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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Über eine lebenslange Freundschaft zwischen zwie Männern
Eingestellt am 09. 07. 2012 15:25


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Winfried Stanzick
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Rezension zu:

Bodo Kirchhoff, Eros und Asche. Ein Freundschaftsroman, DTV 2012, ISBN 978-3-423-14129-1

Bodo Kirchhoffs vorliegender Roman ist ein beeindruckendes literarisches Dokument. Er vereint die ernsthafte und ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie mit einem unspektakulären und nicht auf Leserwirkung schielenden Einblick in den Alltag und das Arbeitsleben eines Schriftstellers. Das Buch ist Michael Päselt gewidmet, einem Freund Bodo Kirchhoffs, den er seit den gemeinsamen Internatsjahren am evangelischen Internat Gaienhofen am Bodensee kennt. Nie haben sie ihre Verbindung abreißen lassen, auch als sich nach dem Abitur ihre Wege zum Teil für lange Zeit trennten, Kirchhoff sich der Schriftstellerei widmete und M. Medizin studierte und später als Neurologe erfolgreich arbeitete. Als der kranke M. und der Autor zum letzten Mal telefonieren miteinander ( zu diesem Zeitpunkt wissen sie noch nicht, daß es das letzte Mal ist), sagt der todkranke Freund: "Pack unsere Dinge in einen Roman - und halte die Ohren steif."

"Seine Ohren und auch alles Übrige sind bald darauf zu Staub geworden, nur der Aufruf blieb bestehen, und unsere Dinge, das waren die einer Freundschaft von absurder Tiefe, bis in die Blutgefäße des Denkens, absurd, weil das spätere Leben diese Zeit überschrieben hat ... ein Roman müsste das sorgfältig trennen, für den Übriggebliebene eine Arbeit, bei der er nur das Beste versuchen kann."

Selbst noch nicht richtig von einer schweren Augenoperation genesen, fängt der Autor an, mit der Hand zu schreiben, eine seit Jahrzehnten nicht mehr geübte Praxis. Meistens schreibt der Frankfurter Schriftsteller in seiner Schreibwohnung in der Sachsenhäuser Gartenstraße, wo er von einem der oberen Stockwerke aus die Stadt überblicken kann, in der er gerne und aus Überzeugung lebt. Wenn Kirchhoff nicht gerade schreibt, lebt er mit seiner Frau und seinem jugendlichen Sohn in einer Nachbarstraße in der gemeinsamen Familienwohnung. Während er mit seiner Frau wohl über sein neues Buch reden kann - sie kennt den Freund- reagiert der Sohn mit altersbedingtem Unverständnis und Abwehr:
"Je mehr und klarer man die Abwesenheit des anderen ausspricht, je öfter und deutlicher man dessen Fehlen beklagt, und sich mit dem Abwesenden befasst, desto mehr bringt man die weibliche Seite in sich zum Vorschein. Der sehnende Mann ist der verwandelte Mann, auf eine für Außenstehende unter Umständen unheimliche Weise feminisiert, als Teil einer Eucharistie, bei der Brot und Wein zu Erinnerungen an den Freundesleib werden. Und ein Vater, der sich so verhält, vom Freund erzählen möchte, macht sich verdächtig, jedenfalls für einen Sohn, der es nicht gewohnt ist, Romane zu lesen, die ja immer, wenn sie uns weiterbringen, eine Beschwörung der Abwesenheit sind, ein Sieg des Weiblichen."

Bodo Kirchhoff dokumentiert, diesen Roman schreibend, sowohl seinen eigenen Alltag über etwa ein Jahr hinweg, als auch seine Freundschaft mit M., einem Menschen, der nach sehr erfolgreichen Jahren als Neurologe später nur noch sporadisch als Notarzt arbeitet und dann auch diese Tätigkeit bald aufgibt. Er ist krank, sicher, aber da ist auch etwas anderes, was diesen hoch begabten Menschen mit all seinem Wissen und seinen Erfahrungen, aber auch mit seiner früher enormen Anziehungskraft auf andere, sich in sich selbst einschließen lässt.
Kirchhoff folgt in lebendigen und zum Teil auch lustigen Erinnerungen dem gemeinsamem Lebensweg durch eine wahrlich spannende Zeit. Denn 1947 geboren, erlebt M. im Internat und danach an der Uni eine für das Land bedeutende Ära, ohne allerdings selber groß aktiv zu werden, ähnlich wie sein Freund Bodo übrigens.

Wir erinnern uns schmunzelnd mit dem Autor daran, daß früher ein Zehn-Pfennig-Stück in der Roth-Händle-Packung aus dem Automat kam. Wir nehmen teil an Unternehmungen zweier Freunde im Internat und danach, erleben ihre Jugendsünden und ihre Jugendfreuden und ihre immer lebendige intellektuelle und musische Auseinandersetzung. Dazwischen lässt uns der Autor teilhaben an seinem Autorenleben, beschreibt in Andeutungen den Konflikt mit Ulla B., der Frau von Siegfried Unseld, der ihn den Suhrkamp-Verlag nach vielen Jahren verlassen ließ und seine gute und freundschaftliche Beziehung zum Chef der Frankfurter Verlagsanstalt, einem Sohn Unselds, der sich vom Vater getrennt und selbständig gemacht hat.
Wir folgen dem Autor immer wieder an seinen zweiten Wohnsitz am Gardasee, seinem Lebens- und Schreibparadies, verfolgen, wie er an einer Novelle schreibt (Veröffentlichung ca.2008 unter dem Titel "Gardaseegeschichten") und dennoch immer wieder zu dem Roman über seinen Freund M. zurückkehrt.

Nicht nur Michael Päselt, der mir bis dato völlig unbekannt war, ist mir durch dieses Buch nähergekommen, sondern ich habe auch einen Autor näher kennengelernt, von dessen früheren Romanen ich einige gelesen habe.
Bodo Kirchhoff verbindet in diesem wunderbaren und sehr sensibel und zart geschriebenen Roman ( siehe Zitat am Anfang über die weibliche Seite, die das schreibende Erinnern hervorbringt), die Dokumentation von Lebensgeschichte mit der Erzählung zahlloser Lebensgeschichten und lässt in dem etwa gleichaltrigen Leser unzählige eigene Erinnerungen wach werden an diese Jahrzehnte nach 1960. Jüngere Leser werden beeindruckt sein von dieser lebenslangen Freundschaft zweier Männer, die durch intensive und weniger intensive Phasen immer gehalten hat.
Ich jedenfalls war am Ende traurig darüber, daß es in meinem Leben einen solchen Freund nicht gibt oder gegeben hat.

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jon
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Als Rezension im Ganzen ok.

Stilistisch sagt es mir nicht so zu, aber vielleicht passt dieser breit-gewichtige Tonfall zum Roman. Manches erscheint mir zu ausufernd.

Interessant fand ich den letzten Satz, das wär ein schöner Ansatz für eine über den puren Buchinhalt hinausgehende Beschäftigung gewesen. Aber das nur am Rande


Handwerkliches:

Echter Fehler: Absätze immer mit oder immer ohne Leerzeile.

quote:
Als der kranke M. und der Autor zum letzten Mal telefonieren miteinander ( zu diesem Zeitpunkt wissen sie noch nicht, daß es das letzte Mal ist), sagt der todkranke Freund: "Pack unsere Dinge in einen Roman - und halte die Ohren steif."
Warum steht das „miteinander“ an dieser extrem ungewöhnlichen Stelle? Man kann sowas machen, ja, aber ich sehe hier nicht, warum es gemacht wurde.
Echte Fehler: Leerzeichen vor „zu“ zu viel / „dass“ – nicht „daß“


quote:
Selbst noch nicht richtig von einer schweren Augenoperation genesen, fängt der Autor an, mit der Hand zu schreiben, eine seit Jahrzehnten nicht mehr geübte Praxis.
Beispiel für das Ausufern. Das mag eine nette Dekoration im Buch sein, aber in der Rezi sollte sowas die Aussage unterstützen. Das hat aber weder was mit der Freundschaft der beiden zu tun noch substanziell mit dem aktuellen Lebend es Autors. Falls es im Buch so eine Verbindung doch gibt, dann sollte sie hier auch hergestellt werden.


quote:
Denn 1947 geboren, erlebt M. im Internat und danach an der Uni eine für das Land bedeutende Ära, ohne allerdings selber groß aktiv zu werden, ähnlich wie sein Freund Bodo übrigens.
Das Wort heißt „selbst“. Deutlich umgangssprachliche Texte oder wörtliche reden dürfen „selbst" verwenden, in so „literarischem“ Umfeld gehört das richtige Wort hin.

quote:
Wir erinnern uns schmunzelnd mit dem Autor daran, daß früher ein Zehn-Pfennig-Stück in der Roth-Händle-Packung aus dem Automat kam.
… der Rezensent spricht von sich in der Mehrzahl? Oder soll das eine Anspielung darauf sein, dass nur Leute dieses Buch lesen (sollen/dürfen), die die beschriebene Zeit erlebt haben?
Echte Fehler: „dass“; „aus dem Automaten“

Dazwischen lässt uns der Autor teilhaben an seinem Autorenleben, beschreibt in Andeutungen den Konflikt mit Ulla B., der Frau von Siegfried Unseld, der ihn den Suhrkamp-Verlag nach vielen Jahren verlassen ließ und seine gute und freundschaftliche Beziehung zum Chef der Frankfurter Verlagsanstalt, einem Sohn Unselds, der sich vom Vater getrennt und selbständig gemacht hat.
Echter Fehler: Komma nach „verlassen ließ“

quote:
Wir folgen dem Autor immer wieder an seinen zweiten Wohnsitz am Gardasee, seinem Lebens- und Schreibparadies, verfolgen, wie er an einer Novelle schreibt (Veröffentlichung ca.2008 unter dem Titel "Gardaseegeschichten") und dennoch immer wieder zu dem Roman über seinen Freund M. zurückkehrt.
Wieso „dennoch“?
Echter Fehler: Leerzeichen nach „ca.“


quote:
Bodo Kirchhoff verbindet in diesem wunderbaren und sehr sensibel und zart geschriebenen Roman ( siehe Zitat am Anfang über die weibliche Seite, die das schreibende Erinnern hervorbringt), die Dokumentation von Lebensgeschichte mit der Erzählung zahlloser Lebensgeschichten und lässt in dem etwa gleichaltrigen Leser unzählige eigene Erinnerungen wach werden an diese Jahrzehnte nach 1960.
Echte Fehler: Leerzeichen vor „siehe" ist zu viel / Komma nach der Klammer ist zu viel („er verbindet in dem Roman Doku und Erzählung“)


quote:
Ich jedenfalls war am Ende traurig darüber, daß es in meinem Leben einen solchen Freund nicht gibt oder gegeben hat.
Echter Fehler: „dass“
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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