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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Über die Neubewertung der zionistischen Bewegung in Israel
Eingestellt am 16. 01. 2012 10:29


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

Alon Hilu, Das Haus der Rajanis, C.H. Beck 2011, ISBN 978-3-406-61287-9

Dieser Roman des 1972 in Jaffa geborenen israelischen Schriftstellers Aloin Hilu hat in seiner Heimat nach seinem Erscheinen 2008 großes Aufsehen erregt und eine leidenschaftliche Debatte ausgelöst über die Bedeutung der jüdischen Kolonisation lange vor der Gründung des Staates Israel und über die unterschiedlichen Sichtweisen, die Juden und Palästinenser bis auf den heutigen Tag über die historischen Ereignisse in Palästina Ende des 19. Jahrhunderts haben.

Erzählt wird die Geschichte des jungen jüdischen Agrarwissenschaftlers Isaac Luminsky, der im August 1895 zusammen mit seiner gerade erst geehelichten Frau Esther zusammen mit vielen anderen jüdischen Siedlern mit einem Schiff im Hafen von Jaffa ankommt. Von den Ideen Theodor Herzls inspiriert, will er im Lande Zion ein neues Leben beginnen. Doch der Neuanfang gestaltet sich schwierig. Nicht nur mangelt es an allen Enden an den Mitteln, für seine Ideen fehlt es ihm vorrangig an Grundbesitz. Dazu kommen erhebliche eheliche Probleme, denn seine Frau Esther hat nicht nur mit dem Gelobten Land ihre Anpassungsschwierigkeiten, sondern auch an der ehelichen Sexualität, die ihrem überaus potenten und lustvollen Mann wichtig ist, findet sie überhaupt keine Freude und verweigert sie mit allen möglichen Ausreden.

Irgendwann begegnet Luminsky dem zwölfjährigen muslimischen Salach Rajani, der auf einem großen Areal und Besitz am Stadtrand lebt. Mehr noch als für den Jungen beginnt sich Luminsky aber für dessen schöne Mutter Afifa zu interessieren. Ihre sexuelle Ausstrahlung auf der einen, und die Aussicht auf einen großen Besitz rauben Luminsky zeitweise die Sinne. Doch er verfolgt sein Ziel unbeirrt. Eines Tages jedoch fliegt die Affäre auf, als der zunehmend mehr an geistiger Verwirrung leidende Salach Luminsky mit seiner Mutter bei eindeutigen sexuellen Handlungen ertappt. Als dann auch noch Vater Salachs von einer langen Reise nach Haus zurückkehrt, spitzen sich die Ereignisse zu.

Der Roman basiert auf den persönlichen Briefen und Tagebuchaufzeichnungen von Isaac Luminsky (1868-1947), der als Agronom Mitglied der ersten Aliya war. Die Sprache des Romans hat die damalige Art und Weise zu schreiben beibehalten, was dem einen oder anderen Leser die Lektüre schwer machen dürfte, Mir hat diese Sprache wegen ihres Reichtums sehr gefallen.

Obwohl es ein historischer Roman ist, ist sein Thema brandaktuell in Israel. Das möge ein Zitat aus dem Epilog des Romans verdeutlichen:
„Luminsky weihte sein Leben zwei gleichermaßen hochgesteckten wie einander widersprechenden Zielen; zum einen dem massiven Landerwerb in Palästina, insbesondere in Untergaliläa, von arabischen Großgrundbesitzern, ein Vorgehen, das die Pachtbauern ihres Einkommens und des Landes beraubte, das sie über viele Jahre bestellt hatten. Dieses Land sollte später von jüdischen Ansiedlungen und Kibbuzim genutzt werden, die das Banner einer sozialistischen Ideologie vor sich hertrugen. (Vgl. dazu die eben erschienenen Bücher von Aharon Appelfeld „Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen“ und Zeruya Shalev, „Für den Rest des Tages“, d.R.).
Luminskys zweites Ziel indes war das Bemühen, zu einer Annäherung und Befriedung zwischen Juden und Arabern im Lande beizutragen, eine Aufgabe, der er sich tatkräftig und mit zuweilen kontrovers diskutierten Mittel widmete.“

Der Roman ist Teil einer Neubewertung der zionistischen Bewegung in Israel und man versteht, warum er dort angesichts der sich immer weiter zuspitzenden innenpolitischen Lage so heftig diskutiert wurde. Zusammen mit den oben erwähnten Neuerscheinungen von Appelfeld und Shalev vermittelt er dem deutschen Leser einen guten Einblick in die Situation eines zerrissenen Landes, das sich seiner Wurzeln nicht mehr sicher ist und vor einer ungewissen Zukunft steht.


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