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Leselupe.de > Kurzprosa
Über die Kunst, eine Sau durchs Dorf zu treiben
Eingestellt am 02. 02. 2009 17:51


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Odilo Plank
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2007

Werke: 58
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Gar manche, liebe Leser, haben es schon auf sich genommen, diese diffizile Kunst zu praktizieren, was des Öfteren zu groben Fehlern und Peinlichkeiten führte. Deshalb wage ich hier eine an vielen Treibjagden geschulte bescheidene Einführung.
Das handwerklich schlichte Treiben der Sau, das ihr meist schon zu großem Schaden gereicht, kann getrost einem in der Politik Unbedarften anvertraut werden. Der binde dem Tier einen Kälberstrick um das rechte oder linke Hinterbein, nehme ein Stöcklein zur Hand und beginne sein Werk, treibe also ohne weitere Umschweife vom Punkte A zum Punkte B.
Zur kunstfertigen Ausführung gehört unendlich mehr Können.
Das Ereignis muss schon Wochen vorher fachgerecht angekündigt werden, am besten durch ein leidenschaftliches Dementi, niemand denke daran, eine Sau zu treiben.
Zwischendurch hat sich ein gelegentliches Malträtieren bewährt, auf dass durchdringendes Quieken das Dorf erfülle.
Hat sich nun das Gerücht, man treibe vielleicht doch, genug erhoben, dann lasse man die Sau vor Mittag, da alle Bauern zu Tische sitzen, los. Sich der plötzlichen Freiheit erfreuend, wird das Tier seinen Lauf beginnen, in Vorgärten verweilen und bereitwillig den gewünschten Schaden anrichten.
Auf das wütende Geschrei der Betroffenen hin greife man lautstark ein, mit Stangen und Mistgabeln, um für Rumor und Scharmützel gewappnet zu sein.
Ist man des Hauens und Stechens müde, so ergreife man mit einigen Helfern beherzt die ermattete Sau und führe sie, nicht ohne Beteuerung der eigenen Unschuld und Unwissenheit, zum Metzger.
Dem Pfarrer, dem Lehrer und dem Dorfbüttel reiche man am Abend ein Kännlein Wurstsuppe.

__________________
Odilo P.
"Wer über sein Leid spricht, tröstet sich bereits." A. Camus

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