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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Über die große Sehnsucht nach einem sinnvollen Leben vor dem Tod
Eingestellt am 04. 07. 2012 16:45


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

Julya Rabinovich, Herznovelle, Deuticke 2011, ISBN 978-3-552-06158-3

Mit einem literarisch etwas höherwertigen Arztroman haben einige Kritiker das neue Buch von Julya Rabinovich etwas abschätzig verglichen, die mit ihrem Roman „Spaltkopf“ eben jene Kritiker schwer begeistert hatte. Ich kann mich dieser negativen Kritik nicht anschließen.

Die kleine Novelle, deren in kurze Absätze gefasste Abschnitte immer wieder mit Gedichten aufgelockert werden, erzählt die Geschichte eine Frau. Ohne einen eigenen Namen zu besitzen, erzählt sie in der Ich-Form. Zunächst von ihrem doch sehr gefühllosen Verhältnis zu ihrem Mann Bernhard, der sie eines Tages zu einer wohl schon länger geplanten Herzoperation ins Krankenhaus bringt. In einer Situation, in der die beiden Beistand und Trost bräuchten in ihrer jeweiligen Angst vor dem Eingriff, begegnen sie sich wie Schlafwandler, haben sich nichts zu sagen. Ob dieses trostlose Schweigen schon länger andauert, wissen wir nicht, doch wir vermuten, dass es erheblich dazu beiträgt, dass sich die Frau in den Chirurg, der sie operiert, der ihr „Herz berührt“, verliebt. Obwohl dieser Arzt ihr sehr sachlich und distanziert in der Klinik gegenübertritt, kann sie – wieder zu Hause – nicht von den Gedanken an ihn lassen. Es sind vor allen Dingen ihre Träume, in denen ihr Leben sich verändert, in denen es so wird, wie sie es sich wohl schon lange erträumt.

Obwohl die Operation gut verlaufen ist, kommt sie in ihr Leben, das sie vor der OP geführt hat, nicht mehr zurück. Denn da hat jemand ihr Herz berührt, und das hat alles verändert. Sie täuscht einen Herzanfall vor, um wieder in die Klinik zu kommen. Dort macht sie sich auf die Suche nach dem Mann, der ihr Leben gerettet hat. Er, so ist sie fest überzeugt, wird sie verstehen. Er, der doch ihr Herz berührt hat, kennt sie besser als jeder andere. Bei ihm wird sie ankommen, leben und geliebt werden.

Die fortlaufende Erzählung wird immer wieder von Traumsequenzen und lyrischen Passagen unterbrochen in einer Novelle, die nicht anderes tut, als in dramatischen Worten die große Sehnsucht zu formulieren nach einem glücklichen und sinnvollen Leben vor dem Tod.

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