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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Trude
Eingestellt am 12. 08. 2008 18:58


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MarenS
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Trude

Sie ist sicher schon achtzig Jahre alt, eine kleine Frau, die hellen Haare zum obligatorischen Knoten am Hinterkopf zusammengezwirbelt, das Gesicht wie ein Winterapfel, runzlig mit roten B├Ąckchen. Der Schalk hat viele Grinsefalten eingegraben. Meist tr├Ągt sie weite blaue Arbeitshosen. Des is bragdisch, verk├╝ndete sie einmal ├╝ber den Zaun, viel bragdischer als wie so R├Âck.
Ihr Leben scheint aus dem Bestellen des Gartens zu bestehen. Alles gelingt ihr, alles w├Ąchst. Die jahrzehntelange Erfahrung tr├Ągt wohl genauso dazu bei, wie ihre Einstellung: Man muss sei Zeich in da Ordnung hebbe un wann mer nix mocht werds a nix.
So sieht man sie in aller Fr├╝he werkeln, die Sense geschultert oder auf hohen Leitern herumturnen, selbst der uralte, haushohe Kirschbaum stellt f├╝r sie bestenfalls eine Herausforderung dar. Der Kirschbaum, der noch aus ihren Kindertagen stammt, in Kriegszeiten durch Handel und Tausch ├╝ber die Nachbarn erhalten. Zwei Kirschb├Ąume wurden damals bestellt. Den geraden, sch├Ân gewachsenen behielten die Nachbarn, den krummen, verwachsenen bekam ihre Mutter. Die wehrte sich nicht dagegen, wer war man denn schon?
Die Zeit zeigte, dass der krumme, schiefe Baum die wunderbarsten Herzkirschen in gro├čen Mengen produzierte, w├Ąhrend der Nachbarsbaum eine kleinere, weniger gute Sorte trug, erz├Ąhlt Trude mit Grinsen und die Schalkf├Ąltchen vertiefen sich in ihrem Gesicht.

Kirschenzeit. Trude sa├č in ihrem Kirschbaum um zu ernten und ersp├Ąhte durch das Laub unten an der Gartenpforte eine der gef├╝rchteten Tratschtanten des Dorfes. Trude verhielt sich mucksm├Ąuschenstill und wartete ab. Die Frau betrat den Garten und klopfte an die Hintert├╝re. Nichts. Sie rief. Nichts. Sie schaute sich um, rief abermals. Trude hockte im Kirschbaum und r├╝hrte sich nicht. Schlussendlich gab die unliebsame Besucherin auf und verzog sich, nicht ohne bissige Bemerkungen ├╝ber offenstehende K├╝chenfenster und Abwesenheit von sich zu geben. Trude sa├č unger├╝hrt im Kirschbaum und feixte. Sie muss damals so um die 70 gewesen sein.

Eine Beerdigung auf dem Dorfe zieht pflichtschuldig die halbe Bev├Âlkerung an. Der Rest kommt aus Neugier. Trude f├╝hlt sich verpflichtet, verk├╝ndet sie im Vor├╝bergehen, er sei ein Schulkollege gewesen. Blumen f├╝r ins Grab m├╝sse sie kaufen im Garten wachse noch nichts so fr├╝h im Jahr. Aber sie ginge zum Supermarkt, daf├╝r, dass die Blumen unter die Erde k├Ąmen taugten sie allemal genug.
Hausverstand hat sie. Eingebettet ins d├Ârfliche Geschehen, nie ├╝ber den Suppentellerrand hinausgeschaut aber gewitzt.

Letzthin gab Trude mir Tips f├╝r eine Reise nach New York. Trude war schon dort. Auf einem Trip durch die USA, vor ein paar Jahren. Sie besichtigte auch New York und fiel den Cops unangenehm auf, weil sie jeden Morgen zur gleichen Zeit an der gleichen Stelle auf einer Bank ihr Fr├╝hst├╝ck a├č. Dabei hatte sie ein besonders imponierendes Geb├Ąude einer Finanzgruppe betrachtet, sie musste den Ausweis zeigen, wurde befragt.

Sie war auch schon in Frankreich, Skandinavien, Russland und...
...und ich sch├Ąme mich jetzt!

12. August 2008
MarenS


Version vom 12. 08. 2008 18:58
Version vom 12. 08. 2008 22:15
Version vom 13. 08. 2008 11:39
Version vom 17. 08. 2008 11:04

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nobody
Guest
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Hallo MarenS,
sehr sch├Ân erz├Ąhlt, ich konnte mir Trude und ihren d├Ârflichen "Suppenteller" sehr gut vorstellen. Der letzte Halbsatz
"... und ich sch├Ąme mich jetzt"
hat mich zun├Ąchst irritiert, bis ich beim zweiten Lesen dieses wohl vorschnelle Urteil des Erz├Ąhlers/der Erz├Ąhlerin fand:
"Eingebettet ins d├Ârfliche Geschehen, nie ├╝ber den Suppentellerrand hinausgeschaut aber gewitzt."
Dann hatte ich die Pointe verstanden - aber irgendwo ist f├╝r mich im vorletzten Absatz ein perspektivischer und sprachlicher Bruch, etwas, was den sch├Ânen Fluss der Erz├Ąhlung st├Ârt. Ich kann es nicht so gut formulieren, vielleicht ist es, weil sich die Erz├Ąhlerin im vorletzten Absatz so direkt, aber etwas holprig einbringt ("Eine Freundin von mir hat ihr vor kurzem von ihrer geplanten Reise nach New York erz├Ąhlt..."). Einen Vorschlag, wie man es anders formulieren k├Ânnte, habe ich im Augenblick nicht parat, aber vielleicht helfen andere, oder du kommst selbst drauf?

LG Franz


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MarenS
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Danke, nobody, f├╝r deinen ausf├╝hrlichen Kommentar. Den Halbsatz hatte ich zuerst nicht darunter stehen, bemerkte dann aber, dass es f├╝r den Leser ganz ohne Hinweis zu schwierig wird, herauszufinden, um was es mir geht.
Der von dir monierte letzte Absatz ist mein Sorgenkind. Er muss inhaltlich da sein, gef├Ąllt mir aber so auch noch nicht. Ich lese die Geschichte immer mal wieder und hoffe, dass mir bald etwas besseres einf├Ąllt.

Gr├╝├če von Maren

P.S.: Ich ├Ąndere mal ein bi├čchen, was mir in den Sinn kommt.

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