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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Tsunami
Eingestellt am 23. 02. 2008 22:14


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Pola Lilith
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Die Welle

Die Welle



Klaus, Sabine und Tim aus K├Âln


Er schwamm ein paar Z├╝ge vorw├Ąrts, drehte sich dann um und winkte seinem kleinen Sohn zu, der mit orangefarbenen Schwimmfl├╝gel am Ufer stand und den neuen, roten Ball in die H├Âhe hob, damit er zur├╝ckkehrte und mit ihm spielte. Dahinter fand er Sabines Umri├č an der selben Stelle im Sand liegend, wo er sie vor wenigen Minuten verlassen hatte. Knackig braun wollte sie werden, f├╝r ihn und ihre Freundinnen zuhause, die Weihnachten bei tr├╝bem Regenwetter verbringen mussten. Mit einer Kehrwendung schwamm er erneut in den glitzernden Horizont hinein, der dazu verf├╝hrte, allem zu entfliehen. Vier Jahre waren sie verheiratet und aus dem unkomplizierten M├Ądchen von damals war eine kontrolls├╝chtige Person geworden. Aber auch er hatte sich ver├Ąndert, hatte ohne den geringsten Widerstand seine freiheitlichen Ideale vom Alltag auffressen lassen. Jetzt war er einer von Vielen, die Urlaub, Auto und Wohnungseinrichtung m├╝hsam abstotterten und das bischen Lebensfreude im Kommerz suchten. Er tauchte in das k├╝hle Na├č, wo die Grenzen des Lebens nur vom eigenen Atem gesteckt wurden. Wie es rauschte und rauschte. Immer st├Ąrker wurde das Rauschen, es dr├Âhnte, rumorte, schaukelte seinen K├Ârper auf und ab, hin und her. Atemholend hob er seinen Kopf ├╝ber Wasser, sch├╝ttelte sich und blickte auf eine wei├če Wand, die tosend auf ihn zukam. Verwirrt drehte er sich um. Sabine stand neben Tim und winkte ihm heftig zu. Er versuchte noch, zur├╝ckzuwinken, als ihn die Welle mit einem schmerzhaften Schlag erfasste, in die Bewusstlosigkeit f├╝hrte, seinen K├Ârper nach oben hob und Richtung Ufer schmetterte, wo seine Frau fassungslos mit Tim im Arm das Ungeheuerliche erwartete.


Sandra aus Flensburg


Wie ruhig das Meer in der Sonne glitzerte. Im Sonnenaufgang hatte sie die auslaufenden Fischerboote beobachtet. Jetzt legten die ersten R├╝ckkehrer wieder am Ufer an und fr├Âhlich drang vom Kai das Treiben der Frauen und Kinder zu ihr hoch, die den M├Ąnnern halfen, den Fang in gro├če Weidek├Ârbe umzuschichten. Einen Moment lang erlag sie der Versuchung, den H├╝gel hinabzusteigen und sich in den Fluten abzuk├╝hlen. Zu unwirtlich w├Ąre dann aber der Weg zur├╝ck in der Mittagsglut, wieder hoch zur anderen Seite, wo Ihr Hotel sie mit bestem Komfort und phantastischen Ausblick erwartete. Sie warf noch einen letzten Blick zum Horizont, als sie die Welle entdeckte, die sich hinter den Richtung Ufer schaukelnden Booten zu einer wei├čen Wand auft├╝rmte, die h├Âher und h├Âher wurde und im n├Ąchsten Augenblick die hilflos rudernden Boote in sich aufsog. Sekundenlang war es vollkommen still. Dann erf├╝llte verzweifeltes Geschrei vom Kai den vormals so idyllischen Raum, w├Ąhrend das Getier dem Ufer zuraste und die Luft zum Beben brachte. Unwillk├╝rlich wich sie zur├╝ck, als die gischende Fracht donnernd ├╝ber dem Kai zusammenfiel, Boote und Menschen samt H├╝tten und B├Ąume erfa├čte und tosend durch das kleine Fischerd├Ârfchen flutete, in dem jedes Davonlaufen vergeblich war, so schnell ging alles, so schnell. Schon erfa├čte der gierige Schlund den alten Buddhaschrein am Fu├č des H├╝gels und stieg ├╝ber die letzten Palmkronen hinweg weiter zu ihr hinauf. Sie bewegte sich nicht und erwachte erst, als das Tosen zur├╝ckging, die Flut sich legte, es stiller und stiller wurde, bis nichts mehr war als der Ruf einer M├Âwe, die ├╝ber den leblos treibenden K├Ârpern ihre einsamen Kreise zog.


Der Fischer


Pl├Âtzlich war er weg. Er rief nach ihm, lockte mit gurrenden T├Ânen, umsonst. Vielleicht hatte er ein Weibchen gerochen, war toll geworden in seinen alten Jahren. Oder hatte ihn das sekundenlange Beben des H├╝ttenbodens verwirrt, das sie eine Stunde fr├╝her als gew├Âhnlich aus ihren Tr├Ąumen gerissen, Khun zum Bellen und den Hahn zum Kr├Ąhen gebracht hatte? Er sp├Ąhte noch einmal in den dunklen Palmenhain, der nur an wenigen Stellen vom Mond erhellt wurde, ├╝ber dessen Sichel die ersten Schleier des aufgehenden Tages zogen. Jetzt wurde es Zeit, und so entschied er sich, ohne seinen Begleiter loszufahren. Er nahm seine M├╝tze vom Kopf, legte sie unter einen Stein und l├Âste sein Boot vom Uferpflock, sicher, da├č der Hund genau an dieser Stelle auf ihn warten w├╝rde, wenn er mit seinem Fang zur├╝ckkehrte. Dann ruderte er in den ruhig schimmernden Horizont hinaus, w├Ąhrend die Sichel des Mondes sich zunehmend r├Âtlicher f├Ąrbte und einen guten Tag versprach.

Khun blieb verschwunden. War er zum Ufer zur├╝ckgekehrt, um auf sein Herrchen zu warten? Oder lungerte er nun in den H├╝geln, die von der Flutwelle verschont geblieben waren, die alles unter ihnen mitri├č, auch sein Herrchen drau├čen auf dem Meer mit seinem Fang?

Leblos blieben die K├Ârper, die samt dem Unrat ihrer Behausungen die aus dem Wasser ragenden H├╝gel umsp├╝lten, die Antwort schuldig. Allein der Wind trug noch die Melodie von Liebe ├╝ber das Inselparadies, das von nun an wieder allein sich selbst geh├Âren sollte.


Das Paar


Er sa├č rauchend und im Smoking der vergangenen Nacht im Schatten der Veranda. Sie hatten viel getrunken, und die Erinnerung an den blonden Engel, der sich ihm auf der Party an den Hals geworfen hatte, verst├Ąrkte das Pochen in seinen Schl├Ąfen. Bis zum Morgen hatte er es mit ihr getrieben, w├Ąhrend Sabrina von einem Moment auf den anderen verschwunden blieb. Danach fand er sie am Strand und sie umarmten sich und fuhren schweigend und eng umschlungen nach Hause. Jetzt betrachtete er sie, wie sie inÔÇÖs offene Meer hinausschwamm. Niemand sonst war da und das war gut so, hatten sie doch mit Bedacht diese einsame Bucht zur Wahlheimat ihrer Lust gew├Ąhlt.. In letzter Zeit allerdings beschlich ihn ab und an ein Gef├╝hl von Panik, Sabrina k├Ânnte sich in einen Anderen verlieben. War er alt geworden?

Er schlo├č f├╝r einen Moment die Augen und lehnte sich unter dem Flirrspiel der Sonne in den Gesang des Windes ÔÇô bis ihn ein Rauschen zur├╝cktrieb, ein Rauschen, das mehr und mehr anschwoll, n├Ąher und n├Ąher kam und sein Herz zum Tosen brachte.

Als er die Augen ├Âffnete, sah er sie zum letzten Mal. Wie eine wei├če Braut wurde sie von der Welle in den strahlend blauen Himmel gehoben, der selbst dann noch lachte, als Sabrina sich aufl├Âste, ihr Schleier zum Ufer stieb und er im Rausch vergangenen Gl├╝cks dorthin gerissen wurde, wo alle W├╝nsche sich aufhoben im Nichts.

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Wipfel
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Hallo Pola,

Du versuchst sehr sensibel Dich in verschiedene Charaktere einzuf├╝hlen. Das macht einen gro├čen Unterschied zu jenen, die an ihren Geschichten immer anf├╝gen: Aber das war doch so! Schriftsteller erfinden. Sie phantasieren, erz├Ąhlen L├╝genm├Ąrchen, so dass anderen diese als wahre Geschichten erscheinen. Du kannst das. Ausgezeichnet sogar.

├ťbrigens, die Fischer (die auf dem Meer waren) haben so gut wie alle ├╝berlebt. So richtig hoch wurde die Welle ja erst in der K├╝stenregion. Eine Trilogie also? Das w├Ąre reizvoll und k├Ânnte noch ausgebaut werden... Du machst das schon.

Gr├╝├če vom Wipfel

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