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Leselupe.de > Humor und Satire
Troubadore, Barden und ihre Wirkung
Eingestellt am 06. 03. 2002 05:02


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mrjingle
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2002

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Troubadore, Barden und ihre Wirkung auf das weibliche Geschlecht

Eine Situation, die jeder von uns schon mal erlebt hat: Wir sind im Urlaub. Im Grunde ist es egal wo wir uns befinden. Ob in einer verschneiten SkihĂŒtte in den Bergen, ob im Sommer an einem einsamen Strand oder beim Camping, es bleibt sich gleich. Die Situation entwickelt sich unabhĂ€ngig vom Ort und die Vorraussetzungen sind immer die gleichen.
Es ist eine grĂ¶ĂŸere gemischte Gruppe und der Abend ist schon weiter fortgeschritten. Soweit fortgeschritten, daß der unscheinbare Ottonormalmann genug geistige GetrĂ€nke genossen hat, um bereit zu sein, all seinen Mut zusammenzunehmen. Das Ziel ist es nun, mit der dunkelhaarigen Schönheit auf der anderen Seite des Lagerfeuers/Kamins ins GesprĂ€ch zu kommen. Der dafĂŒr erforderliche, witzige und intelligente Spruch ist natĂŒrlich lĂ€ngst in unserem Kopf. Jetzt wollen wir nur noch starten und unsere Angebetete mit den weiteren PlĂ€nen des Abends vertraut machen. Unsere PlĂ€ne wohlgemerkt, nicht die von allen, sondern nur wir zwei, holde Schöne.
Doch haben wir diesen Punkt des Abends endlich erreicht, nimmt das Schicksal unweigerlich seinen Lauf.
Einer dieser unausstehlich dem Schönheitsideal entsprechenden Typen, der uns schon den ganzen Abend durch sein riesiges Ego genervt hat, erinnert sich just diesen Moment daran ja seine „Klampfe“ mitgebracht zu haben. Von wegen Stimmung und so. Man könnte meinen, solche Typen, die aussehen als ob sie gerade einem Katalog von einem Modehaus entsprungen sind, haben eine Art Radar im Kopf. Sie scheinen es regelrecht zu wittern, sollte einer der anderen MĂ€nner seinen Mut zusammenzunehmen und sich einer der Angehörigen des schönen Geschlechts nĂ€hern zu wollen. Um diese BemĂŒhungen gleich im Keim zu ersticken, greifen sie zu eben jenem hinterhĂ€ltigen Mittel. Anstatt sich nur auf ihr Aussehen zu verlasssen, bringen sie noch eine Gitarre ins Spiel um uns mit der geballten Kraft des Klischees „Lagerfeuerromantik“ auf unsere PlĂ€tze zu verweisen.
Die Frauen, eingeschlossen unser Objekt der Begierde, die Frau die unsere Kinder gebĂ€ren soll, bekommen glĂ€nzende Augen. Wir selbst sehen unsere nĂ€chsten, so sorgfĂ€ltig geplanten Schritte von vornherein zum Scheitern verurteilt. Aber wir machen gute Miene zum bösen Spiel. Wir lassen uns nichts anmerken und stimmen mit ein in die bekannten Melodien, die wir schon aus unserem ersten Urlaub her kennen und hassen gelernt haben. Doch tief in unserem Herzen hassen wir diesen Typen. Und haben wir nicht auch jedes Recht dazu? Als ob wir nicht sowieso schon jeder Chance bei Frauen hinterherhecheln mĂŒssten. Nein, jetzt kommt dieser dahergelaufene Schnösel auch noch mit diesem abgenudelten Trick daher. Wie hinterhĂ€ltig! Wer ist das ĂŒberhaupt? Wo kommt der her und wer hat ihn eingeladen? FĂŒr wen hĂ€lt der sich, Bob Marley?
Noch nicht einmal spielen kann der. Völlig disharmonische Akkorde, anscheinend direkt aus der Hölle stammend, frĂ€sen sich den Weg in unseren Kopf. Sie toben sich dort richtig aus, um nur ja nichts zurĂŒckzulassen als eine grauenvolle Leere.
Genau das ist es! Dieser Mann kann einfach nicht menschlich sein. Er ist ein RachedĂ€mon, auf die Erde gekommen um uns in jeder nur erdenklichen Art zu quĂ€len. Wie teuflisch er grinst wĂ€hrend er uns mit seinen satanischen KlĂ€ngen foltert. Ja grinz du nur, wir haben dich erkannt, Satanas! Wir können hinter deine Maske sehen. Sind auf seiner Stirn nicht zwei kleine Huckel zu sehen? Das mĂŒssen seine Hörner sein, ganz eindeutig. Man kann jetzt die eigentliche Form seines SchĂ€dels erkennen. Eingefallen, wie ein TotenschĂ€del, passend zu seinem hĂ€mischen Grinsen. Die Maske des Katalogmodels zerfĂ€llt vor unseren Augen.
Noch glaubt er sich unentdeckt, nicht wissend, daß ein Sterblicher hinter sein Geheimnis gekommen ist. Riecht es hier nicht nach Schwefel?
Wir werden diesem hĂ€ĂŸlichen, mickrigen DĂ€mon die Maske vom Gesicht reißen. Jeder wird sein wahres Gesicht sehen. Aufschreie des Ekels werden zu hören sein. Und dann, wie in guten alten Zeiten, wird es wieder ein Inquisitionsgericht geben. Eine ausgelassene und vergnĂŒgte Folterparty. Als Höhepunkt dann die zeremonielle Verbrennung. Ob Lagerfeuer oder Kamin, heute muß keiner mehr Holz holen.
Heidewtitzka! Das wird ein Spaß! Man kann schon die wohlige WĂ€rme spĂŒren wenn er brĂ€t. Haha! Das wird ihn lehren uns zu quĂ€len. Und am Ende sind wir der Held. Mit allem drum und dran. Der Verehrung der Huldigung und so weiter.
„Was dagegen wenn ich mich zu dir setze? Bei solcher Musik möchte ich mich immer an einen starken Mann anlehnen.“, flĂŒstert die dunkelhaarige Schönheit.
LĂ€chelnd lehnen wir uns zurĂŒck und geniessen die wunderschöne Musik. Lauschen den KlĂ€ngen von „California Dreamin`“ oder „House of the rising sun“, stimmen ein in den Refrain. Der Typ spielt wirklich gut. Scheint ja noch andere Talente zu haben außer seinem Aussehen. Aber wir haben das ja schon vorher gewußt. Wir beurteilen einen Menschen ja nicht nur nach seinem Äußeren.
Heute Abend ist ein schöner Abend. Wir fĂŒhlen uns richtig wohl.
Ob wir nach dem Urlaub nicht versuchen sollten Gitarre zu lernen? Macht doch bestimmt Spaß.
Allerdings, wie soll ich mit einer Frau im Arm Gitarre spielen?

__________________
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werd ich nun nicht wieder los.
Sollen sie ruhig bleiben,

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Haget
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MoinMoin MrJingle,
mir gefÀllt Deine analytische Geschichte sehr.
(Irgenwie fĂŒhrt sie mich sogar zurĂŒck zur gerade laufenden "Diskussion", wie man zuerst liest. Wenn einem der Inhalt eines Gedichtes - oder hier der SĂ€nger - nicht gefĂ€llt, fallen die kleinen handwerklichen MĂ€ngel besonders schwer ins Gewicht - und umgekehrt.)

Mir fiel auf: In der Enphase deiner ErzĂ€hlung geht die Phantasie ĂŒbergangslos/unbemerkt in die Wirklichkeit ĂŒber. Gewollt? Sonst vielleicht kleine (nachtrĂ€gliche) AbschwĂ€chung:
>> flĂŒstert die dunkelhaarige Schönheit. << "Und dies ist kein Traum!" oder "Traumhaft - aber wunderbare Wirklichkeit." oder Ă€hnlich.

ANDERE denken ANDERS,
DU nur denkst wie DU.

Liebe GrĂŒĂŸe
Hans-Georg

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Haget wĂŒnscht Dir Gutes!
Selbst dĂŒmmste SprĂŒche machen oft Sinn
- auch krumme Pfeile fallen irgendwo hin!

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majissa
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Troubardore...

hi mr. jingle,

die geschichte hat mir gefallen, spricht sie doch vielen aus der seele. ja, auch wir frauen haben ein ausgeprÀgtes konkurrenzdenken und mögen es nicht, wenn das objekt der begierde...

"die musik frĂ€st sich ins gehirn...zurĂŒck bleibt leere" hat mir nicht gefallen, weil es nicht recht zu der beschriebenen situation passt. die musik bewirkt ja eher ein gefĂŒhl des hasses, der sich bis zur mordlust steigert. also keine leere.
den ersten abschnitt, also die einleitung, hĂ€tte man getrost weglassen können, denn aus der nachfolgenden handlung ergibt sich doch ganz wunderbar, was du ausdrĂŒcken möchtest.

dein schreibstil ist angenehm und sehr humorvoll.
weiter so...

liebe grĂŒĂŸe
majissa

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mrjingle
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Ouh! Wo soll ich anfangen?
Erst mal danke an euch beide.
Haget:
Vielleicht hast du mit deiner Verbesserung am Ende recht.
Ich finde besonders das Ende muß ich sowieso bearbeiten.
Es war mir immer zu abrupt. Die Umkehrung zum Schluß meine ich. Wir werden sehen wie es sich entwickelt (tolle Phrase oder:-))
majissa:
Ob die Leere, die zurĂŒckgelassen wird nicht so ins bild passt, ist eine Überlegung wert.
Eigentlich wollte ich ja ĂŒberspitzt die Umkehrung einer Situation in ihr Gegenteil skizzieren. Dabei fand ich den Einstieg ĂŒber die Musik recht gut.
Aber wie wĂŒrdest du es denn machen?
Bin gespannt auf die Antwort!
Zum Lernen schließlich bin ich hier:-)
liebe GrĂŒĂŸe
Stephan
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Ralph Ronneberger
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Hallo mrjingle,

das Geschichtchen hat mir wahrlich gefallen. Bis kurz vor dem Schluß war das noch nicht mal der Fall. Ich fĂŒrchtete, das Ganze wĂŒrde in einer der oft ĂŒblichen Frustablasserei enden. Pustekuchen - wunderschöner Schluss.
Mein Vorschlag wÀre - alles so lassen. (Diesen Satz pflege ich sehr selten zu schreiben)

Gruß Ralph
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majissa
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Troubardore...

hi, mr. jingle,

du wolltest wahrscheinlich ausdrĂŒcken, daß alle bemĂŒhungen und ins auge gefassten plĂ€ne um die gunst der frau sich durch die musik in luft auflösen, verpuffen und in absoluter sprachlosigkeit mĂŒnden. wenn ich falsch liege, belehr mich eines besseren. die leere bezieht sich also mehr auf die sprachlosigkeit, unfĂ€higkeit, zu handeln als auf eine gedankliche leere. vielleicht könnte das besser herausgearbeitet werden.

liebe grĂŒĂŸe
majissa

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Bruno Bansen
Guest
Registriert: Not Yet

Gitarre....

Also Stephan, ich bin zwar nicht so sehr der Fachmann fĂŒr Prosa, aber Deine Geschichten gefallen mir ausnehmend gut, weil sie zielstrebig auf eine Pointe hin ausgerichtet sind und besonders bei dieser hier, dann das, was man als Pointe erwartet, kurz und bĂŒndig gekippt wird um einer gĂ€nzlich anderen den Vortritt zu lassen, was nicht lange angekĂŒndigt wird, sondern Ratz Fatz passiert. Hier gibt es eine Entsprechung bei meinen Texten. Ganz prima!

Ich wĂŒrde alles lasen, wie es ist. Basta.

Viele GrĂŒĂŸe

Bruno

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