oben und die Platanenzweige erzitterten mit einem morschen Knacken. Ein rötlicher Schatten blinkte zwischen BlĂ€ttern hervor und feuchte RindenkrĂŒmel fielen auf sein Gesicht.
Als er dann die Treppen des großen Kegels hinauf stieg, hatte es wieder stĂ€rker zu regnen begonnen. Über seinen Kopf hielt er den Schirm. Aber Windböen drĂŒckten die Feuchtigkeit von allen Seiten gegen Georgs Gesicht und die Stiefel des Soldaten ĂŒber ihm. Oben blickte er auf die Anlage hinab, die er gerade durchquert hatte. Nun entdeckte er keinen der anderen Schirme mehr. Die Reliefe und Rabatten verschwanden unter einem feuchten Schleier. Eilig ging Georg dann den Weg zurĂŒck. Er schritt ĂŒber die grĂ¶ĂŸer werdenden PfĂŒtzen des Pflasters und dachte an EinkĂ€ufe, die heute noch erledigen mĂŒsste. Als er die Treppen zu den knienden Soldaten hinauf stieg, begegnete er noch einem jungen Ehepaar, das Arm in Arm eine Kamera und einen großen Schirm trug. Platsch, sprang ihr Kind hinter den Beiden in eine PfĂŒtze. „Dawaj!“, rief die Mutter ĂŒber die Schulter des Mannes.


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Das Innere oder Innerliche ist um so wirklicher, als ich es mir immer wieder erobern muss.
"Was ich selbst erlebt habe, ist nur dann wahr, wenn es als verwandelter Vorgang wiederkehrt. Hans Bender, geb. 01.07.1919

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