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Leselupe.de > Humor und Satire
Treudeutsch, frei und willig
Eingestellt am 18. 02. 2008 18:18


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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

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Gef├╝hrt werden will er. Nur so kann Michel sein, was er von Natur aus ist: treu und ergeben.
Einst galt es jedem Deutschen als lustvolle Pflicht, stolz auf den arischsten aller F├╝hrer zu sein, auf seine ├╝ber jeden Irrtum erhabene Vorsehung und seine uneingeschr├Ąnkte Entscheidungsfreiheit. Genau diese Volkspflicht drohte bei der Mehrzahl deutscher Volksk├Ârper allm├Ąhlich altmodisch zu werden.
Inzwischen sind zum Wohle des Volkes wieder wahre deutsche F├╝hrungspers├Ânlichkeiten gefragt. Kraftvoll setzen sie sich zwischen den Wahlen gegen eigene Wahlversprechen und die niederen Interessen des gemeinen und unwissenden Volkes durch.
Zu Recht bewundert Michel, Deutschlands einsichtiger Untertan, ihre Standfestigkeit und niemals k├Ânnte das kluge Hirn unter der w├Ąrmenden Zipfelm├╝tze den unmittelbaren Anschluss an besser wissende deutsche Vordenker verweigern.
So hat Michel den notwendigen Respekt vor Basta-Kanzlern, Durchhalteministern und starken Frauen in Regierungs├Ąmtern, vor jenen Felsen in der Brandung, die sich durch fast nichts und schon gar nicht durch volkseigne (und damit gottlos kommunistische) Bed├╝rfnisse umstimmen lassen? Volkseigentum ist out und daher zum Gl├╝ck auf dem notwendigen Weg, privatisiert zu werden.
Erfahrene und ├Ąu├čerst umsichtige F├╝hrer sind in Wirtschaft und Politik gefragt. Nur sie k├Ânnen das Gro├čunternehmen Deutschland nach den bew├Ąhrten Gepflogenheiten eines Wirtschaftsunternehmens regieren. Politik ist nun einmal vor allem Wirtschaftspolitik. Denn, wenn nicht aus der Wirtschaft, woher soll sonst das notwendige Geld kommen?
Ein seri├Âser Politiker geht mit gutem Beispiel voran. Er k├Ąme nicht einmal auf die Idee, als Konjunkturbremser aufzutreten. Und selbst nach der politischen Karriere wird er daher nicht als arbeitsloser und Altersversorgung beziehender Sozialfall die Volkswirtschaft belasten.
Alle Spitzenpolitiker bem├╝hen sich schon w├Ąhrend, aber sp├Ątestens nach ihrer politischen Karriere um einen reibungslosen ├ťbergang auf einen Arbeitsplatz in Gro├čunternehmenschefetagen. Dort k├Ânnen sie ihren bisher ├╝berwiegend uneigenn├╝tzigen Dienst an der Volkswirtschaft mit dem verdienten Eigennutz fortsetzen
Schlie├člich soll die Wirtschaft doch allen B├╝rgerinnen und B├╝rger n├╝tzen.
Dennoch treibt nicht etwa Vorteilsnahme den wahren Politprofi. Nein, die Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung des Vaterlandes ist sein vorrangiges Anliegen. Und der Aufschwung schwingt sich am besten ungehindert von Reibungsverlusten zu den stets notwendigen noch h├Âheren Wachstumsprozenten hinauf.
Jeder arbeitende Mitb├╝rger und selbstverst├Ąndlich auch jede arbeitende Mitb├╝rgerin sieht inzwischen ein: Unternehmen lassen sich nicht demokratisch f├╝hren. Einer muss das Sagen haben. Und selbst, wenn er das Falsche sagt, verdient er gerade daf├╝r eine millionenschwere Abfindung. Denn gerade Falsches durchzusetzen, erfordert die ├ťberzeugungskraft einer wahren F├╝hrungspers├Ânlichkeit. Wer die Konjunktur ankurbeln und Produkte verkaufen will, muss werben, selbst wenn seine Produkte weder ├╝berragend noch gefragt sind. Zuk├╝nftige Konsumenten gilt es zu ├╝berzeugen. Und das umso mehr, je geringer deren Bed├╝rfnis nach den Produkten ist.
Schon im Wahlkampf lernt der Politnachwuchs, Reformen anzupreisen, die vom Normalb├╝rger Opfer verlangen und schwer k├Ąmpfenden Gro├čunternehmen existenznotwendige Erleichterungen verschaffen, um ihre Gewinnen ungehindert zum Wohl der Volkswirtschaftler steigern zu k├Ânnen.
So ist zum Beispiel B├╝rokratieabbau und vor allem der Abbau von B├╝rokratenstellen in Bund, L├Ąndern und Kommunen mehr als angesagt. Denn erstens k├Ânnen B├╝rokraten mit ihren hoheitlichen Steuereinnahmeverlangen und mit ihrem manischen Kontrollansinnen gewinntr├Ąchtiges Gro├čunternehmer-Bem├╝hen behindern. Zweitens braucht die Wirtschaft ge├╝bte gewinnorientierte Arbeitsstellenabbauer. An ihren Ministerien und Verwaltungen k├Ânnen Politiker schon einmal Stellenk├╝rzungen ├╝ben, damit sie sp├Ąter in den Unternehmen beim Outsourcing nicht zu ├╝berfl├╝ssigen Skrupeln neigen.
Unter immer seltener werdenden Ausnahmebedingungen setzt sich gl├╝cklicher Weise der l├Ąstige W├Ąhlerwille kaum noch durch. Vern├╝nftige W├Ąhlerinnen und W├Ąhler wissen, dass sie starke Entscheider brauchen, die ihnen unverbl├╝mt zu sagen wagen, wo es wirtschaftlich lang zu gehen hat.
Die Demokratie, diese l├Ąngst absolut unzeitgem├Ą├če Staatsform, bedeutete, als man sie sich noch leisten konnte, Teilhabe und Teilnahme. Inzwischen haben weder B├╝rger noch B├╝rgermeister, weder (Minister-)Pr├Ąsidenten noch Kanzlerinnen ausreichend Zeit f├╝r derartigen Luxus. Regieren sollen sie und sich nicht vom Volk ablenken lassen.
Deutsch und einsichtig, wie die da unten sind, haben sie l├Ąngst begriffen, dass jene da oben machen k├Ânnen, was sie machen wollen. Langatmiges Ausdiskutieren in veralteten volksherrschaftlichen Organen fordern nur noch fossile basisdemokratische Politromantiker. Die hatten ihre besten Zeiten in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Noch heute leidet Deutschlands Elite an den Sp├Ątfolgen jener Revoluzzer.
Einsichtige B├╝rgerinnen und B├╝rger geh├Âren l├Ąngst der gr├Â├čten deutschen Partei an. Dennoch bem├╝hen sich Politprofis gegen besseres Wissen immer noch demokratisch zu denken und verurteilen daher die Nichtw├Ąhler als unpolitisch und abst├Ąndig. Doch weise, einsichtig und entgegen aller demokratischen Tugend verzichten die Nichtw├Ąhler auf ihr gutes Wahlrecht. Sie kennen ihre Pflicht auf Verzicht.

Sie ist bekanntlich Geld, unsere (moderne) Zeit. Alles, was nicht schnell entschieden und produziert wird, gibt auf dem freien Markt rasanter herstellenden und potenteren Konkurrenten die M├Âglichkeit, Produkte zu platzieren und volkswirtschaftlich notwendige Gewinne zu machen. Je mehr Gewinne in immer k├╝rzeren Zeitabschnitten eingefahren werden, desto erfolgreicher l├Ąuft der Wirtschaftsapparat. Hei├č laufen kann er sich nicht, denn unsere potenten Wirtschaftsbosse verf├╝gen ├╝ber gen├╝gend Schmiermittel. Geld, Rohstoffe, Waffen und Humankapital lassen den Apparat selbst auf H├Âchsttouren noch rund laufen.
Nur als Konsument k├Ânnte der deutsche Michel noch Einfluss auf die Wirtschaftspolitik aus├╝ben. Durch die freie Wahl des jeweiligen Anbieters w├Ąre er in der Lage, diesen zu wechseln und damit wirtschaftpolitisch Einfluss zu nehmen.
Doch welcher wirklich loyale deutsche Konsument lie├če sich zu solcher Untreue hinrei├čen?
Kundentreue ist die erste Konsumentenpflicht.
Selbstverleugnend unterdr├╝ckten in letzter Zeit manche Kunden ihr wahres deutsches Wesen und wechselten unter massiven Schuldgef├╝hlen zu einem billigeren Energieanbieter.
Der wahre Deutsche l├Ąsst sich eben von Politikern, Werbefachleuten, Wirtschaftsexperten und Wissenschaftlern, also von Leuten, die es nun einmal besser wissen, sogar wider sein Gewissen ├╝berzeugen. Er bem├╝ht sich Wohlbefinden im Wirtschaftskapitalismus selbst dann zu verwirklichen, wenn er dabei subjektiv nicht jenes Gl├╝ck empfindet, das ihm die Werbebranche vor allem mit nackten Tatsachen, mit sp├Ąrlich bekleideten jungen K├Ârpern und ├╝berzeugenden Bildern von Freiheit und Abenteuer garantiert. Sogar Geiz l├Ąsst der eher gro├čz├╝gige Deutsche sich als geil verkaufen.
Klaglos sieht andererseits der an sich bescheidene Deutsche ein, dass er nicht alles haben kann. Doch heroisch und unter Selbstverleugnung seines loyalen und weitherzigen sp├Ątgermanischen Wesens verteidigt er als Kunde seinen freien Markt und kommt damit seiner patriotischen Pflicht nach. Immerhin ist der freie europ├Ąische und damit auch deutsche Markt von Schurkenstaaten, fundamentalistischen Islamisten und ausgehungerten Afrikanern extrem bedroht.
Die Freiheit des Marktes lassen Deutsche als Nachfolger freiheitsliebender Germanen sich und ihren Gro├čunternehmern nicht nehmen.
In ihrem sozialen Gemeinwesen, dem auch ihre hart arbeitenden Gro├čunternehmer so lange angeh├Âren, bis sie wirklich nicht mehr k├Ânnen, herrscht Gemeinsinn. Und auch die deutsche Unternehmerpers├Ânlichkeit zeichnet sich durch absolute Loyalit├Ąt aus. Nur unter unertr├Ąglichen Qualen massiver Schuldgef├╝hle w├╝rde ein deutscher Gro├čunternehmer allenfalls aus Steuerersparnisgr├╝nden oder wegen gewinntr├Ąchtigerer Produktionsbedingungen mit seinem Werk die Heimat verlassen. Die Freiheit des Marktes verlangt eben von jedem Opfer.

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Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

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