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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Über Mode, Ballerspiele und den Weltuntergang
Eingestellt am 09. 02. 2008 12:31


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paulenullnullzwei
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Registriert: Jun 2007

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Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass sich in Sachen Mode in den letzten 10 Jahren so gut wie nix mehr getan hat, vor allem in der Kleidermode. Mit einem Anzug oder Kleid von 1998 könne sie sich 2008 getrost unter die Leute wagen, ohne für größere Erheiterung zu sorgen. 1988 wäre das mit Kleidern von 1978 unter Umständen peinlicher geworden. Die genaue Klärung dieses Phänomens überlasse ich Soziologen mit Dr. vor dem Vornamen. Meine persönliche ist, da sich die Welt in so hohem Tempo durch die Einswerdung (Globalisierung) ändert, sucht man wenigstens in der Mode nach einer Halt gebenden Konstante.

Apropos Konstante: Meine Tante Konstanze erwiderte kürzlich auf mein weinerliches Lamento, "die Welt würde sich so rasant ändern wie noch nie, man habe gar keine Orientierung mehr, alle liefen wie die Hühner durch die Gegend und suchten nach einem Sinn, fänden aber nix im Internet, alles wäre ja so schlimm, schlimmer geht's nimmer, usw, usf." nur: "Quatsch mit Soße!" Ich solle mich doch mal bitte am Riemen reißen. In den vierzig Jahren, die ich auf meinem Lebenskonto hätte, wäre gar nicht so viel an Veränderung vonstatten gegangen. Die Autos sähen vielleicht etwas schnittiger aus, als in den Siebzigen, aber alle hätte noch Lenkrad, Gangschaltung und Blinker an den selben Stellen und führen noch auf Straßen umher, die sich von den Straßen der Siebziger nicht wesentlich unterschieden. Auch wäre sonst nichts eingetroffen, was uns die oberschlauen Zukunftswissenschaftler damals weismachen wollten. Wir können weder mit Computern sprechen, geschweige denn mit ihnen philosophieren, wir müssen alle immer noch 40 Stunden die Woche arbeiten und werden nicht von Haushaltsrobotern bedienert. Desgleichen ist weder der prognostiziert Weltfrieden da, noch der ebenfalls prognostizierte atomare Weltuntergang und der deutsch Wald stünde immer noch da, wo er früher auch schon war. Ich solle mich mal spaßeshalber ins Jahr 1908 zurück versetzen. Leute die 1908 geboren wurden und dann vierzig Jahre darauf los gelebt haben und nun im Jahre 1948 angekommen waren, hatten ein Kaiserreich erlebt, dessen Ende, zwei Weltkriege plus faschistischer Diktatur, eine Weltwirtschaftskrise mit Inflation die Erfindung bzw. Durchsetzung des Automobils, Flugzeugs, Telefons, Radios, Fernsehers und Kinos einschließlich der kompletten Veränderung durch diese Umstände ihrer Heimat (Bomben, Städte- und Straßenbau, Traditionsverlust, usw.) Das wären Veränderungen gewesen und ich solle mich mal nicht so anstellen, ich Weichei. Nein, "Weichei" hat sie nicht gesagt - "Hasenfuß" hat sie gesagt.

So den Kopf gewaschen machte ich mir weiter so meine Gedanken. Offensichtlich konnten früher Politiker noch richtig was bewegen in der Welt. Da wurde nicht lang rumlamentiert. Wenn einem Staatschef die Nase des Nachbarn nicht passte, erklärte man diesem kurzerhand den Krieg. Was genau dabei heraus kam, wusste man nicht. Dass jedoch Veränderung dabei raus kam, war klar. Heutige Politiker haben dieses famose Instrument der Kriegserklärung gedankenlos aus der Hand gegeben. Die einzigen echten Veränderung ergäben sich durch die weltweite Wirtschaftsvernetzung ganz von selbst, da brauche man gar nichts mehr für zu tun, glauben sie. Politiker sind aber sensible Wesen und wollen nicht nur als Staffage für die 20-Uhr-Tagesschau dienen. Deshalb haben sie das gut alte Verbieten wieder entdeckt. Verbieten ist die Mode des neuen Jahrtausends!
In den letzten Monaten wurden so viel verboten wie noch nie: Rauchen, alte Autos in Innenstädten, Ballerspiele, Niedriglöhne, Alkohol kaufen an Tankstellen nach Ladenschluss (was will man da sonst kaufen nach Ladenschluss) und vieles mehr. Verbieten ist très chicque! Das hat unter anderem zur Folge, dass mein Sohn seine von mir konfiszierten Videospiele nicht mehr spielen kann und zum Fernsehschauen verdonnert ist. Hier muss er auch immer alle Nachrichtensendungen und Polittalks mit mir zusammen anschauen, mit dem Ergebnis, dass er nun schwer depressiv geworden ist. In diesen Sendungen bekommt man nämlich zu fast hundert Prozent berichtet von der ach so schlimmen Welt. Und wenn's mal nix Schlimmes von der Welt zu berichten gibt, dann gibt's bestimmt wieder ein neues Verbot, was man ausführlich darlegen kann. Mein Sohn glaubt allen Ernstes, die Welt macht noch maximal 5 Jahre lang, der religiöse Weltkrieg steht vor der Tür, die Amis sind eh an allem irgendwie Schuld und die Freiheit wird spätestens im Sommer verboten. Da diesem so wäre, weigert er sich mangels Zukunftsperspektive weiterhin die Schule zu besuchen. "Was soll ich mit Abi, wenn ich als Sklave im Polkappenschmelzwasser ersaufe? Zum Arche bauen langt locker ein Hauptschulabschluss."
Mangels Antwort schickte ich ihn prompt zum Psychiater. Der empfahl eine Aggressionsabbautherapie. Auf dem Rezeptbogen stand:

"striktes Nachrichtenverbot und mindestens drei Stunden Ballerspiele zum Abreagieren"

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