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Leselupe.de > Kindergeschichten
Tussi Schwafel
Eingestellt am 08. 07. 2014 14:00


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hdlukas
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Tussi Schwafel und das gelbe Huhn

"Nat├╝rlich bin ich gelb", sagte das gelbe Huhn."Sieht man doch."

"Ja, aber...", sagte Tussi Schwafel.

"Nix, ja aber", unterbrach das gelbe Huhn. "Ich war als Kind schon gelb."

"Als K├╝ken", belehrte Tussi Schwafel. "K├╝ken nennen wir das."

"Mag ja sein, dass ihr das so nennt."
Das gelbe Huhn wurde ├Ąrgerlich.
"Aber ich bin ein Huhn"

"Ja, eben", erregte sich Tussi Schwafel.

Dem gelben Huhn war das zu kompliziert. Es schwieg.

Tussi Schwafel wechselte das Thema.
"Warum zuckt dein Kopf denn immer zum Boden?"

"Weil ich alles aufpicke, was man essen kann."

"I gitt, das kann doch alles nicht schmecken."

"Hah, und wie", schw├Ąrmte das gelbe Huhn.
"Was frisst du denn?"

"Isst", korrigierte Tussi Schwafel. "Also ich esse am liebsten ein sch├Ânes gegrilltes halbes.....├Ąh.....├Ąh.....St├╝ck Tofu.ÔÇť

Tussi Schwafel l├Ąchelte etwas verkrampft.
"Und du h├Ąltst das also f├╝r v├Âllig normal, gelb zu sein?"

"Selbstverst├Ąndlich!"

"Warum sind denn die anderen H├╝hner nicht gelb?"

"Es gibt eben immer Angeber, die auffallen wollen", sagte das gelbe Huhn. Und nach einer Pause: "Sag mal, wieso hast du mich ├╝berhaupt angesprochen?"

"Weil Gelb meine Lieblingsfarbe ist."

"Jetzt reichts aber mit der Farbe. F├Ąllt dir denn sonst nichts auf an mir?ÔÇť

Tussi Schwafel sch├╝ttelte den Kopf.

"Na, denk mal richtig nach."

"Ne, wei├č nicht." Tussi Schwafel gab auf.

Das gelbe Huhn war fassungslos. "Oh Mann, ich kann sprechen!"

"Andere H├╝hner nicht?" Tussi Schwafel war ganz erstaunt.

"Das ist doch wohl nicht dein Ernst!" Das gelbe Huhn lachte laut.

Tussi Schwafel war etwas besch├Ąmt.
"Du bist doch das erste Huhn, das ich angesprochen habe."

Das gelbe Huhn bewegte den Kopf jetzt nicht mehr senkrecht
sondern ausgiebig waagerecht.

Tussi Schwafel wechselte wieder das Thema.
"Solltest du bei dir nicht mal gr├╝ndlich saubermachen?
Du kriegst beim Essen ja lauter Dreck in den Mund."

"Du meinst, beim Fressen lauter Mist in den Schnabel."
Gen├╝sslich korrigierte diesmal das gelbe Huhn.
"Das st├Ârt mich nicht. Wozu saubermachen, und wie denn?"

"Ich k├Ânnte dir den Staubsauger von meiner Mutter leihen."

"Ich hab hier doch keinen Strom!"

"Es ist ein Akkustaubsauger."

"Aha", sagte das Gelbe Huhn.

"Der ist klein und leicht, den kannst du ohne weiteres in
die Hand nehmen", meinte Tussi Schwafel.

"Guck mich mal genau an", emp├Ârte sich das gelbe Huhn,
"und dann sag das noch mal!"

Tussi Schwafel guckte, dachte nach, begriff und schwieg.

Pl├Âtzlich lief das gelbe Huhn eilig in eine Ecke, blieb dort gackernd eine Weile sitzen und hinterlie├č stolz ein frisches Ei.

Das Ei war gr├╝n!

"Das Ei ist ja ganz gr├╝n", rief Tussi Schwafel.

"Eier sind nun mal gr├╝n", erkl├Ąrte das gelbe Huhn. "Du scheinst ja
wirklich so gut wie gar nichts zu wissen."
"Welche Farbe haben denn die Eier, die du legst?"

"Ich lege doch keine Eier!"

"Ach ne, dann bist du ja ziemlich nutzlos. Oder?"

"Nun lenk mal nicht ab", erregte sich Tussi Schwafel.
"Wieso sind deine Eier gr├╝n?"

Das gelbe Huhn wandte sich pikiert ab.
"Wenn dir alles farbliche an mir nicht passt, dann rede doch
mit anderen H├╝hnern."

"Ich denke, die anderen H├╝hner k├Ânnen nicht sprechen."

"Dann redest eben nur du, und die H├╝hner h├Âren dir zu."

Dieser Vorschlag gefiel Tussi Schwafel nicht schlecht.
Sie erz├Ąhlte deshalb in der n├Ąchsten Zeit allen H├╝hnern
ausf├╝hrlich, was ihr gerade einfiel. Die H├╝hner h├Ârten ihr
ohne Widerspruch zu, und ab und zu brachte sie frische
Eier mit nach Hause. Braune und wei├če.

Doch kurz vor Ostern dachte sie, dass ein gr├╝nes Ei zu
Ostern ganz passend w├Ąre.

Sie fand das gelbe Huhn auf einem Wiesengel├Ąnde nahe
einem Bauernhof zwischen vielen anderen H├╝hnern.

"Wie gut, dass du gelb bist", freute sich Tussi Schwafel.
"So kann man dich gut finden."

Das gelbe Huhn schwieg.
Es wusste inzwischen, dass normalerweise H├╝hner nicht
gelb waren und keine gr├╝nen Eier legten.
Das war nicht so gut f├╝r das Selbstbewusstsein.

"Sag mal, wie hei├čt du eigentlich?", fragte Tussi Schwafel.

"Was hei├čt, wie hei├čt du?"

"Na, wie ist dein Name?"

"Ich brauch keinen Namen. Wenn man Gelbes Huhn sagt, wei├č
jeder, wer gemeint ist. Hast du denn einen Namen?"

"Ich hei├če Tussi Schwafel. Das hei├čt, eigentlich Tusnelda
von Schwafel. Tusnelda, weil meine Urgro├čmutter so hie├č,
und ein von Schwafel erhielt seinen Namen vor langer Zeit
als erster Pressesprecher von Kaiser Karl dem Kuriosen."

Tussi Schwafel bemerkte pl├Âtzlich einen Ring am H├╝hnerbein.

"Sag mal, bist du etwa verlobt?"

"Quatsch!" Das gelbe Huhn l├Ąchelte. "Mich hat ein Z├╝chter gekauft."

"Gekauft?", staunte Tussi Schwafel. "Ich glaube, meine Eltern
haben mich umsonst gekriegt."

"Na ja", ├Ątzte das gelbe Huhn. "F├╝r jemanden, der keine
Eier legt, w├╝rde ich auch keinen Cent ausgeben."

Schnippisch sagte Tussi Schwafel: "Wenn sogar ein Huhn
wie du Eier legen kann, werde ich das ja wohl auch hinkriegen."

"Das m├Âchte ich sehen", h├Âhnte das gelbe Huhn.

"Mein Vater sagt, man kann alles gugeln.ÔÇť
Keck f├╝gte Tussi Schwafel hinzu, bevor sie verschwand:
"Ich komme morgen wieder und werde dir zeigen, was ich kann."

Am n├Ąchsten Tag kam Tussi Schwafel triumphierend mit
drei bunten Eiern zum gelben Huhn.
Aber der Schwindel flog sofort auf, als das gelbe Huhn mit
einem kurzen Pick feststellte, dass die Eier gekocht waren.

"So nicht, Tusnelda von Schwafel", giftete das gelbe Huhn.

"Das ist nur eine ├ťbergangsl├Âsung."
Tussi Schwafel kratzte sich verlegen am Kopf.
"Mein Vater war nicht da, und ich kann noch nicht allein gugeln."

"Ich hab┬┤ keine Ahnung vom Gugeln", sagte das gelbe Huhn.
"Aber ihr k├Ânntet mal rausfinden, was eine Marktl├╝cke ist."

"Marktl├╝cke?"

"Ja. Der Z├╝chter meint, gr├╝ne Eier sind eine Marktl├╝cke
und deshalb will er m├Âglichst viele davon. Das kann ich
allein nat├╝rlich nicht schaffen."

"Ja, und?"

"Der Angeber dahinten soll mir helfen."
Das gelbe Huhn drehte den Kopf zum Misthaufen.
Jetzt erst sah Tussi Schwafel den gro├čen protzigen
Hahn, der mit lautem KIKERIKI auf sich aufmerksam
zu machen versuchte.

"Und der kann auch gr├╝ne Eier legen?"

"Ne, ne, das funktioniert irgendwie anders."

"Na, da ich bin ich ja mal voll gespannt."

Zu Hause erfuhr Tussi Schwafel, was eine Marktl├╝cke ist.
N├Ąmlich, wenn man etwas anbieten kann, was es bisher noch
nicht gab, und was dann vermutlich viele Leute haben wollen.

Au├čerdem aber erfuhr sie, dass jetzt ein langer Urlaub
beginnen w├╝rde. Sie sah also das gelbe Huhn lange Zeit nicht mehr.

Nach dem Urlaub f├╝hrte der erste Weg nat├╝rlich zum gelben Huhn.
Am gewohnten Platz liefen jetzt viele, viele gelbe st├Ąndig schwatzende
K├╝ken umher. Der vor Stolz fast platzende Hahn stand auf dem
Misthaufen und kr├Ąhte, aber das gelbe Huhn war nicht zu sehen.

Tussi Schwafel rief laut: "Gelbes Huhn, wo bist du?"

Ganz kurz tauchte der Kopf des gelben Huhnes in einer
Schuppen├Âffnung auf.

"Du, ich bin voll im Stress. Komm wieder wenn die Kinder schlafen."

Tussi Schwafel verkniff sich diesmal eine Korrektur.
"Ich will sehen, was sich machen l├Ąsst."

Abends schlich sich Tussi Schwafel aus dem Haus.
Sie fand das v├Âllig ersch├Âpfte gelbe Huhn neben dem Misthaufen.

"Na, wie gehts?"

"Das siehst du ja wohl." Das gelbe Huhn reagierte gereizt.

"Klappt das denn mit den gr├╝nen Eiern?", fragte Tussi Schwafel.

Das gelbe Huhn war jetzt noch gereizter.

"Seit wann legen K├╝ken, wie du sie nennst, denn schon Eier?"

"Warum bist du denn so gereizt?"

"Hast du das denn nicht geh├Ârt? Sie k├Ânnen alle sprechen!
Und das tun sie auch! Den ganzen Tag! Von morgens bis abends!"
Das gelbe Huhn war dem Weinen sehr nahe.
"Und dazu noch der Baul├Ąrm am Tag. Ich bin fix und fertig."

"Welcher Baul├Ąrm?"

"Hier wird ein gro├čer Stall gebaut, um m├Âglichst viele gr├╝ne
Eier in die Marktl├╝cke zu werfen."

"Oh, das ist ja toll. Dann bekommt ihr also eine sch├Âne neue Wohnung?"

"Ja", sagte das gelbe Huhn. "Ich hoffe, mit ausreichend vielen
Kinderzimmern, damit ich mich auch mal zur├╝ckziehen kann."

Als Tussi Schwafel das gelegentlich ihrem Vater erz├Ąhlte,
konnte dieser die Freude seiner Tochter nicht teilen.

"Ach du liebe Zeit", ├Ąrgerte er sich. "Noch eine Massentierhaltung mehr."
Dann erz├Ąhlte er seiner Tochter, unter welchen erb├Ąrmlichen
Umst├Ąnden die H├╝hner in solchen St├Ąllen leben m├╝ssen.
"Nur die Anzahl der Eier ist wichtig!", erregte er sich. "Das Wohl
der Tiere z├Ąhlt ├╝berhaupt nicht."

Als Tussi Schwafel anfing zu weinen, hatte ihr Vater eine Idee.

"Du sagst, die H├╝hner k├Ânnen sprechen?"

"Ja. Die reden mehr als ich."

"Oha, das soll schon was hei├čen!ÔÇť
Er gab seiner Tochter einen Kuss zur Beruhigung.
ÔÇ×Ich zieh mich mal zum Denken zur├╝ck. Wir reden morgen weiter."

Tussi Schwafels Vater war der bekannte Fernsehmoderator
Valentin von Schwafel. Er hatte nat├╝rlich beim Fernsehen viele
Verbindungen. Und die nutzte er jetzt.

Drei Tage sp├Ąter sa├čen Millionen von Zuschauern vor ihren
Fernsehger├Ąten und wartetet auf die Tageschau.
Um Punkt 20 Uhr erklang die ├╝bliche Fanfare und der
Sprecher begann: "Guten Abend meine Damen und Herren.
Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau.
Heute gab es in Kr├Ąhwinkel einen ungew├Âhnlichen Demonstrationszug.
Die zuk├╝nftigen Bewohner eines neuen Maststalles gingen auf die Stra├če."

Und dann sah man die Bilder.
Vorneweg Tussi Schwafel mit einem Transparent, das die H├╝hner
aus bekannten Gr├╝nden nicht selbst tragen konnten.
Dahinter das gelbe Huhn und die vielen sprechenden K├╝ken.
Sie riefen immer wieder die Parole:

"Gro├če St├Ąlle sind ganz schlecht - wir leben lieber artgerecht!"

Dahinter liefen noch Hunderte von anderen H├╝hnern, die zwar
keine Ahnung hatten, um was es ging, aber im Rhythmus der
Parole kr├Ąftig gackerten.

Am n├Ąchsten Tag stand es in allen Zeitungen. Die Menschen
diskutierten, und wer bisher noch nicht wusste, wie schlecht
es den H├╝hnern in dieser Art von St├Ąllen geht, wurde aufgekl├Ąrt.

Millionen von Menschen h├Ârten vor├╝bergehend auf, Eier zu essen,
gut informierte H├╝hner pickten ihre gelegten Eier gleich kaputt.
Au├čerdem stellte sich bald heraus, dass die Kinder vom gelben
Huhn zwar sprechen konnten, aber keine gr├╝nen Eier legten.

Die Marktl├╝cke blieb eine Marktl├╝cke und der Stall wurde
nie fertig.

Lange Zeit sp├Ąter, als die Massentierhaltung endlich verboten worden war, trafen sich Tussi Schwafel und das gelbe Huhn noch einmal.

Sie waren beide schon sehr viel ├Ąlter geworden, und das
gelbe Huhn konnte keine Eier mehr legen. Es hatte aber
f├╝r Tussi Schwafel aus Dankbarkeit ein gut verpacktes
Geschenk mitgebracht.

Und heute, wo Frau Tusnelda Sabbel, geborene von Schwafel,
schon Oma ist, zeigt sie ihren Enkelkindern ger├╝hrt und stolz
das gr├╝ne Ehren-Ei in der Vitrine und erz├Ąhlt immer wieder
die Geschichte von Tussi Schwafel und dem gelben Huhn.

Version vom 08. 07. 2014 14:00
Version vom 10. 07. 2014 18:34

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Languedoc
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Hallo hdlukas,

Eine nette Kindergeschichte!

Zum Schreibstil:
Nach meinen Geschmack sind manche Dialogpassagen mit zu vielen Inquit-Formeln gespickt. Z.B.:

"Na, denk mal richtig nach", regte das gelbe Huhn an.
"Ne, wei├č nicht", resignierte Tussi Schwafel.
"Oh Mann", sagte das gelbe Huhn. "Ich kann sprechen!"
"Andere H├╝hner nicht?", staunte Tussi Schwafel.
"Das ist doch wohl nicht dein Ernst!", lachte das gelbe Huhn.
Etwas besch├Ąmt fl├╝sterte Tussi Schwafel:...


Manche dieser Redeeinleitungen finde ich nicht so gut gegl├╝ckt, irgendwie doppelt gemoppelt, wie z.B.:

"I gitt", ekelte sich Tussi Schwafel

"Das ist nur eine ├ťbergangsl├Âsung", stotterte Tussi Schwafel verlegen

"Du, ich bin voll im Stress", rief das gelbe Huhn gegen den L├Ąrm an



Nur ein erster Leseeindruck meinerseits ohne Anspruch auf Vollst├Ąndigkeit.
Der Text k├Ânnte durch ein bisschen Feilen an Feinheit gewinnen,
findet
Languedoc

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